1. Home
  2. Ratgeber

FAQ Corona-Impfung: Astrazeneca beantragt EU-Zulassung

Autor: Benita Wintermantel | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 14.01.2021

Die wichtigsten Infos zur Corona-Impfung - das ist bislang über einen Impfstoff bekannt.
Foto: Shutterstock / siam.pukkato

Bei den Impfungen gegen Covid-19 gibt es derzeit täglich Neuigkeiten. Wir haben für Sie die wichtigsten Fragen und Antworten zur Corona-Impfung zusammengefasst: Wer wird wann geimpft? Was sind die Nebenwirkungen der Impfung gegen das Coronavirus? Wird es eine Impfpflicht geben? Was ist über die neuen Impfstoffe bekannt? 

  • In Kürze kann in Deutschland nicht nur mit dem Impfstoff von BionTech / Pfizer geimpft werden, sondern auch mit dem Impfstoff des US-Herstellers Moderna. Möglicherweise könnte schon im Februar mit Johnson & Johnson ein vierter Hersteller die EU-Zulassung für einen Corona-Impfstoff beantragen. 
  • Es soll aber keine Wahlmöglichkeit geben, welchen Impfstoff man bekomme, so Gesundheitsminister Jens Spahn.
  • Auch AstraZeneca hat jetzt die Zulassung in der EU beantragt.
  • Der Impfstoff wird im ersten Schritt nicht für alle Deutschen reichen. Deshalb soll möglichst so geimpft werden, dass Infektionen mit schweren Verläufen verhindert werden und die medizinische Versorgung gewährleistet ist. 

Dieser Artikel wird kontinuierlich aktualisiert. Letzte Aktualisierung: 14. Januar 2021

Impfung gegen Corona: die Neuigkeiten im Überblick

  • Am 6. Januar 2021 hat die EMA den zweiten Impfstoff gegen das Coronavirus zugelassen. Jetzt darf in Deutschland und in anderen EU-Staaten nicht nur mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer, sondern auch mit dem Vakzin von Moderna geimpft werden. Ab 12. Januar soll der Moderna-Impfstoff an die Bundesländer verteilt werden.
  • Der britisch-schwedische Pharmakonzern AstraZeneca hat ebenfalls eine Zulassung seines Corona-Impfstoffes beantragt. Der Impfstoff von Johnson und Johnson könnte noch im ersten Quartal 2021 zugelassen werden.
  • Nach Kritik an der deutschen Impfstrategie und dem holprigen Start will Gesundheitsminister Jens Spahn prüfen, ob und wie sich die Zahl der Impfungen in Deutschland erhöhen lässt. 
  • Insgesamt hat Deutschland mit Biontech und Pfizer sowie mit Moderna Verträge über die Lieferung von gut 136 Millionen Impfdosen abgeschlossen. "Das Ziel ist und bleibt es, allen Deutschen im Sommer ein Impfangebot zu machen", erklärte Spahn.

Impfung gegen Corona: wichtige Fragen & Antworten

Was weiß man über die Corona-Impfstoffe?

Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer:

  • Es handelt sich um einen RNA-Impfstoff, der Teile der Erbinformationen des Virus enthält. Durch die Impfung soll der Körper Antikörper gegen ein Protein bilden und ein Eindringen des Virus in Körperzellen vermeiden.
  • Der Impfstoff mit dem Kürzel BNT162b2 und dem Handeslnamen Comirnaty wurde bislang an knapp 44.000 Probanden getestet, die Hälfte davon erhielt ein Placebo.
  • Schwere Nebenwirkungen traten nicht auf.
  • Die Wirksamkeitsrate liegt laut der Phase-3-Studie bei 95 Prozent. Die Impfung ist in allen Altersgruppen ähnlich wirksam, bei Menschen über 55 Jahren liegt die Wirksamkeit bei ungefähr 94 Prozent.
  • Lagerung des Impfstoffs bei minus 70 Grad.
  • Geimpft werden muss zwei Mal, mit einem Abstand von drei Wochen.
  • Zulassung für Personen ab 16 Jahren.
  • Biontech rechnet damit, 2020 noch bis zu 50 Millionen Impfdosen zur Verfügung stellen zu können. Damit könnten 25 Millionen Menschen geimpft werden. Kommendes Jahr will das Unternehmen bis zu 1,3 Milliarden Dosen produzieren.

