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Verbeulter Lidl-Löffel: Absurdes Besteck soll Ernährungsgewohnheit ändern

Ein Kommentar

Autor: Lino Wirag | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 10.10.2019

Verbeulter Lidl-Löffel: Absurdes Besteck soll Ernährungsgewohnheit ändern
(Foto: Lidl Presse)

Der Discounter Lidl will Kunden mit einem seltsamen Produkt locken: Ein Löffel soll dabei helfen, weniger Zucker zu konsumieren. Das klingt sympathisch, setzt aber an der falschen Stelle an, meint unser Autor Lino Wirag.

Uri Geller hätte seine Freude an dem Zauberbesteck, mit dem der Discounter Lidl seine Kunden bedenken will: Was auf den ersten Blick aussieht wie ein Teelöffel mit Beule, stellt sich auf den zweiten als genau das heraus. Der sogenannte "Lidl-Löffel" hat eine kleine Erhebung in der Mitte, die das Volumen des Besteckteils reduziert. Dadurch passen laut dem Discounter rund 20 Prozent weniger Zucker (oder vergleichbare Pülverchen und Gewürze) auf den Löffel.

Das beulige Besteckstück soll ab heute für einen Cent im Onlineshop des Discounters erhältlich sein, ab 24. Oktober gibt es das Utensil dann – ab 25 Euro Einkaufswert – kostenlos an der Lidl-Kasse, solange der Vorrat reicht.

Lidl bringt sich gegen Zucker in Löffelchenstellung

Der Löffel mit Delle ist Teil einer, so Lidl, "nationalen Sensibilisierungskampagne", mit der Verbraucher angehalten werden sollen, weniger Zucker zu konsumieren. Das ist grundsätzlich zu belobigen, genauso wie die Tatsache, dass Lidl die Zuckermenge einiger Eigenprodukte bereits reduziert hat. Weniger erfreulich ist, dass es sich bei dem "Lidl-Löffel" um wenig mehr als einen Marketinggag handelt. Das ist nicht verboten, wird aber kaum etwas im Kampf gegen Karies und Übergewicht ausrichten, die mit dem Genuss von zu viel Zucker verbunden sind.

Bei 6 Löffeln Zucker am Tag (was schon viel wäre), würde ein Nutzer des "Lidl-Löffels" ca. 1,6 Gramm einsparen – nicht gerade umwerfend, wenn man bedenkt, dass der durchschnittliche Deutsche täglich etwa 90 Gramm Zucker zu sich nimmt. Diese Menge wird allerdings kaum gelöffelt, sondern steckt vor allem in industriell verarbeiteten Produkten.

Ein Löffelchen für den Müllberg

Wenn Lidl also wirklich daran gelegen wäre, dass Kunden sich gesünder ernähren, wäre zuerst bei den Produkten in den eigenen Regalen anzufangen. Oder der Discounter könnte sich für Lebensmittelkennzeichnungen wie den Nutri-Score aussprechen.

Das beulige Besteckstück dürfte binnen kurzer Frist vor allem eines sein: unnötiger Müll. Spätestens dann, wenn man einmal versucht hat, damit einen Joghurt zu löffeln oder Marmelade zu portionieren. Und wer weniger Zucker in seinen Kaffee rühren möchte, soll das bitte einfach tun – das geht sogar mit dem guten alten Otto-Normal-Löffel.

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