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Studie zeigt: Im Schonwaschgang löst sich deutlich mehr Mikroplastik

Autor: Brigitte Rohm; Lino Wirag | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 27.09.2019

Studie zeigt: Im Schonwaschgang löst sich deutlich mehr Mikroplastik
(Foto: CC0 Public Domain / Pixabay / stevepb)

Den Schonwaschgang nur noch schonend einsetzen: Das wäre zumindest die Empfehlung, die man aus einer neuen britischen Studie ableiten könnte.

Wer seine Wäsche im Schonwaschgang wäscht, tut zwar empfindlichen Textilien möglicherweise etwas Gutes – der Umwelt jedoch nicht. Denn beim Waschen wird Mikroplastik aus der Kleidung freigesetzt. Laut einer Studie der Universität in Newcastle ist das offenbar beim Schonwaschgang der Waschmaschine wesentlich mehr als bislang angenommen – und mehr als in anderen Wäscheprogrammen.

"Das Ergebnis hat uns überrascht", sagte der Studienleiter, Meeresmikrobiologe Grant Burgess, dem britischen Guardian. "Man würde erwarten, dass der Schonwaschgang die Kleidung schützt und dazu führt, dass weniger Mikroplastik frei wird, aber unsere sorgfältigen Studien haben gezeigt, dass tatsächlich das Gegenteil der Fall ist."

800.000 zusätzliche Mikrofasern im Schonwaschgang

Die britischen Forscher verwendeten ein sogenanntes Tergometer, ein Gerät, das in der Industrie zum Test von Waschmitteln genutzt wird und aus acht kleinen Waschmaschinen besteht. Darin wuschen sie Probestücke aus schwarzen Polyester-T-Shirts mit immer der gleichen Menge Waschmittel, aber verschiedenen Waschprogrammen – mit jeweils anderer Dauer, Temperatur, unterschiedlichen Wasservolumina und Umdrehungsgeschwindigkeiten der Trommel. 

Danach folgten Zusatztests mit normalen Waschmaschinen. Im filtrierten Abwasser untersuchten die Wissenschaftler die Mengen an Mikrofasern. Das Ergebnis: Die vermeintlich schonenderen Waschgänge wuschen durchschnittlich 800.000 zusätzliche Mikrofasern aus der Wäsche – Mikroplastik, das biologisch nicht abbaubar ist und sich in der Umwelt anreichern kann. Zum Vergleich: Frühere Studien hatten laut dem Guardian gezeigt, dass sich zwischen 500.000 und sechs Millionen Mikrofasern beim Waschen von synthetischen Textilien lösen.

Entscheidend ist die eingesetzte Wassermenge

Zwar wird die Wäsche im Schonwaschgang weniger stark bewegt und auch die Waschtemperatur ist relativ niedrig. Entscheidend ist aber offenbar nicht die mechanische Belastung, sondern ein anderer Faktor: die eingesetzte Wassermenge. "In den Schonwaschgängen wird mehr Wasser verwendet, um empfindliche Kleidung vor Schäden zu schützen", sagt Kelly, einer der Studienleister. "Dafür jedoch spült dieses Wasser mehr Fasern aus dem Material aus."

Durch die Studie wird deutlich: Die Art des Waschens spielt eine große Rolle, wenn wir die Menge an Mikroplastik reduzieren wollen, die durch unsere Kleidung ins Abwasser gelangt – und damit auch in die Gewässer. Die Wissenschaftler hoffen, dass sich ihre Ergebnisse auch auf die Entwicklung neuer Waschmaschinen auswirken werden.

Was Sie beim Waschen beachten sollten

Für Verbraucher sind zwei Dinge wichtig, wenn sie dazu beitragen möchten, weniger Mikroplastik-Fasern freizusetzen: Erstens: Einen anderen Waschgang als den Schonwaschgang wählen (der im Übrigen auch durch den hohen Wasserverbrauch selbst nicht umweltfreundlich ist). Besser ist ein Kurzprogramm oder ein Umweltprogramm, das weniger Wasser verbraucht. 

Zwar haben die Forscher bislang nur den Effekt von Polyester untersucht, bei anderen synthetischen Stoffen vermuten sie jedoch eine ähnliche Wirkung. Die zweite wichtige Stellschraube sind daher unsere Textilien selbst: Naturfasern wie Baumwolle, Wolle, Leinen, Seide oder Hanf sind zu bevorzugen. Wer von vornherein keine Wäsche kauft, in der Plastik steckt, setzt auch keines frei.

Quelle: Studie, Pressemitteilung der UniversitätGuardian

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