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Ratgeber: Zöliakie

Krankheit mit vielen Gesichtern

Spezial Heuschnupfen und Allergien | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 07.03.2014

Ratgeber: Zöliakie

Die Zöliakie ist keine klassische Nahrungsmittelallergie: Es werden zwar Antikörper gegen den Getreidebestandteil Gluten gebildet, aber auch Antikörper gegen das eigene Darmgewebe.

Bei Kleinkindern ist es noch einigermaßen einfach, denn sie zeigen die typischen Symptome: ein aufgeblähter Bauch, häufiger und übel riechender Stuhlgang, Übelkeit, Gewichtsabnahme. Auffällig ist außerdem oft die Wesensveränderung - die Kinder sind weinerlich und missmutig. Da klingeln bei (hoffentlich) allen Kinderärzten die Alarmglocken und sie untersuchen die Kleinen auf Zöliakie.

Denn Ursache der Beschwerden ist eine Unverträglichkeit des in vielen Getreidesorten vorkommenden Klebereiweißes Gluten. Schon kleine Mengen des Stoffes, der in Brot, Zwieback, Plätzchen, Müsli, Getreidebreien und vielen anderen Lebensmitteln steckt, führen bei Zöliakie-Betroffenen zu einer Entzündung im Dünndarm, die dort die Schleimhaut schädigt. Dadurch bilden sich die Darmzotten, winzig kleine Ausstülpungen der Dünndarmschleimhaut, zurück. Da über die Zotten aber normalerweise die Fette, Eiweiße, Mineralstoffe und Vitamine aus der Nahrung aufgenommen werden, gelangen diese wichtigen Nährstoffe dann unzureichend verwertet in den Dickdarm und werden mit dem Stuhl ausgeschieden. Vitamin- und Mineralstoffmangel können die Folge sein, wenn die Krankheit länger nicht entdeckt wird.

Und das ist häufig genug der Fall. Die Deutsche Zöliakie-Gesellschaft schätzt, dass einer von 200 Deutschen an einer Glutenunverträglichkeit leidet. Doch nur etwa ein Zehntel der Betroffenen hat die Beschwerden, die man üblicherweise mit der Zöliakie verbindet, nämlich Blähungen, Bauchschmerzen oder fettigen Stuhl. Der Rest hat untypische Symptome und ahnt oft deren Ursache nicht. Denn die Beschwerden haben zumindest auf den ersten Blick gar nichts mit dem Darm zu tun: Abgeschlagenheit, Hautausschläge und Osteoporose lassen sich noch mit einiger medizinischer Kenntnis auf einen Nährstoffmangel zurückführen. Aber eine Zöliakie kann auch Migräne, Gelenkschmerzen, Depressionen, erhöhte Leberwerte oder gynäkologische Probleme wie Zyklusstörungen, Früh- und Fehlgeburten oder gar Unfruchtbarkeit verursachen. "Deshalb halten Mediziner die Zöliakie inzwischen auch eher für eine systemische Krankheit und nicht nur für eine Darmerkrankung", sagt Dr. Stephanie Baas, ärztliche Beraterin bei der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft.

Bei Verdacht auf Zöliakie untersucht der Arzt das Blut auf Transglutaminase-IgA-Antikörper. Sind solche Antikörper im Labor nachweisbar, werden über eine Magenspiegelung mehrere Gewebeproben aus verschiedenen Bereichen des Zwölffingerdarms entnommen, um entzündliche Veränderungen der Darmschleimhaut nachzuweisen. Ganz wichtig ist aber, dass der Patient vorher keine Diät auf eigene Faust macht und Getreideprodukte vorsorglich meidet. Dann kann es nämlich passieren, dass sich der Darm schon erholt hat und die eigentlich vorhandene Zöliakie nicht mehr entdeckt wird.

Ist die Glutenunverträglichkeit nachgewiesen, gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: Wird bei der Ernährung auf Lebensmittel mit dem Klebereiweiß Gluten vollständig verzichtet, regeneriert sich die

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vom 07.03.2014
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Erschienen am 07.03.2014

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