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Obstbrei im Test: Nur die Hälfte der Babygläschen empfehlenswert

Jahrbuch Kinder und Familie für 2020 | Autor: Meike Rix/Jürgen Steinert | Kategorie: Kinder und Familie | 13.12.2019

Obstbrei-Test: Wir haben 20 Produkte getestet. Im Fokus standen die Inhaltsstoffe.
Obstbrei-Test: Wir haben 20 Produkte getestet. Im Fokus standen die Inhaltsstoffe. (Foto: ÖKO-TEST; Shutterstock )

Obstbreie in Gläschen füllen Regalwände in Drogerien und Supermärkten. Wir haben 20 Breie getestet. Jeder zweite überzeugt nicht.

Aktualisiert am 13.12.2019; Einkauf Testprodukte Jul/Okt 2019 | Püriertes Obst als Mahlzeit für Babys empfehlen Ernährungsexperten ab dem 6. Monat, und zwar in kleinen Mengen als Zutat im Milch-Getreidebrei. Ab dem 7. Monat dürfen Kinder einen Getreide-Obstbrei genießen. Auch möglich: Früchte ergänzend zu Gemüse- oder Gemüsefleischmahlzeiten. In der Realität füttern viele Eltern ihre Babys mit Obstbrei pur, etwa als Snack. Ist doch nur gesundes Obst. Ja, aber: In Obstbrei steckt auch jede Menge Zucker.

Obstbrei-Test: Die besten Babybreien mit Heidelbeere, Apfel, Banane und weiteren Früchten

Im Test: Getestet haben wir insgesamt 20 Breie, darunter 18 Bio-Obstbreie und zwei konventionelle von gängigen Babynahrungsmarken. Die Obstbreie enthalten unter anderem Püree aus Heidelbeere, Birne, Apfel, Banane oder Himbeere. Im Fokus: Verunreinigungen durch Pestizide, Belastungen mit Keimen und die Zusammensetzung der Breie. Werden die Produkte gestreckt? Wie viel Zucker steckt wirklich drin? 

Das Ergebnis: Wir können zehn Obstbreie im Test mit dem Gesamturteil "gut" empfehlen, von drei Produkten raten wir allerdings eher ab. Ein Obstbrei fällt sogar mit "mangelhaft" durch. Die restlichen Babybreie schneiden mit "befriedigend" ab. Immerhin: Die Labore haben in keinem der Babygläschen Schadstoffe wie Pestizide gefunden. Das ist erfreulich: Denn aus vielen Tests, unter anderem von Quetschies, wissen wir, dass Babynahrung keineswegs immer frei von Schadstoffen ist.   

Natürlicher Zuckergehalt in Obstbreien oft hoch

Die Zuckergehalte der getesteten Obstbreie liegen um die zehn Prozent. Das ist viel. Trotzdem schreiben fast alle Hersteller "ohne Zuckerzusatz" oder "ungesüßt" auf die Etiketten. Das könnte bei Verbrauchern aus unserer Sicht den Eindruck erwecken, die Produkt enthielten besonders wenig Zucker und seien deshalb besonders gesund. Denn die Auslobung "Ohne Zuckersatz" spricht Menschen an, die Wert auf Produkte mit wenig Zucker legen. Dabei sind die natürlichen Zuckergehalte in den Obstbreien ordentlich hoch.

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Aus Expertensicht sollten Babys und Kleinkinder sich besser nicht ständig an süßen Fruchtzubereitungen satt essen. "Sie tragen nicht nur eine gesundheitlich bedenkliche hohe Zuckerzufuhr bei, sondern sie liefern auch keine relevanten Mengen derjenigen kritischen Nährstoffe, die ergänzend zum Stillen bereit gestellt werden sollten ...", heißt es etwa in einer Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) über Quetschies. Babys können damit zu viel Fruchtzucker (Fructose) aufnehmen. Eine hohe Fructosezufuhr fördert unter anderem das Auftreten einer Fettleber. Zudem werden Kinder möglicherweise langfristig auf süße Lebensmittel geprägt.

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Babygläschen: Das sind die Tricks der Hersteller 

Die wichtigen Nährstoffe, die Kinder im Beikostalter tatsächlich gut gebrauchen können, sind im puren Obstpüree kaum vertreten: Für die Zufuhr mit Eisen, Zink, Jod, B-Vitaminen und wertvollen Fettsäuren sind Gemüse-, Gemüsefleisch- und Getreidebreie geeignet. In Maßen, als Zutat im Brei oder als Ergänzung sind Obstbreie aber völlig in Ordnung. 

Auffällig: In sieben Obstbreien liegt der Anteil von echtem Obstpüree unter 80 Prozent. Die Hersteller strecken die Früchte mit Säften oder Saftkonzentraten, Wasser und Verdickungsmitteln wie Reismehl. In einem Obstbrei im Test macht der Anteil an pürierten Früchten sogar weniger als die Hälfte aus.

An die erste Position der Zutatenliste schreibt der Anbieter "Früchte 94 %". Nur wer die Liste ganz studiert, findet heraus: Der Brei besteht zu schlappen 42 Prozent aus pürierten Pfirsichen. Die restlichen "Früchte" kommen als Birnensaft (49 %) und Maracujasaft (3 %) aus Konzentraten daher. Der Brei ist mit dem Gesamturteil "mangelhaft" der schlechteste im Test. Auch drei weitere Anbieter zählen Säfte und/oder Saftkonzentrate mit in die Gesamtfruchtanteile. 

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Zugabe von Vitamin C ist überflüssig 

Seltener geworden, aber immer noch im Einsatz ist der folgende Trick: Dem Püree Saftkonzentrate und Wasser hinzufügen, das Ganze mit Reisvollkernmehl wieder andicken, dann aber mit "ohne Verdickungsmittel" werben. So geschehen bei einem Obstbrei im Test.

Unangebracht finden wir es auch, wenn die Hersteller auf den Etiketten damit werben, dass sie die gesetzlichen Vorgaben für die Beikostprodukte einhalten, sprich keine Farb- und Konservierungsstoffe zufügen. Das sollte unserer Meinung nach eine Selbstverständlichkeit sein, daher gibt es für diese Werbung Punktabzug. 

Überflüssig aus unserer Sicht: Die Zugabe von Vitamin C. Davon ist von Natur aus genug in Obst. Auf vielen Etiketten der Obstbreie im Test wird das Vitamin C unter seinem anderen Namen als Antioxidationsmittel Ascorbinsäure aufgeführt, es soll eine vermeintlich appetitlichere Farbe des Breies erhalten.

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Babygläschen mit Obst: Das rät ÖKO-TEST 

  • Bevorzugen Sie Obstbreie, in deren Zutatenliste einfach nur Obstsorten stehen. Breie mit Banane als Hauptzutat sind wegen des besonders hohen natürlichen Zuckergehalts eher nichts für jeden Tag.
  • Die "sehr guten" Obstbreie eignen sich prima als Zutat zu einem Getreide-Obstbrei (100 Gramm Obst auf 20 Gramm Getreide).
  • Ihr Kind verputzt nicht gläser- oder bergeweise Gemüse, Fleisch und Fisch? Das ist normal. Wichtig ist das Probieren. Hauptnahrungsmittel bleibt erst einmal die Muttermilch oder die fertige Babyanfangsnahrung.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Diesen Test haben wir bereits im ÖKO-TEST Magazin Oktober 2019 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch Kinder und Familie für 2020, sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

Weiterlesen auf oekotest.de:


Testverfahren

Wir haben 20 Obstbreie für Babys eingekauft, die für ab dem fünften beziehungsweise sechsten Monat ausgelobt sind. Vertrauen ist gut. Wenn es um Babys geht, ist Kontrolle noch besser. Die meisten Obstgläschen im Handel sind zertifizierte Bio-Lebensmittel. Dem entsprechend schickten wir für diesen Test 18 Bio-Obstbreie und zwei konventionelle von gängigen Babynahrungsmarken in die Labore.

Auch in Bio-Produkten haben wir in der Vergangenheit schon Pestizide gefunden. Deshalb haben wir alle Breie durch ein umfangreiches Pestizidscreening im Labor geschickt. Die Breie wurden außerdem auf gefährliche Belastungen mit Keimen und das für Babys besonders kritische Schimmelpilzgift Patulin untersucht, das (nicht nur) in der beliebten Breizutat Apfel entstehen kann.

Außerdem wollten wir wissen: Handelt es sich um echte Obstbreie, so wie der Verbraucher sie sich vorstellt, oder offenbart das Kleingedruckte, dass mehr Wasser und Saft im Glas ist? Enthalten die Breie überflüssige Zusätze? Und steht auf den Etiketten der wichtige Hygienehinweis, nur eine Teilmenge zu entnehmen und den Rest gleich in den Kühlschrank zu stellen und innerhalb von zwei Tagen aufzubrauchen?

Unter unserem Testergebnis Inhaltsstoffe gab es Notenabzug, wenn ein Brei zu weniger als 80 Prozent aus Fruchtpüree oder -mark besteht sowie für den unnötigen Zusatz von Vitamin C. Unter den Weiteren Mängeln konnten sich Notenabzüge für Werbesprüche in Kombination mit PVC/PVDC/chlorierten Verbindungen in Deckeldichtungen so summieren, dass sich das Gesamturteil um eine oder sogar zwei Noten verschlechterte.

Bewertungslegende 

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um zwei Noten: ein Gehalt an Fruchtmark/pürierter Frucht von unter 50 Prozent. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein Gehalt an Fruchtmark/pürierter Frucht von 50 bis weniger als 80 Prozent; b) Zusatz von Vitamin C oder Antioxidationsmittel Ascorbinsäure.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um jeweils eine Note: a) PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung; b) Werbung mit Selbstverständlichkeiten (hier: ohne Konservierungsstoffe und/oder Farbstoffe lt. Gesetz); c) Auslobung "ohne Verdickungsmittel", aber Reisvollkornmehl enthalten; d) Auslobung "ohne Zuckerzusatz" oder "ungesüßt", der bei einem von Natur aus sehr süßen Produkt einen falschen Eindruck erweckt.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe: Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" oder "ausreichend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "mangelhaft" oder "ungenügend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht.

Testmethoden 

Pestizide: a) GC/MS für Lebensmittel mit hohem Wassergehalt; b) LC/MS/MS nach § 64 LFGB L 00.00-113: 2015-03, mod. (Modifikation: Einwaage, Miniaturisierung Reinigung). Patulin: LC-MS/MS. Aerobe Gesamtkeimzahl: nach Bebrütung; Proben werden in der Originalverpackung für 14 Tage bei 30 °C bebrütet, anschließende Untersuchung nach DIN EN ISO 4833-2: 2014. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: Juli und Oktober 2019 

Diesen Test haben wir bereits im ÖKO-TEST Magazin Oktober 2019 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch Kinder und Familie für 2020, sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

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