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Forscher fordern Verbot von Filterzigaretten

Autor: Benita Wintermantel | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 05.11.2019

Forscher fordern Verbot von Filterzigaretten
(Foto: Photo by Paweł Czerwiński on Unsplash)

Zigaretten schaden nicht nur unserer Gesundheit, sondern auch der Umwelt massiv. Die Billionen weggeworfener Zigarettenkippen sind eigentlich hochgiftiger Sondermüll. Wissenschaftler fordern jetzt, den Verkauf von Filterzigaretten komplett zu verbieten.

Wer raucht, gefährdet seine Gesundheit. Das ist nichts Neues. Auf den Packungen von Tabakprodukten warnen schockierende Fotos vor den schweren gesundheitlichen Folgen des Rauchens. Für die Umwelt sind Zigaretten aber nicht weniger schädlich. In den weggeworfenen Zigarettenstummeln schlummern diverse Giftstoffe, die eine Gefahr für die Umwelt und damit auch für uns Menschen darstellen.

Weltweit werden laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) jährlich etwa 5,6 Billionen Zigaretten geraucht. Geschätzte 4,5 Billionen landen danach nicht im Aschenbecher oder in der Mülltonne, stattdessen wird der Stummel achtlos weggeworfen. Nach WHO-Schätzungen addieren sich die Kippenreste so zu einem Müllberg von ungefähr 680.000 Tonnen im Jahr. Die Zigaretten gefährden die Umwelt mit den enthaltenen Giftstoffen. Die Filter sind zusätzlich problematisch: Sie bestehen hauptsächlich aus dem nur schwer abbaubaren Kunststoff Celluloseacetat und sind für einen unermesslich großen Berg von toxischem Sondermüll verantwortlich. 

Filterverbot zur Schutz der Umwelt

Wissenschaftler aus London und San Diego fordern jetzt im British Medical Journal, den Verkauf von Filterzigaretten komplett zu verbieten. Ihr Argument: Die Filter seien eine Mogelpackung. Die Tabakindustrie versuche damit, Verbrauchern weiszumachen, dank der Filter sei das Rauchen weniger schädlich.

"Wir wissen nun, dass dieses Sicherheitsargument ein Märchen war – eines von vielen, das die Tabakindustrie erfunden hat, um Zigaretten zu verkaufen", so Thomas Novotny und seine Kollegen. Nicht nur seien Zigarettenfilter kaum geeignet, die Menge der aufgenommenen Schadstoffe zu reduzieren, sie stellten auch ein erhebliches Umweltproblem dar. Die gesundheitlichen Gefahren des Rauchens müssten deshalb direkt mit der Zerstörung der Umwelt in Verbindung gebracht werden.

Um Plastikverschmutzung zu reduzieren, sollten auch Filterzigaretten verboten werden. Die Wissenschaftler verweisen in ihrem Artikel auf das EU-weite Verbot von Einwegplastik. "Der Ausschluss von Filtern aus der Kunststoffrichtlinie scheint eine verpasste Chance zu sein", kritisieren die Wissenschaftler.

>> Weiterlesen: EU verbietet Einweg-Plastik: Diese Dinge sind jetzt verboten

Hochtoxischer Giftcocktail in der Umwelt

Zigarettenstummel machen 30 bis 40 Prozent des Mülls aus, der in Städten und an Stränden gefunden wird. Damit liegen Zigarettenfilter noch vor Plastiktüten, Flaschen oder Strohhalmen.

Pro Zigarettenkippe gelangen Schätzungen zufolge 2 bis 6 Milligramm Nikotin in die Umwelt. Zigaretten enthalten jedoch nicht nur Nikotin, sondern auch Arsen und Schwermetalle wie Kupfer, Blei und Kadmium sowie unzählige andere Chemikalien. Viele der Inhaltsstoffe sind laut WHO krebserregend. Und besonders viele giftige Inhaltsstoffe stecken in den Zigarettenfiltern.

Mit dem Regen werden die Gifte in den Boden und ins Meer gespült und gelangen so in die Nahrungskette. Zudem verrotten Zigarettenfilter äußerst langsam. "Im Süßwasser dauert es 15 Jahre bis Zigarettenstummel vollständig zerfallen, im Salzwasser geht man sogar von 400 Jahren aus", so das Kärntner Institut für Seenforschung.

Gefahr für Kleinkinder und Tiere

Auf Spielplätzen, an Badestränden und im Park sind die unzähligen Kippen für Kleinkinder eine große Gefahr: Versehentlich verschluckte Zigarettenkippen können zu ernsthaften Gesundheitsproblemen führen. Auch für Tiere wie Hunde und Vögel sind Zigarettenstummel gefährlich und können sogar tödlich enden. 

Eine Zigarette pro Liter Wasser kann für Fische bereits tödlich sein, wie Laborversuche der San Diego University zeigten.

Tabakindustrie soll für Zigarettenmüll zahlen

Bundesumweltministerin Svenja Schulze will die Tabakindustrie an den Kosten für die Beseitigung weggeworfener Zigaretten beteiligen. Auch das Europaparlament fordert eine Kostenbeteiligung der Tabakbranche als verschärfende Maßnahme zur geplanten Einweg-Plastik-Richtlinie. Denn die Filter enthalten neben jeder Menge Chemikalien auch unzählige Plastikpartikel. Naturschützer fordern ein Verbot der Filter.

ÖKO-TEST meint: Dass die Natur kein Aschenbecher ist, versteht sich eigentlich von selbst. Zigarettenstummel gehören in den Restmüll - und keinesfalls in den Kompost oder die Biotonne.

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