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Desinfektionsmittel gegen Corona: Vier Alternativen für wirksame Handhygiene

Autor: Benita Wintermantel/Lino Wirag | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 23.03.2020

Desinfektionsmittel gegen Corona: Vier Alternativen für wirksame Handhygiene
Foto: ÖKO-TEST/lw

Handhygiene gilt als wichtigste Maßnahme, um sich vor dem Coronavirus zu schützen. Wer derzeit loszieht, um ein Desinfektionsmittel zu kaufen, steht jedoch vor leeren Regalen. Doch es gibt Alternativen, die wirksam sind - und einige Hilfsmittel, von denen wir abraten.

Auf dem Bild oben ist zu sehen, was viele aus eigener Erfahrung kennen: In Drogeriemärkten und Apotheken sind seit Beginn der Coronakrise in Deutschland vor rund drei Wochen kaum noch kommerzielle Desinfektionsmittel zu bekommen.

Als Reaktion darauf hatte die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) den Apotheken bereits am 4. März die Erlaubnis erteilt, Mittel zur Desinfektion für Kunden, Ärzte und Pflegeheime selbst herzustellen. Am 20. März wurde die Herstellung nochmals erleichtert, indem die Anforderungen für die Zutaten herabgesetzt wurden. Inzwischen sind aber auch die Apotheken selbst von Lieferengpässen betroffen – sie können derzeit die benötigten Zutaten nicht nachbestellen, um die Desinfektionsmittel zu mischen.

Desinfektionsmittel: Das sind die Alternativen

Welche Alternativen gibt es, um sich die Hände zu desinfizieren? Und: Ist eine Desinfektion überhaupt notwendig? Wenn ja, für wen?

Die erste gute Nachricht: Es gibt durchaus Alternativen, die Menschen, die nicht zur Risikogruppe gehören, einen gleichwertigen und ausreichenden Schutz bieten. Sie finden Sie hier.

Die zweite gute Nachricht: Konsumenten müssen (und sollten) nicht auf Online-Marktplätze ausweichen, wo zur Zeit horrende Preise für verbliebene Desinfektionsmittel-Bestände bezahlt werden müssen. Zumal sich dort viele Betrüger herumtreiben, die auf ein schnelles Geschäft mit der Angst hoffen – auch gefälschte, unwirksame und gestohlene Produkte sollen im Umlauf sein.

Zum Weiterlesen: Die Gefahr von Fake-Shops in der Coronakrise

1. Alternative: Gründliches Händewaschen mit Seife

Das Desinfizieren der Hände (wie auch das Tragen von Atemmasken, die in den meisten Fällen unnötig sind) suggeriert uns mehr Sicherheit. Laut Experten ist eine Desinfektion der Hände aber nur sinnvoll, wenn wir keine Gelegenheit zum Händewaschen haben oder mit immungeschwächten und infektionsanfälligen Menschen im Haushalt leben.

Im privaten Bereich reicht es deshalb völlig aus, die Hände gründlich mit Wasser und Seife zu waschen, so das Robert Koch-Institut, das in Deutschland für die laufende Einschätzung der Gefährdungslage zuständig ist. Behüllte Viren wie das Coronavirus sind empfindlich gegenüber den in Seife enthaltenen Tensiden und können durch gründliches Händewaschen mit Seife inaktiviert, zumindest aber abgewaschen werden.

Beste Desinfektionsmittel-Alternative: Gründliches Händewaschen
Beste Desinfektionsmittel-Alternative: Gründliches Händewaschen (Foto: CC0 / Pixabay / ivabalk)

Händewaschen ist genauso wirksam

Einige aktuelle Berichte aus zuverlässigen Quellen (wie Deutschlandfunk) sprechen sogar dafür, dass gründliches Händewaschen mit Seife genauso effektiv ist wie der Einsatz von Desinfektionsmitteln – wenn nicht sogar wirksamer.

Viren werden nämlich durch die Wirkstoffe der Seife im Optimalfall nicht nur zerstört, sondern durch die mechanische Reibung auch von der Haut gelöst und vom fließenden Wasser abtransportiert.

Beim Desinfizieren mit Alkohol fallen die beiden zuletzt genannten Effekte schwächer aus. Deshalb besteht die Möglichkeit, dass Viren, die nicht vollständig zerstört wurden, weiter auf der Haut bleiben.

Eine abschließende Antwort darauf, ob Händewaschen mit Seife und Wasser oder die Anwendung von Desinfektionsmitteln einen besseren Schutz bieten, gibt es noch nicht. Es gilt: Richtig angewendet (siehe dazu auch unten) schützen beide.

Nur Gesundheitsberufe müssen desinfizieren

Im medizinischen und pflegenden Bereich gilt allerdings weiterhin die Handdesinfektion als erste Wahl, um die Keimzahl so niedrig wie möglich zu halten und unerwünschte Übertragungen zu verhindern.

Das hat auch damit zu tun, dass rückfettende Desinfektionsmittel, wie sie in Krankenhäusern verwendet werden, die Haut auf Dauer weniger schädigen als das häufige Waschen mit Seife. Würde medizinisches Personal sich so oft und so gründlich die Hände waschen, wie es aus Hygienegründen nötig wäre, wären Hauterkrankungen die Folge.

Hinzu kommt: Die Handdesinfektion ist schlicht effizienter und damit im hektischen Klinik- oder Pflegebetrieb die bessere Wahl, um die Sicherheit von Patienten zu gewährleisten.

Richtiges Händewaschen – an alles gedacht?

Damit Viren zerstört und abgewaschen werden, müssen die Hände gründlich gewaschen werden. Hier noch einmal die Kurzfassung:

  • Die Hände mindestens 20 Sekunden mit lauwarmem Wasser und Seife einseifen, dabei die Handinnenfläche, den Bereich zwischen den Fingern und die Handoberfläche nicht vergessen.
  • Danach die Hände mit klarem Wasser abspülen und gut abtrocknen.
  • Wichtig dabei: Die Handtücher regelmäßig wechseln, am besten - während der Coronakrise - Einmal-Handtücher aus Papier verwenden.
  • Wenn Sie sich auswärts die Hände waschen, sollten Sie auf öffentliche Handtrockner verzichten. Diese stehen im Verdacht, Keime und Bakterien in der Raumluft aufzuwirbeln.
Nur als Notlösung sinnvoll: Auch (Trink-)Alkohol mit mindestens 62 % kann Viren inaktivieren.
Nur als Notlösung sinnvoll: Auch (Trink-)Alkohol mit mindestens 62 % kann Viren inaktivieren. (Foto: CC0 / Pixabay / felix_w)

2. Alternative: Hochprozentiges zur Desinfektion

Das Robert Koch-Institut (RKI) und die Apotheken-Verbände haben schon vor einigen Wochen erklärt, welche Voraussetzungen ein Desinfektionsmittel erfüllen muss, um gegen behüllte Viren wie das Coronavirus zu wirken:

  • Laut RKI sollte ein Produkt die Hinweise "begrenzt viruzid" (entspricht dem Hinweis "wirksam gegen behüllte Viren"), "begrenzt viruzid PLUS" oder "viruzid" tragen.
  • Unabhängig davon empfiehlt die Deutsche Apothekerzeitung Desinfektionsmittel mit mindestens 62 % Ethanol oder einem vergleichbaren Propanol-Gehalt. Bei Ethanol und Propanol handelt es sich um Alkohole: Sie schädigen die Proteinhülle und das Erbgut der Viren und machen sie so unschädlich.

Wirksame Desinfektionsmittel, wie sie auch vom RKI empfohlen werden, basieren in der Regel auf hochprozentigen Konzentrationen von Ethanol, Propanol oder einer Mischung beider Stoffe. Genauso solche Desinfektionsmittel sind aber zurzeit kaum zu finden.

Starke Spirituosen als Notlösung möglich

Der Verband der Schweizer Brenner empfiehlt deshalb – durchaus in eigenem Interesse –  hochprozentigen Trinkalkohol als Desinfektionsmittel. Tatsächlich sind starke Spirituosen mit mehr als 62 % Alkoholgehalt in der Lage, behüllte Viren zu inaktivieren. Dazu zählen beispielsweise hochprozentiger Absinth oder Strohrum.

Wer kein Problem damit hat, nach Alkohol zu riechen, kann auf diese Weise ein DIY-Kit zur Desinfektion für unterwegs herstellen. Das sollte aber nur eine Notlösung sein. Zu Hause ist in jedem Fall gründliches Händewaschen vorzuziehen.

Noch in den meisten Drogerien zu finden: Melissengeist.
Noch in den meisten Drogerien zu finden: Melissengeist. (Foto: ÖKO-TEST/lw)

3. Desinfektionsmittel-Alternative: Melissengeist

Eine weitere Alternative, die es (noch) in jedem Drogeriemarkt gibt: Melissengeist. Das Hausmittel wird von verschiedenen Herstellern angeboten.

Melissengeist enthält, je nach Hersteller, meistens deutlich über 60 % Ethanol und ist damit gegen behüllte Viren wie das Coronavirus wirksam. Außerdem ist das Mittel (im Gegensatz zu Spirituosen) zur äußeren Anwendung empfohlen.

Der Vollständigkeit halber: Auch Kölnisch Wasser kann zur Desinfektion verwendet werden. Es enthält, je nach Hersteller, zwischen 70 bis 85 % Alkohol, ist allerdings so teuer, dass es für die wenigsten als echte Desinfektions-Alternative infrage kommen dürfte.

