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Babytragen-Test: Drei Modelle können Babys schaden

Spezial Baby | Autor: Frank Schuster | Kategorie: Kinder und Familie | 09.04.2020

Babytragen im Test: Wir haben insgesamt zehn Tragehilfen überprüft.
Foto: imago/Westend61

Eine optimale Babytrage ist sicher und ermöglicht dem Kind eine gute Haltung. Dass das nicht bei jedem Modell der Fall ist, zeigt unser Test. Von drei Babytragen raten wir ab, fünf bewerten wir allerdings auch mit "sehr gut".

  • Jede zweite Babytrage im Test können wir mit Bestnote empfehlen. 
  • Mit "mangelhaft" oder "ungenügend" fallen insgesamt drei getestete Babytragen durch.
  • Unsere Kritik: Die Tragen bieten keinen Halt und/oder die Babys nehmen eine schlechte Haltung ein.

Aktualisiert am 9.4.2020; Einkauf Testprodukte Dez 2019 | Babytragen sind bequem. Mama oder Papa hat beide Hände frei, die Kinder sind nah bei einem Elternteil und deshalb meist viel zufriedener als im Kinderwagen. Bequem für die Eltern sind vor allem Tragen mit Riemen und Schnallen. Ein, zwei Klicks und das Kind sitzt so, wie es soll. Besonders schön: Fünf dieser bequemen Babytragen haben in unserem Test "sehr gut" abgeschnitten, eine ist "gut".

Insgesamt haben wir zehn Babytragen überprüft, darunter auch drei sogenannte Halfbuckles. Buckle heißt übersetzt "Schnalle" oder "Schloss". Halfbuckles sind Mischformen aus Anschnalltrage und Tragetuch: Der obere Teil lässt sich wie ein Tuch um das Baby und um die Schultern der Eltern individuell binden und stufenlos anpassen; die Schnalle am Hüftgurt sorgt für einen festen Sitz.

Babytragen-Test: Fünf sind "sehr gut"

Wir haben alle Modelle im Test in Labore geschickt, um sie auf Schadstoffe prüfen zu lassen. Vor allem aber haben wir sie einem umfangreichen Praxistest unterzogen: Expertinnen aus der Trageberatung und der Physiotherapie haben sie für uns in einem Probandentest mit Kindern und Eltern auf ihre Gebrauchseignung getestet. Dabei achteten die Expertinnen insbesondere darauf, ob die Tragen für eine anatomisch korrekte Haltung und Stützung der Babys sorgen. Auch die Handhabung haben sie sich näher angeschaut.

Neben den empfehlenswerten Tragehilfen im Test gibt es allerdings auch Modelle, die enttäuschen. Eine Babytrage schneidet "mangelhaft" ab, zwei sogar "ungenügend".

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Warum fallen drei Babytragen im Test durch?

1. Babys nehmen eine schlechte Haltung ein

Von den drei "mangelhaften" oder "ungenügenden" Tragehilfen können wir nur abraten. In einer dieser Babytragen nahmen alle Testkinder eine zusammengesackte, physiologisch unakzeptable Haltung ein. Das liegt vor allem daran, dass die Trage zu groß konstruiert ist und kaum Einstellmöglichkeiten bietet. Der Hüftsteg und das Rückenpaneel für die Kinder lassen sich nicht einstellen.

Babys unter zwölf Monaten können aufgrund der großen Ausmaße der Trage nicht genügend Kontakt zur Trageperson finden und so die optimale Anhock- Spreizstellung mit angezogenen Oberschenkeln nicht einnehmen. Die Beine der Kinder hängen haltlos nach unten.

In einer anderen Babytrage, die durchfällt, finden die Beine ebenfalls zu wenig Halt. Ursache dafür ist der zu schmale Sitzsteg. Die Kinder nehmen auch aufgrund mangelnder Einstellmöglichkeiten und Stützung eine schlechte Haltung ein. Es kann zu einer starken Überstreckung der Wirbelsäule kommen.

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Babytragen im Test: Wir können insgesamt sechs Tragehilfen mit "sehr gut" oder "gut" empfehlen.
Babytragen im Test: Wir können insgesamt sechs Tragehilfen mit "sehr gut" oder "gut" empfehlen. (Foto: Halfpoint/Shutterstock)

2. Das Kind könnte aus der Trage fallen

Eine der "ungenüenden" Babytragen im Test hat ein ernsthaftes Gurte- und Schnallenproblem. Besonders gravierend: Bei einem Durchlauf im Praxistest riss eine der beiden Verbindungsschnallen des Brustgurts aus der Führung.

Dieser dient zum Stabilisieren der beiden Schultergurte. Sie könnten ohne den zusätzlichen Halt von den Schultern des Trägers rutschen und das Kind könnte aus der Trage fallen.

Kaum umstrittene Inhaltsstoffe in Babytragen im Test

Insgesamt sehen wir die Testergebnisse zu umstrittenen Inhaltsstoffen als sehr erfreulich an. Die Tragen sind weder mit giftigen Schwermetallen noch mit krebserregenden Farbstoffbestandteilen belastet. Das ist eine gute Nachricht für Eltern und Kinder. Zwei Kritikpunkte bringen wir dennoch an:

In allen zehn Tragehilfen wies ein Labor optische Aufheller nach. Meist stecken die künstlichen Weißmacher in Etiketten und weißen Garnen, manchmal auch in größeren Textilteilen wie den weißen Vliesstoffen. Hersteller setzen sie ein, um Textilien ein "frischeres" Aussehen zu verleihen. Aufheller belasten jedoch die Umwelt, weil sie kaum abgebaut werden.

In zwei Babytragen im Test wies das beauftragte Labor in den textilen Bestandteilen halogenorganische Verbindungen nach. Sie könnten aus dem Färbeprozess stammen. Die Verbindungen sind eine Gruppe von mehreren tausend Stoffen. Viele gelten als allergieauslösend.

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So ist es richtig: Kopf und Nacken des Kindes sind genügend gestützt. Der Rücken wird nicht überstreckt und die Beine befinden sich in der Anhock-Spreizhaltung.
So ist es richtig: Kopf und Nacken des Kindes sind genügend gestützt. Der Rücken wird nicht überstreckt und die Beine befinden sich in der Anhock-Spreizhaltung. (Foto: Kid_Games_Catalog/Shutterstock )

Tipps: So tragen Sie ihr Kind richtig 

  1. Achtung: Für Säuglinge unter vier Monaten besteht Erstickungsgefahr, wenn ihr Gesicht gegen den Körper der Tragenden drückt. Der Kopf muss zwar gestützt sein, ihm muss jedoch genügend Bewegungsfreiheit bleiben.
  2. Neugeborene vor dem Bauch tragen, Blickrichtung zu Mama oder Papa. Wichtig: Ihr Köpfchen muss gestützt sein, weil sie ihn noch nicht sicher alleine halten können. Schutz bieten hier die Kopfteile. Sie können wie eine Kapuze hochgezogen oder aufgeklappt werden.
  3. Auf den Rücken sollten die Babys erst, wenn sie sicher sitzen und das Köpfchen gut halten. Das können sie ab etwa dem achten bis zwölften Monat.
  4. Vor dem Bauch nicht mit dem Gesicht nach vorne. Die Kinder können so nicht die Anhock-Spreizhaltung einnehmen. Die Beine werden gestreckt und der Hüftkopf nach außen gehebelt. Das kann zu Hüftschäden führen. Zudem sorgt die Position für eine Reizüberflutung.
  5. Sitzsteg zwischen den Beinen je nach Größe des Kindes einstellen. So unterstützt er die Oberschenkel und ermöglicht die optimale Beinhaltung. Der Steg darf nicht drücken, sonst kann es zu einem Blutstau kommen. 
  6. Ruckartige Bewegungen vermeiden. Mit dem Kind in der Trage nicht joggen oder Sport treiben. Auf Erschütterungen reagieren die Kleinen empfindlich.

Unser Tipp zum Kauf: Probieren Sie vor dem Kauf verschiedene Tragen aus. Fachgeschäfte oder Trageberaterinnen bieten Beratung.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Diesen Test haben wir bereits im ÖKO-TEST Magazin 3/2020 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Baby Spezial 2020, sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

Weiterlesen auf oekotest.de:


Testverfahren

Wir haben zehn Tragen eingekauft, darunter drei Halfbuckles, also Halbschnallentragen. Um die Schultern und um das Baby werden sie wie ein Tragetuch gebunden und um die Hüfte wie ein Reiserucksack umgeschnallt. Neun Modelle im Test sind in Bauch- und Rückenposition nutzbar, das Produkt von Baby Björn nur vorne vor dem Bauch. Die Preise lagen zwischen rund 50 und rund 190 Euro.

Drei Expertinnen aus der Trageberatung und Kinderphysiotherapie testeten alle Tragen mit unterschiedlich alten und schweren Kindern sowie unterschiedlich großen Eltern. Sie prüften, ob sie bequem sind, ob sie den Kopf der Kinder ausreichend stützen und inwieweit die Kleinen Kopf, Brustkorb, Becken, Arme und Beine in eine gute Beziehung zueinander bringen können. Optimal für die Anatomie ist die Anhock-Spreizhaltung, in der das Baby die Oberschenkel bis zum rechten Winkel anziehen kann. Schlecht ist, wenn seine Beine herabhängen oder die Wirbelsäule überstreckt.

Säuglinge nehmen alles in den Mund, auch die Riemen und Stoffe der Tragen. Deshalb überprüfte ein Labor, ob die Farben speichel- und schweißecht sind, nicht abfärben und ob problematische aromatische Amine in den Farben stecken. Weitere Parameter waren halogenorganische Verbindungen, hautreizendes Antimon im Polyester sowie optische Aufheller in Nähgarnen, Etiketten und weißen Textilteilen. Eine Trage sollte in erster Linie eine anatomisch korrekte Haltung gewährleisten und gut zu handhaben sein. Unser Gesamturteil beruht deshalb vorrangig auf dem Testergebnis Gebrauchseignung.  

Bewertungslegende 

Bewertung Testergebnis Gebrauchseignung: Das Testergebnis Gebrauchseignung setzt sich aus den Ergebnissen Haltung des Kindes und Stützung durch die Trage (40 %), Beinhaltung des Kindes (40 %) und Handhabung (20 %) zusammen. Eine Trage mit einem Sicherheitsrisiko kann im Testergebnis Gebrauchseignung nicht besser abschneiden als "ungenügend". Darüber hinaus führt zu einer Abwertung des Testergebnisses Gebrauchseignung um eine Note: Bedienungsanleitung mit Mängeln (hier: unvollständig und unverständlich). Zu einer Abwertung des Testergebnisses Gebrauchseignung um eine halbe Note führt: Bedienungsanleitung mit leichten Mängeln (hier: lückenhaft und/oder verwirrend).

Bewertung Gebrauchseignung:

Haltung des Kindes und Stützung durch die Trage (40 %): Zur Abwertung um fünf Noten führt: physiologisch unakzeptable Haltung (zusammengesackt) und Neugeboreneneinsatz bietet keinen Halt. Zur Abwertung um drei Noten führt: starke Überstreckung. Zur Abwertung um zwei Noten führt: (teils) Überstreckung und (teils) Beckeneinstellung zu stark nach hinten orientiert. Zur Abwertung um eine Note führt: teils leichte Überstreckung.

Beinhaltung des Kindes (40 %): Zur Abwertung um fünf Noten führt: Hängende Beine ohne Unterstützung bzw. ohne Kontakt zur Trageperson sowie gekipptes Becken und/oder Überspreizung. Zur Abwertung um eine Note führt: teils leichte Innenrotation des Knies.

Handhabung (20 %): Zur Abwertung um jeweils fünf Noten führen: a) Sicherheitsrisiko: Brustgurt kann aus Führungsschiene reißen; b) Hüftsteg und Rückenpaneel nicht einstellbar, Verbindungsschnalle nicht in Höhe verstellbar und Trage unbequem (hier: Druck zwischen Schulterblättern und unter den Armen). Zur Abwertung um vier Noten führt: Verkürzen des Rückenpaneels etwas schwierig, Gurte etwas schwergängig, Schnallen mit Mängeln und Trage teils unbequem (hier: Beckengurt drückt). Zur Abwertung um drei Noten führt: Größenanpassung nur schwer einstellbar (hier: Anpassung an Größe des Kindes bedarf viel Kraft und diejenige an die Größe der Eltern erschließt sich nicht aus Anleitung). Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) Stegbreite nicht einstellbar, Stoff zu nachgiebig und Trage teils unbequem (hier: Druck auf Hüfte und Schulter); b) Rückenschnalle etwas schwer verschließbar, Nackenband schnürt Kind bei Verkleinerung etwas ein und teils wenig benutzerfreundlich (hier: wegen großer Anzahl an Schnallen).

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um eine Note: halogenorganische Verbindungen. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um jeweils eine Note: a) optische Aufheller; b) PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Gebrauchseignung. Ein Testergebnis Inhaltsstoffe, das "gut" ist, hat keinen Einfluss auf das Gesamturteil. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" ist, verschlechtert das Testergebnis Inhaltsstoffe um eine Note.

Testmethoden 

PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen (in Produkt und Verpackung): Röntgenfluoreszenzanalyse.

Halogenorganische Verbindungen: Probe wird mit Reinstwasser in der Soxhlet-Apparatur eluiert. Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. Untersucht wurde eine repräsentative Mischprobe der textilen Bestandteile.

Elemente: Elution von Schwermetallen mittels saurer Schweißlösung. Elementbestimmung mittels ICP-MS. Untersucht wurde eine repräsentative Mischprobe aus dem Textil. 

Nickellöslichkeit: Elution der Proben mittels saurer Schweißlösung. Elutionsdauer 1 Woche. Elementbestimmung mittels ICP-MS. Untersucht wurden unlackierte Metallknöpfe und/oder Reißverschlusszipper. 

Aromatische Amine: Prüfung auf Amine nach reduktiver Spaltung; Analytik entsprechend DIN EN 14362-1:2017-05. Bei Hinweisen auf 4-Aminoazobenzol zusätzliche Prüfung entsprechend DIN EN 14362-3:2017-05; Bestimmungsgrenze: 1 mg/kg. GC/MS und HPLC/DAD oder TLC; zusätzliche Prüfung auf Anilin und Xylidine.

Optische Aufheller: qualitativer Nachweis (UV-Licht).

Speichel- und Schweißechtheit: DIN 53160-1, 2:2010-10, § 64 LFGB, B 82.10-1,2. Die Bewertung der Echtheitsprüfungen erfolgte mittels Graumaßstab, wobei Note 5 die beste Note darstellt und Note 1 die schlechteste.

Gebrauchseignung: Haltung und Stützung des Kindes, Beinhaltung des Kindes, Handhabung, Bedienungsanleitung: Praxistests mit 3 bis 6 unterschiedlich alten Babys/Kindern (Neugeborene bis 13 Monate) und 3 bis 6 unterschiedlich großen Tragenden als Testpersonen. Begutachtung durch drei Expertinnen aus den Bereichen Trageberatung und Kinderphysiotherapie. Getestet wurde die Bauchtrageposition.

Einkauf der Testprodukte: Dezember 2019 

Diesen Test haben wir bereits im ÖKO-TEST Magazin 3/2020 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Baby Spezial 2020, sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

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