- Mehr als die Hälfte der getesteten Beißringe für Babys bewerten wir mit Bestnote. Dazu gehören günstige und teure Produkte.
- Mit den Gesamturteilen "mangelhaft" oder "ungenügend" enttäuschen drei Beißringe im Test.
- In drei Beißringen kritisieren wir krebsverdächtige polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK).
Aktualisiert am 15.10.2020 | Bekommt ein Baby Milchzähne, kaut und nagt es oft verzweifelt an allem herum, was es in den Händen hält. Auf diese Weise möchte es den Schmerz lindern. Zahnungsbeschwerden können heftig ausfallen. Möglich sind ein Spannungsgefühl, gerötetes oder geschwollenes Zahnfleisch, unruhiger Schlaf, Schmerzen und erhöhte Reizbarkeit.
Beißringe können da Abhilfe schaffen – etwas zumindest, weil sie das Kau- und Kühlbedürfnis der Kleinen stillen. Wir haben 20 Zahnungshilfen ins Labor geschickt und umfangreich testen lassen. Die Beißringe bestehen aus Naturkautschuk, Kunststoff, Textil, Holz oder Silikon. Das teuerste Produkt im Test kostet 17,95 Euro, das günstigste 1,35 Euro.
Das Ergebnis: Wir können sowohl günstige als auch teure Beißringe für Babys im Test empfehlen. Insgesamt elf Zahnungshilfen schneiden mit "sehr gut" ab. Mit "mangelhaft" oder "ungenügend" enttäuschen aber auch drei getestete Produkte.
Beißringe-Test deckt Schadstoffe auf
Beißringe sollten keine Schadstoffe enthalten. Daher ist es besonders enttäuschend, dass das von uns beauftragte Labor aus unserer Sicht auffällige Gehalte an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) in den Kunststoffen von drei Beißringen im Test gefunden hat.

In allen drei Fällen handelt es sich um die PAK-Verbindung Naphthalin – Sie steht im Verdacht, Krebs zu erzeugen. Zwei der drei betroffenen Zahnungshilfen erhalten aus unserer Sicht sogar "stark erhöhte" Gehalte an Naphthalin. Den gesetzlichen Grenzwert halten die Produkte aber ein.
PAK kommen häufig in Kunststoffen vor. Sie können beispielsweise über Weichmacheröle oder Ruß hineingelangen.
Im Beißring-Test vergeben wir nur einmal die Note "ungenügend". Der Hauptgrund: Das von uns beauftragte Labor hat in dem Beißring Anilin analysiert. Die Chemiker wiesen die Substanz in einem textilen Stoff nach. Anilin, ein Farbstoffbaustein aus der Gruppe der aromatischen Amine, erwies sich im Tierversuch als krebserzeugend. Es hat also in einer Zahnungshilfe, die Babys in den Mund nehmen, überhaupt nichts zu suchen.
Da in dem Produkt zudem noch umstrittene halogenorganische Verbindungen stecken, kann das Gesamturteil nur "ungenügend" lauten. Viele Substanzen aus dieser Gruppe gelten als allergieauslösend, manche erzeugen Krebs, fast alle reichern sich in der Umwelt an.
Überflüssig: Silber in Beißringen für Babys
Eine weitere Zahnungshilfe im Test kritisieren wir, weil sie überflüssiges Silber beinhaltet. Der Anbieter lobt seinen Beißring auf der Packung mit "protected" ("geschützt") aus. Im Kleingedruckten auf der Rückseite erfahren Verbraucher, worin der Schutz besteht: Eine "silberbasierte antimikrobielle Technologie" verhindere die Vermehrung von Bakterien auf der Oberfläche des Beißrings. Wenig überraschend wies das von uns beauftragte Labor dann auch Silber nach.
Allerdings hält ÖKO-TEST eine solche biozide Ausrüstung nicht nur für vollkommen überflüssig, sondern auch für problematisch. Denn durch die antibakterielle Ausrüstung von Gebrauchsgegenständen mit Silber erhöht sich die Gefahr, dass sich mit der Zeit silberresistente Bakterienstämme bilden.
Das gefährdet den Nutzen von Silber in der Medizin, in der es im Kampf gegen Keime zum Einsatz kommt. Der zunehmende Trend zur Ausrüstung von Alltagsgütern – Sportkleidung und vieles mehr – mit Silber macht nicht einmal mehr vor Beißringen halt.

Beißringe aus Naturkautschuk & Co. im Praxistest
Erfreulich dagegen: Alle 20 Zahnungshilfen haben die Praxistests bestanden. Im Prüflabor mussten die Ringe in die Belastungsproben. Die Laborexperten testeten sie nach dem ersten Teil der Spielzeugnorm EN 71.
So lief der Praxistest: Die Experten prüften, ob die Produkte Kanten oder Spitzen aufweisen, die ein Verletzungsrisiko darstellen. Mit Spezialgeräten, die Zug- und Drehkräfte ausüben, ermittelten sie, ob die Produkte stabil genug sind oder ob sich verschluckbare Kleinteile lösen.
Außerdem kontrollierten sie mit einer Maschine, ob Teile mit Kühlflüssigkeit aufplatzen und schauten danach, ob die Farben abfärben. Mittels Lösungen, die Speichel und Schweiß simulieren, überprüften sie textile Anteile wie Stofftierchen und Applikationen sowie farbige Hölzer.
Beißringe für Babys: So werden sie richtig benutzt
Das sollten Sie beachten:
- Ein kühler Beißring kann dem Baby gut tun. Legen Sie den Beißring aber nicht ins Gefrierfach, sondern in den Kühlschrank. Sonst ist er zu kalt und kann die Mundschleimhaut Ihres Babys verletzen.
- Beachten Sie zum Reinigen des Beißringes die Gebrauchsanweisung. Grundsätzlich genügt es, Beißringe mit warmem Wasser abzuspülen. Das Auskochen, das Waschen in der Spülmaschine oder das Erwärmen in der Mikrowelle können Materialien zerstören.
- Prüfen Sie den Beißring regelmäßig auf Abnutzung und Festigkeit. Bei Anzeichen von Schäden sollten Sie den Beißring austauschen.
Das könnte Sie auch interessieren: Nicht nur Beißringe sind eine Möglichkeit, die Beschwerden von zahnenden Kindern zu lindern. Es gibt auch Hausmittel. Welche wir empfehlen und wovon wir lieber abraten:
Diesen Test haben wir zuletzt im ÖKO-TEST "Ratgeber Kinder und Familie 2020" veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch für 2021, sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.
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