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Sonnencreme für Babys und Kinder im Test: Kritik an hormonell wirksamen UV-Filtern

Magazin Juni 2020: Das beste Wasser aus Ihrer Region | Autor: Christine Throl/Heike Baier | Kategorie: Kinder und Familie | 06.08.2020

Sonnencremes für Babys und Kinder im Test: Wir haben 21 Produkte überprüft.
Foto: ÖKO-TEST

Kinderhaut braucht eine Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor. Mehr als die Hälfte der Sonnencremes für Babys und Kinder im Test können wir empfehlen, allerdings schneiden nur zwei mit "sehr gut" ab. Kritik gibt es für Produkte mit hormonell wirksamen UV-Filtern. Auch ärgerlich: Enthaltenes flüssiges Plastik. 

  • Zwei Sonnencremes für Babys und Kinder im Test bewerten wir mit Bestnote, neun weitere sind "gut".
  • Weil sie im Test durchfallen, raten wir von zwei Sonnencremes für Kinder ab. Der Rest der getesteten Produkte ist mittelmäßig.
  • Sonnencremes mit mineralischem UV-Filter ist nach unserem heutigem Wissensstand die bessere Wahl für Kinder. 

Eincremen mit Sonnencreme: Das ist für die meisten Kinder vor allem lästig. Sie wollen lieber toben und im Wasser planschen, gern über viele Stunden, und ohne darauf zu achten, ob sie das im Schatten oder in der prallen Sonne tun. Auch Eltern sind aufgrund der miesen Presse vieler UV-Filter verunsichert, welches das richtige Maß beim Sonnenschutz ist.

Sonnencreme für Babys und Kinder im Test 

Dermatologen geben einen eindeutigen Rat: Sind Kinder während der UV-intensiven Stunden im Freien, brauchen sie auf unbekleideten Hautpartien eine Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor. Denn ihre Haut ist besonders dünn, und zu starke UV-Belastungen oder gar Sonnenbrände in der Kindheit erhöhen das Risiko, später Hauptkrebs zu bekommen.

Wir haben deshalb 21 Sonnencremes für Babys und Kinder mit einem hohen Lichtschutzfaktor von 50 oder 50+ überprüft. Sie wurden speziell für empfindliche Kinderhaut entwickelt und sind deshalb entweder als "sensitiv" oder "parfümfrei" ausgelobt. Uns interessierte vor allem, mit welchen Sonnenschutzfiltern diese Cremes wirken und ob sie bedenkliche Substanzen enthalten.

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Viele Sonnencremes für Kinder empfehlenswert 

Das Ergebnis ist erfreulich: Mehr als die Hälfte der Sonnencremes für Kinder im Test schneidet "gut" oder "sehr gut" ab. Die Cremes sorgen für einen hohen Sonnenschutz – ohne gesundheitsschädliche Substanzen. Unter ihnen sind viele Produkte mit chemischen UV-Filtern sowie Naturkosmetika mit mineralischem UV-Schutz.

Als "wasserfest" oder "sehr wasserfest" ausgelobt waren ohnehin alle Kandidaten im Test – das gehört offenbar für sämtliche Hersteller zu einem guten Sonnenschutz für Kinder. Alle getesteten Sonnencremes für Babys und Kinder kommen außerdem ohne Parfüm aus. Kritische Duftstoffe, die wir in anderen Kosmetiktests häufig bemängeln, sind deshalb hier kein Thema.

Sonnencremes für Kinder im Test: Im Fokus standen Sonnenschutzfilter und bedenkliche Substanzen.
Sonnencremes für Kinder im Test: Im Fokus standen Sonnenschutzfilter und bedenkliche Substanzen. (Foto: Gorlov-KV/Shutterstock)

Kritik an hormonell wirksamen UV-Filtern

Was uns allerdings gar nicht gefällt: Acht Sonnencremes für Babys und Kinder im Test verwenden UV-Filter, die in unseren Augen nichts auf Kinderhaut zu suchen haben. Es handelt sich dabei um die Wirkstoffe Octocrylen und Homosalat, die – wie andere chemische Filter auch – in die Blutbahn gelangen können. Diese beiden stehen jedoch im Verdacht, das Hormonsystem zu stören.

