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Ciprofloxacin & Co: Deutsche Arzneimittelbehörde warnt vor gängigen Antibiotika

Autor: Lino Wirag/Kai Thomas | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 07.04.2019

Antibiotika mit Fluorchinolonen stehen im Verdacht, Nervenschäden zu verursachen (Symbolbild).
Antibiotika mit Fluorchinolonen stehen im Verdacht, Nervenschäden zu verursachen (Symbolbild). (Foto: Quelle: Pixabay/ÖKO-TEST)

Die Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) empfiehlt Ärzten dringend, die Verschreibung fluorchinolonhaltiger Antibiotika einzuschränken. Die häufig verschriebenen Arzneien stehen im Verdacht, schwere Nebenwirkungen zu verursachen. Bisher richteten sich Warnungen des BfArM nur an Patienten.

Nervenschäden, Sehstörungen, Muskelschmerzen: Fluorchinolonhaltige Antibiotika können lang anhaltende, schwere Nebenwirkungen verursachen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) warnt Ärzte nun ausdrücklich in einem neuen Rote-Hand-Brief vor den Risiken und empfiehlt die Verschreibung der Medikamente stark einzuschränken. Das BfArM folgt damit den Empfehlungen der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) vom November.

Auf dem deutschen Markt sind folgende Wirkstoffe aus dieser Gruppe zugelassen: Ciprofloxacin, Levofloxacin, Moxifloxacin, Norfloxacin sowie Ofloxacin. Ärzte sollten die Medikamente laut BfArM vor allem nicht mehr verschreiben bei Infektionen, die auch ohne Behandlung abklingen, die nicht schwerwiegend sind oder bei nicht-bakteriellen Infektionen. Auch bei leichten bis mittel-schweren Infektionen sollten Fluorchinolone nicht mehr angewendet werden.

BfArM: Schwere Nebenwirkungen durch Ciprofloxacin und Co.

Das BfArM rät Patienten, die Behandlung bei ersten Anzeichen entsprechender Nebenwirkungen zu beenden und ihren Arzt zu konsultieren. Laut der Information an Patienten des BfArM zur EMA-Stellungnahme können fluorchinolonhaltige Arzneimittel dauerhafte Nebenwirkungen, insbesondere an den Sehnen, Muskeln, Gelenken und am Nervensystem, verursachen.

Nebenwirkungen sind laut BfArM unter anderem: Entzündungen oder Risse der Sehnen, Muskelschmerzen oder Muskelschwäche, Gelenkschmerzen oder Gelenkschwellungen, Schwierigkeiten beim Gehen, Gefühle von Nadelstichen oder Kribbeln, brennende Schmerzen, Müdigkeit, Depressionen, Gedächtnisstörungen, Schlafstörungen, Probleme beim Sehen oder Hören, veränderter Geschmacks- oder Geruchssinn.

Fluorchinolone sind vierthäufigste Antiobiotika

Das BfArM hatte bereits im vergangenen Jahr angeregt, die Wirkstoffgruppe der Fluorchinolone einer Neubewertung zu unterziehen.

Fluorchinolone werden in Deutschland noch relativ oft verschrieben; unter den Antibiotika gehören sie zu den Mitteln, die am vierthäufigsten verordnet werden. Das Gutachten der Europäischen Arzneimittel-Agentur wird zurzeit an die Europäische Kommission weitergeleitet, die einen für alle Mitgliedsländer rechtlich verbindlichen Beschluss fassen soll.

In den Tagesthemen vom 1. November 2018 kam eine Patientin zu Wort, die das Antibiotikum Ciprofloxacin aus der Gruppe der Fluorchinolone eingenommen hatte und seither über Erschöpfung, Schwindel und Schmerzen klagt. Ciprofloxacin gehört zu den Reserveantibiotika, die nur bei einer strengen Indikation angeordnet werden sollen. Laut der Website Pharmaanalyst, die die Verordnungsdaten der gesetzlichen Krankenversicherung auswertet, wurden im Jahr 2016 dennoch noch rund 3,5 Mio. Packungen Ciprofloxacin verschrieben.

In dem Tagesthemen-Beitrag äußerte sich auch Wolfgang Becker-Brüser von der pharmakritischen Fachzeitschrift "Arzneitelegramm": Er sagte, es werde seit 30 Jahren vor bestimmten Fluorchinolonen gewarnt und verlangte, deutlichere Warnungen für Patienten auszusprechen. Der Tagesthemen-Beitrag kann hier in ganzer Länge angesehen werden.

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