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EU verbietet Chlorpyrifos: Insektizid gefährdet ungeborene Kinder

Autor: Katharina Schmidt | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 06.12.2019

Chlorpyrifos
Chlorpyrifos (Foto: Pixabay/ CC0/ moigram)

Die Europäische Kommission hat das Pestizid Chlorpyrifos heute EU-weit verboten. Das Pflanzenschutzmittel war seit 2005 in der EU zugelassen und steht schon lange in der Kritik.

Das Pestizid Chlorpyrifos soll Getreide und Obst vor Läusen, Fruchtfliegen und anderen Schädlingen schützen. Vor allem Zitrusfrüchte werden oft damit behandelt. Das Insektengift wurde 1973 erstmals in Deutschland und 2005 in der EU zugelassen.

Nun hat sich die EU dagegen entschieden, die Zulassung des umstrittenen Pesitizids zu verlängern. Ab Januar ist Chlorpyrifos damit EU-weit verboten.

Chlorpyrifos kann Kinder schädigen

Die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hatte Chlorpyrifos zuvor in einem Gutachten als zu gefährlich eingestuft. Darüber berichtete unter anderem die Tageszeitung TAZ

Der Grund: Chlorpyrifos könne ungeborene Kinder schädigen. Zudem sei nicht hinreichend auszuschließen, dass das Mittel das Erbgut beeinträchtigt. Deshalb könnten keine sicheren Grenzwerte festgelegt werden. 

Zulassung automatisch verlängert 

Der US-Agrarchemiekonzern Corteva wies die Vorwürfe der EFSA gegen Chlorpyrifos damals zurück: "Kein Wirkstoff ist gründlicher untersucht worden als Chlorpyrifos" – so zitiert die TAZ József Máté, Sprecher des US-Agrarchemiekonzerns Corteva. 

Die EU-weite Zulassung von 2005 wäre eigentlich 2016 ausgelaufen. Doch weil die zuständigen Behörden nicht rechtzeitig über eine Verlängerung entschieden hatten, verlängerten sie die Zulassung provisorisch. Das geschah insgesamt dreimal. 

Lebensmittel mit Chlorpyrifos gibt es auch in Deutschland 

Derzeit ist Chlorpyrifos noch in 20 EU-Ländern zugelassen, in Deutschland ist es seit 2015 verboten. Trotzdem hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit das Pflanzengift 2017 in importiertem Obst gefunden, berichtet die TAZ. Über ein Drittel der getesteten Grapefruits und Orangen waren betroffen.

Diese Zahl dürfte durch das EU-weite Verbot zurückgehen. Obst aus Nicht-EU-Ländern kann aber voraussichtlich weiterhin Spuren von Chlorpyrifos enthalten.

Ungenaues Zulassungsverfahren 

"Der Fall Chlorpyrifos zeigt ähnlich wie bei Glyphosat und den Bienenkillern Neonikoti­no­i­den, dass die Zulassungsverfahren nicht einwandfrei funktionieren", so zitiert die TAZ den Grünen-Bundestagsabgeordneten Harald Ebner. "Offensichtlich haben die Behörden bei Chlorpyrifos unkritisch die Herstellerschlussfolgerungen über Tierversuche mit dem Stoff übernommen." 

Ein Ausschuss der Europäischen Kommission hatte Chlorpyrifos 2005 als sicher eingestuft und den Stoff per Verordnung erlaubt. Voruntersuchungen durch Spanien hatten sich vor allem auf Studien bezogen, die Hersteller des Insektizids in Auftrag gegeben hatten. 

Schon bei der ersten Zulassung hatte den Behörden eine Studie an Ratten vorgelegen, die Anzeichen für die Auswirkung auf Kleinhirne lieferte. Zwischen 2005 und 2016 folgten weitere Studien, die die Auswirkungen des Insektizids auf Menschen untersuchten. Laut EFSA belegen die Untersuchungen kognitive und Verhaltensdefizite bei Kindern, die im Mutterleib Chlorpyrifos ausgesetzt werden.

Chlorpyrifos vermeiden: So geht's

In Deutschland gibt es derzeit viele Zitrusfrüchte zu kaufen, die mit Chlorpyrifos behandelte wurden. Wer das Pestizid vermeiden will, sollte genau hinsehen und nur Früchte aus Bio-Anbau kaufen. Denn Bio-Lebensmittel dürfen nicht mit synthetischen Pestiziden behandelt werden. Bio-Obst erkennen Sie an Siegeln wie dem EU-Biosiegel oder an der Bezeichnung "Bio".

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