Für weitere Infos: Biontech.de

Corona-Impfstoff von Moderna:

  • Auch hier handelt es sich um einen RNA-Impfstoff.
  • Der Impfstoff mit dem Kürzel mRNA-1273 wurde bislang an mehr als 30.000 Probanden getestet, die Hälfte erhielt ein Placebo.
  • Die Effektivität liegt nach Aussagen des Herstellers bei 94,5 Prozent. Die Impfung schützte jüngere Menschen etwas besser (96 Prozent) als Menschen über 55 Jahren (86 Prozent).
  • Der Impfstoff soll mindestens ein Jahr lang wirken. 
  • Geimpft werden muss zwei Mal, mit einem Abstand von vier Wochen.
  • Schwere Erkrankungen traten nicht auf.
  • Zulassung für Personen ab 18 Jahren.
  • Lagerung des Impfstoffs bei zwei bis acht Grad.
  • Das Unternehmen kündigte an, bis Ende 2020 rund 20 Millionen Dosen herstellen zu können. Damit könnten 10 Millionen Menschen geimpft werden. Im kommenden Jahr könnten zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Dosen produziert werden.

Für weitere Infos: modernatx.com

Corona-Impfstoff von AstraZeneca:

  • Im Unterschied zu den Impfstoffen von Biontech und Moderna handelt es sich hier um einen Vektor-Impfstoff, der T-Zellen trainiert, die vom Virus befallenen Körperzellen zu töten.
  • Der Impfstoff mit dem Kürzel AZD1222 wurde bislang an knapp 24.000 Probanden getestet, die Hälfte erhielt ein Placebo. 
  • Die Effektivität ist nicht einheitlich, sie variiert zwischen 60 und 90 Prozent, unter anderem abhängig von der Impfdosis.
  • In drei Fällen traten schwere Nebenwirkungen auf. Allerdings ist nicht klar, ob diese vom Impfstoff ausgelöst wurden.
  • Lagerung des Impfstoffs bei zwei bis acht Grad.
  • Die Europäische Union hat bereits Hunderte Millionen Impfdosen bei Astrazeneca bestellt.

      Für weitere Infos: astrazeneca.de / Studie im Fachjournal "The Lancet"

      Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson:

      • Es handelt sich um einen vektorbasierten Impfstoff (Kürzel Ad26COVS1).
      • An der Phase-3-Studie nahmen 45.000 Probanden teil. 
      • Der Impfstoff kann bei Kühlschranktemperaturen gelagert werden.
      • Bei diesem Impfstoff muss nur einmal geimpft werden.
      • Die EU hat sich 400 Millionen Dosen des Impfstoffs von Johnson und Johnson vertraglich gesichert.
      • Nach eigenen Angaben will das Unternehmen den Impfstoff zum Selbstkostenpreis abgeben. 

      Für weitere Infos: jnj.com

      Anfang 2021 könnte eine Corona-Impfung Realität werden.
      Anfang 2021 könnte eine Corona-Impfung Realität werden. (Foto: Shutterstock / BaLL LunLa)

      Wer wird zuerst gegen Corona geimpft?

      Auch wenn die ersten Corona-Impfstoffe schneller als gedacht auf den Markt gekommen sind, wird zunächst nicht genug Impfstoff für alle zur Verfügung stehen. Viele Millionen Impfdosen müssen erst in ausreichender Menge produziert, dann verteilt und verabreicht werden.

      Der Impf-Schwerpunkt wird zunächst auf den Alten- und Pflegeeinrichtungen liegen. "Die Schwächsten zu schützen, das ist das erste Ziel unserer Impfkampagne," so Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Spahn hatte am 18. Dezember die Corona-Impfverordnung vorgestellt. Sie gibt an, welche Gruppen sich in Deutschland zuerst impfen lassen können. Neben Bewohnern und Mitarbeitern von Pflegeheimen gehören alle über 80-Jährigen zu denjenigen, die sich zuerst impfen lassen können. Zur Gruppe mit höchster Priorität zählen auch Mitarbeiter von ambulanten Pflegediensten, Personal auf Intensivstationen, in Notaufnahmen und im Rettungsdienst.

      Als Zweites werden alle Menschen ab 70 Jahren sowie Menschen mit einem sehr hohen Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf geimpft, beispielsweise Demenzkranke, Menschen mit einer geistigen Behinderung und Transplantationspatienten. In der zweiten Phase sollen auch enge Kontaktpersonen von Pflegebedürftigen, Menschen in Asyl- und Obdachlosenunterkünften, Polizei- und Ordnungskräfte geimpft werden.

      Laut Gesundheitsministerium stehen deutschlandweit bis Ende Januar drei bis vier Millionen Impfdosen zur Verfügung. Für das gesamte erste Quartal wird mit 11 bis 13 Millionen Impfdosen gerechnet. Mit Hilfe von Kooperationen sollen die Produktionskapazitäten erweitert werden, einen genauen Plan dazu gibt es bislang allerdings noch nicht.

      Mit welchem Impfstoff wird in Deutschland geimpft?

      Derzeit wird in Deutschland nur mit dem Impfstoff von Biontech und Pfizer geimpft. Noch diese Woche soll aber auch der Impfstoff von Moderna an die Impfzentren verteilt werden, dann können die Impfungen mit dem Impfstoff des US-Herstellers beginnen. 

      Den verabreichten Impfstoff (Moderna oder Biontech/Pfizer) können sich die Bürger vorerst nicht selbst aussuchen.

      Wann wird zum zweiten Mal geimpft?

      Der Biontech/Pfizer-Impfstoff wird in zwei Dosen innerhalb von drei Wochen verabreicht. Bei Moderna wird die zweite Impfdosis vier Wochen nach der ersten gegeben.

      Welche Impfreaktionen, bzw. Nebenwirkungen gibt es bei der Corona-Impfung?

      Die Studien weisen auf keine größeren Gefahren hin. Leichte Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, leichtes Fieber, Müdigkeit und ein Anschwellen der Einstichstelle sind bei Impfungen generell nicht ungewöhnlich. In der Regel verschwinden die Symptome nach ein bis zwei Tagen wieder.

      Da bei den Studien bislang nur eine begrenzte Teilnehmerzahl beobachtet wurde, können schwerere Nebenwirkungen nicht völlig ausgeschlossen werden. Diese werden erst entdeckt werden, wenn viele Menschen geimpft sind.

      Nebenwirkungen können beim Paul-Ehrlich Institut (PEI) gemeldet werden: www.nebenwirkungen.bund.de.

      Wird es Privilegien für Geimpfte geben?

      Die Aussage der Bundesregierung lautet ganz klar: Für Geimpfte soll es keine Sonderrechte geben. Sowohl Bundesinnenminister Horst Seehofer als auch Gesundheitsminister Jens Spahn haben sich gegen Privilegien für Menschen, die gegen Covid-19 geimpft sind, ausgesprochen. Es soll keine Zwei-Klassen-Gesellschaft geben. 

      Auch für Geimpfte gelten Corona-Beschränkungen wie Maske, Abstand, Hygiene, Lüften und die allgemeinen Kontaktbeschränkungen.

      Wie wird die Corona-Impfung ablaufen?

      Bund und Länder haben sich Anfang November darauf geeinigt, dass der Bund die Impfstoffe beschafft und die Finanzierung übernimmt. Die Länder sind für das Einrichten von Impfzentren verantwortlich. Neben bundesweit mehr als 400 Impfzentren sind mobile Impfteams am Start, die Menschen in Alten- und Pflegeheimen impfen.

      In einigen Bundesländern werden die Impfberechtigten angeschrieben, in anderen wiederum müssen sie sich selbst um einen Termin kümmern. Einen Überblick über die Regelungen finden Sie auf tagesschau.de.

      Deutschland hat mit Frankreich, Italien und den Niederlanden eine Impfallianz gebildet, um nach der Bevölkerungszahl aufgeschlüsselt für eine gerechte Verteilung der Impfdosen unter allen Mitgliedsstaaten der EU zu sorgen. Deutschland hat einen entsprechenden Anteil von ungefähr 19 Prozent.

      Wer bezahlt die Corona-Impfung?

      Die Impfung in den Impfzentren wird für die Bevölkerung kostenlos sein – unabhängig vom Versicherungsstatus, so das Bundesgesundheitsministerium: "Der Bund zahlt den Impfstoff. Die Kosten für den Aufbau und die Organisation der Impfzentren tragen die Länder und die gesetzliche Krankenversicherung (Liquiditätsreserve des Gesundheitsfonds) sowie die Private Krankenversicherung. Wenn in der zweiten Phase in den Arztpraxen geimpft werden kann, übernehmen wie üblich gesetzliche und private Krankenversicherung die ärztliche Leistung."

      Wird es nur den Impfstoff von Biontech/Pfizer und Moderna geben?

      Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird es in Deutschland mehrere Impfstoffe geben, die unter Umständen für unterschiedliche Zielgruppen geeignet sind. Vorstellbar ist auch, dass der Impfschutz durch eine Kombination verschiedener Impfstofftypen länger und besser ist. Großbritannien will hierzu ab Januar ein neues Impfschema testen. Voraussetzung hierfür ist die Zulassung des AstraZeneca-Impfstoffs.

      Neben Biontech, Moderna und Astrazeneca forschen laut WHO noch rund 200 weitere Firmen, Universitäten und Institute an einem Impfstoff gegen das Coronavirus. 

      Um die Corona-Pandemie weltweit effektiv zu bekämpfen, müssen voraussichtlich 60 bis 70 Prozent der Menschen auf der ganzen Welt gegen Corona geimpft werden.

      Wird es eine Impfpflicht gegen das Coronavirus geben?

      Laut Bundesregierung soll es keine allgmeine Impfpflicht geben. "Es wird zu einer freiwilligen Impfung kommen. Wir sind sehr, sehr zuversichtlich, dass wir das Ziel einer ausreichend hohen Impfquote freiwillig erreichen - mit einer hohen Akzeptanz für Impfungen", betonte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn auf einer Pressekonferenz im September. 

      Welche Fragen sind derzeit noch offen?

      Rund um eine mögliche Corona-Impfung ist noch vieles unklar: So ist zum Beispiel noch offen, wie lange der Impfschutz vorhält, welche Nebenwirkungen auftreten können, ob der Impfstoff auch bei Mutationen des Coronavirus wirksam ist und wann sich auch Menschen, die keiner Risikogruppe angehören, gegen Covid-19 impfen lassen können.

      Was jedoch bereits feststeht: Auch wenn ein Impfstoff verfügbar ist, bedeutet das noch keine Rückkehr zu einem Status quo wie vor der Corona-Pandemie. Bis alle Impfwilligen in Deutschland geimpft sind und eine Herdenimmunität besteht, werden viele Monate vergehen. Hygieneregeln und Kontaktbeschränkungen werden wohl noch für einige Zeit Bestandteil unseres Alltags sein.

      Informationen zu weiteren Fragen rund um die Impfung gegen Corona:

      Weiterlesen auf oekotest.de: