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Grippe-Saison und Corona: Wer sollte sich gegen Influenza impfen lassen?

Autor: dpa / Redaktion (lp) | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 06.10.2021

Häufig gestellte Frage im Herbst: Wer sollte sich gegen Grippe impfen lassen?
Foto: Shutterstock / Tero Vesalainen

Im vergangenen Winter wurden kaum Grippe-Fälle registriert. Die Corona-Schutzmaßnahmen und der Lockdown hatten daran großen Anteil. Doch stehen wir nun vor einem starken Grippe-Winter? Und was, wenn Grippe und Corona aufeinander treffen? Wir klären die wichtigsten Fragen: Für wen werden Grippe-Impfungen empfohlen? Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Impfen und welcher Influenza-Impfstoff wird verimpft?

Sobald die Temperaturen fallen, läuft bei vielen die Nase oder der Hals kratzt. Jeden Herbst stellen sich deshalb viele Menschen die Frage: Soll ich mich gegen Grippe impfen lassen oder nicht?

Durch die Grippe-Saison und die anhaltende Corona-Pandemie könnten die Krankenhäuser diesen Winter überlastet sein.

Grippe-Welle 2020 fiel aus – aber wie sieht die Grippe-Saison 2021 aus?

Im vergangenen Winter gab es keine Grippewelle. Das hatte mehrere Gründe: Die allgemeinen Hygiene-Regeln wie Abstand und Gesichtsmasken dämmten die Grippeviren ein, zugleich herrschten Kontaktbeschränkungen sowie Ausgangsbeschränkungen.

Gleichzeitig war die Zahl der Grippe-Geimpften im vergangenen Jahr vergleichsweise hoch. Das lag auch daran, dass Experten aus Medizin und Politik zur Grippe-Impfung geraten hatten. So sollte die Anzahl der Krankenhausaufenthalte wegen Influenza gering gehalten werden, damit das durch die Corona-Pandemie stark belastete Gesundheitssystem nicht zusätzlich belastet wird.

Die Situation 2021: Wegen der Rückkehr zu mehr Normalität, unter anderem an Schulen und Kitas, beobachten Ärztinnen und Ärzte jetzt schon Nachholeffekte bei Atemwegserkrankungen. Wird es das auch bei der Influenza geben? Rollt die Grippewelle wieder – und diesmal besonders stark?

Fachleute halten das für möglich. "Eine Impfung gegen Grippe ist gerade auch in diesem Winter extrem wichtig, da ein hohes Risiko für eine starke Grippewelle zu erwarten ist", sagte etwa die Vorsitzende des Hausärzteverbandes in Rheinland-Pfalz, Barbara Römer.

Mit Blick auf Herbst und Winter hat auch Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), vor einer Doppelbelastung des Gesundheitssystems durch Grippe und Covid-19 gewarnt. Es gelte zu verhindern, dass zu viele Fälle der beiden Erkrankungen parallel versorgt werden müssen, sagte Wieler am Mittwoch in Berlin.

"Wenn viele Covid-19- und viele Grippe-Erkrankte gleichzeitig auftreten, dann werden die Krankenhäuser massiv belastet." Dies wäre auch gefährlich für andere Patienten, die die Krankenhausbetten benötigten. Ein solches Szenario lasse sich am besten mit Impfungen und dem Tragen von Masken, Abstand halten, Hygiene, Lüften und Nutzen der Corona-Warn-App vermeiden, betonte Wieler.

Es sei zwar grundsätzlich nicht vorhersehbar, wie schwer eine Grippewelle verlaufen werde, erklärte der RKI-Chef. Mit einer Zunahme der Covid-19-Fallzahlen sei allerdings zu rechnen. Beide Krankheiten seien insbesondere für ältere und chronisch Kranke ein Risiko.

Für wen wird die Grippe-Impfung empfohlen?

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die Influenza-Impfung unter anderem Menschen ab 60 Jahren, Schwangeren, Vorerkrankten und medizinischem Personal.

Für gesunde Unter-60-Jährige und Kinder gibt es keine explizite Empfehlung – die Stiko rät aber auch nicht davon ab. Letzten Herbst rieten Kinderärzte sogar zur Impfung. Lothar Wieler vom RKI betonte, dass sich auch alle anderen Menschen nach Rücksprache mit einem Arzt gegen Grippe impfen lassen könnten.

Wenn die Impfung durch die Stiko empfohlen ist, übernehmen die Krankenkassen die Kosten in aller Regel. Sonst kommt es auf den jeweiligen Versicherer an, ob die Summe in Höhe von rund 30 bis 60 Euro übernommen wird. Auch viele Firmen bieten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kostenlose Grippe-Impfungen an.

Grippe-Saison: Neue Impfstoff-Empfehlung für Ältere

Damit Menschen ab 60 Jahren noch besser vor einer Infektion geschützt sind, empfiehlt die Stiko ihnen seit diesem Jahr die Impfung mit sogenannten Hochdosis-Impfstoffen. Sie haben laut dem Robert Koch Institut (RKI) eine leicht höhere Wirksamkeit bei Älteren. Die Schutzimpfungs-Richtlinie, die grob gesagt regelt, welche Impfungen als Kassenleistungen gelten, wurde daran angepasst: Sie sieht bei Menschen ab 60 Jahren einen Hochdosis-Influenza-Impfstoff vor.

Altersmediziner bewerten die neue Richtlinie positiv. Die Deutsche Geriatrische Gesellschaft (DGG) begrüßt sie ausdrücklich. Denn die Älteren seien besonders gefährdet, eine Influenza-Infektion zu entwickeln. Und sie haben im Falle einer Infektion auch eine deutlich höhere Sterblichkeit. Zugleich sinke die Wirksamkeit der Impfung mit zunehmendem Alter.

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Mögliche Nebenwirkungen der Grippe-Impfung

Die neuen Hochdosis-Impfstoffe für Menschen ab 60 Jahren können im Vergleich zum normalen Impfstoff allerdings etwas häufiger vor allem lokale Nebenwirkungen auslösen. Dazu gehören etwa Schmerzen an der Einstichstelle.

Nach einer Grippe-Impfung fühlen sich einige krank und müde. Die echte Grippe kann eine schwere Lungenentzündung auslösen.
Nach einer Grippe-Impfung fühlen sich einige krank und müde. Die echte Grippe kann eine schwere Lungenentzündung auslösen. (Foto: Shutterstock / shisu_ka)

Auch bei den Standard-Influenza-Impfstoffen kann die Einstichstelle schmerzen, gerötet sein und etwas anschwellen. Manche fühlen sich im Anschluss kränklich – mit erhöhter Temperatur, Müdigkeit, Frösteln, Schwitzen, Kopf- und Gliederschmerzen.

Solche Beschwerden klingen laut RKI in der Regel nach ein bis zwei Tagen ab. Im Allgemeinen sei die Impfung gut verträglich.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Grippe-Impfung?

Gut terminiert ist die Impfung zwischen Mitte Oktober und Mitte Dezember. Das hat damit zu tun, dass die optimale Schutzwirkung rund zwei Wochen danach beginnt und nach drei Monaten langsam nachlässt. Die Grippewelle rollt meist vor allem zwischen Januar und März.

Da jede Saison andere Influenzaviren im Umlauf sind, wird auch der Impfstoff ständig daran angepasst. Auch deshalb sollte man sich jedes Jahr aufs Neue impfen lassen.

Wie wirksam sind die Impfstoffe?

Die Impfstoff-Zusammensetzung erfolgt auf Basis von Analysen weltweiter Labordaten. So wird versucht, eine möglichst hochwirksame Mischung zu finden – doch diese Vorhersage ist mit einer gewissen Unsicherheit verbunden.

Wie gut der Schutz durch die Impfung in der kommenden Saison sein wird, lässt sich noch nicht abschätzen. Das zeigt sich immer erst im Rückblick. Was sich festhalten lässt: Einen hundertprozentigen Schutz vor Ansteckung bietet eine Influenza-Impfung nicht.

Zumal der durch die Impfung entwickelte Schutz auch von vielen anderen Faktoren abhängt. Zum Beispiel, wie oft man schon geimpft wurde oder mit Grippe infiziert war und wie gut in Schuss das eigene Immunsystem ist.

In der Saison 2019/20 zum Beispiel hatte der Impfstoff in Deutschland Untersuchungen zufolge im Schnitt eine Wirksamkeit von 62 Prozent, zwei Jahre zuvor von 15 Prozent.

Was bedeutet eine Wirksamkeit von 62 Prozent? Wenn unter 100 Nicht-Geimpften zehn Personen an Grippe erkranken, wären es in diesem Beispiel unter 100 Geimpften im Vergleich nur rund vier Personen.

Bei 15 Prozent Wirksamkeit läge die Anzahl der erkrankten Personen unter den 100 Geimpften indes bei acht bis neun und wäre damit fast so hoch wie bei der ungeimpften Vergleichsgruppe.

Vorteile der Grippe-Impfung: weniger Risiko für schwere Verläufe

Bei der Abwägung von Für und Wider sollte man die Tatsache einbeziehen, dass die Impfung das Risiko eines schweren Grippeverlaufs im Fall einer Ansteckung senkt. So wie es bei den Impfstoffen gegen Covid-19 der Fall ist.

Außerdem reduziert man durch die Influenza-Impfung auch das Risiko, andere Menschen anzustecken. Deshalb wird sie etwa Menschen empfohlen, die mit Risikopersonen zusammenleben.

Grippe kann beispielsweise eine schwere Lungenentzündung auslösen. "Das kann lebensgefährlich werden", sagt Prof. Bernd Salzberger, Infektiologe am Uniklinikum Regensburg. Seltener kann sie zu Entzündungen am Herzen oder im Hirn führen.

Bei gesunden Kindern oder bei Erwachsenen unter 60 Jahren verläuft eine Grippe laut RKI in der Regel ohne schwerwiegende Komplikationen. Generell grippetypisch ist ein plötzliches, starkes Krankheitsgefühl mit Kopf- und Gliederschmerzen, hohem Fieber und trockenem Husten. Eine Grippe kann aber auch leicht bis unbemerkt vorübergehen.

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