Goldener Geier 2024: Was soll "dreisteste Umweltlüge" des Jahres werden?

Autor: Lena Rauschecker | Kategorie: Geld und Recht | 03.06.2024

Wer erhält den Goldenen Geier 2024? Zur Wahl stehen unter anderem Capri-Sun und DHL.
Foto: Deutsche Umwelthilfe

Die Deutsche Umwelthilfe sucht erneut die "dreisteste Umweltlüge des Jahres". Vier Finalisten stehen 2024 für den Negativpreis zur Wahl, unter anderem sind eine Nachhaltigkeitskampagne von Capri-Sun und Kompensationsprojekte von DHL nominiert. Sie können jetzt noch mitentscheiden, wer den nächsten Goldenen Geier erhalten soll.

Jedes Jahr verleiht die Deutsche Umwelthilfe (DUH) den Golden Geier. Mit dem Schmähpreis soll die "dreisteste Umweltlüge des Jahres" prämiert werden, so die DUH. Zur Wahl stehen in diesem Jahr vier Kandidaten, über die Sie ab sofort abstimmen können.

Goldener Geier 2024 soll Umweltlügen entlarven

Die Umwelthilfe möchte mit dem Preis vor allem Greenwashing aufdecken und Unternehmen dazu bewegen, ehrlich zu kommunizieren und ökologische Produkte auf den Markt zu bringen.

"Die Verbrauchertäuschung durch Greenwashing geht auch dieses Jahr weiter", so Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der DUH. "Insbesondere im Angesicht der wirtschaftlich schwierigen Lage, in der sich viele Haushalte derzeit befinden, und der fortschreitenden Klimakatastrophe, die beispielsweise die Menschen im Saarland derzeit zu spüren bekommen, ist diese Art von Marketingmasche inakzeptabel."

Noch bis Sonntag, 9. Juni 2024, können Sie über folgende vier Finalisten abstimmen:

1. Plastikmüll durch Capri-Sun

Capri Sun und DHL stehen zur Wahl des Goldenen Geiers 2024.
Capri Sun und DHL stehen zur Wahl des Goldenen Geiers 2024. (Foto: DUH/Montage: ÖKO-TEST (lr))

Getränkehersteller Capri-Sun vermarktet sein Produkt laut DUH als "das nachhaltigste und leckerste Kindergetränk der Welt". Dabei lege das Unternehmen keinerlei Pläne vor, um die Anzahl seiner Einweg-Getränketüten zu verringern, die täglich weggeworfen werden, so die Kritik. Laut DUH kommen bei jährlich sechs Milliarden verkauften Trinktütchen rund 27.000 Tonnen Wegwerfmüll zusammen. Die Capri-Sun-Verpackung besteht zudem aus Neu-Plastik und nicht aus Recycling-Plastik.

Was die DUH außerdem ärgert: Capri-Sun verkauft die Tatsache, dass der Strohhalm des Getränks inzwischen aus Papier statt aus Plastik besteht, als Umweltschutzmaßnahme. Dabei setzt das Unternehmen damit lediglich das längst vorgeschriebene Verbot von Plastikstrohhalmen um.

2. "CO₂-neutraler" Versand mit DHL GoGreen

Mit DHL GoGreen sollen Briefe, Päckchen und Pakete angeblich "klimaneutral" durch die Welt geschickt werden können. Für die DUH ein Fall von Greenwashing.

Denn: Innerhalb von Deutschland werden täglich 6,3 Millionen Sendungen verschickt, deren beim Transport entstandene CO₂-Emissionen von DHL nach eigenen Aussagen ausgeglichen werden. Doch aus Sicht der DUH reichen die auf der DHL-Webseite ausgewiesenen Kochofenprojekte in Ghana und Lesotho keinesfalls aus, um die entstandenen Emissionen zu kompensieren. Informationen zu weiteren Kompensationsprojekten sowie Angaben darüber, welche Emissionen von DHL überhaupt kompensiert werden, fehlen aber laut DUH.

3. Kaffeekapseln von Nestlé

Goldener Geier 2024: Zur Wahl stehen auch Nestlé und Avia.
Goldener Geier 2024: Zur Wahl stehen auch Nestlé und Avia. (Foto: DUH/Montage: ÖKO-TEST (lr))

Nestlé bewirbt mit seiner Kampagne #UnterwegsNachBesser seine Maßnahmen für mehr Nachhaltigkeit. Doch die DUH glaubt den Umweltversprechen des Konzerns nicht, laut denen etwa bei den bekannten Kaffeekapseln bis zu 85 Prozent Recyclingmaterial enthalten sein soll.

Diesen hohen Rezyklatanteil hält die Umweltschutzorganisation jedoch nicht für möglich, da die weggeworfenen Kapseln beim Recycling aufgrund technischer Einschränkungen nicht erneut zu Kaffeekapseln umgewandelt werden können. Stattdessen werden aus den recycelten Kapseln Produkte wie Leitern oder Transportboxen.

Nestlé wiederum nutzt für neue Kapseln Aluminium-Stanzreste aus der Produktion und bewirbt diese Reste als Recyclingmaterial – für die DUH ein Fall von Greenwashing. Zumal der Konzern zu den größten Verursachern von Plastikmüll auf der Welt zählt.

4. "CO₂-kompensiertes" Heizöl von Avia

Das Ölunternehmen Avia wirbt damit, klimaschädliches Heizöl "CO₂-neutral" zu verkaufen. Die Rechnung dahinter: Für einen Aufpreis können Kundinnen und Kunden mit ihrem Heizöl ausgewählte Kompensationsprojekte unterstützen. Doch damit wird Heizöl natürlich keinesfalls umweltfreundlicher, so die DUH.

Die Kritik geht sogar noch einen Schritt weiter: Die ausgewählten Kompensationsprojekte von Avia seien ungeeignet, um die tatsächlich entstandenen Emissionen auszugleichen. Für die Umweltschützer ein klarer Fall von Greenwashing.

Jetzt abstimmen für den Goldenen Geier 2024

Verbraucherinnen und Verbraucher können noch bis 9. Juni für einen der vier Finalisten online abstimmen auf www.duh.de/goldenergeier/2024.

Goldener Geier: Sieger der vergangenen Jahre

Weiterlesen auf oekotest.de: