1. Home
  2. Ratgeber

Dritte Corona-Impfung: Wer bekommt die Booster-Impfung, wann und wo?

Autor: Lena Pritzl, L. Wirag (mit Material von dpa) | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 19.11.2021

Die STIKO empfiehlt eine Auffrischimpfung gegen Corona
Foto: Shutterstock / Rido

Seit Wochen wird über die Auffrischungsimpfung gegen Corona diskutiert. Wann ist die Booster-Impfung sinnvoll, für wen wird die dritte Impfung empfohlen und welcher Impfstoff wird verimpft? Kann man sich zeitgleich gegen Grippe impfen lassen? ÖKO-TEST klärt die wichtigsten Fragen zur dritten Corona-Impfung.

Dieser Artikel wird regelmäßig aktualisiert. Letztes Update: 19. November 2021

Das Interesse an Auffrischungsimpfungen ist groß, in Seniorenheimen und Hausarztpraxen wird die dritte Impfung gegen Corona – auch Booster-Impfung genannt – schon länger verimpft. Rund fünf Prozent der Menschen in Deutschland haben bisher eine Corona-Auffrischungsimpfung erhalten.

Booster-Empfehlung inzwischen für alle

Bund und Länder hatten sich schon vorletzte Woche verständigt, Auffrischungsimpfungen grundsätzlich für alle Bürger ermöglichen zu wollen. Jetzt (d.h. seit 19. November 2021) empfiehlt auch die Ständige Impfkommission (STIKO) den Impfbooster für alle Menschen ab 18 Jahren – und zwar frühestens fünf, normalerweise sechs Monate nach der letzten Impfung. Bislang hatte die STIKO den Booster nur für Risikogruppen und frühestens nach sechs Monaten empfohlen.

Konkret hieß es aus dem Gremium: "Die Auffrischimpfungen sollen in der Regel im Abstand von sechs Monaten zur letzten Impfstoffdosis der Grundimmunisierung erfolgen. Eine Verkürzung des Impfabstandes auf fünf Monate kann im Einzelfall oder wenn genügend Kapazitäten vorhanden sind erwogen werden." 

Booster-Impfung zuerst für Ältere und Vorerkrankte

Senioren und Menschen mit Vorerkrankungen sollen die Booster-Impfung gegen Corona trotz der Ausweitung der Impf-Empfehlung zuerst erhalten. Für diese Empfehlung machen sich einige Bundesländer, z.B. Niedersachsen und Hessen, stark. "Diejenigen, die sie besonders brauchen, kriegen die Auffrischungsimpfung schneller", sagte eine Sprecherin der Staatskanzlei in Niedersachsen am Freitag in Hannover. Es müsse sich aber niemand Sorgen machen, nicht zum Zug zu kommen, da die Impfkapazitäten derzeit ausgebaut würden. Der hessische Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) appellierte an die Bürgerinnen und Bürger, beim Boostern solidarisch zu sein: "Lassen Sie bei den Auffrischimpfungen im Moment noch denen den Vortritt, deren Impfschutz sich relativ schnell reduziert: Menschen über 70, Vorerkrankten und Immunsupprimierten beziehungsweise mit Johnson & Johnson und ausschließlich mit Astrazeneca Geimpften." Alle anderen verfügten auch nach einem halben Jahr noch über einen ausreichenden Schutz vor schweren Verläufen.

Auch SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach forderte die STIKO auf, eine Empfehlung zu Booster-Impfungen für alle Bürger auch an eine Priorisierung zu koppeln, die sonst den Arztpraxen überlassen bleibe. Die STIKO solle klar festlegen, welche Gruppe wann an der Reihe sei, so Lauterbach. Allerdings ist schon jetzt in den Empfehlungen der STIKO zu lesen, dass bei der Impfung "soweit wie möglich nach absteigendem Lebensalter" vorgegangen werden solle.

Bayern und Berlin boostern schon nach 5 Monaten

In Bayern wird die dritte Impfung bereits für alle erwachsenen Bürger und schon fünf Monate nach der letzten Impfung gegen Covid-19 empfohlen. Das bayerische Gesundheitsministerium hatte die Impfzentren in Bayern bereits am Montag aufgefordert, alle Interessierten auch schon nach fünf Monaten zu boostern. Auch aus Berlin hieß es am Mittwoch, dass eine Booster-Impfung dort schon nach fünf Monaten möglich sein solle.

Bürger in anderen Bundesländern, die ebenfalls eine möglichst frühzeitige Booster-Impfung wünschen, können sich bereits an ihren (Kassen-)Arzt wenden und auf Spahns Schreiben sowie die heutige STIKO-Empfehlung verweisen. Die Entscheidung darüber, ob und wann eine dritte Impfung verabreicht werden kann, liegt dann beim Arzt. Einige Ärzte halten eine Booster-Impfung nach sechs Monaten, vor allem bei jungen und gesunden Menschen, für verfrüht. Bei großem Impf-Andrang warnen Ärzteverbände außerdem vor einem Mangel an Kapazitäten.

Schnelle Effekte sind unwahrscheinlich

Christian Karagiannidis, Leiter des Intensivregisters der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), sagte gegenüber dem NDR, pro Tag seien eine Million Auffrisch-Impfungen nötig, um die Ausbreitung des Virus deutlich zu reduzieren. Zurzeit sei man davon aber weit entfernt.

Der Experte schätzte, dass man frühestens in vier Wochen – also ab Mitte Dezember – einen Effekt der Booster-Impfungen erwarten könne. Karagiannidis geht davon aus, dass die vierte Welle erst im Frühjahr nächsten Jahres auslaufen werde.

Warum die dritte Impfung?

In Deutschland sind bereits viele Menschen vollständig gegen das Coronavirus geimpft. Alle in Deutschland zugelassenen COVID-19-Impfstoffe schützen vor schweren Erkrankungen mit dem Coronavirus oder dem Tod infolge einer Erkrankung. Außerdem schützt die Impfung vor einer Corona-Infektion und reduziert somit das Risiko, das Virus zu übertragen.

Immer mehr Studien weisen jedoch darauf hin, dass der Impfschutz vor schweren Corona-Verläufen nach mehreren Monaten zurückgeht. Einer schwedischen Untersuchung zufolge, die soeben als Vorabdruck veröffentlicht wurde, nimmt der Schutz nach einem halben Jahr stark ab. Für die Studie der Universität Umea waren die Daten von mehr als 800.000 Geimpften und ebenso vielen Ungeimpften ausgewertet worden. Mit Blick auf schwere Verläufe sinke die Effektivität über alle Impfstoffe hinweg nach sechs Monaten von anfangs 89 Prozent auf 42 Prozent.

Für die Booster-Impfung gegen das Coronavirus werden mRNA-Impfstoffe verimpft.
Für die Booster-Impfung gegen das Coronavirus werden mRNA-Impfstoffe verimpft. (Foto: Shutterstock / siam.pukkato)

Die Deutsche Gesellschaft für Immunologie bezeichnete die aktuelle Studie aus Schweden allerdings als "Extrembeispiel". Zwar zeigten vergleichbare Untersuchungen ebenfalls einen Rückgang des Impfschutzes, der aber nicht so stark ausfalle. Die hohen Werte der schwedischen Studie könnten durch die Methode, die bei der Datenbank-Untersuchung verwendet wurde, erklärt werden.

Die Forschung steht hinter Booster-Impfungen

Auch die STIKO erklärt, dass "der Impfschutz mit der Zeit insbesondere in Bezug auf die Verhinderung asymptomatischer Infektionen und milder Krankheitsverläufe nachlässt." Weiter heißt es, die Immunantwort nach der Impfung falle im höheren Alter "insgesamt geringer aus und Impfdurchbrüche können häufiger auch zu einem schweren Krankheitsverlauf führen."

Deshalb sollten bestimmte Bevölkerungsgruppen ihren Impfschutz mit einer dritten Impfung auffrischen. Diese Booster-Impfung verstärkt die Antikörperbildung gegen das Coronavirus und beugt damit einem nachlassenden Immunschutz vor.

Wer soll die dritte Impfung bekommen?

Bei der Auffrischungsimpfung erhalten bereits vollständig geimpfte Menschen eine weitere Impfdosis. Länger fehlte eine allgemeine Empfehlung der Ständigen Impfkommission, die Booster-Impfung empfahl sie bis dato nur für immungeschwächte Menschen und über 70-Jährige.

Seit 18. November empfiehlt die STIKO die dritte Corona-Impfung für folgende Personengruppe:

  • alle Personen ab 18 Jahren, deren zweite Impfung etwa sechs Monate zurückliegt

Priorisiert werden sollten dabei laut STIKO:

  • Personen ab 70 Jahren
  • Bewohner und Betreute in Pflegeeinrichtungen
  • Pflegepersonal und Beschäftigte mit direktem Kontakt zu den Bewohndern ambulanter, teil- oder vollstationärer Pflegeeinrichtungen für alte Menschen oder für andere Menschen mit einem erhöhten Risiko für schwere COVID-19-Krankheitsverläufe
  • Personal in medizinischen Einrichtungen mit direktem Patientenkontakt

Die Auffrischimpfung soll dabei in der Regel im Abstand von 6 Monaten zur letzten Impfstoffdosis der Grundimmunisierung erfolgen, also etwa sechs Monate nachdem der volle Impfschutz wirksam war. Diese Zeitspanne gilt unabhängig davon, welcher Impfstoff verimpft wurde. Die dritte Corona-Impfung ist – wie alle anderen Impfungen gegen Corona auch – kostenlos.

Wichtig: Die Ständige Impfkomission (STIKO) empfiehlt zudem Menschen, die mit dem Corona-Impfstoff Janssen von Johnson & Johnson geimpft wurden, eine zusätzliche mRNA-Impfstoffdosis. Die Auffrischimpfung kann bereits vier Wochen nach der Erstimpfung erfolgen.

Grundsätzlich können alle Bundesbürger eine Auffrischungsimpfung bekommen und haben Anspruch auf eine Übernahme der anfallenden Kosten. 

Die dritte Impfung wird zurzeit unter anderem für Personen ab 70 Jahren empfohlen, aber auch für Pflegepersonal.
Die dritte Impfung wird zurzeit unter anderem für Personen ab 70 Jahren empfohlen, aber auch für Pflegepersonal. (Foto: Shutterstock/Yuganov Konstantin)

Booster-Impfung nach Corona-Infektion?

Grundsätzlich steht die Auffrischimpfung gegen das Coronavirus allen Menschen offen. Aber ist sie auch für Genese sinnvoll und bei Corona-Erkrankten mit doppelter Impfung? 

Die Robert Koch Institut (RKI) und die STIKO empfehlen die Auffrischungsimfung explizit nicht für Personen, die vor oder nach der vollständigen Impfung eine Corona-Infektion durchgemacht haben.

Anders sieht die Sache bei Menschen aus, die genesen waren und anschließend mit einem Vektor-Impfstoff (Vakzin von AstraZeneca und Johnson & Johnson) vollständig immunisiert wurden. Diese Personen sollten laut BMG eine Auffrischimpfung erhalten.

Wo kann ich die Auffrischimpfung bekommen?

Die Auffrischungsimpfungen gegen das Coronavirus werden an verschiedenen Orten angeboten: bei niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten, bei mobilen Impfteams und bei Betriebsärztinnen und Betriebsärzten. In vielen Bundesländern können Sie die Booster-Impfung auch in einem Impfzentrum erhalten.

Die Bundesländer organisieren die Durchführung der Auffrischimpfungen. Am besten informieren Sie sich online bei Ihrem jeweiligen Bundesland, die Bundesregierung bietet eine Bundesländer-Übersicht an. Alternativ können Sie sich auch bei Ihrer Hausarztpraxis erkundigen.

Welcher Impfstoff wird bei der Auffrischimpfung verimpft?

Die STIKO empfiehlt für die Booster-Impfdosis einen mRNA-Impfstoff, egal welcher Impfstoff zuvor verimpft wurde. Deshalb werden bei der Auffrischimpfung in Deutschland nur mRNA-Impfstoffe verwendet. Hierfür sind die Vakzine der Hersteller Biontech (Comirnaty) und Moderna (Spikevax) zugelassen.

Wurde bei der Grundimmunisierung bereits ein mRNA-Impfstoff verimpft, sollte nach Ansicht der STIKO bei der dritten Impfung möglichst derselbe Impfstoff benutzt werden. Doch einige Menschen fragen sich, ob eine Mischung der Vakzine von Biontech und Moderna nicht zu einer noch besseren Immunabwehr führen könnten.

Impfstoffe von Biontech und Moderne mischen?

Daten aus den USA, auf die auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach auf Twitter hinwies, zeigen: Eine Mischung der Impfstoffe – etwa eine Grundimmunisierung mit Biontech und Auffrischung mit Moderna – bringt tatsächlich kleine Unterschiede bei der Booster-Wirkung.

Aber die Unterschiede sind eben klein: So lagen die Effekte auf den Antikörperspiegel bei der Kombination Biontech/Moderna im Mittel beim Faktor 17,3. Bei Biontech/Biontech waren es 14,9. Umgekehrt lagen sie bei Moderna/Biontech bei 9,7, bei Moderna/Moderna bei 7,9.

Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, erklärt: Es sei deshalb unerheblich, welchen mRNA-Impfstoff man für die Auffrischung nehme. Zudem lägen dieser Studie Booster-Impfungen mit der vollen Dosis Moderna (100 Mikrogramm) zugrunde. Für die Auffrischung in Deutschland solle aber die halbe Dosis (50 Mikrogramm) verwendet werden. Damit würden die Unterschiede noch mal etwas kleiner oder sogar verschwinden, erklärt Watzl.

Hinzu kommt, dass Moderna laut jüngster Empfehlung der STIKO für Menschen unter 30 Jahre nicht mehr zum Einsatz kommen soll.

Die US-Studie zeigt außerdem, dass niemand Nachteile beim Booster-Effekt befürchten muss, wenn er oder sie ein drittes Mal den Biontech-Impfstoff geimpft bekommt.

Zum Vergleich: Verabreicht man mRNA-Geimpften zur Auffrischung den Impfstoff von Johnson & Johnson, liegt der Antikörper-Verstärkungseffekt laut Studie im Mittel nur beim Faktor 6,2 (bei Kombination mit Biontech) oder 4,7 (Kombination mit Moderna).

Wer hingegen als erste Impfung das Vakzin von Johnson & Johnson bekommen hat, profitiert sehr vom mRNA-Booster: Bei Biontech lag der Faktor bei 32,8, bei Moderna sogar bei 56,1. Somit liefern auch diese Daten einen Beleg, warum es sinnvoll ist, eine Vektorimpfstoff-Grundimmunisierung mit einem mRNA-Impfstoff zu boostern.

Parallele Impfung von Grippeimpfung und Corona-Auffrischung?

Im Herbst lassen sich viele – vor allem ältere – Menschen gegen Grippe impfen. Gemäß der aktuellen STIKO-Empfehlung können beide Impfungen parallel erfolgen und sogar an einem Termin. Das sei möglich, da der Grippe-Impfstoff ein Totimpfstoff sei. Wichtig bei einer Parallelimpfung: Es sollten nicht beide Impfstoffe in denselben Oberarm gespritzt werden, sondern je ein Impfstoff in einen Arm verimpft werden.

Lesen Sie dazu auch: Grippe-Saison und Corona: Wer sollte sich gegen Influenza impfen lassen?

Weiterlesen auf oekotest.de: