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Feuchttücher-Test: Wie schlagen sich Bübchen, Pampers & Co.?

Spezial Schwangerschaft und Geburt | Autor: Johanna Michl, Heike Baier | Kategorie: Kinder und Familie | 15.04.2021

Feuchttücher im Test: Welche Produkte für Babys sind empfehlenswert?
Foto: ÖKO-TEST

96,3 Prozent der Eltern in Deutschland nutzen Feuchttücher zum schnellen Säubern – Die Einwegtücher sind praktische Helfer bei der Babypflege. Unser Test zeigt: Die Produkte haben sich verbessert und enthalten kaum bedenkliche Inhaltsstoffe, doch in der Umwelt machen sie Probleme.

  • Die Mehrzahl der Feuchttücher im Test ist "sehr gut". 
  • Erfreulich: Die Hersteller haben ihre Produkte seit unserem letzten Test verbessert.
  • Gebrauchte Feuchttücher dürfen nicht in der Toilette entsorgt werden, denn sie sorgen für immense Probleme in den Kläranlangen.

Aktualisiert am 15.04.2021 | Die Windel ist voll? Um Babys Popo sauber zu machen, wäre ein Waschlappen mit warmem Wasser eigentlich das Beste. Hebammen empfehlen das schon immer. Aber: Auf modernen Wickelkommoden stehen meist Feuchttücher. Denn die sind zugegeben unschlagbar praktisch. Für unterwegs allemal.

Daher ist es kein Wunder, dass die Einwegtücher längst zum wichtigsten Utensil in der Wickeltasche avanciert sind. Und sie kommen nicht nur am Babypopo zum Einsatz, sondern auch auf klebrigen Fingern oder verschmierten Mündern. Umso dringlicher stellt sich die Frage: Was ist denn drin in den Baby-Feuchttüchern?

Feuchttücher im Test: Welche sind die besten?

Wir haben 25 Produkte unter die Lupe genommen und die Auswahl auf parfümfreie Tücher beschränkt. Für die sensible Kinderhaut gibt es gute Nachrichten: Die meisten problematischen Substanzen sind aus den Feuchttüchern verschwunden.

Eine Vielzahl der Feuchttücher im Test können wir mit "sehr gut" empfehlen. Das Ergebnis zeigt: Die Hersteller haben ihre Produkte seit unserem letzten Test verbessert.

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Früher waren Konservierungsstoffe ein Problem 

Als wir vor drei Jahren Feuchttücher geprüft haben, fielen etliche Marken wegen problematischer Konservierungsstoffe durch, vor allem wegen der Verbindung PHMB. "Kann Krebs erzeugen", lautet die Einstufung der Europäischen Chemikalienagentur für PHMB. Auf diesen Stoff sind wir im aktuellen Feuchttücher-Test nicht mehr gestoßen.

Die Tücher sind mittlerweile mit weniger umstrittenen Stoffen konserviert. Denn: Ohne geht es kaum, da sich in dem feuchtem Milieu schnell Keime oder Schimmel entwickeln können.

Feuchttücher im Test: Wir haben 29 Babyfeuchttücher überprüft, mehr als zwei Drittel sind mit "sehr gut" empfehlenswert.
Feuchttücher im Test: Wir haben 29 Babyfeuchttücher überprüft, mehr als zwei Drittel sind mit "sehr gut" empfehlenswert. (Foto: Prostock-studio/Shutterstock)

Umstrittene Inhaltsstoffe in drei Feuchttüchern 

Ganz frei von umstrittenen Stoffen sind allerdings nicht alle Baby-Feuchttücher. In einem Produkt kritisieren wir halogenorganische Verbindungen. Halogenorganische Verbindungen sind eine Gruppe von mehreren Tausend Stoffen, von denen manche als krebserregend, viele als allergieauslösend und fast alle als umweltschädigend gelten.

Im Falle der Feuchttücher im Test könnte es sich bei den Verbindungen um Überbleibsel aus der Bleiche des Vliesstoffs handeln. Bei einigen Verfahren setzten die Hersteller möglicherweise noch Chlorverbindungen ein, was die Rückstände erklären könnte.

Weitere Kritik betrifft PEG-Verbindungen. Sie stecken in zwei überprüften Produkten. Das Problem? Sie können die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen. 

Hoher Wasseranteil in Feuchttüchern im Test 

Dass die Feuchttuchindustrie ganz genau weiß, wie ernst es Eltern mit der sanften Pflege ist, zeigt die Werbung, die das Dilemma der Eltern anspricht. Eltern würden ja gern nichts als Wasser an die Haut ihrer Babys lassen, wollen auf die Dienste der Conveniencetücher aber nicht verzichten. Der Werbetrend geht deshalb zum Feuchttuch mit "99 Prozent Wasser".

Mehr als ein Drittel der Feuchttücher im Test weist auf der Verpackung auf einen besonders hohen Wasseranteil hin. Tatsächlich enthalten diese Tücher dann oft weniger verschiedene Inhaltsstoffe, reinigende oder pflegende Zusätze als andere Produkte im Test. Doch sind die Baby-Feuchttücher mit "99 Prozent Wasser" auch hygienisch einwandfrei?

Je mehr Wasser im Spiel ist, desto mehr dient ein Produkt theoretisch als Nährboden für Keime. Wir haben die Feuchttücher deshalb erstmals daraufhin untersuchen lassen, ob sie mit gefährlichen Mikroorganismen belastet sind. Beispielsweise mit Escherichia coli – einem der häufigsten Verursacher bakterieller Harnwegsinfektionen. Hier können wir Entwarnung geben: Alle Marken waren einwandfrei.

