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Corona-Pandemie: Was bedeutet Herdenimmunität und wie können wir sie erreichen?

Autor: Benita Wintermantel | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 27.04.2021

Corona: Wann wird die Herdenimmunität erreicht?
Foto: Shutterstock / Lightspring

In der Corona-Pandemie ist immer häufiger die Rede von der Herdenimmunität. Hieß es noch vor einiger Zeit, rund zwei Drittel der Bevölkerung müssten gegen das Coronavirus immun sein, um sie zu erreichen, ist inzwischen die Rede von 80 Prozent. Wir erklären, was es mit der Herdenimmunität auf sich hat und wann wir sie erreichen können. 

Was bedeutet Herdenimmunität eigentlich? Die sogenannte Herdenimmunität meint den Prozentsatz der Menschen, die gegen eine ansteckende Krankheit (in diesem Fall Sars-CoV-2) immun sein müssen, um eine weitere Ausbreitung zu stoppen. Diese Immunität entsteht zum einen durch eine durchgemachte Infektion, zum anderen durch eine Impfung.

Je mehr Menschen geimpft sind oder eine Krankheit bereits hatten, desto schwerer kann sich diese Krankheit ausbreiten.

Wird die Herdenimmunität erreicht, sind einzelne Infektionen unproblematisch: Infektionsketten brechen in diesem Fall schnell wieder ab, es können keine Hotspots – d.h. Gebiete mit sehr vielen Infektionen – mehr entstehen.

Das ist die Idee hinter Herdenimmunität 

Die Idee hinter der Herdenimmunität: Sie ist ein Gemeinschaftsschutz, der auch die Menschen vor einer Infektion bewahren soll, die sich nicht selbst schützen können, weil sie beispielsweise nicht geimpft werden dürfen. Keine Impfung gegen Covid-19 sollen etwa Kinder, Jugendliche, Schwangere und stillende Mütter erhalten. Auch Menschen mit chronischen Vorerkrankungen sollten sich nur nach Rücksprache mit dem Arzt impfen lassen.

Ab wann der Herdenschutz greift, ist von Krankheit zu Krankheit unterschiedlich. Die Masern gelten als eine der ansteckendsten Krankheiten der Welt, da liegt er bei 95 Prozent, bei Diphterie "nur" bei 80 Prozent.

Für das Erreichen der Herdenimmunität sind Impfungen wichtig.
Für das Erreichen der Herdenimmunität sind Impfungen wichtig. (Foto: Shutterstock / Melinda Nagy)

Coronavirus: Wann wird Herdenimmunität erreicht?

Welcher Teil der Bevölkerung muss entweder durch eine Infektion oder eine Impfung immun gegen das Virus sein muss, damit unser normaler Alltag wieder zurückkehrt? Diese Frage ist allesentscheidend, wenn es um ein Ende der Corona-Pandemie geht.

Durch die neuen Virus-Mutationen ist diese Frage nur schwer zu beantworten. Wann der Herdenschutz bei Covid-19 erreicht ist, lässt sich demnach derzeit nicht sagen.

Herdenimmunität erst bei 80 Prozent?

Bislang sind viele Wissenschaftler und auch das Robert Koch-Institut (RKI) von einer Durchseuchungs- oder Impfquote von 60 bis 70 Prozent ausgegangen. Mittlerweile ist immer öfter die Rede von einer höheren Schwelle der Herdenimmunität. 

Der US-Immunologe Anthony Fauci und auch Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie sprechen mittlerweile von einem Prozentsatz von 80 Prozent. So viele Menschen müssten nach Ansicht von Zeeb immun sein, "um die weitere Ausbreitung im Sinne der Herdenimmunität zu verhindern".

Grund für die pessimistische Einschätzung einiger Wissenschaftler: Derzeit breiten sich Mutationen des Coronavirus immer weiter aus. Diese Mutationen gelten als deutlich ansteckender als die ursprüngliche Wuhan-Variante – mit der Folge, dass mehr Menschen geimpft werden müssten, um eine Herdenimmunität zu erreichen.

Diskussion um Impfdosen und Impfbereitschaft

Derzeit steht das zu geringe Angebot an Impfstoff im Mittelpunkt der öffentlichen und politischen Diskussionen. Je mehr Menschen im Laufe des Jahres geimpft werden, umso wichtiger wird dann die Frage nach der Impfbereitschaft der Deutschen sein: Laut ARD-DeutschlandTrend wollen sich knapp drei Viertel (74 Prozent) der Deutschen "auf jeden Fall" oder "wahrscheinlich" gegen das Coronavirus impfen lassen. 

Ist eine Herdenimmunität ohne Impfung möglich?

Bei der Bekämpfung der Coronakrise haben sich die Länder für unterschiedliche Wege entschieden. Schweden ging in der ersten Phase der Coronapandemie den "schwedischen Sonderweg": Das Land verzichtete auf landesweite Ausgangssperren und Kontaktverbote und ließ die Schulen offen.

Die Idee dahinter: Vor allem junge Menschen sollten sich infizieren, damit bald eine natürliche Herdenimmunität erreicht sein würde. Schnell zeigte sich, wie hoch der Preis dieser Strategie war: Sehr viele Menschen starben, vor allem in Altenheimen.

Wissenschaftler warnen davor, auf Herdenimmunität zu setzen. Ein Rechenbeispiel zeigt, wie lang und schmerzhaft dieser Weg beispielsweise für Deutschland verlaufen könnte: Würden sich in Deutschland täglich 20.000 Menschen mit dem Coronavirus infizieren, würde es acht Jahre dauern, bis auf natürlichem Weg – also ohne zusätzliche Impfungen – eine Herdenimmunität erreicht wäre, rechnet der Tagesspiegel vor. Außer Acht gelassen werden dabei das Risiko von Re-Infektionen und Virusmutationen sowie die Langzeitschäden, unter denen viele Menschen jahrelang leiden können.

>> Zum Weiterlesen: Langzeitfolgen durch Corona-Infektion: Genesen, aber noch nicht gesund

Weltweit kursieren immer mehr Corona-Varianten.
Weltweit kursieren immer mehr Corona-Varianten. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay / geralt)

Mutationen verhindern Herdenimmunität in Manaus 

In der Amazonas-Metropole Manaus in Brasilien infizierten sich zu Beginn der Corona-Pandemie weite Teile der Bevölkerung: Studienergebnisse zeigten im Oktober 2020 bei 76 Prozent der Bevölkerung Antikörper gegen Sars-CoV-2. Forscher gingen von einer Herdenimmunität aus.

Seit Dezember steigen die Infektionszahlen erneut stark an, die Menschen infizieren sich von neuem. Der Grund sind neue Virus-Mutationen.

Herdenimmunität erreichen: Wichtige Faktoren

Bei der Frage, wie hoch die Herdenimmunität sein muss, um die Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen, gibt es viele Unbekannte:

  • Wie lange hält die Immunität nach einer durchgemachten Infektion bzw. Impfung an?
  • Wie ansteckend sind die neuen Mutationen? Wie hoch ist ihr R-Wert?
  • Wie gut schützen die Impfstoffe vor den mutierten Viren?
  • Können die Impfstoffe nur vor einer Infektion schützen oder auch davor, das Virus an andere weiterzugeben?

All das sind Fragen, mit denen sich die Wissenschaft derzeit weltweit intensiv beschäftigt. Fakt ist: Bis zur Herdenimmunität ist es noch ein weiter Weg, bis dahin ist es am sichersten und am sinnvollsten, sich an die geltenden Schutzmaßnahmen zu halten:

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