Wichtig: Hände nicht austrocknen lassen

Improvisierte Desinfektionsmittel wie die oben genannten sollten Sie nur als Notlösung und nur für unterwegs verwenden. Sie sind nicht dafür gedacht, herkömmliche Desinfektionsmittel zu ersetzen und trocknen (wegen des Alkoholgehalts) zudem die Haut aus.

Trockene Haut wiederum ist anfälliger für Keime und bietet Viren mehr Verstecke. Denken Sie deshalb auch daran, Ihre Hände regelmäßig einzucremen, um ihnen Feuchtigkeit zurückzugeben. Auch häufiges Händewaschen belastet die Haut – eine gute Creme hilft. Empfehlenswerte Produkte finden Sie mit unserem Handcreme-Test.

Wenn Sie über keine entsprechende Erfahrung verfügen, sollten Sie nicht mit feuergefährlichen Stoffen hantieren.
Wenn Sie über keine entsprechende Erfahrung verfügen, sollten Sie nicht mit feuergefährlichen Stoffen hantieren. (Foto: CC0 / Unsplash.com / Hans Reniers)

4. Keine gute Alternative: Desinfektionsmittel selber machen

Im Internet kursieren zurzeit zwei (authentische) Rezepte der World Health Organization (WHO), mit deren Hilfe sich wirksame Desinfektionsmittel für die Hände mischen lassen. Diese basieren auf den Zutaten Ethanol bzw. Propanol, Wasserstoffperoxid, Glycerol und Wasser.

Abgesehen davon, dass die notwendigen Zutaten zurzeit kaum zu bekommen sein dürften, raten die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) und die Apothekerkammer Berlin jedoch davon ab, solche Mittel selbst herzustellen.

"Niemand sollte sich selbst zuhause ein Desinfektionsmittel aus frei verfügbaren Zutaten zusammenrühren, denn das kann gefährlich werden", heißt es seitens der ABDA. Kerstin Kemmritz, Präsidentin der Apothekerkammer, ergänzt: "Hantieren Sie nicht selber mit solchen Chemikalien, und bringen Sie sich und andere damit nicht in Gefahr." Auch die ARD hatte eine Expertin zu Gast, die sich gegen eigenmächtiges Experimentieren ausspricht.

Keine Desinfektionsmittel hamstern

Die Apothekerkammer Berlin ruft außerdem dazu auf, keine Mittel zu horten, die im Gesundheitswesen zurzeit dringender gebraucht werden: "Bitte schonen Sie die Ressourcen", heißt es. "Gesunde Haushalte brauchen momentan keine größeren Mengen Händedesinfektionsmittel, denn gegen das Coronavirus ist auch ausreichend gründliches und häufiges Händewaschen mit Seife wirksam. Nur wo das nicht möglich ist (z.B. unterwegs), sind Händedesinfektionsmittel sinnvoll."

Sollen Sie, aus welchen Gründen auch immer, über mehr Desinfektionsmittel verfügen, als Sie benötigen, denken Sie bitte darüber nach, sich bei Ihrer nächstgelegenen Gesundheitseinrichtung zu melden. Vielleicht besteht dort Bedarf: Sie könnten auf diese Weise Leben retten.

So desinfizieren Ihre Hände richtig

Auch das richtige Desinfizieren der Hände will gelernt sein. Gehen Sie wie folgt vor:

  • Ihre Hände sollten vor dem Desinfizieren trocken sein.
  • Benetzen Sie Ihre Hände dann vollständig mit dem Desinfektionsmittel, und verteilen Sie es gründlich. Vergessen Sie auch Handrücken, Fingerzwischenräume, Handgelenke und Fingernägel nicht.
  • Halten Sie die nötige Einwirkzeit ein, da sich sonst kein Schutz einstellt. In der Regel sind dies 30 Sekunden.
  • Nutzen Sie auf Ihren Händen oder an Ihrem Körper keine Desinfektionsmittel, die für Flächen oder Gegenstände gedacht sind.

Achtung: Anti-bakterielle Produkte reichen nicht

Zuletzt: Mehrere Desinfektionssprays, -gele oder -tücher, die im Handel erhältlich sind oder waren, richten sich vor allem gegen Bakterien. Diese bakteriziden bzw. anti-bakteriellen Mittel sind deshalb nicht geeignet, um gegen Viren wie das Coronavirus zu wirken. Sie enthalten nicht genug Alkohol.

Zu den lediglich antibakteriellen Mitteln, die sich in vielen Haushalten finden, gehören beispielweise das Balea Hygiene-Handgel sowie Balea Hygiene Reinigungstücher von dm. Beide können Viren nichts anhaben. Auch fungizide Mittel (die gegen Pilze eingesetzt werden) können behüllte Viren nicht inaktivieren.

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