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Hautkrebs: So erkennen Sie, ob Sie betroffen sind

Autor: Benita Wintermantel | Online-Redaktion | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 07.06.2021

Zu viel Sonne ist schädlich und kann zu Hautkrebs führen.
Foto: CC0 Public Domain / Pixabay / Counselling

Gefährliche Sonne: Hautkrebs ist eine der häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland. Eine einfache Regel hilft, zu erkennen, ob Sie betroffen sind. Ein Hautkrebsscreening ist empfehlenswert – und wird in den meisten Fällen von der Krankenkasse übernommen.

  • Mit über 200.000 Neuerkrankungen pro Jahr ist Hautkrebs die häufigste Krebserkrankung in Deutschland. 
  • Zu viel Sonne und in der Folge ein Sonnenbrand erhöhen das Risiko einer Hautkrebserkrankung.
  • Mit der ABCDE-Regel können Sie Hautkrebs selbst frühzeitig erkennen.
  • Ein Hautkrebsscreening durch den Arzt bringt Sicherheit und ist in sehr vielen Fällen kostenlos.

Die Sonne hat auch ihre Schattenseiten: Intensive Sonnenstrahlung kann zu Hautkrebs führen. Diese Tatsache ist hinlänglich bekannt – dennoch steigen die Fälle von Hautkrebs seit Jahren an. Von 2009 bis 2015 ist die Diagnose für schwarzen Hautkrebs um mehr als 30 Prozent gestiegen. Das zeigt der Hautkrebsreport, den das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) und die Universität Bremen mit der Techniker Krankenkasse (TK) erstellt haben.

Bei der weniger aggressiven Form, dem hellen oder weißen Hautkrebs, haben sich die Zahlen in diesen sechs Jahren mehr als verdoppelt. "Die Zahlen zeigen, Hautkrebs ist weiterhin eine ernst zu nehmende Erkrankung, die tödlich verlaufen kann", sagt Jens Baas vom TK-Vorstand.

Hautkrebs: Die Haut vergisst nichts

Die Haut merkt sich die Sonnensünden der Kindheit und Jugend. Die UV-Strahlung schädigt das Erbgut – die DNS. Kleinere Schäden kann der Körper reparieren. Doch ein Zuviel an Sonne und zu hohe Strahlendosen überfordern den inneren Schutzmechanismus. Die Zelle mutiert. Hautkrebs braucht Zeit, um sich zu entwickeln, meist bricht die Erkrankung erst 20 bis 30 Jahre später aus. Mit dem Alter steigt das Risiko, an Hautkrebs zu erkranken, erheblich an. 

Ins Auge fällt beim Blick auf die Statistik das sogenannte Sonnenbankknie: "In der Altersgruppe der 45- bis 54-jährigen Frauen ist ein deutlicher Anstieg an Diagnosen mit schwarzem Hautkrebs zu erkennen. Ursachen könnten eine vermehrte Nutzung von Sonnenbänken und häufiges Sonnenbaden in früheren Jahren sein", erläutert Matthias Augustin, Dermatologe am UKE und Herausgeber des Reports, den auffälligen Anstieg der Erkrankungszahlen. 

Für die Analyse hat die Techniker Krankenkasse die Daten von 11,2 Millionen Versicherten ausgewertet und Zahlen des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung berücksichtigt.

Jeder Sonnenbrand ist einer zu viel – und kann zu Hautkrebs führen

Konsequenter Sonnenschutz ist das A und O! Kleidung schützt die Haut am effektivsten, auf freie Stellen sollten Sie Sonnencreme auftragen, bevor Sie in die Sonne gehen. Das Ziel sollte stets sein, einen Sonnenbrand zu vermeiden: "Der Sonnenbrand von heute ist der Hautkrebs von morgen", erklärt Professor Gerd Glaeske in einer Mitteilung der Techniker Krankenkasse. Der Arzneimittelexperte der Universität Bremen wirkte ebenfalls an der Studie mit.

Die aktualisierte S3-Leitlinie Hautkrebsprävention der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention und der Arbeitsgemeinschaft für Berufs- und Umweltdermatologie e.V. bewertet auch die Auswirkungen des Klimawandels. In den letzten Jahren haben die Sonnenscheinstunden zugenommen, was zu einer erhöhten UV-Belastung führen kann.

"Der Klimawandel hat indirekten Einfluss auf die UV-Strahlungsbelastung. Bislang können aber keine quantitativen Aussagen zu den damit verbundenen regionsspezifischen Auswirkungen getroffen werden", so die Aussage in der aktualisierten Leitlinie.

Öko-Test hat 20 sensitive Sonnenschutzmittel getestet – empfehlen können wir nur vier davon:

    Jetzt lesen: 20 Sensitiv-Sonnencremes im Test

    Muttermal oder Hautkrebs? Hautkrebs erkennen

    Normale Muttermale sind häufig vorkommende braune Erscheinungen der Haut, die bei fast jedem Menschen auftreten. Atypische Muttermale sind ungewöhnliche, noch gutartige Male, die einem Melanom ähneln und ein erhöhtes Risiko bedeuten. Das maligne Melanom (schwarzer Hautkrebs) ist ein Hautkrebs, der häufig einem unregelmäßig geformten, mehrfarbigen oder entzündeten Muttermal ähnlich sieht. Für Laien ist es schwierig, zwischen einem atypischen Muttermal und einem Melanom im Frühstadium zu unterscheiden. Ob es Hautkrebs ist, kann nur der Hautarzt feststellen.

    Der Unterschied zwischem hellem (weißem) und schwarzem Hautkrebs  

    Weißer Hautkrebs ist mit 80 Prozent häufiger als der schwarze Hautkrebs. Die Heilungschancen sind gut, die Erkrankung verläuft selten tödlich. Ungefährlich ist sie dennoch nicht. Wird die Erkrankung erst spät bemerkt, kann sie sich in tiefere Gewebe ausbreiten und so Augen, Nase oder die Geschichtsknochen schädigen.

    Bei weißem Hautkrebs gibt es zwei Formen:

    • das Basalzellkarzinom (Basaliom) sowie
    • das Plattenepithel-Karzinom (Spinaliom).

    Schwarzer Hautkrebs (Melanom) ist deutlich gefährlicher. Wird die Krankheit nicht rechtzeitig erkannt, verläuft sie häufig tödlich.

    Egal ob weißer oder schwarzer Hautkrebs: Je früher Sie oder ein Arzt die Erkrankung erkennen, umso besser kann sie behandelt werden. Ein wichtiger Punkt bei der Vorsorge: Den eigenen Körper aufmerksam zu beobachten hilft, Hautveränderungen rechtzeitig zu erkennen. Vergessen Sie dabei nicht Partien wie die Fußsohlen und die Haut zwischen den Zehen. Bei Bereichen, die Sie selbst nur schlecht sehen können, sollten Sie sich von Ihrem Partner oder einem Freund helfen lassen. Dazu zählen etwa der Rücken oder die Partie hinter den Ohren.

    Nur der Hautarzt kann Hautkrebs zuverlässig erkennen - eine vorsorgliche Beobachtung der Haut ist trotzdem sinnvoll.
    Nur der Hautarzt kann Hautkrebs zuverlässig erkennen - eine vorsorgliche Beobachtung der Haut ist trotzdem sinnvoll. (Foto: Bertys30 / Fotolia)

    Mit der ABCDE-Regel Hautkrebs frühzeitig erkennen 

    Trifft einer der folgenden Punkte zu, sollten Sie auf jeden Fall einen Hautarzt um Rat fragen.

    • A – Asymmetrie: Pigmentflecken, die nicht rund oder oval sind, sondern eine ungleichmäßige, asymmetrische Form haben.
    • B – Begrenzung: Flecken mit verwaschenen, gezackten oder unebenen und rauen Rändern oder Ausläufern.
    • – Colour (= Farbe): Flecken mit unterschiedlichen und ungleichmäßigen Färbungen und helleren oder dunkleren Flecken. Auch Verkrustungen sollten Sie beobachten lassen.
    •  Durchmesser: Flecken mit mehr als fünf Millimetern Durchmesser an der breitesten Stelle sollten kontrolliert werden, ebenso Flecken, die wachsen.
    •  Entwicklung: Flecken, die sich verändern. Pigmentierungen, die sich von der restlichen Haut abheben, sind ebenfalls verdächtig.

    Check: Wie groß ist mein Hautkrebsrisiko?

    Das Risiko, bösartige Hautveränderungen zu entwickeln, ist umso höher, je mehr der folgenden Punkte auf Sie zutreffen.

    Für alle Hautkrebsarten

    • Ich bin sehr blass und habe viele Sommersprossen.
    • Ich bekomme leicht Sonnenbrand.
    • Ich bin rothaarig oder hellblond.
    • In meiner Familie ist schon Hautkrebs vorgekommen.

    Speziell für maligne Melanome (schwarzer Hautkrebs)

    • Ich habe sehr viele Muttermale und Pigmentflecken.
    • Ich habe Pigmentmale, die größer als fünf Millimeter sind.
    • Ich habe als Kind sehr oft Sonnenbrand gehabt.
    • Ich habe ein Pigmentmal, das in letzter Zeit neu entstanden ist.
    • Ich habe das Gefühl, mit einem Pigmentmal stimmt etwas nicht.

    Für die anderen Hautkrebsarten

    • Ich habe jahrelang intensiv sonnengebadet.
    • Ich habe jahrelang intensiv Solarien benutzt.
    • Ich war beruflich, etwa als Bauarbeiter oder Gärtner, jahrelang intensiv der Sonne ausgesetzt.

    Wie Sie sich vor Hautkrebs schützen

    • Meiden Sie starke Sonneneinstrahlung.
    • Decken Sie Haut mit langer Kleidung und einer Kopfbedeckung ab.
    • Verwenden Sie einen hohen Sonnenschutz mit UV-A- und UV-B-Filter.
    • Gehen Sie regelmäßig zur Hautkrebsvorsorge.

    Hautkrebsscreening: Was ist kostenlos und was müssen Sie selbst bezahlen?

    Gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren haben alle zwei Jahre Anspruch auf die Hautkrebsvorsorge. Die Kosten übernehmen die Krankenkassen. Das Angebot zur Hautkrebs-Früherkennung gilt unabhängig von einem Verdachtsfall.

    Beim Hautkrebsscreening untersucht der Arzt die gesamte Haut mit einer hellen Lampe und sieht sich auch versteckte Hautpartien wie die Haut hinter den Ohren, die Kopfhaut, den Genitalbereich und die Zehenzwischenräume genau an. Entdeckt der Arzt auffällige Hautveränderungen, entnimmt er unter Umständen eine Gewebeprobe, um eine Diagnose stellen zu können.

    Um tiefere Schichten der Haut zu untersuchen, verwenden Ärzte oft ein sogenanntes Dermatoskop (Auflichtmikroskop). Dieses Gerät ermöglicht den Medizinern, Hautveränderungen und Pigmentflecken durch eine starke Vergrößerung genauer zu analysieren.

    Allerdings zählt die Untersuchung mit dem Dermatoskop nicht zum kostenlosen Hautkrebsscreening. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen diese Untersuchung in der Regel nur, wenn ein gezielter Verdacht auf Hautkrebs besteht und diese Hautstelle damit untersucht wird.

    Wichtig: Patienten sollten vorab bei ihrer Arztpraxis nachfragen, ob diese das kostenlose Hautkrebsscreening der gesetzlichen Krankenkassen auch anbietet. Einige Krankenkassen übernehmen die Kosten der Untersuchung auch schon bei Versicherten unter 35 Jahren.

    Erkundigen Sie sich zudem bei Ihrer Krankenkasse, welche Zusatzleistungen sie im Rahmen der Hautkrebs-Früherkennung übernimmt.

    Alternativen zur Chemo: So sieht die Behandlung von Hautkrebs aus

    Geradezu bahnbrechende Fortschritte hat die Medizin in den vergangenen Jahren bei der Therapie von schwarzem Hautkrebs gemacht. Die medikamentöse Behandlung basiert zunehmend auf modernen Immuntherapeutika, die dem Körper dabei helfen, Tumore selbst zu bekämpfen.

    Da sich die Immuntherapie deutlich wirkungsvoller und verträglicher als die Chemotherapie zeigt, ist sie heute aus dem Behandlungsalltag nicht mehr wegzudenken. "Neue Daten aus Zulassungsstudien konnten zeigen, dass über 30 Prozent der Patienten mit metastasiertem Melanom inzwischen mehr als fünf Jahre überleben. Das ist deutlich länger als bei einigen Chemotherapien", erläutert Arzneimittelexperte Gerd Glaeske. "Für die Entdeckung dieses neuen Wirkprinzips, den so genannten Checkpoint-Inhibitoren, wurde zu Recht im Jahr 2018 der Nobelpreis für Medizin verliehen", so Glaeske in der TK-Mitteilung weiter.

    Ähnlich hoffnungsvoll stimmt die Auswertung der TK-Patientendaten: Nach vier Jahren leben noch 35 Prozent der Patienten, die eine solche Therapie erhalten hatten. Jens Baas vom TK-Vorstand sagt dazu: "Bei aller berechtigten Freude über die neuen Arzneimittel müssen die neuen Therapien erst noch zeigen, dass sie genauso gut sind wie in den Studien versprochen. Früherkennungen und Sonnenschutz bleiben weiterhin wichtig, um das Hautkrebsrisiko möglichst gering zu halten." 

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