Wird nicht nur am Babypopo verwendet: Feuchttücher sind ein beliebtes Produkt für die Babypflege.
Wird nicht nur am Babypopo verwendet: Feuchttücher sind ein beliebtes Produkt für die Babypflege. (Foto: Dasha Petrenko/Shutterstock)

Feuchttücher für Babys als Umweltproblem 

Insgesamt ist das Ergebnis des Feuchttücher-Tests erfreulich: Es ist gut, dass Eltern mit den meisten Tüchern keine schädliche Chemie mehr auf dünne Babyhaut schmieren – keine Frage. Und doch bleibt das Müllproblem. Denn längst hinterlässt der Feuchttücherboom seine Spuren in der Umwelt: Die Vliese vermüllen Strände und verstopfen Kläranlagen. Zudem bestehen die meisten von ihnen zum Teil aus Plastik.

Viele Hersteller steigen derzeit zwar auf Vliese um, die sie als "biologisch abbaubar" ausloben dürfen. Wie groß der ökologische Nutzen solcher Produkte ist, gilt jedoch als umstritten. Denn auch diese Tücher bereiten Probleme, wenn Verbraucher sie fälschlicherweise in der Toilette entsorgen.

Feuchttücher-Test: Alle Testergebnisse als ePaper

Waschlappen wären die bessere Lösung 

Ein Feuchttuch braucht nur etwa neun Stunden, bis es in der Kläranlage landet. Dort verklumpen die Tücher zu tonnenschweren Zöpfen und müssen aufwendig herausgerecht werden. Die Kommunen schlagen daher seit Jahren Alarm, und das Problem treibt die Abwassergebühren in die Höhe.

Almut Reichart vom Umweltbundesamt befürchtet sogar, dass die Auslobung "biologisch abbaubar" Konsumenten dazu verleiten könnte, Feuchttücher noch achtloser zu entsorgen – weil sie fälschlicherweise davon ausgehen, dass das kein größeres Problem in der Umwelt oder der Kanalisation darstellt. Es bleibt also dabei: Feuchttücher sind zwar bequem, ein feuchter Waschlappen wäre aber die bessere Lösung.

Babyfeuchttücher und Folgen für die Umwelt

  • 11% des an Stränden gefundenen Plastikmülls bestehen aus nicht spülbaren Toilettenartikeln wie Feuchttüchern und Wattestäbchen.

  • 6 Monate braucht ein als "biologisch abbaubar" deklariertes Feuchttuch etwa zur Zersetzung, manchmal auch nur drei Monate. Der Weg zur Kläranlage dauert neun Stunden. Sie dort zu entsorgen ist teuer.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Diesen Test haben wir erstmals im ÖKO-TEST Magazin 7/2020 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Spezial Schwangerschaft und Geburt, sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

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Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

In Drogerien und Supermärkten haben wir insgesamt 25 Babyfeuchttücher ohne Parfüm eingekauft. Wir haben die Inhaltsstofflisten ausgiebig auf Polythethylenglokole und deren Abkömmlinge (PEG/PEG-Derivate), Silikone und synthetische Polymere prüfen lassen. Elf Produkte tragen Auslobungen wie 97 %, 99 % oder 99,9 % Wasser. Wo viel Wasser ist, wachsen auch Bakterien gut. Wir wollten deshalb wissen, ob die Tücher hygienisch einwandfrei sind, und haben sie im Labor mikrobiologisch auf Keimbelastung untersuchen lassen.

Zudem ließen wir die Gehalte an Konservierungsstoffen analysieren und glichen sie mit den rechtlichen Vorgaben ab. Die beauftragen Labore prüften auch, ob die Tücher optische Aufheller, halogenorganische Verbindungen und Formaldehyd/ -abspalter enthalten. Ausschlaggebend für das Gesamturteil ist die Bewertung der Inhaltsstoffe.

Bewertungslegende 

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) PEG/PEG-Derivate; b) halogenorganische Verbindungen.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: Silikone, die weniger als ein Prozent ausmachen, und/oder synthetische Polymere als weitere Kunststoffverbindungen (hier: Carbomer, Glyceryl Polyacrylate). Steht bei konkret benannten Analyseergebnissen "nein", bedeutet das "unterhalb der Bestimmungsgrenze" der jeweiligen Testmethode.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben.

Testmethoden 

Testmethoden (je nach Zusammensetzung der Produkte): Formaldehyd/-abspalter: saure Wasserdampfdestillation, Derivatisierung mit Acetylaceton, Ausschüttung mit n-Butanol und Bestimmung mittels Photometrie. Halogenorganische Verbindungen: Elution mit Reinstwasser in Soxhlet-Apparatur, Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. Konservierungsstoffe: LC-UV. Mikrobiologie: aerobe mesophile Gesamtkeimzahl, Pseudomonas aeruginosa, Staphylococcus areus, Candida albicans und Eschericia coli nach DIN EN ISO 17516, Prüfung nach Ph. Eur. (Europ. Arzneibuch) aktuelle Ausgabe, 2.6.12 und 2.6.13. Optische Aufheller: Qualitativer Nachweis (UV-Licht). Paraffine/Silikone/Erdölprodukte: LC-RI nach Extraktion, Absicherung mit GC-MS. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: Februar 2020 

Diesen Test haben wir erstmals im ÖKO-TEST Magazin 7/2020 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Spezial Schwangerschaft und Geburt, sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

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