Nichts fürs Kind: Krebserregendes Arsen in Reiswaffeln im Test

Magazin November 2022: Honig | Autor: Meike Rix/Lena Wenzel | Kategorie: Kinder und Familie | 28.10.2022

Reiswaffeln im Test: Welche Produkte sind empfehlenswert?
Foto: Miljan Zivkovic/Shutterstock; EM Arts/Shutterstock

Krebserregendes Arsen kritisiert ÖKO-TEST schon seit Jahren in Reiswaffeln. Sie sind als Snack für Babys und Kinder beliebt. Inzwischen gibt es zwar Grenzwerte, doch Arsen haben wir auch in diesem Test wieder in Reiswaffeln gefunden. Und das ist nur eines von fünf Problemen.

  • Im Test: Reiswaffeln für Säuglinge und Kleinkinder sowie "normale" Reiswaffeln.
  • Wir können nur zwei Produkte empfehlen: Eines ist "sehr gut" und ein weiteres immerhin "gut". 
  • Arsen, Cadmium, Acrylamid, das Schimmelpilzgift Aflatoxin B1 und Mineralölbestandteile sind Probleme im Test. 

Krebserregendes Arsen im beliebten Kleinkindersnack Reiswaffel: ÖKO-TEST hat auf dieses Problem schon 2009 aufmerksam gemacht. Und 2012. Ein gesetzlicher Grenzwert kam erst 2016. Wir testeten erneut, und die Produkte waren sogar noch stärker belastet als 2012.

Und heute? Nach unseren aktuellen Analysen von kleinen und großen Reiswaffeln mit und ohne Fruchtgeschmack müssen wir feststellen: Das ist immer noch nichts, was man Kindern unbeschwert geben mag. Wegen Arsen und weiteren bedenklichen Stoffen fallen 11 von 20 Reiswaffeln durch. Nur je ein Produkt bringt es auf ein "sehr gut" beziehungsweise "gut".

Reiswaffeln für Erwachsene und Kinder im Test 

Erstaunlich: In den Regalen für Babys und Kleinkinder haben wir nur noch Reiswaffeln mit Fruchtgeschmack gefunden. Wer seinem Kind eine pure Reiswaffel ohne Fruchtkonzentrat geben möchte, muss also zu den großen Waffeln greifen.

Das dürften viele Eltern auch tun. Deshalb haben wir auch an die großen Reiswaffeln die gleichen strengen Maßstäbe angelegt und uns in der Bewertung an Grenzwerten orientiert, die für Lebensmittel für Säuglinge und Kleinkinder gelten.  

Reiswaffeln im Test: Wir haben insgesamt 20 Produkte überprüft, ein Teil davon ist ausdrücklich für Säuglinge und Kleinkinder ausgelobt.
Reiswaffeln im Test: Wir haben insgesamt 20 Produkte überprüft, ein Teil davon ist ausdrücklich für Säuglinge und Kleinkinder ausgelobt. (Foto: ÖKO-TEST )

Bedenkliche Stoffe in Reiswaffeln entdeckt 

Im Test sind wir auf fünf Probleme gestoßen: 

  1. Arsen 
  2. Cadmium 
  3. Acrylamid 
  4. das Schimmelpilzgift Aflatoxin B1
  5. Mineralölbestandteile

Und wir kommen nun genauer auf sie zu sprechen. Ob groß, ob klein: In allen Reiswaffeln hat das beauftragte Labor anorganisches Arsen nachgewiesen. Das lässt sich erklären. Arsen ist Bestandteil der Erdkruste. Reispflanzen nehmen viel davon auf. Doch in einem Snack für Babys sollte so wenig wie möglich davon stecken.

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Erhöhtes Krebsrisiko durch anorganisches Arsen 

Einen speziellen Grenzwert für Reiswaffeln für Säuglinge und Kleinkinder gibt es nicht. Wir haben uns bei der Bewertung deshalb an dem Grenzwert orientiert, der für Reis gilt, aus dem Lebensmittel für Säuglinge und Kleinkinder hergestellt werden. 

In sieben Reiswaffeln im Test liegt der gemessene Arsengehalt, bezogen auf den Reisanteil, über diesem Wert. Das bewerten wir als "stark erhöht". Zehn Produkte schöpfen ihn zu mehr als der Hälfte aus.

Bisher ist keine Aufnahmemenge an anorganischem Arsen bekannt, die langfristig nicht mit einem erhöhten Krebsrisiko einhergehen könnte.

Giftiges Cadmium in Reiswaffeln im Test 

Wie Arsen steckt auch das Schwermetall Cadmium natürlicherweise im Boden und wird durch menschliche Umweltverschmutzung eingetragen. Das Labor hat es in fünf Produkten nachgewiesen: Dreimal bewerten wir die Gehalte als "erhöht", zweimal waren sie nach unserer Auffassung "stark erhöht". 

Cadmium ist giftig für die Nieren und steht unter anderem im Verdacht, fortpflanzungsschädlich zu sein. In einem Produkt hat das beauftragte Labor zudem giftiges Blei gefunden.  

(Foto: ÖKO-TEST )

Kritik an Acrylamid und Schimmelpilzgift

Neben Arsen erhöht auch Acrylamid potenziell das Krebsrisiko, so schätzt es die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zumindest anhand von Daten aus Tierversuchen ein. Während die Babyreiswaffeln nur Spurengehalte aufwiesen, sehen wir die Werte in vielen der "normalen" Reiswaffeln kritisch – vor allem mit Blick auf Kleinkinder als häufige Konsumenten. Acrylamid entsteht beim starken Erhitzen von kohlenhydratreichen Lebensmitteln.

Nun zu Problem Nr. 4: In zwei getesteten Produkten steckte das Schimmelpilzgift Aflatoxin B1. Aflatoxine können unter anderem das Erbgut schädigen. Akut giftige Konzentrationen werden in den beiden Produkten zum Glück nicht erreicht.

Mineralöl in Reiswaffeln im Test 

Auch auf Mineralölbestandteile ist das von uns beauftrage Labor gestoßen. 

  • Zweimal kritisieren wir aus unserer Sicht "leicht erhöhte" Gehalte an MOSH. Sie reichern sich an und sind die größte Verunreinigung im menschlichen Körper.
  • In einem dieser beiden betroffenen Produkte sind zusätzlich MOAH enthalten. Zu dieser Stoffgruppe gehören auch krebserregende Verbindungen.

Zuckergehalte in Reiswaffeln sind moderat 

Auf den Verpackungen der kleinen Reiswaffeln sind Himbeeren oder lachende Äpfel abgebildet, selbst Gemüse kommt vor in Form von Möhren. Davon müssen Eltern sich nicht weiter beeindrucken lassen. Denn mit den rosa und gelben Reiswaffeln gelangen nicht richtiges Obst und Gemüse ins Kind, sondern lediglich süßende Saftkonzentrate. Immerhin sind aber die Zuckergehalte moderat.

14 Gramm Zucker pro 100 Gramm enthält das süßeste Produkt im Test. Zum Vergleich: Gummibärchen bestehen zu 46 Prozent aus Zucker. Da die Packung Reiswaffeln insgesamt gerade mal 35 Gramm wiegt, müsste ein Kleinkind davon selbst nach der strengsten Vorgabe der WHO schon mehr als zwei komplett aufessen, bevor es seine Zuckerhöchstmenge intus hätte.

Eine getarnte Süßigkeit sind die getesteten Babyreiswaffeln also nicht. Aber der Blick in die Nährwerttabelle lohnt: Im Handel gibt es auch "Joghurt"-Reiswaffeln, die zu einem Drittel aus Zucker sind.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Weiterlesen auf oekotest.de:

Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Wir wollten wissen, ob man Säuglingen und Kleinkindern Reiswaffeln unbesorgt geben kann. Um das zu untersuchen, haben wir zum einen elf kleine Reiswaffeln eingekauft, die für Kinder im Beikostalter ab dem siebten oder meist achten Monat ausgelobt sind. In diesem Segment haben unsere Einkäufer nur Waffeln mit Fruchtgeschmack gefunden. In der anderen Tabelle finden sich neun Produkte ohne Altersangabe. Zwei davon sind ebenfalls fruchtig und klein, aber ohne den in Getreidebeikost vorgeschriebenen Zusatz von Vitamin B1. Die restlichen Produkte sind "normale" große Reiswaffeln, zu denen auch Eltern greifen, die ihren Kindern Reiswaffeln ohne Fruchtsaft geben möchten.

Auf dem umfangreichen Prüfprogramm standen die giftigen Elemente Arsen, Cadmium und Blei, außerdem Schimmelpilzgifte, die in Getreide vorkommen, Mineralölbestandteile, Pestizide und der für Gebackenes typische Schadstoff Acrylamid. Während der Gesetzgeber in Reiswaffeln ohne Altersangabe deutlich höhere Schadstoffgehalte erlaubt als in für Babys und Kleinkinder ausgelobten, bewerten wir hier alle Testprodukte nach demselben Maßstab mit Blick auf die empfindlichste Verbrauchergruppe.

Bewertungslegende 

Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt.

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils vier Noten: a) ein gemessener Gehalt an anorganischem Arsen, der, bezogen auf den deklarierten beziehungsweise mitgeteilten Reisanteil, einen Gehalt von mehr als 0,10 mg/kg ergibt (in der Tabelle "stark erhöht"). Dies liegt oberhalb des Grenzwerts, der laut Verordnung (EG) 1881/2009 für Reis für die Herstellung von Lebensmitteln für Säuglinge und Kleinkinder gilt; b) ein gemessener Gehalt von mehr als 0,040 mg/kg Cadmium (in der Tabelle "Cadmium stark erhöht"). Dies liegt oberhalb des Grenzwerts, der gemäß Verordnung (EG) 1881/2009 für Getreidebeikost und andere Beikost für Säuglinge und Kleinkinder gilt; c) ein gemessener Gehalt von mehr als 150 μg/kg Acrylamid (in der Tabelle "stark erhöht"). Dies liegt oberhalb des EU-Richtwerts, der gemäß Verordnung (EU) Nr. 2017/2158 für Kekse und Zwieback für Säuglinge und Kleinkinder gilt; d) ein gemessener Gehalt von mehr als 0,2 μg/kg Aflatoxin B1 (in der Tabelle "Aflatoxin stark erhöht"). Das entspricht dem Doppelten des Höchstgehalts, der gemäß Verordnung (EG) 1881/2009 für Getreidebeikost und andere Beikost für Säuglinge und Kleinkinder gilt. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) ein gemessener Gehalt an anorganischem Arsen, der, bezogen auf den deklarierten beziehungsweise mitgeteilten Reisanteil, einen Gehalt von mehr als 0,05 bis 0,10 mg/kg ergibt (in der Tabelle: "erhöht"). Dies schöpft den Grenzwert, der laut VO (EG) 1881/2009 für Reis für die Herstellung von Lebensmitteln für Säuglinge und Kleinkinder gilt, zu mehr als 50 Prozent aus.; b) der Nachweis von MOAH; c) ein gemessener Gehalt von mehr als 75 bis 150 μg/kg Acrylamid (in der Tabelle "erhöht"). Dies schöpft den EU-Richtwert gemäß Verordnung (EU) Nr. 2017/2158 für Kekse und Zwieback für Säuglinge und Kleinkinder zu mehr als 50 Prozent aus; d) ein gemessener Gehalt von mehr als 0,01 bis 0,02 mg/kg Blei. Dies schöpft den Grenzwert, der gemäß Verordnung (EG) 1881/2009 für Getreidebeikost und andere Beikost für Säuglinge und Kleinkinder gilt, zu mehr als 50 Prozent aus; d) ein gemessener Gehalt von mehr als 0,020 mg/kg Cadmium (in der Tabelle "Cadmium erhöht"). Dies schöpft den Grenzwert, der gemäß Verordnung (EG) 1881/2009 für Getreidebeikost und andere Beikost für Säuglinge und Kleinkinder gilt, zu mehr als 50 Prozent aus. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein gemessener Gehalt an MOSH und MOSH-Analoga der Kettenlänge C17–C35 von mehr als 1 bis 2 mg/ kg (in der Tabelle: Mineralölbestandteile "leicht erhöht"); b) ein gemessener Thiamingehalt in einem für Babys ab acht Monaten ausgelobten Produkt, der unter dem in der Richtlinie 2006/125/EG für Getreidebeikost vorgeschriebenen Gehalt von 100 μg/100 kcal, liegt (in der Tabelle: "zu wenig Vitamin B1").

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: ein gemessener Gehalt von mehr als 0,01 mg/kg eines Pestizids (hier Flutriafol) in einem Bio-Produkt. Steht bei konkret benannten Analyseergebnissen "nein", bedeutet das unterhalb der Bestimmungsgrenze.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note, ein Testergebnis Weitere Mängel das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht.

Testmethoden 

Testmethoden (je nach Zusammensetzung der Produkte):
Pestizide: DIN EN 15662 : 2018-07 (LC-MS/MS und GC-MS/MS).
Ethylenoxid: GC-MS/MS.
Cadmium, Blei: DIN EN 15763 : 2010-04 (nach Aufschluss gemäß DIN EN 13805 : 2014-12) (ICP-MS).
Mineralölbestandteile (MOSH/MOSH-Analoge; MOAH): DIN EN 16995:2017-08 mod. (Die Modifikation betrifft die Verseifung und eine andere Matrix).
Aflatoxine: C-HPLC-FLD, teilautomatisiert (Bestimmung im homogenisierten Probenmaterial aus drei Packungen).
Anorganisches Arsen: ASU L25.06-1:2008-12 (Hydridtechnik-GFAAS).
Acrylamid: LC-MS/MS.
Thiamin: DIN EN 14122 : 2014-08 mod. (LC-MS/MS) Die Modifikation betrifft die Detektion mittels LC-MS/MS.
Zuckergehalt: Titration.
PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse.
Natrium: ASU L 00.00-144 : 2019-07 (nach Aufschluss gemäß DIN EN 13805 : 2014-12) (ICP-OES).

Einkauf der Testprodukte: Juli 2022

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