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Nasenspray: So gefährlich ist die Sucht

Autor: Benita Wintermantel | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 15.01.2020

Von Nasenspray kann man nach kurzer Nutzungsdauer abhängig werden
Foto: CC0 Public Domain / Pixabay / ThorstenF

Bei Schnupfen sind abschwellende Nasensprays hilfreich. Wer Nasenspray aber zu lange anwendet, kann süchtig werden. Wir erklären, worin die Gefahr bei Nasenspray liegt und was Betroffene gegen eine Sucht tun können – und zeigen harmlose Alternativen.

Wer abschwellende Nasensprays länger als eine Woche anwendet, kann abhängig werden. Was harmlos klingt, ist gar nicht so ohne: Die Abhängigkeit kann zu chronischem Schnupfen, häufigem Nasenbluten und sogar zu einem Verlust des Geruchsinns führen.

Abschwellende Nasensprays bei Schnupfen

Bei einem starken Schnupfen mit verstopfter Nase ist das Spray ein Segen: Es sorgt für freies Durchatmen – und damit für einen erholsamen Nachtschlaf. Bei einer längerfristigen Anwendung von chemischen Nasensprays oder -tropfen kann es zu Gewöhnungseffekten kommen. Die Sucht nach Nasenspray hat sogar einen Namen: Privinismus.

Nasenspray-Süchtige gehen ohne ihr Spray nicht aus dem Haus und abends nicht ins Bett. Nach Schätzungen des Bremer Pharmakologen Gerd Glaeske sind zwischen 100.000 und 120.000 Deutsche von einer Nasenspray-Abhängigkeit betroffen (Quelle: FAZ). Die Dunkelziffer dürfte aber deutlich höher liegen. Schließlich ist das Spray problemlos ohne Rezept für wenige Euro in jeder Apotheke erhältlich und gilt bei vielen Schnupfen-Patienten als harmloses Medikament. 

Wie kommt es zu einer Nasenspray-Sucht? 

Vor allem nachts kann eine verstopfte Nase ausgesprochen lästig sein. Viele Menschen greifen dann zu abschwellenden Nasensprays. Die in den Sprays enthaltenen Wirkstoffe Xylometazolin und Oxymetazolin sorgen dafür, dass sich die Blutgefäße zusammenziehen, die Schleimhäute abschwellen und der Schnupfen-Patient besser Luft bekommt.

Der Körper gewöhnt sich rasch an die Wirkstoffe – die Schleimhäute schwellen immer schneller wieder an. Der Patient greift wieder und wieder zum Nasenspray. Das kann dazu führen, dass er mehr Nasenspray für dieselbe Wirkung braucht. Der Teufelskreis einer Sucht beginnt. Schon allein aus Angst vor der verstopften Nase und dem Gefühl, keine Luft zu bekommen, wird kontinuierlich nachgesprüht.

Risiken einer Nasenspray-Sucht

  • Werden die Schleimhäute nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt, trocknen sie aus und werden rissig. Dadurch kann es zu lästigen Krusten und häufigem Nasenbluten kommen.
  • Auch die Flimmerhärchen in der Nase werden geschädigt. Die Folge: Viren und Bakterien können leichter eindringen, die Anfälligkeit für Atemwegserkrankungen nimmt zu.
  • Es kann zu einer dauerhaften und nicht reparablen Schädigung der Nasenschleimhaut kommen.
  • Der Geruchssinn kann gestört werden.

Bakterien können "Stinknase" verursachen

Bei einer dauerhaften Anwendung kann es zu einer sogenannten "Stinknase" (medizinischer Fachbegriff: Ozäna) kommen. Wenn die Schleimhaut ständig trocken ist, siedeln sich dort Bakterien an, die für einen fauligen Geruch sorgen. Die Betroffenen merken von ihrer stark riechenden Nase nichts – die Umgebung allerdings schon.

Was hilft bei Abhängigkeit von Nasenspray?

Wenn Sie das Gefühl haben, abhängig von Nasenspray zu sein, sprechen Sie Ihren Hals-Nasen-Ohren-Arzt darauf an. Er kann Ihnen Tipps zur Entwöhnung geben.

Folgende Maßnahmen können helfen:

  • Besser als ein kalter Entzug von heute auf morgen ist die schrittweise Reduzierung der Dosis. Hierbei wird der Nasenspray mit Kochsalzlösung gestreckt.
  • Hilfreich kann auch die einseitige Abgewöhnung des Nasensprays sein: Wenden Sie den Spray in den ersten Tagen der Entwöhnung nur auf einer Seite an. Diese Seite bleibt dann frei, und Sie können gut atmen. Entwöhnen Sie das andere Nasenloch – die Verstopfung wird sich innerhalb weniger Tage deutlich bessern. Im nächsten Schritt können Sie dann mit der Entwöhnung des zweiten Nasenlochs beginnen.
  • Wenden Sie Alternativen zu abschwellenden Nasensprays an:
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Das sind Nasensprays ohne Suchtgefahr

Es gibt Nasensprays, bei denen Sie keine Angst vor einem Gewöhnungseffekt haben müssen: mineralische Nasensprays, Meersalzsprays oder Nasensprays auf der Basis ätherischer Öle.

Wenn Sie schlecht Luft bekommen, kann auch eine Nasenspülung oder Nasendusche helfen.

4 Tipps für die richtige Anwendung von Nasenspray

Wenn Sie eine starke Erkältung mit Schnupfen haben, müssen Sie auf ein abschwellendes Nasenspray nicht verzichten. Ganz im Gegenteil: Kurz angewendet, ist das Medikament ein Segen. Um schnell wieder gesund zu werden, ist erholsamer Schlaf wichtig – und der ist mit einer verstopften Nase oft nicht möglich. Wenn Sie diese Tipps berücksichtigen, sind Sie auf der sicheren Seite:

  1. Den Tipp des Apothekers, das Medikament maximal eine Woche anzuwenden, sollten Sie ernst nehmen. Die tägliche Maximal-Dosis liegt bei drei Anwendungen am Tag.

  2. Verwenden Sie so wenig Spray wie möglich. Probieren Sie aus, ob ein Nasenspray für Kinder vielleicht auch ausreicht. Diese Produkte sind meist niedriger dosiert.

  3. Nasenspülungen, Nasenduschen und Meerwasser-Nasensprays können ebenfalls helfen, die Nase zu befreien.

  4. Trockene Heizungsluft setzt der Nasenschleimhaut zusätzlich zu. Lüften Sie ausreichend, und bewegen Sie sich viel an der frischen Luft.

Quellen: Deutsche Hauptstelle für Suchfragen e.V. (DHS)

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