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Corona-Variante BA.5: Droht uns jetzt eine Sommerwelle?

Autor: Benita Wintermantel / dpa | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 17.06.2022

Neue Variante BA.5: Wie gefährlich ist die neue Corona-Mutation?
Foto: Shutterstock / Melinda Nagy

In Portugal steigt die Corona-Inzidenz derzeit stark an – wegen der Omikron-Variante BA.5, deren Anteil dort mittlerweile bei knapp 90 Prozent liegt. Auch in Deutschland steigt der Anteil der neuen Mutation von Woche zu Woche. Stehen wir vor einer Sommerwelle? Und wie gut sind wir geschützt?

Vielen Menschen bereitet der Blick nach Portugal Sorgen: Dort sorgt die Omikron-Untervariante BA.5 für schnell steigende Infektionszahlen. Rund 87 Prozent aller registrierten Neuinfektionen werden dort durch die neue Omikron-Variante verursacht, schätzt das Nationale Gesundheitsinstitut INSA. Die Inzidenz liegt in Portugal bei knapp 1.400. Trotz der hohen Impfquote von 87 Prozent steigen laut INSA-Wochenbericht die Zahl der Krankenhauspatienten und die Zahl der Todesfälle. Droht auch Deutschland eine starke Infektionswelle im Sommer?

Neue Omikron-Sublinien dominieren: Kommt auf Deutschland eine Sommerwelle zu?

"Die angekündigte Sommerwelle ist leider Realität geworden. Das bedeutet auch für die nächsten Wochen wenig Entspannung", sagte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach der Rheinischen Post am Mittwoch.

Nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) sind die seit einigen Wochen anteilig zunehmenden Omikron-Sublinien jetzt bereits dominierend. "Das starke Wachstum von BA.4 und insbesondere BA.5, aber auch BA.2.12.1, lässt darauf schließen, dass diese Varianten aktuell bereits die Mehrzahl der Nachweise ausmachen", heißt es im RKI-Wochenbericht zu Sars-CoV-2 von Donnerstagabend. Es stützt sich auf Auswertungen zu Virusvarianten.

Diese Daten im Bericht beziehen sich stets auf vorvergangene Woche: BA.5 machte damals demnach in einer Stichprobe rund 24 Prozent der positiven Proben aus, das entspricht erneut in etwa einer Verdopplung im Vergleich zum Vorwochenwert. BA.4 und BA.2.12.1 lagen beide bei rund vier Prozent. Wegen der stärkeren Verbreitung im Vergleich zu den bisher vorherrschenden Erregern könnten diese Varianten zu einem Wiederanstieg der Infektionszahlen beitragen, hieß es.

Bei der Entwicklung der Sieben-Tage-Inzidenz spricht das RKI für vergangene Woche im Vergleich zur Vorwoche von einer deutlichen Zunahme um rund ein Drittel. Betroffen seien alle Altersgruppen. Auch seien wieder mehr Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen sowie in medizinischen Behandlungseinrichtungen erfasst worden. "Mit dem weiteren Anstieg der Infektionszahlen ist auch mit einem erneut verstärkten Infektionsdruck auf vulnerable Personengruppen zu rechnen." 

Gesundheitsexperten beobachten die Ausbreitung der neuen Omikron-Variante ganz genau – zum Teil auch mit Sorge. "Ich denke, BA.4/BA.5 werden sich auch hier durchsetzen", schrieb die Virologin Sandra Ciesek vom Universitätsklinikum Frankfurt am 01. Juni auf Twitter.

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Droht eine Frühsommerwelle? Brauchen wir eine Auffrischimpfung?

Noch ist unklar, wie schwer die Sommerwelle Deutschland tatsächlich treffen wird und wie sich die Zahlen im Herbst entwickeln, wenn die Temperaturen kälter werden und wir uns mehr in Innenräumen aufhalten.

Für Gesundheitsminister Karl Lauterbach steht aber fest: Der bisher beobachtete Sommereffekt in der Pandemie verpuffe diesmal. Grund dafür sei unter anderem, dass die aktuell zirkulierende Virusvariante sehr leicht übertragbar sei. Außerdem seien fast alle Vorsichtsmaßnahmen ausgelaufen, erläuterte Lauterbach der Rheinischen Post.

"Älteren und Vorerkrankten empfehle ich daher dringend, sich nochmal impfen zu lassen." Dies verhindere nicht unbedingt eine Infektion, aber es verhindere schwere Krankheitsverläufe.

Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, ist sich sicher: Einstellige Inzidenzen wie etwa im letzten Sommer wird es dieses Jahr nicht geben. "Die Inzidenzen werden – wie aktuell zu sehen – bei einigen Hundert liegen. Dafür ist Omikron zu ansteckend." Er geht davon aus, dass sich rund die Hälfte der Bevölkerung noch nicht mit Omikron infiziert hat. "Da die Impfung nicht so gut vor der reinen Ansteckung schützt, hat das Virus also noch ausreichend Potenzial, Menschen zu infizieren."

Wie sieht die Corona-Prognose für den Herbst aus?

Im Herbst und Winter werde es wohl eine lange Infektionswelle geben, meinte Christian Drosten, Leiter der Charité-Virologie, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Grund seien zwei Effekte: "Erstens verlieren die größten Teile der Bevölkerung bis zum Herbst den Übertragungsschutz, zumal bei den jetzt zirkulierenden Varianten die Übertragbarkeit nochmals erhöht ist. Zweitens wird die Politik wegen des erreichten Impferfolgs zunächst weniger Kontrollen anwenden."

Auch wenn die Zahlen Wachsamkeit erfordern, einen Grund zur Panik sehen die Fachleute nicht. Intensivmediziner Stefan Kluge vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf spricht momentan von einem 'moderaten' Anstieg der Infektionszahlen. "Es muss in der aktuellen Lage darum gehen, Erkrankung und nicht so sehr die reine Infektion zu verhindern. Daher ist eine Sommerwelle zunächst auch erst mal nicht besorgniserregend", sagt Watzl. 

Experten befürchten Sommer-Welle durch die Omikron-Subvariante BA.5.
Experten befürchten Sommer-Welle durch die Omikron-Subvariante BA.5. (Foto: Shutterstock / Melinda Nagy)

Wie gefährlich ist BA.5?

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, hat vor einer Ausbreitung der Omikron-Subvariante BA.5 des Coronavirus in Deutschland gewarnt. "Corona ist noch nicht vorbei – das belegt der heftige Ausbruch von Omikron in Portugal", sagte Montgomery der Rheinischen Post. BA.5 werde sich auch in Deutschland ausbreiten. Viele Menschen – auch Geimpfte – würden erkranken. Geimpfte hätten aber deutlich mildere Symptome.

Die Virologin Sandra Ciesek schreibt auf Twitter: "Es gibt Studien, die zeigen, dass diese Mutation die Infektiösität von SARS-CoV-2 steigert." Sie geht von einem verstärkten Immun-Escape aus: "Insbesondere wenn die vorherige Infektion bzw. Impfung schon länger zurückliegen, kann man sich wieder mit BA.4 und BA.5 infizieren."

Der Immunologe Reinhold Förster von der Medizinischen Hochschule Hannover sagte der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung: "Wir beobachten, dass BA.5 noch weitaus ansteckender ist als alle bisherigen Varianten des Coronavirus."

Belastbare Daten, etwa darüber, ob sich die Variante auf die Schwere der Krankheitsverläufe auswirke, gebe es noch nicht. 

Was über die Corona-Variante BA.5 bekannt ist

  • Die Omikron-Subtyp BA.5 wurde erstmals im Februar 2022 in Südafrika entdeckt. 
  • Von der WHO wurden die Subvarianten BA.4 und BA.5 Mitte Mai 2022 als "besorgniserregende Varianten" eingestuft.
  • Die Variante BA.5 sorgt für eine höhere Übertragbarkeit, da sie den Antikörpern von Geimpften und Genesenen leichter entkommt.

Wie wir uns für den Herbst wappnen können

Wichtiges Instrumentarium gegen einen schweren Corona-Verlauf ist und bleibt die Impfung. Dabei gilt: Je länger die Impfung zurückliegt, desto weniger schützt sie.

Das RKI schreibt auf seiner Website: "Auch aktuell bei Dominanz der Omikron-Variante kann für vollständig geimpfte Personen aller Altersgruppen – insbesondere für Personen mit Auffrischimpfung – weiterhin von einem sehr guten Impfschutz gegenüber einer schweren COVID-19-Erkrankung ausgegangen werden. Weiterhin zeigt sich für ungeimpfte Personen aller Altersgruppen ein deutlich höheres Risiko für eine schwere Verlaufsform der COVID-19-Erkrankung."

Das RKI ruft weiter dazu auf, Empfehlungen zum Vermeiden von Ansteckungen einzuhalten. Insbesondere an Risikogruppen und Menschen ab 70 appelliert das RKI erneut, sich mit einem zweiten Booster vor einer schweren Erkrankung zu schützen. "Aktuelle Daten zeigen, dass der Schutz nach ersten Auffrischimpfung gegen Infektionen mit der momentan zirkulierenden Omikronvariante innerhalb weniger Monate abnimmt", heißt es in der Stiko-Erklärung.

Ab Oktober gelten nur noch dreifach Geimpfte bzw. zweifach Geimpfte, die genesen sind, als vollständig geimpft. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die vierte Impfung allen über 70-Jährigen sowie Menschen mit geschwächtem Immunsystem.

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