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Ratgeber: Überfischung

Spezial Umwelt 5: 2011
vom 04.11.2011

Überfischung

Der Kampf um die letzte Gräte

Die Schadstoffe im Meer und seine CO2-bedingten Veränderungen schwächen die Fischbestände. Doch die sind ohnehin bereits stark dezimiert. Denn weltweit werden seit Jahrzehnten mehr Fische gefangen als nachwachsen. Die Politiker erweisen sich dabei eher als Schützer der Fischereilobby denn als Schützer des Öko-Systems Ozean. Doch es gibt auch positive Ansätze.

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04.11.2011 | Im Jahr 2009 brachten die Fangflotten 79,9 Millionen Tonnen Meerestiere an Land, meldet die FAO. Die größte Fangleistung erbrachten sie 1996 mit 86,3 Millionen Tonnen. Seitdem gehen die Erträge im Trend zurück, obwohl die Kapazität der Schiffe, die sich seit 1970 versechsfacht hat, weiter wächst. Diese Armada durchpflügt unermüdlich alle Ozeane auf der Suche nach Getier.

Wohin Raubbau führt, zeigte sich schon Ende der 1980er Jahre vor der kanadischen Ostküste. Dort waren die Neufundland-Banks einst für ihre reichen Kabeljaubestände bekannt, doch seit rund 20 Jahren sind nur noch fünf Prozent der einstigen Fischmenge vorhanden; es lohnt nicht mehr, die Netze auszuwerfen. Dennoch konnten sich die Bestände dieser Fische, die einen Meter lang werden können, bislang nicht regenerieren.

Auch um Haie, Marlin, Schwert- und Thunfische steht es schlecht, ermittelte der 2007 verstorbene Professor Ransom Myers von der Delhousie-Universität in der ostkanadischen Hafenstadt Halifax: "Einst enthielten die Meere weltweit zehnmal so viele dieser großen Raubfische. Zudem sind heute ausgewachsene Exemplare selten. Werden Thunfische gefangen, wiegen sie im Schnitt nur halb so viel wie früher, Marlins nur ein Viertel." Myers Kollege Boris Worm warnt: "Wenn wir weiter agieren wie bisher, gibt es zur Mitte des Jahrhunderts in den Ozeanen nichts mehr zu fischen."

Der besonders begehrte und teure Rote Thunfisch - auch Blauflossenthun genannt - könnte schon viel früher aussterben, weil sich die Fischfangnationen aus Geldgier nicht auf wirksame Schutzmaßnahmen einigen können. Dabei bieten die kleineren Thunfischarten, die teilweise noch nicht überfischt sind, ebenfalls höchst schmackhaftes Fleisch.

Bei der Hatz auf die begehrten Fischsorten werden unbeabsichtigt wirtschaftlich weniger attraktive Arten, zu kleine Jungfische sowie Delfine, Schildkröten und kleine Wale mitgefangen. Diesen Beifang werfen die Seeleute in der Regel wieder über Bord: tödlich verletzt oder bereits tot. Discard oder Rückwurf heißt diese Entsorgung im Fachjargon. Im Weltdurchschnitt beträgt der Beifang knapp neun Prozent der angelandeten Fischmenge berichtet die Welternährungsorganisation FAO.

Die Quote ist allerdings regional und je nach gesuchter Sorte höchst unterschiedlich. Extremfall: Die tropischen Shrimpsfischer haben im Schnitt 80 Prozent Beifang; dank besserer Technik sind es bei ihren kanadischen Kollegen, die Kaltwassershrimps fangen, dagegen nur fünf Prozent. Auch bei anderen Fischereien ließe sich der Beifang durch andere oder verbesserte Fangmethoden reduzieren. Um die Artenvielfalt im Meer trotz des rücksichtslosen Vorgehens der Menschen zu erhalten, beschloss die Konferenz für Artenvielfalt 2002 in Rio de Janeiro, bis zum Jahr 2010 zehn Prozent der Meeresfläche unter Schutz zu stellen. Doch bislang sind nur fünf Prozent ausgewiesen und selbst die werden kaum vor zerstörerischem Fischfang bewahrt.

Statt Geld für die Überwachung von Schutzzonen bereitzustellen, geben es die S

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