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FAQ Corona-Impfung: Was bisher bekannt ist

Autor: Benita Wintermantel | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 25.11.2020

Die wichtigsten Infos zur Corona-Impfung - das ist bislang über einen Impfstoff bekannt.
Foto: Shutterstock / siam.pukkato

Die aktuellen Nachrichten zu einer Impfung gegen Covid-19 stimmen optimistisch: Gesundheitsminister Jens Spahn rechnet mit ersten Impfungen noch im Dezember. Wir haben für Sie die wichtigsten Fragen und Antworten zur Corona-Impfung zusammengefasst. Wer wird zuerst geimpft? Was ist über die neuen Impfstoffe bekannt? Wird es eine Impfpflicht gegen das Coronavirus geben?

  • Die Vorbereitungen für eine Corona-Impfung in Deutschland werden konkret: Die Mainzer Firma Biontech hat einen Zulassungsantrag für ihren Impfstoff gegen Covid-19 gestellt. Das US-Biotechunternehmen Moderna zieht mit einem ebenfalls erfolgsverprechenden Impfstoff nach. Gesundheitsminister Jens Spahn rechnet noch für dieses Jahr mit einer europäischen Zulassung.
  • Der Impfstoff wird im ersten Schritt nicht für alle Deutschen reichen. Deshalb soll möglichst so geimpft werden, dass Infektionen mit schweren Verläufen verhindert werden und die medizinische Versorgung gewährleistet ist.
  • Auch wenn die Freude über den Fortschritt bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffes groß ist, sind noch viele Fragen offen.

Dieser Artikel wird kontinuierlich aktualisiert. Letzte Aktualisierung: 25. November 2020

Wann gibt es einen Corona-Impfstoff?

Innerhalb kürzester Zeit haben zwei Hersteller vielversprechende Studienergebnisse mitgeteilt: Zuerst die Pharmaunternehmen Biontech und Pfizer, eine Woche später das US-Unternehmen Moderna. Auch AstraZeneca und die Universität Oxford melden einen Durchbruch. Damit wird eine Impfung gegen das Coronavirus Ende 2020 / Anfang 2021 immer realistischer.

Der Impfstoff der Pharmaunternehmen Biontech und Pfizer steht kurz vor der Zulassung. Das Mainzer Unternehmen Biontech und der amerikanische Pharmariese Pfizer haben den Zulassungsantrag bei der US-Arzneimittelbehörde FDA gestellt. Parallel dazu soll ein Antrag bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMA gestellt werden. Wie das Unternehmen mitteilte, biete der neu entwickelte Impfstoff gegen das Coronavirus einen Wirksamkeit von 95 Prozent.

Die EU-Kommission hat bereits einen Vertrag zur Lieferung des Impfstoffs ausgehandelt. Wie Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf Twitter mitteilte, will sich die EU bis zu 300 Millionen Impfdosen sichern.

Moderna-Impfstoff auch bei Kühlschranktemperatur haltbar

Auch das US-amerikanische Biotechunternehmen Moderna steht in den Startlöchern. Der Moderna-Impfstoff habe eine Wirksamkeit von 94,5 Prozent gezeigt. Das Unternehmen will in den nächsten Wochen die Genehmigung in den USA beantragen. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) hat bereits einen Zulassungsprozess eingeleitet.

Ein Vorteil des Moderna-Impfstoffes könnte die Tatsache sein, dass er nicht bei hohen Minusgraden (wie der Biontech-Impfstoff), sondern bei Kühlschranktemperatur gelagert werden kann. Damit wäre der logistische Aufwand bei der Verteilung deutlich geringer.

Die EU hat auch mit Moderna Liefervereinbarungen über 160 Millionen Impfdosen geschlossen.

AstraZeneca meldet Studienerfolg

Das Pharmaunternehmen AstraZeneca und die Universität Oxford haben gemeinsam einen Impfstoff entwickelt. Studien belegen eine Wirksamkeit von bis zu 90 Prozent. Auch dieser Impfstoff hat den Vorteil, dass für die Lagerung normale Kühlschranktemperaturen genügen. Das Unternehmen will den Impfstoff ohne Gewinn herstellen und dafür sorgen, dass möglichst viele Menschen weltweit zu erschwinglichen Preisen geimpft werden.

Was weiß man über die neuen Corona-Impfstoffe?

Was über den Impfstoff von Biontech bekannt ist:

  • Es handelt sich um einen RNA-Impfstoff, der Teile der Erbinformationen des Virus enthält. Durch die Impfung soll der Körper Antikörper gegen ein Protein bilden und ein Eindringen des Virus in Körperzellen vermeiden.
  • Der Impfstoff mit dem Kürzel BNT162b2 wurde bislang an knapp 44.000 Probanden getestet, die Hälfte davon erhielt ein Placebo.
  • Schwere Nebenwirkungen traten nicht auf.
  • Die Wirksamkeitsrate liegt laut der Phase-3-Studie bei 95 Prozent.
  • Die Daten der Studie wurden noch nicht veröffentlicht.
  • Biontech rechnet damit, 2020 noch bis zu 50 Millionen Impfdosen zur Verfügung stellen zu können. Damit könnten 25 Millionen Menschen geimpft werden. Kommendes Jahr will das Unternehmen bis zu 1,3 Milliarden Dosen produzieren.

Für weitere Infos: Biontech.de

Was über den Impfstoff von Moderna bekannt ist:

  • Auch hier handelt es sich um einen RNA-Impfstoff.
  • Der Impfstoff mit dem Kürzel mRNA-1273 wurde bislang an mehr als 30.000 Probanden getestet, die Hälfte erhielt ein Placebo.
  • Die Effektivität liegt nach Aussagen des Herstellers bei 94,5 Prozent.
  • Schwere Erkrankungen traten nicht auf.
  • Die Daten der Studie wurden noch nicht veröffentlicht.
  • Das Unternehmen kündigte an, bis Ende 2020 rund 20 Millionen Dosen herstellen zu können. Damit könnten 10 Millionen Menschen geimpft werden. Im kommenden Jahr könnten zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Dosen produziert werden.

Für weitere Infos: modernatx.com

Anfang 2021 könnte eine Corona-Impfung Realität werden.
Anfang 2021 könnte eine Corona-Impfung Realität werden. (Foto: Shutterstock / BaLL LunLa)

Wer wird zuerst gegen Corona geimpft?

Auch wenn ein Corona-Impfstoff eventuell schon Anfang 2021 auf dem Markt ist, wird zunächst nicht genug Impfstoff für alle zur Verfügung stehen. Viele Millionen Impfdosen müssen erst in ausreichender Menge produziert, dann verteilt und verabreicht werden.

Fachleute empfehlen deshalb, zuerst Menschen mit einem erhöhten Risiko für schwere Covid-19-Verläufe zu impfen. Auch Ärzte, Mitarbeiter in Pflegeheimen und Krankenhäusern sowie systemrelevante Berufe mit vielen Kontakten sollen vorrangig geimpft werden.

An einem genauen Plan für Deutschland arbeitet ein Zusammenschluss von Ständiger Impfkommission (Stiko), Deutschem Ethikrat und der Wissenschaftsakademie Leopoldina.

Wie wird die Corona-Impfung ablaufen?

Bund und Länder haben sich Anfang November darauf geeinigt, dass der Bund die Impfstoffe beschafft und die Finanzierung übernimmt. Die Länder sind für das Einrichten von Impfzentren verantwortlich.

Um für eine möglichst gerechte Verteilung zu sorgen, ist geplant, die Impfung in speziellen Impfzentren durchzuführen. Der Impfstoff von Biontech setzt voraussichtlich Temperaturen von -20 bis -70 Grad voraus und muss daher in entsprechenden Geräten transportiert und gelagert werden. Hausarztpraxen sind in der Regel nicht entsprechend ausgestattet.

Deutschland hat mit Frankreich, Italien und den Niederlanden eine Impfallianz gebildet, um nach der Bevölkerungszahl aufgeschlüsselt für eine gerechte Verteilung der Impfdosen unter allen Mitgliedsstaaten der EU zu sorgen. Deutschland hat einen entsprechenden Anteil von ungefähr 19 Prozent.

Wer bezahlt die Corona-Impfung?

Die Impfstoffe sollen voraussichtlich aus Steuermitteln finanziert werden.

Wird es nur einen Impfstoff geben?

Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird es in Deutschland mehrere Impfstoffe geben, die unter Umständen für unterschiedliche Zielgruppen geeignet sind. In Deutschland arbeiten neben Biontech das Tübinger Biopharma-Unternehmen CureVac und das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) an einem Corona-Impfstoff.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden derzeit 42 mögliche Impfstoffkandidaten getestet, 151 seien in der vorklinischen Entwicklungsphase.

Um die Corona-Pandemie weltweit effektiv zu bekämpfen, müssen voraussichtlich 60 Prozent der Menschen auf der ganzen Welt gegen Corona geimpft werden.

Wird es eine Impfpflicht gegen das Coronavirus geben?

Laut Bundesregierung soll es keine allgmeine Impfpflicht geben. "Es wird zu einer freiwilligen Impfung kommen. Wir sind sehr, sehr zuversichtlich, dass wir das Ziel einer ausreichend hohen Impfquote freiwillig erreichen - mit einer hohen Akzeptanz für Impfungen", betonte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn auf einer Pressekonferenz im September. 

Welche Fragen sind derzeit noch offen?

Rund um eine mögliche Corona-Impfung ist noch vieles unklar: So ist zum Beispiel noch offen, ob eine einmalige Impfung ausreicht, wie lange der Impfschutz vorhält, welche Nebenwirkungen auftreten können und wann sich auch Menschen, die keiner Risikogruppe angehören, gegen Covid-19 impfen lassen können.

Derzeit kann auch noch niemand sagen, wann welcher Impfstoffe in Europa zugelassen wird.

Was jedoch bereits feststeht: Auch wenn ein Impfstoff verfügbar ist, bedeutet das noch keine Rückkehr zu einem Status quo wie vor der Corona-Pandemie. Bis alle Impfwilligen in Deutschland geimpft sind und eine Herdenimmunität besteht, werden viele Monate vergehen. Hygieneregeln und Kontaktbeschränkungen werden wohl noch für einige Zeit Bestandteil unseres Alltags sein.

Informationen zu weiteren Fragen rund um die Impfung gegen Corona:

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