Das sehen wir besonders kritisch in Sonnencremes für Kinder, denn schließlich stecken die mitten in der Entwicklung. Immerhin scheint nun auch die EU diesem Problem nachzugehen und bewertet die beiden Substanzen derzeit neu.

Flüssiges Plastik in Sonnencremes für Kinder im Test 

Minuspunkte haben wir auch vergeben, wenn die Sonnencremes für Kinder im Test Kunststoffverbindungen wie Silikon oder Acrylate enthalten. Das ist bei knapp drei Viertel der Cremes der Fall. Diese Polymere gelangen entweder schon beim Baden direkt ins Meer oder den See, spätestens aber über das Abwasser in die Umwelt, wo sie sich kaum wieder abbauen.

Sie seien notwendig, um eine Creme wasserfest zu machen, sagte uns ein Hersteller. Nur: Andere Hersteller im Test kommen ohne aus – und auch sie sind als "wasserfest" ausgelobt.

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Kein "sehr gut" für Naturkosmetikcremes 

Eines überrascht in diesem Test: Keine der zertifizierten Naturkosmetikcremes hat "sehr gut" abgeschnitten. Und das, obwohl wir mit den Inhaltsstoffen der Produkte rundweg zufrieden sind: Ihr UV-Schutz beruht ausschließlich auf den beiden mineralischen UV-Filtern Titandioxid und Zinkoxid. Wir halten diese nach heutigem Wissensstand immer noch für die bessere Wahl auf Kinderhaut.

Für Abzug haben mehrere Formfehler gesorgt. Vor allem der, dass alle fünf Naturkosmetikcremes unserer Meinung nach bei der Deklaration von Nanomaterial danebenliegen. Nanopartikel – das sind jene winzig kleinen Teilchen, die laut EU-Definition in der Größe zwischen 1 und 100 Nanometer liegen.

Ein Stoff wie Titandioxid sollte in der Zutatenliste aber erst als "nano" deklariert werden, wenn über die Hälfte seiner Partikel in diesem Größenspektrum vorliegt. Das besagt eine – allerdings rechtlich unverbindliche – Empfehlung der EU.

Sonnenschutz für Kinder: Wir können einige Sonnencremes für Babys und Kinder im Test mit "gut" und "sehr gut" empfehlen.
Sonnenschutz für Kinder: Wir können einige Sonnencremes für Babys und Kinder im Test mit "gut" und "sehr gut" empfehlen. (Foto: Gorlov-KV/Shutterstock)

Sonnenschutz für Kinder: "Nano" in Naturkosmetik 

Das von uns beauftragte Labor kommt zu dem Ergebnis, dass die zwergenhaften Weißpartikel bei allen fünf Naturkosmetikcremes sogar über 80 Prozent ausmachen. Die Hersteller dagegen beteuern, kein Nanotitandioxid eingesetzt zu haben. Mit eigenen aktuellen Analysen haben sie diese Aussage uns gegenüber nicht ausreichend untermauert; ein Anbieter im Test verweist auf die Zusicherung des Rohstofflieferanten.

"Nano" ist bei vielen Naturkosmetikkunden verpönt. Zwar gilt Titandioxid auch in Nanoform nicht als schädlich, solange es in einer Creme gebunden ist. Dennoch sind noch nicht alle Risiken durch Nanopartikel geklärt.

Die Labels für Naturkosmetik handhaben das Thema unterschiedlich: Während das Natrue-Siegel Nano erlaubt, ist der Einsatz von Nanomaterial entsprechend der EU-Definition bei Cosmos (BDIH und Ecocert) verboten. Aber eines ist ohnehin klar: Ein mineralischer Stoff wie Titandioxid kommt natürlicherweise in einem breiten Größenspektrum vor. Ein bisschen Nano ist also immer dabei.

