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Ambrosia erkennen und bekämpfen

Autor: ÖKO-TEST / Benita Wintermantel | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 13.07.2020

Ambrosia erkennen und bekämpfen
Foto: Elizaveta Galitckaia/Shutterstock

Ambrosia ist eines der stärksten Allergene weltweit. Die Pollen des lästigen Ackerunkrauts sind für massive gesundheitliche Probleme wie Heuschnupfen und Asthma verantwortlich. So erkennen und bekämpfen Sie die Beifuß-Ambrosie.

  • Die Pollen der Ambrosie können Allergien und Asthma auslösen. Ihr Allergiepotenzial ist fünfmal höher als das von Graspollen.
  • Die Allergiepflanze breitet sich rasant aus.
  • In Deutschland blüht Ambrosia von Juli bis teilweise in den Winter hinein und verlängert damit die Leidenszeit von Allergikern.

In der griechischen Mythologie taucht Ambrosia als jene köstliche Speise auf, die Unsterblichkeit verleiht und allein den Göttern vorbehalten ist, als Balsam für ewige Schönheit, als wohlriechende Substanz gegen Fäulnis und Verwesung. Ganz anders hier auf Erden: Da gilt Ambrosia nicht als göttliche Labsal, sondern als Plage der ganz gewöhnlichen Menschheit, da ihr Blütenstaub zu einem der potentesten Pollenallergene weltweit zählt. 

Ambrosia löst heftige allergische Reaktionen aus

Schon fünf bis zehn der winzigen Pollen in einem Kubikmeter Luft reichen aus, um bei sensibilisierten Menschen heftige allergische Reaktionen auszulösen wie beispielsweise:

  • Heuschnupfen
  • Lichtempfindlichkeit
  • Kopfschmerz
  • Bindehautentzündung
  • Atemnot
  • schweres Asthma
  • Kontaktdermatitis

Allergiker, bei denen eine Ambrosia-Allergie auftritt, können anschließend auch auf andere Pflanzen wie beispielsweise auf den gewöhnlichen Beifuß beziehungsweise auf Nahrungsmittel allergisch reagieren, zu denen zuvor keine Sensibilisierung vorlag. Zu den möglichen Kreuzreaktionen zählen Melonen, Bananen, Pfirsiche, Nektarinen, Äpfel, Gurken und Zucchini.

Wo wächst Ambrosia?

Heimisch ist Ambrosia in Nordamerika. Nach Europa kam sie aber schon im 19. Jahrhundert und wurde hier 1863 erstmals identifiziert. Eingeschleppt wird das Ackerunkraut aus der Familie der Korbblütler in erster Linie durch den internationalen Handel mit Saatgut und Futtermitteln. Beim Transport von Grün- und Erdmaterial werden die Samen weitergetragen, oder wenn sie sich an Autoreifen heften.

Entsprechend findet man die Ambrosia vorzugsweise an Straßenrändern, Schutt- und Müllplätzen oder in Neubaugebieten. Durch Vogelfutter, das mit Ambrosiasamen verunreinigt ist, gelangt sie auch in Gärten, Parkanlagen oder Zoos.

Ambrosia erkennen: Die Blätter erinnern an Möhrenkraut
Ambrosia erkennen: Die Blätter erinnern an Möhrenkraut (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay / jofoto)

Wie sieht Ambrosia aus? Ambrosia erkennen

  • Die Pflanze kann je nach Standort zehn Zentimeter bis knapp zwei Meter hoch werden.
  • Die Sprossachsen sind stark verzweigt, die Blätter typischerweise zwei- bis dreifach gefiedert und auf beiden Seiten grün. Im Frühling errinnern die Blätter an Möhrenkraut.
  • Die bis zu vier Zentimeter dicken Stängel sind stark behaart und je nach Sonneneinwirkung leicht bis deutlich rot angelaufen.
  • Die Blütezeit der Ambrosie beginnt im Juli.
  • Die männlichen Blüten der Beifuß-Ambrosie mit Dutzenden gelben Blütenköpfen sind in ährenförmigen Trauben an den Stängelspitzen angeordnet, die weiblichen sitzen unterhalb der männlichen Blütenköpfe oder in den Blattachseln.
  • Ambrosia kann leicht mit dem Gemeinen Beifuß verwechselt werden, dessen Blattunterseiten sind aber silbrig-grau. Verwechslungen sind auch mit Gänsefuß-Arten oder der Wilden Möhre möglich.
Ambrosia erkennen: Charakteristisch sind die Blätter und die Blüte in Traubenform.
Ambrosia erkennen: Charakteristisch sind die Blätter und die Blüte in Traubenform. (Foto: Mala Iryna/Shutterstock)

Aufgrund ihres harmlosen Aussehens und der Ähnlichkeit mit einheimischen Unkräutern wird die Pflanze häufig zu spät wahrgenommen und kann sich dadurch zu immer größeren Populationen ausdehnen, die irgendwann - wie es etwa in Ungarn schon der Fall ist - nicht mehr kontrollierbar sind.

"Asthma-Pflanze": Gefahr für die Gesundheit

Ambrosia gilt als tickende Zeitbombe mit erheblichen Gefahren für die Gesundheit: In den USA sind Ambrosiapollen der Hauptauslöser für Heuschnupfen und allergisches Asthma. Schätzungen gehen davon aus, dass zehn bis 20 Prozent der Amerikaner bereits an einer Ambrosia-Allergie leiden.

Ambrosia hat sich in den vergangenen Jahren auch in vielen Regionen Europas stark ausgebreitet, so auch in Deutschland. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz geht davon aus, dass rund acht Prozent der Erwachsenen in Deutschland gegen Ambrosia sensibilisiert sind. Aufgrund der hohen Aggressivität der Ambrosiapollen sind auch Menschen betroffen, die bislang keine Probleme mit Heuschnupfen hatten.

Ambrosia verlängert Beschwerden von Allergikern

Sorge bereitet Fachärzten aber nicht nur die Heftigkeit der Symptome, die durch Ambrosiapollen hervorgerufen werden. Vielmehr verlängern diese durch ihre späte Blüte die Beschwerdesaison für Pollenallergiker bis in den Oktober hinein.

Ambrosia (im Bild) wird häufig mit dem Gemeinen Beifuß verwechselt
Ambrosia (im Bild) wird häufig mit dem Gemeinen Beifuß verwechselt (Foto: New Africa/Shutterstock)

Was Sie gegen die Ausbreitung der Ambrosia tun können

  • Ausreißen: Da Ambrosia einjährig ist, sollten Sie die gesamte Pflanze (am besten im Juni vor der Blüte) mit der Wurzel herausreißen. Abschneiden reicht nicht aus, da sich so neue blütentragende Zweige bilden können. Diese Methode ist zwar aufwendig, aber bislang die einzig effektive.
  • Kontrollieren: Halten Sie regelmäßig im eigenen Garten oder in Grünanlagen in der Nähe nach Ambrosia Ausschau. Vor allem in der Nähe von Futterplätzen für Vögel.
  • Sieben: Wenn Sie nicht aufs Vogelfüttern verzichten wollen, sollten Sie Sonnenblumenkern-Mischungen durchsieben - am besten mit einem haushaltsüblichen Salatseiher (Lochstärke ca. 4 mm). Entsorgen Sie die durchfallenden Ambrosiasamen über den Restmüll.
  • Entsorgen: Auch herausgerissene Ambrosia-Pflanzen, die bereits blühen oder Samen tragen, entsorgen Sie - in Kunststofftüten verpackt - über den Restmüll oder verbrennen sie ordnungsgemäß. Keinesfalls gehören sie auf den Kompost oder in die Biotonne.
  • Vorsorgen: Fassen Sie Ambrosia nur mit Handschuhen an, da sie Kontaktallergien hervorrufen kann. Wenn Sie blühende Ambrosia-Pflanzen ausreißen, sollten Sie eine Feinstaubmaske tragen. Am besten entfernen Sie das Unkraut nachmittags, da die Pollen hauptsächlich morgens ausgeschüttet werden. Pollenallergiker sollten ohnehin die Hände davon lassen.
  • Verdrängen: Begrünen Sie Stellen im Boden, die durch das Entfernen frei geworden sind, schnell wieder, da das Unkraut die heimische Vegetation nur schwer verdrängen kann.
  • Melden: Obwohl es in Deutschland noch keine Meldepflicht gibt, sollten größere Bestände gemeldet werden (etwa den Grünflächen-, Umwelt- oder Pflanzenschutzämtern). Ein Verzeichnis von Meldestellen finden Sie auch unter www.ambrosiainfo.de.

Bislang sind gegen das zähe Kraut weder biologische Unkrautbekämpfungsmittel noch natürlich einsetzbare Feinde bekannt. Zudem bleiben Ambrosia-Samen jahrzehntelang keimfähig.

Zusatzkosten in Millionenhöhe durch Beißfuß-Ambrosie

Auch wenn noch unklar ist, wie viele Krankheitsfälle in Deutschland auf das Konto von Ambrosia gehen, rechnen Wissenschaftler mit erheblichen Zusatzkosten. Eine Studie des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung und des AllergieZentrums der Universität München schätzt die Kosten, die durch die Ausbreitung des neuen Allergens entstehen - je nach Szenario - auf etwa 200 Millionen bis über eine Milliarde Euro pro Jahr: für Therapien, krankheitsbedingte Fehlzeiten, aber auch für Maßnahmen gegen die Verbreitung der Ambrosia.

Derzeit sind nach Schätzungen bis zu 17 Millionen Menschen in Deutschland gegen einzelne Pollen sensibilisiert. Bei der konservativen Annahme, die von einer geringen Belastung in Nord- und Westeuropa ausgeht, ist gut ein Zehntel aller Pollenallergiker gegen Ambrosia sensibilisiert und wird bei weiterem Kontakt mit den Pollen erkranken. Das Worst-Case-Szenario legt "ungarische Verhältnisse" zugrunde, wo das Ackerunkraut in einigen Regionen flächendeckend vorkommt. Danach wird etwa die Hälfte aller Pollenallergiker auch auf Ambrosia reagieren. Professor Franziska Ruëff von der Universität München schätzt, dass allein die durchschnittlichen Behandlungskosten von Pollenallergikern um zehn bis 25 Prozent steigen könnten - das wären jährliche Mehrkosten von etwa 1.300 bis 2.100 Euro pro Patient.

Steckbrief Ambrosia

Das Beifußblättrige Traubenkraut (lat. Ambrosia artemisiifolia), so der offizielle Name, gehört zur Familie der Korbblütler. Andere Bezeichnungen sind Ambrosia (vereinfachter Sprachgebrauch), Beifuß-Ambrosie, Aufrechtes Traubenkraut, Aufrechte Ambrosie oder Ragweed (Englisch). Es stammt ursprünglich aus Nordamerika und wurde hierzulande erstmals 1863 erfasst.

Ambrosia ist einjährig, verbreitet sich über Samen und stirbt jedes Jahr nach den ersten stärkeren Frösten ab. 

Die Hauptblütezeit ist von Juli / August bis Oktober, anschließend fallen die Samen ab. Durchschnittlich bilden sich pro Pflanze 3.000 bis 4.000 Samen, die jahrzehntelang keimfähig bleiben. Eine einzelne Ambrosie kann bis zu einer Milliarde Pollen bilden.

Bevorzugte Standorte sind Straßenränder, Schuttplätze, Mülldeponien und Neubaugebiete, auch in Häfen oder an Bahnanlagen - überall dort, wo Güter transportiert oder Erdaushub bewegt wird. In Hausgärten ist sie in der Nähe von Vogelfutterplätzen zu finden. Aufgrund ihrer unscheinbaren Blüten und der zunächst sehr langsamen Entwicklung ist die Beifuß-Ambrosie nur schwer zu erkennen und wird häufig übersehen.

Für weitere Infos: Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft

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