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18 Aloe Vera, Gele und Cremes im Test

In Aloe Veritas?

ÖKO-TEST Juli 2018 | Kategorie: Kosmetik und Mode | 28.06.2018

18 Aloe Vera, Gele und Cremes im Test

Feuchtigkeit spenden, Wunden heilen, Entzündungen hemmen: Mit ihrem Ruf als Wunderpflanze ist Aloe vera ein beliebter Kosmetikinhaltsstoff. Aber wie viel Wunder ist drin, wenn Aloe draufsteht? Und was steckt sonst noch in den Rezepturen?

Recht unscheinbar, ganz in Grün und ohne sichtbaren Stamm treibt sie ihre spitzen, stacheligen Blätter sogar aus knochentrockenen Wüstenböden und erinnert dabei mehr an einen Kaktus als an eine Heilpflanze. Doch genau das und eigentlich noch viel mehr soll sie sein - das Traditionsgewächs Aloe vera, die "wahre", die "echte" Aloe. Seit Jahrtausenden ist sie fester Bestandteil der Naturheilkunde, das Gel aus ihrem Inneren gilt als wundheilend, entzündungshemmend und hautpflegend. Deshalb setzen es Hersteller gerne in After-Sun-Produkten ein, die sonnengestresste Haut kühlen und beruhigen sollen. Und auch geschluckt, als Saft oder in Nahrungsergänzungsmitteln, werden der Aloe eine ganze Palette gesundheitsförderlicher Eigenschaften nachgesagt. Damit hat sie auch in der Gegenwart nichts von ihrem Image als Gesundheits- und Wellnesspflanze eingebüßt.

Das Aloeblatt besteht aus der äußeren, meist grünen bis rötlich-gelb nuancierten Schale, einer dünnen Zwischenschicht - dem sogenannten Latex - und dem wasserreichen Blattmark. Weiterverarbeitet werden, je nach Anwendungsgebiet, ganz unterschiedliche Teile davon. So nutzen die Rohstoffproduzenten entweder das gesamte Blatt oder sie filetieren das Gel aus dem Inneren des Blattes heraus. Auf dem Markt ist es dann entweder als Saft oder als getrocknetes Pulverkonzentrat zu haben, das anschließend mit Wasser rückverdünnt wird.

Doch trotz des guten Images der Aloe ist ihre Weste leider nicht ganz so weiß. Denn die äußere Schicht ihrer Blätter hat es in sich: Sie enthält natürlicherweise sogenannte Anthranoide wie Aloin oder Aloe-Emodin. Diese wirken stark abführend, weshalb Aloe-Ganzblattextrakte lange Zeit als Arznei gegen Verstopfung eingesetzt wurden. Aber ebendiese Anthranoide stehen im Verdacht, eine krebserzeugende Wirkung zu haben und das Erbgut zu schädigen. Die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) kam Mitte 2017 zu dem vernichtenden Urteil: Ganzblattextrakte der Aloe sind möglicherweise krebserregend für den Menschen.

Auch das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat sich einige Monate später mit krebsverdächtigen Bestandteilen in Aloe-vera-Produkten auseinandergesetzt. Der Fokus der Stellungnahme lag auf Nahrungsergänzungsmitteln mit Aloe-Ganzblattzubereitungen. Das Fazit: "Das BfR ist grundsätzlich der Auffassung, dass bei Blättern von Pflanzen der Gattung Aloe, die zur Herstellung von Lebensmitteln verwendet werden, die anthranoidhaltigen äußeren Schichten sorgfältig entfernt werden und Verunreinigungen mit krebsverdächtigen Anthranoiden in derartigen Zubereitungen so gering wie möglich sein sollten."

Nun ist das Schlucken von Nahrungsergänzungsmitteln und damit die direkte Aufnahme in den Körper sehr viel kritischer zu betrachten als das Auftragen von Pflegeprodukten auf die Haut. Doch das IARC beschreibt in seiner Einschätzung auch den Einsatz von Aloe barbadensis in Kosmetika und nimmt diese in seinem Fazit nicht explizit aus. Im Sinne des...


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ÖKO-TEST Juli 2018 Seite 127

8 Seiten
Seite 120 - 127 im ÖKO-TEST Juli 2018
vom 28.06.2018

Testverfahren

So haben wir getestet

Der Einkauf

Sommerzeit ist Aloe-Zeit - zumindest auf der Haut. Denn Aloe vera soll mit seinen feuchtigkeitsspendenden und hautberuhigenden Eigenschaften besonders gut für sonnengestresste Haut sein. Wir haben deshalb vom fast reinen Gel bis zur Bodylotion mit Aloezusatz eine ganze Palette von Produkten eingekauft. Die Menge der eingesetzten Inhaltsstoffe auf Aloe-vera-Basis unterscheidet sich dabei stark. Bezahlt haben wir, umgerechnet auf 200 Milliliter, zwischen 2,26 und 35,80 Euro.

Die Inhaltsstoffe

In der Inhaltsstoffliste werden die Bestandteile aus der Aloe-vera-Pflanze mit verschiedenen Namen rund um den Ausdruck "Aloe barbadensis" benannt. Da der Direktsaft (Aloe barbadensis leaf juice) sehr wasserhaltig ist, verzichten manche Hersteller sogar ganz auf den Zusatz weiteren Wassers. Unabhängig von Form und Menge der eingesetzten Aloe haben wir die Produkte umfangreich untersuchen lassen, unter anderem auf halogenorganische Verbindungen, Formaldehyd/-abspalter und weitere problematische Konservierungsmittel. Auch die Duftkomponenten standen auf der Prüfagenda.

Die Weiteren Mängel

Ein unnötiger Umkarton, der kein Glas oder Porzellan schützt? PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung? Solche Umweltsünden sind leicht zu vermeiden. Wir haben geprüft, welche Hersteller dennoch nicht darauf verzichten.

Die Bewertung

Punktabzüge gab es unter anderem, wenn die Hersteller PEG/PEG-Derivate einsetzen, die die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen können, ihr Produkt mit potenziell hormonwirksamem Propylparaben konservieren oder statt pflanzlicher Wachse und Öle lieber auf erdölbasierte Fette setzen, die sich bei Weitem nicht so gut ins empfindliche Hautgleichgewicht einfügen.

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