Sonnencreme für Babys und Kinder: Diese UV-Filter gibt es

Seit Titandioxid in die Schlagzeilen geraten ist, stellt sich eine alte Frage unter neuen Vorzeichen: Ist Naturkosmetik mit rein mineralischem Sonnenschutz die bessere Wahl für Kinder oder doch Produkte mit chemischen Filtern? Grundsätzlich gibt es zwei Gruppen von UV-Filtern:

Organisch-chemische Filter dringen in tiefere Hautschichten vor und wandeln dort die UV-Strahlen in ungefährliche Wärmestrahlung um. Sie gelangen aber auch in den Blutkreislauf, wie eine aktuelle Studie der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA zeigt. Einige der in der EU zugelassenen organischen Filter stehen zudem im Verdacht, das Hormonsystem zu stören. Hinweise darauf liefern sowohl Tier- als auch Zellversuche.

Die EU hat nun fünf UV-Filter auf den Prüfstand gestellt und bewertet sie wegen des Verdachts auf eine hormonelle Wirkung neu. Darunter sind Octocrylen und Homosalat, die in diesem Test für Notenabzug sorgen, aber auch zwei andere Wirkstoffe, die wir bislang noch nicht abwerten.

(Foto: ÖKO-TEST)

Mineralische UV-Filter bleiben auf der Hautoberfläche, bilden dort eine Barriere und reflektieren die UV-Strahlen wie kleine Spiegel. Die einzigen beiden zugelassenen Filter dieser Gruppe sind Zinkoxid und Titandioxid. Sie kommen hauptsächlich in Naturkosmetik zum Einsatz.

Nun hat die EU Titandioxid als "vermutlich krebserregend" eingestuft – aber nur, wenn es eingeatmet wird. Als Nanomaterial ist Titandioxid deshalb in Sonnensprays bereits verboten. In Cremes kann es nach heutigen Erkenntnissen aber über die intakte Haut nicht in den Körper gelangen, so auch die Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Selbst in Form von Nanopartikeln nicht, denn die sind immer noch zehn- bis hundertmal größer als die Teilchen der organischen Filter.

Deshalb empfehlen wir mineralische Sonnenschutzfilter nach wie vor als die bessere Alternative. Selbstverständlich passen wir die ÖKO-TEST-Bewertung an neue Erkenntnisse an. Derzeit bewertet des EU-Gremium SCCS nämlich auch Titandioxid in Kosmetik neu. Wir bleiben dran.

Sonnenschutz für Kinder: Was ist zu beachten?  

  1. Sparen Sie nicht mit der Sonnencreme für Kinder. Drei bis fünf Teelöffel Creme braucht es, damit Ihr Kind ausreichend geschützt ist.
  2. Cremen sie nach dem Planschen grundsätzlich nach, da auch bei wasserfester Creme immer ein Teil im Wasser zurückbleibt.
  3. Sonnencreme mit mineralischem UV-Filter ist nach unserem heutigem Wissensstand die bessere Wahl für Kinder.
  4. Lichtschutzfaktor 50 bedeutet, dass Ihr Kind theoretisch 50-mal länger in der Sonne bleiben kann als ohne Creme. In unseren Breitengraden lautet die Empfehlung für Kinder während der Sommermonate: mindestens LSF 30 verwenden.
  5. Maximal 60 Prozent sollten Sie die angegebene Schutzzeit nur ausschöpfen. Danach: Raus aus der Sonne!

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Weiterlesen auf oekotest.de:


Testverfahren

Wir haben 21 Kindersonnencremes in der Variante "sensitiv" beziehungsweise "ohne Parfüm" eingekauft, darunter auch fünf zertifizierte Naturkosmetika. Wir haben alle Produkte in Laboren auf problematische Konservierungsmittel, umstrittene halogenorganische Verbindungen und das Vergällungsmittel Diethylphthalat, das mit dem Alkohol in die Produkte geraten kann, analysieren lassen.

Wir wollten wissen: Enthalten die Sonnenschutzmittel bedenkliche chemische UV-Filter? Und: Wie hoch ist der Anteil an Nanomaterial in den eingesetzten mineralischen UV-Filtern? Um das herauszufinden, hat das beauftragte Labor mit einer Methode gearbeitet, die im Rahmen des EU-Projekts "NanoDefine" als geeignet befunden worden war, Titandioxid in Nanoform zu analysieren.

Sonnenschutzmittel sind wichtig – keine Frage. Dennoch: Ein "sehr gutes" Produkt kommt aus unserer Sicht ohne bedenkliche Inhaltsstoffe aus. Kunststoffverbindungen und Deklarationsmängel verschlechterten das Gesamturteil.

Bewertungslegende 

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um zwei Noten: PEG/PEG-Derivate. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) bedenkliche UV-Filter (Octocrylen, Homosalat); b) mehr als ein Prozent Silikonverbindungen und/oder Paraffine/künstliche paraffinartige Stoffe.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um zwei Noten: a) Silikone, wenn sie nicht schon unter den Inhaltsstoffen abgewertet wurden, und/oder weitere synthetische Polymere als weitere Kunststoffverbindungen (hier: Acrylates Copolymer, Acrylates/C10-30 Alkyl Acrylate Crosspolymer, Carbomer, Ethylendiamine/Stearyl Dimer Dilinoate Copolymer, Hydrogenated Polyisobutene, Polyacryldimethyltauramide/Ammonium Dimethylpolyacryloyldimethyl Taurate, Polyester-5, Polyurethane-34, Sodium Polyacrylate, Stryrene Acrylates Copolymer, Triacontanyl PVP, VP/Eicosene Copolymer, VP/Hexadecene Copolymer). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) Umkarton, der kein Glas schützt; b) das Fehlen eines oder mehrerer der folgenden Anwendungs- und Warnhinweise nach den Empfehlungen des Industrieverbands Körperpflege- und Waschmittel (IKW) auf der Verpackung oder auf dem Beipackzettel: 1 = Intensive Mittagssonne meiden. 2 = Vor dem Sonnen auftragen. 3 = Mehrfach auftragen, um den Lichtschutz aufrechtzuerhalten, insbesondere nach dem Aufenthalt im Wasser. 4 = Sonnenschutzmittel großzügig auftragen. Geringe Auftragsmengen reduzieren die Schutzleistung. 5 = Babys und Kleinkinder vor direkter Sonneneinstrahlung schützen. 6 = Für Babys und Kleinkinder schützende Kleidung sowie Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor (LSF größer als 25) verwenden. 7 = Auch Sonnenschutzmittel mit hohen Lichtschutzfaktoren bieten keinen vollständigen Schutz vor UV-Strahlen; c) fehlende Angabe "nano" bei Titandioxid bzw. Zinkoxid in der Liste der Inhaltsstoffe gemäß EU-Kosmetikverordnung 1223/2009 und der Empfehlung 2011/696 der EU-Kommission zur Definition von Nanomaterialien, wenn das in den Produkten enthaltene Titandioxid bzw. Zinkoxid zu mehr als 50 Prozent nanoförmig vorliegt; d) kein UVA-Symbol nach der Empfehlung des Industrieverbands Körperpflege- und Waschmittel (IKW) auf der Verpackung.Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" und "ausreichend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note.  

Testmethoden: 

Diethylphthalat (falls Alkohol deklariert): Extraktion mit TBME, GC-MS. Halogenorganische Verbindungen: a) Heißwasserextraktion mit anschließender Zentrifugation und Membranfiltration, Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts; b) Extraktion mit Essigester, Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. Nanomaterial (falls Titandioxid bzw. Zinkoxid deklariert): Untersuchung auf TiO2- bzw. ZnO-Partikel mittels Single-Particle-ICP/MS. Ermittlung der mittleren Partikelgröße als Median nach Anwendung der Gaußschen Verteilung und des Anteils der Partikel bis 100 nm. Probenvorbereitung: Herstellung einer wässrigen Dispersion durch Behandlung mit Ultraschallsonotrode. Aluminium: Totalaufschluss in der Mikrowelle. Elementbestimmung mit ICP-MS. Formaldehyd/-abspalter: saure Wasserdampfdestillation, Derivatisierung mit Acetylaceton, Ausschütteln mit n-Butanol und Bestimmung mittels Fotometrie. Paraffine/Silikone: LC-RI nach Extraktion und gegebenenfalls GC-MS. Aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (falls Paraffine deklariert): LC-GC/FID. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: März 2020 

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