1. Home
  2. Ratgeber

Weihnachtsgeschenke: So funktioniert Online-Shopping umweltfreundlicher

Autor: Sarah Weik | Kategorie: Freizeit und Technik | 07.12.2020

Weihnachtsgeschenke: So funktioniert Online-Shopping umweltfreundlicher
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash / Maarten van den Heuvel)

Der Weihnachts-Countdown läuft. Wer dieses Jahr nach Geschenken sucht, bestellt gerne online. Das ist bequem und in Coronazeiten beliebter denn je. Doch wie sieht das Online-Shopping unter ökologischen Aspekten aus? 

Die Zahl der Pakete, die momentan quer durchs Land geschickt werden, ist gigantisch. Auf der einen Seite verursacht das Emissionen. Auf der anderen einen riesigen Berg an Verpackungsmüll. Die Shoppingtour im Internet ist aber herrlich bequem und in Zeiten von Corona auch nachvollziehbar.

Was ist umweltfreundlicher - Online-Shopping oder Einkauf vor Ort?

Bei der Frage, was denn nun tatsächlich umweltfreundlicher ist - Online-Shopping oder der Einkauf vor Ort -, "gibt es viele Aspekte zu diskutieren", sagt Till Zimmermann von Ökopol, Institut für Ökologie und Politik. Soziale Aspekte zum Beispiel. "Natürlich hat es Vorteile, lokale Händler zu unterstützen und die Innenstädte lebendig zu halten."

Doch mittlerweile gebe es einige Studien, die Einkäufe vor Ort und online unter ökologischen Gesichtspunkten verglichen haben. Zimmermann: "Die meisten kommen zu dem Schluss: Der Online-Einkauf produziert in vielen Fällen weniger CO2-Emissionen."

Das hat einen ausschlaggebenden Grund: "Ein Geschäft verbraucht Strom, hat eine Heizung und eventuell auch eine Klimaanlage. Zudem werden Waren oft aufwendig präsentiert", sagt Miriam Bätzing, Referentin für Nachhaltigkeit und Klimaschutz bei der Verbraucher-Initiative. Beim Onlinehandel warten die Produkte effizient gestapelt in einem Lager.

Auch beim Transport scheidet der Onlinehandel oft gar nicht so schlecht ab, sagt Till Zimmermann. "In einem gut beladenen Lieferwagen ist ein Produkt für 200 bis 400 Gramm CO2 verantwortlich. Ein Auto stößt etwa 190 Gramm pro Kilometer aus. Sobald eine Fahrt also über mehr als zwei Kilometer geht, ist die Bilanz im Eimer."

Wer lokal einkaufen will, schwingt sich also besser aufs Fahrrad oder nutzt Bus und Bahn. 

Retouren vermiesen die Umweltbilanz

Denn natürlich hat der Einkauf vor Ort Vorteile: Vor allem die persönliche Beratung. Außerdem können Kunden die Ware anschauen, anfassen, an- und ausprobieren. Das alles verhindert: eine Rückgabe. Denn Retouren sind die größte Schwäche des Onlinehandels und machen die theoretischen Umweltvorteile zunichte. Wissenschaftler der Uni Bamberg haben ermittelt, dass die Bundesbürger jedes sechste Paket wieder zurückschicken, bei Mode oft sogar jedes zweite.

Insgesamt fuhren in Deutschland 2019 rund 500 Millionen Produkte umsonst durch die Gegend und verursachten damit gut 255.000 Tonnen CO2. 

>> Zum Weiterlesen: Nachhaltige Geschenke: 24 Geschenk-Tipps für Weihnachten

12 Tipps für klimafreundlichere Onlinebestellungen

Verbraucher haben es selbst in der Hand, Ressourcen zu schonen und ihren Online-Einkauf klimafreundlicher und nachhaltiger zu gestalten:

1. Genau überlegen: Großzügige Rücksendebedingungen verleiten dazu, mehr in den Warenkorb zu legen, als notwendig. Besser vor dem Klick überlegen, was Sie wirklich brauchen.

2. Muss es eine Online-Bestellung sein? Bestellen Sie nur das online, was Sie vor Ort nicht bekommen.

3. Sich ein Bild machen: Eine detaillierte Produktbeschreibung, 360-Grad-Bilder, Videos, eine gute Größenberatung und Kundenrezensionen beugen Fehlkäufen vor. Shops mit unvollständigen Informationen meiden - oder zumindest nachfragen.

4. Gesammelt bestellen: Ein großer Warenkorb schlägt weniger auf die Öko-Bilanz als mehrere Einzelbestellungen. Also eventuell eine Sammelbestellung mit Freunden, Nachbarn oder Verwandten starten. Auf Marktplätzen darauf achten, welche Produkte der gleiche Händler verschickt.

5. Gut verpackt: Prüfen, ob es Alternativen zur Standardverpackung gibt. Etwa plastikfreies oder recyceltes Verpackungsmaterial. Einige Versender bieten den Versand in gebrauchten Kartons an.

6. Per Standardzustellung: Der Standardversand mit möglichst wenigen Einzellieferungen ist klimafreundlicher als Expresszustellungen oder Lieferungen am gleichen Tag. Das sind häufig Fahrten mit deutlich schlechterer Auslastung.

7. Grüner Transport: Ob das Paket in einem Elektro- oder Dieselfahrzeug kommt, hat der Käufer meist nicht in der Hand. Aber es gibt Shops, die auf klimaneutralen Versand setzen oder anbieten, CO2-Emissionen zu kompensieren.

8. Auf Empfang: Achten Sie darauf, dass Ihre abgeschickte Bestellung ankommen kann - direkt, beim Nachbarn, einem festen Ablageort, in einer Paketstation oder einem Shop. Das spart unnötige Fahrten.

9. Retouren vermeiden: Auch wenn der bestellte Pullover definitiv zu klein ist, muss er nicht unbedingt zurück. Vielleicht passt er der Schwester? Oder der Kollege hat Verwendung für die falsch bestellte Handyhülle?

10. Okay für Ökoprodukte: Keine Bedenken sollten Sie laut BUND Naturschutz in Bayern beim Onlineshopping von Ökoprodukten haben. "Sie sind über die klassischen Vertriebswege oft nicht erhältlich. Die Umweltbelastung durch den Versand dürfte hier akzeptabel sein, weil es den Markt ansonsten nicht gäbe. Überdies bemühen sich Ökoshopbetreiber meist um möglichst umweltneutrale und effiziente Logistik".

11. Finger weg von Portopauschalen: Meiden Sie pauschale Jahresgebühren, die Ihnen einen kostenlosen Versand fürs ganze Jahr ermöglichen. Das verführt zu unbedachten Bestellungen im Netz.

12. No-Go: Im Laden in der Stadt ein Kleidungsstück anprobieren, um es dann doch im Internet zu bestellen, weil es dort ein paar Euro billiger ist. Das schadet nicht nur der Umwelt, sondern ist auch gegenüber dem lokalen Händler unfair.

Alternative Plattformen für besseres Online-Shopping

  • Avocadostore: Onlinemarktplatz mit einer großen Auswahl an fairer und Öko-Mode, nachhaltigen Möbeln, Accessoires und Alltagsprodukten.
  • Buch7: Große Auswahl an Büchern, CDs und DVDs, die CO2-neutral versendet werden. Mit 75 Prozent des Gewinns unterstützt das Team soziale, kulturelle oder ökologische Projekte.
  • Greenpicks: Onlinemarktplatz für nachhaltige Produkte und Upcycling. Von Baby-Accessoires über Haushaltsgeräte bis Tierbedarf ist (fast) alles dabei.
  • Kein Planet B: bietet nachhaltige Alternativen zu herkömmlicher Kosmetik, Kleidung oder Haushaltsprodukten, etwas für ein plastikfreies Bad oder unverpacktes Einkaufen.
  • Mit Ecken und Kanten: Gibt nachhaltigen und fairen Produkten eine zweite Chance, etwa Prototypen oder Produkten mit kleinen Schönheitsfehlern oder aus älteren Kollektionen.

Redaktionelle Mitarbeit: Benita Wintermantel

Weiterlesen auf oekotest.de: