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Die Zecken-Gefahr ist diesen Sommer besonders groß

Autor: Benita Wintermantel | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 21.05.2020

Die Zecken-Gefahr ist diesen Sommer besonders groß

Bedingt durch die vielen Ausflüge in die Natur während der Corona-Pandemie könnte es dieses Jahr mehr Zeckenstiche geben als sonst. Zudem ist die Gefahr einer Hirnhautentzündung um 50 Prozent höher als im vergangenen Jahr. Hier finden Sie alles Wissenswerte rund um Zecken: Schutz vor Zeckenstichen, Entfernung einer Zecke & Infos zu den neuen Zeckenarten aus den Tropen.

  • Dieses Jahr gibt es besonders viele erwachsene Zecken, damit steigt das Risiko einer Infektion mit dem FSME-Virus.
  • Zecken sind inzwischen nahezu ganzjährig aktiv.
  • Tropische Zecken werden zunehmend auch in Deutschland heimisch.

In der Coronakrise sind viele von uns mehr in der Natur unterwegs als sonst. Damit steigt das Risiko, von einer Zecke gestochen zu werden. Experten warnen dieses Jahr ganz besonders vor der Gefahr, die durch Zecken ausgeht: In diesem Jahr gebe es mehr erwachsene Zecken als im vergangenen Jahr, berichtet der Bayerische Rundfunk. Da vor allem erwachsene Zecken den Erreger der Frühsommer-Meningoenzephalitits (FSME) übertragen können, sei das Infektionsrisiko dieses Jahr um 50 Prozent höher als zum selben Zeitpunkt im vergangenen Jahr. 

Experten-Prognose für 2020: mehr FSME-Fälle

Das vergangene Jahr war für Zecken ein gutes Jahr, 2020 könnte es ähnlich weitergehen. Experten prognostizieren für 2020 ein Rekordjahr. Denn durch den äußerst milden Winter sind die Spinnentiere früher als sonst aktiv geworden. Dauerte die Zeckensaison bislang von März bis Oktober, sind die Zecken inzwischen fast ganzjährig aktiv. 

Die Zeckensaison 2020 könnte ein Rekordjahr werden, prognostiziert Zeckenexperte Prof. Dr. rer. nat. Franz Rubel. "Das liegt insbesondere an der extremen Buchenmast vor zwei Jahren. Mäuse, die Zeckenlarven als Wirt dienen, fanden in dem Jahr sehr günstige Futterbedingungen vor. Die Folge war ein starker Anstieg der Mäusepopulation im Jahr 2019, was vielen Zeckenlarven eine Blutmahlzeit ermöglichte". Wieder ein Jahr später, also dieses Jahr, ist die Population an Zecken im Erwachsenenstadium besonders hoch.

Zahl der FSME-Risikogebiete steigt

In immer mehr Teilen Deutschlands besteht die Gefahr, nach einem Zeckenbiss an FSME, einer Hirnhautentzündung, zu erkranken. Das Robert Koch-Institut (RKI) hat die Anzahl der sogenannten FSME-Risikogebiete 2020 um drei neue Regionen erweitert.

Es handelt sich um zwei Regionen in Sachsen (Stadtkreis Dresen und Landkreis Meißen) sowie eine Region in Thüringen (Landkreis Schmalkalden-Meiningen. In Deutschland gibt es damit insgesamt 164 betroffene Landkreise, die hauptsächlich in Bayern, Baden-Württemberg sowie Teilen Südhessens, Sachsens und Thüringens liegen.

Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

Die bei uns heimischen Zecken können die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und Lyme-Borreliose übertragen.

Bei FSME handelt es sich um eine Virusinfektion. Laut Bayerischem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit erkranken jedes Jahr etwa 300 Menschen an der Virusinfektion. Die Hälfte der Fälle tritt in Bayern auf. "Neben einer unkomplizierten grippalen Symptomatik kann das Virus unter anderem zu einer Meningitis, Enzephalitis oder Myelitis (Hirnhaut-, Gehirn- oder Rückenmarksentzündung) führen. Eine kausale Therapie existiert nicht, aber die Erkrankung kann wirksam durch eine Impfung verhindert werden", so das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.

Weniger FSME-Fälle nach Zeckenstichen

Obwohl 2019 ein Jahr mit einer hohen Zeckenaktivität war, ist die Zahl der FSME-Erkrankungen zurückgegangen. "Nachdem 2018 noch 607 Fälle von FSME-Erkrankungen gemeldet wurden, liegt die Zahl 2019 bei 462, also 145 Fälle weniger", so Zeckenexpertin Prof. Dr. Ute Mackenstedt von der Universität Hohenheim. Vor allem Im Süden Deutschlands ist die Zahl stark gesunken: In Baden-Württemberg seien es 115 Fälle weniger gewesen, in Bayern 24 Fälle. 

Die aktuelle Karte der FSME-Risikogebiete finden Sie auf der Seite des RKI. 

Borreliose: Gefahr in ganz Deutschland

Bei der Lyme-Borreliose handelt es sich um eine bakterielle Infektion. Gegen Borreliose gibt es keine Impfung, die Erkrankung kann aber gut mit Antibiotika behandelt werden. Mit Lyme-Borreliose kann man sich nicht nur in den Risikogebieten, sondern in ganz Deutschland infizieren. Ungefähr zehn bis 20 Prozent der Zecken tragen das Lyme-Borreliose-Bakterium in sich. Laut RKI tritt in Deutschland bei etwa vier Prozent der Menschen nach einem Zeckenbiss eine Borreliose-Infektion auf. Nach Schätzungen liegt die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen bei mehreren Zehntausend. Da die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung steigt, je länger die Zecke saugt, ist es wichtig, die Zecke möglichst schnell zu entfernen.

Schutz vor Zeckenstichen

Vor FSME können Sie sich durch eine Impfung schützen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung allen, die in den Risikogebieten leben oder dort Urlaub machen. 

"Um gar nicht erst von einer Zecke gestochen zu werden, können das Tragen richtiger Kleidung, das Einsprühen mit Anti-Insektensprays und das gründliche Absuchen des eigenen Körpers helfen", rät Franz Rubel.

Wie wird eine Zecke richtig entfernt?

  • Möglichst schnell entfernen.
  • Den Zeckenleib nicht quetschen, da sonst Erreger aus der Zecke in die Wunde gepresst werden können.
  • Die Zecke nicht mit Öl oder Klebstoff behandeln.
  • Am besten die Zecke möglichst dicht über der Haut mit einer Pinzette fassen und dann herausziehen.
  • Die Zecke herauszudrehen ist keine gute Idee. Dabei kann es leicht passieren, dass der Rüssel abreißt.
  • Wenn noch Teile des Tieres in der Haut sichtbar sein sollten, handelt es dabei meist nicht um den Kopf, sondern um Teile des Stechapparates. Hier besteht keine weitere Infektionsgefahr mehr.

Für weitere Infos: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Tropen-Zecken sind auf dem Vormarsch

Zwei Zeckenarten, die eigentlich in den Tropen heimisch sind, werden immer öfter in Deutschland gesichtet: die Hyalomma-Zecke und die Braune Hundezecke.

Die Hyalomma-Zecke kann tödliche Krankheiten übertragen 

In den vergangenen beiden Jahren wurde in Deutschland öfters eine Zecke entdeckt, die eigentlich in Südeuropa, Asien und Afrika beheimatet ist. Weil sie fünf Mal so groß wie der heimische Holzbock werden kann und sehr widerstandsfähig ist, wird sie auch "Super-Zecke" genannt. Die Hyalomma-Zecke hat auffällig gestreifte, behaarte Beine und kann äußerst schnell laufen. Experten gehen davon aus, dass die Larven der Zecke mit Zugvögeln nach Deutschland gelangt sind. 

Laut Robert Koch-Institut (RKI) können Hyalomma-Zecken gefährliche Krankheiten wie das oft tödliche Krim-Kongo-Virus übertragen.

Panik ist allerdings nicht angebracht. Bislang wurden in Deutschland erst weniger Exemplare gefunden. Keine dieser Zecken trug Infektionserreger für hämorrhagische Tropenfieber, wie das Krim-Kongo Hämorrhagische Fieber sowie das Arabisch Hämorrhagische Fieber. Das haben jetzt Experten der Universität Hohenheim bestätigt.

Hyalomma-Zecken können allerdings Zecken-Fleckfieber übertragen. Vergangenen Sommer wurde der erste Fall einer Fleckfieber-Erkrankung durch den Stich einer tropischen Riesenzecke bekannt. Fleckfieber lässt sich mit Antibiotikum gut behandeln.

Braune Hundezecke breitet sich weiter aus

Auch die Braune Hundezecke fühlt sich in Deutschland mittlerweile pudelwohl. Die Zecke bevorzugt Hunde als Wirt - in Ausnahmefällen aber auch Menschen. In Wohnungen kann sie schnell zur Plage werden. Hier lesen Sie mehr über die Braune Hundezecke: Braune Hundezecke: Gefahr für Mensch und Hund wird größer

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