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Baby-Cremes im Test: Mineralölbestandteile in zwei Marken gefunden

ÖKO-TEST Jahrbuch für 2021 | Autor: Victoria Pfisterer/Frank Schuster | Kategorie: Kinder und Familie | 16.10.2020

Baby-Cremes im Test: 16 Produkte sind mit "sehr gut" empfehlenswert.
Foto: Onjira Leibe/Shutterstock

Ist das Baby gebadet oder gewaschen, spricht nichts dagegen, den Körper mit einer Creme zu pflegen. Sie kann der Haut Widerstandskraft und Feuchtigkeit verleihen. Unser Test von 19 Produkten zeigt: Die meisten Baby-Cremes sind empfehlenswert, von zwei raten wir aber auch ab.

  • Mit "sehr gut" können wir 16 Baby-Cremes im Test empfehlen. 
  • Aufgrund von bedenklichen Inhaltsstoffen fallen zwei bekannte Marken durch den Test. 
  • Wir kritisieren vor allem gefundene aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH). Darunter können auch krebserregende Verbindungen sein.

Aktualisiert am 15.10.2020 | Früher hieß es, Wasser genügt zur Reinigung und Pflege von Babyhaut, inzwischen aber herrscht unter Experten die Meinung vor, dass eine Pflegecreme durchaus gut tun kann. Bei einem Expertengespräch vor vier Jahren aktualisierten europäische Dermatologen ihre vorherigen Empfehlungen.

Seitdem sagen sie, es sei ratsam, ab der zweiten oder dritten Lebenswoche Gesicht und Körper der Kleinen mindestens zweimal wöchentlich dünn mit einer wirkstofffreien Pflegecreme einzucremen, besonders nach dem Baden. Die zusätzliche Pflege sorge für einen ausgeglichenen Feuchtigkeitshaushalt und stärke den Eigenschutz der Haut.

Baby-Cremes im Test: Gibt es Probleme mit Schadstoffen?  

Wir haben 19 Babypflegecremes, die für Gesicht und Körper und nicht für den sensiblen Windelbreich gedacht sind, unter die Lupe genommen. Im Fokus: die Inhaltsstoffe. Denn Babypflegeprodukten sollten auf jeden Fall frei von problematischen Inhaltsstoffen sein.

Das Ergebnis: 16 der 19 Baby-Cremes im Test schneiden mit Bestnote ab, ein weiteres Produkt immerhin mit "gut". Es freut uns, dass die Hersteller bei den Babyprodukten so viel Sorgfalt walten lassen. Es gibt aber auch zwei Pflegecremes bekannter Marken, die mit schlechten Gesamturteilen enttäuschen. Sie sind nur "mangelhaft".  

Baby-Cremes im Test: Wir haben insgesamt 22 Pflegecremes überprüft.
Baby-Cremes im Test: Wir haben insgesamt 22 Pflegecremes überprüft. (Foto: Onjira Leibe/Shutterstock )

Zwei Cremes enttäuschen mit Inhaltsstoffen  

Warum fallen zwei Baby-Cremes durch den Test? In den beiden Produkten wies das von uns beauftragte Labor aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) nach. Darunter können auch krebserregende Verbindungen sein. Beide Cremes enthalten Paraffine, das sind Fette auf Erdölbasis, die mit MOAH verunreinigt sein können.

Auch ohne MOAH sind Paraffine – sowie künstliche Silikone – kritisch zu sehen. Denn sie integrieren sich nicht so gut ins natürliche Gleichgewicht der Haut wie ein natürliches Öl. Solche Fette sind als Zutat auch nicht notwendig. Das zeigen alle anderen Baby-Cremes im Test. Sie enthalten keine Paraffine und Silikone.

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Bedenkliches Antioxidans in einer Baby-Creme

In einer der beiden "mangelhaften" Baby-Cremes steckt mit Butylhydroxytoluol (BHT) noch ein weiterer problematischer Inhaltsstoff. BHT kommt in Kosmetika als Antioxidans zum Einsatz. Es kann Verbindungen bilden, die krebsauslösend wirken können.

Der Stoff reichert sich zudem im menschlichen Fettgewebe an und kann Allergien auslösen. Zum Glück hat der Hersteller diese Zutat nach eigenen Angaben jetzt aus der Rezeptur genommen.

Was ist außerdem im Test aufgefallen? Zwei Baby-Cremes enthalten synthetische Polymere. Bei der beigemischten Verbindung handelt es sich zwar nicht um feste Mikroplastikpartikel. Doch auch in halbfester oder flüssiger Form bauen sich die Kunststoffe in der Umwelt nur schwer ab. Sie sind verzichtbar, wie die 17 anderen Cremes im Test zeigen.

(Foto: ÖKO-TEST)

Tipps: So pflegen Sie die Babyhaut richtig 

So pflegen Sie die Haut Ihres Babys richtig: 

  1. Babypflegecremes können neueren Studien zufolge die Hautbarriere stabilisieren und den Eigenschutz der Haut gegenüber schädlichen Umwelteinflüssen stärken. Sie können auch das Risiko senken, eine Neurodermitis zu entwickeln. Die Cremes sollten mild und wirkstofffrei sein.
  2. Dünn auftragen und gut verteilen, auch in den Hautfalten. Im empfindlichen Windelbereich haben die meist parfümierten Cremes nichts zu suchen.
  3. Baden oder Waschlappen? Baden ist schonender für die empfindliche Babyhaut. Zwei- bis dreimal die Woche, maximal fünf bis zehn Minuten, in purem Wasser oder mit schonenden Säuglingsbadezusätzen.
  4. Vorsicht, besser kein Olivenöl. Neueren Studien zufolge trocknet Olivenöl die Haut aus und kann zu leichten Hautirritationen führen. Sonnenblumenöl dagegen kann zu einer Verbesserung der Feuchtigkeit und Hautbarriere beitragen.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Diesen Test haben wir zuletzt im ÖKO-TEST Magazin 10/2020 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch für 2021, sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

Weiterlesen auf oekotest.de:


Testverfahren

Wir haben 19 Babypflegecremes eingekauft, davon sind zwölf als Naturkosmetik zertifiziert. Die Preise reichten von 0,60 bis 17,99 Euro für 75 Milliliter. Wir haben die Deklarationen der Produkte begutachten lassen und geprüft, ob die Cremes Paraffine, Silikone, Phthalate, PEG/PEG-Derivate oder umweltbelastende synthetische Polymere enthalten. Spezialisierte Labore untersuchten die Produkte auf umstrittene halogenorganische Verbindungen, Mineralölbestandteile und bedenkliche Formaldehyd/ -abspalter.

Auch auf Duftstoffe, die allergische Reaktionen auslösen können, und auf künstliche Moschusverbindungen, die sich in der Umwelt und im menschlichen Körper anreichern, haben wir prüfen lassen. Ein weiteres Labor analysierte das Verpackungsmaterial auf umweltproblematische chlorierte Verbindungen. Umweltrelevante Parameter fließen in das Testergebnis Weitere Mängel ein.

Bewertungslegende 

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um zwei Noten: MOAH. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um jeweils eine Note: a) BHT b) mehr als 1 Prozent Silikone/Paraffine.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um zwei Noten: synthetische Polymere (hier: Carbomer). Zur Abwertung um eine Note führt: Umkarton, der kein Glas schützt.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" oder "ausreichend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben.

Testmethoden 

DEP/deklarationspflichtige Duftstoffe/polyzyklische und Nitro-Moschusverbindungen/Cashmeran: Extraktion mit TBME, GC-MS. Formaldehyd/-abspalter: saure Wasserdampfdestillation, Derivatisierung mit Acetylaceton, Ausschütteln mit n-Butanol, Fotometrie. Halogenorganische Verbindungen: a) Heißwasserextraktion, Zentrifugation und Membranfiltration, Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts; b) Extraktion mit Essigester, Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. Aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH), wenn Paraffine deklariert: LC-GC/FID. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: Juni 2020 

Diesen Test haben wir zuletzt im ÖKO-TEST Magazin 10/2020 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch für 2021, sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

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