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Giersch bekämpfen – oder für leckere Rezepte nutzen

Autor: Benita Wintermantel | Kategorie: Freizeit und Technik | 16.06.2021

Giersch bekämpfen – oder für leckere Rezepte nutzen
Foto: Shutterstock / Carmen Rieb

Hobbygärtner sind meist nicht begeistert, wenn sich Giersch im Garten breitmacht. Wir verraten Ihnen, wie Sie Giersch bekämpfen können. Eine gute Alternative: den Giersch pflücken und weiterverwenden. Denn das Un-Kraut schmeckt nicht nur lecker, sondern enthält auch viele wertvolle Inhaltsstoffe.

Giersch ist hartnäckig, robust und, wenn er sich im eigenen Garten breitmacht, manchmal ganz schön lästig. Wir zeigen Ihnen Methoden, mit denen Sie Giersch bekämpfen können – und zwar ohne schädliche Chemie.

Wir verraten Ihnen aber auch, wie gesund und lecker das Wildgemüse sein kann. Schließlich können Sie den Giersch in Ihrem Garten auch pflücken und zubereiten, statt ihn einfach nur zu beseitigen.

Giersch: Heilkraut und Unkraut zugleich

Giersch wächst und wächst und wächst – hat dabei aber jede Menge guter Eigenschaften: Das Wildgemüse steckt voller Vitamine, in erster Linie enthält es Vitamin C. Die jungen, grünen Blätter enthalten 200 Milligramm Vitamin C je 100 Gramm – das ist viermal so viel wie in Zitronen, die als die eigentlichen Vitaminbomben gelten. Zudem ist der Giersch reich an Calcium, Magnesium, Eisen und Kupfer.

Giersch ist nicht nur äußerst gesund – er schmeckt auch köstlich. Das Wildgemüse macht sich gut in grünen Smoothies, als Spinat oder Pesto, passt zu allen Kartoffelgerichten und schmeckt auch in einem frischen Wildkräutersalat.

Verwenden Sie aber grundsätzlich nur die frischen, jungen Blätter. Denn die älteren Blätter sind hart und nicht schmackhaft.

>> Weiterlesen: Wildpflanzen-Rezepte: Schätze aus der Natur für Pesto, Konfitüre & aufs Brot

    Giersch schmeckt köstlich – zum Beispiel in einer Suppe aus Wildkräutern.
    Giersch schmeckt köstlich – zum Beispiel in einer Suppe aus Wildkräutern. (Foto: Shutterstock / Lumixera)

    Giersch erkennen – mit der Dreierregel

    Giersch läuft auch unter den Namen Geißfuß, Dreiblatt, Podagrakraut sowie Erd- oder Wiesenholler. So erkennen Sie Giersch und unterscheiden ihn von giftigen Doppelgängern:

    • Der Giersch ist ein Doldengewächs, das bis zu einem Meter hoch werden kann.
    • Blütezeit ist Juni und Juli, die weißen Blütenstände bestehen aus bis zu 20 Dolden.
    • Typisches Merkmal ist der dreikantige Blattstiel. Von ihm gehen drei Blattgruppen ab, die jeweils wieder drei Blätter aufweisen (wobei die Blätter leicht miteinander verwachsen sein können, siehe nachfolgendes Bild). Man spricht deshalb auch von der Dreierregel, um Giersch zu erkennen.
    • Die Blätter selbst sind hellgrün und leicht behaart, die Blattränder gezähnt.
    • Giersch riecht beim Zerreiben zwischen den Fingern angenehm nach einer Mischung aus Petersilie und Möhre.
    • Giersch gilt als Zeigerpflanze für stickstoffreiche Böden. Das Kraut wächst bevorzugt im Halbschatten unter Gehölzen und in der Nähe von Bächen und Flüssen.

    Achtung, Verwechslungsgefahr: Giersch kann leicht mit dem giftigen Schierling, der ebenfalls giftigen Hundspetersilie und dem leicht giftigen Hecken-Kälberkropf verwechselt werden.

    Das Haupt-Unterscheidungsmerkmal ist der Geruch. Giersch riecht angenehm nach Karotten und Petersilie. Auch die erwähnte Dreierregel hilft beim Erkennen, die sich auf den dreikantigen Stiel mit drei Blattverzweigungen, die je drei Blätter aufweisen, bezieht.

    Giersch bekämpfen und entfernen

    Da der Giersch sich über Kriechwurzeln (Rhizome) schnell weit verbreitet und sich zudem selbst aussät, wird man ihn nur schwer wieder los. Der erfolgreichste Ansatz, um das Kraut aus dem Garten zu vertreiben: Die Pflanze mit unterschiedlichen Methoden dauerhaft schwächen und so ihre weitere Ausbreitung verhindern. Dieser Weg ist zwar zeitaufwändig und führt nicht sofort zum Erfolg – mit etwas Geduld wird es Ihnen aber gelingen, den hartnäckigen Gartenbewohner dauerhaft loszuwerden.

    Grundsätzlich gilt: Verhindern Sie nach Möglichkeit, dass der Giersch in Ihrem Garten zu blühen beginnt. Denn die Samen bleiben lange keimfähig, sodass es schwerer wird, den Giersch loszuwerden, wenn er erst einmal begonnen hat, sich weiter auszubreiten.

    Mithilfe der Dreierregel ist Giersch einfach zu erkennen.
    Mithilfe der Dreierregel ist Giersch einfach zu erkennen. (Foto: Shutterstock / Manfred Ruckszio)

    Methode 1: Giersch schwächen

    Wenn Sie Giersch möglichst frühzeitig im Frühjahr identifizieren und zurückschneiden, sind die Chancen, ihn loszuwerden, am besten: Schneiden Sie regelmäßig sämtliche Triebe ab und gießen Sie die Stellen, an denen Giersch wächst, nicht. Wenn Sie Sand in die Erde mischen, schwächen Sie die Pflanze zusätzlich.  

    Methode 2: Giersch vertreiben

    Kartoffelpflanzen gelten als Unkraut-Unterdrücker. Sie helfen, den Giersch zu verdrängen und ihn langfristig zu vertreiben. Mit ihrem dichten Laub nehmen Kartoffelpflanzen dem Giersch das Licht und bremsen sein Wachstum. Kartoffeln benötigen viele Nährstoffe, die dem Giersch dann fehlen – die Kartoffeln hungern den Giersch quasi aus.

    Auch Bodendecker wie Elfenblume, Golderdbeere, Beinwell, Vinca minor oder auch der Storchschnabel wachsen schnell und bedecken den Boden. Sie können den lästigen Giersch verdrängen, dabei aber auch selbst zum ungebetenen Gast im Garten werden, wenn sie sich ausbreiten. Schneiden Sie deshalb auch die Bodendecker regelmäßig zurück.

    Methode 3: Giersch-Wurzeln beseitigen

    Umgraben alleine genügt nicht, um Giersch zu beseitigen, dafür sind die unterirdischen Wurzelstränge zu hartnäckig. Bleibt nur ein kleiner Rest der Wurzeln im Boden zurück, genügt das, um die Pflanze erneut austreiben und wachsen zu lassen. Nichtsdestotrotz sollten Sie versuchen, die Wurzeln mit Hacke oder Spaten zu entfernen. Allerdings funktioniert das nur auf unbepflanzten Flächen.

    Bei bepflanzten Beeten müssen Sie andere Gewächse, die erhalten bleiben sollen, zunächst vorsichtig ausgraben, um den Giersch anschließend zu bekämpfen. Entfernen Sie dazu alle Wurzeln und Wurzelstücke und sieben Sie die Erde gründlich durch, um alle noch so kleinen Wurzelbestandteile zu entfernen. Die gesiebte Erde darf dann wieder zurück ins Beet und neu bepflanzt werden.

    Methode 4: Giersch mit Unkraut-Vlies bekämpfen

    Auch ein Unkraut-Vlies kann helfen, Giersch zu bekämpfen. Das spezielle Vlies, das es in jedem Baumarkt gibt, verhindert, dass der Giersch ans Licht wachsen kann und hält auch andere Unkräuter ab.

    So geht's: Giersch entfernen, das Vlies auslegen und mit einer dicken Mulchschicht (etwa zehn Zentimeter hoch) bedecken. Dort, wo andere Pflanzen wachsen dürfen, einfach kleine Schlitze ins Vlies schneiden.

    Methode 5: Lernen Sie den Giersch lieben

    Wenn Sie den Giersch nicht loswerden, hilft nur eins: ein anderer Blick auf das Kraut, in dem schließlich ein leckeres Wildgemüse steckt. Arrangieren Sie sich mit "Ihrem" Giersch. Wenn Sie das Kraut erst mal für Pesto, Salate oder Smoothies verwendet haben, werden Sie den Giersch in Zukunft viel sympathischer finden.

    Oder Sie trösten sich damit, dass der Giersch in Ihrem Garten Schmetterlinge, Wespen, Bienen und Hummeln erfreut. Denn für sie ist die weiß blühende Pflanze eine wichtige Nahrungsquelle.

    >> Zum Weiterlesen: Tierfreundlicher Garten: 10 Tipps für den Naturgarten

    Keine gute Methode: Unkrautvernichter 

    Im Handel gibt es diverse Unkrautvernichter, zum Beispiel mit dem Wirkstoff Glyphosat. Von diesen hochgiftigen Mitteln sollten Sie unbedingt die Finger lassen. Glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel vernichten fast alle Wildpflanzen, sie sind mitverantwortlich für das Insektensterben und gefährden unsere Gesundheit: Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO gilt Glyphosat als "wahrscheinlich krebserregend".

    >> Weiterlesen: Sechs Dinge, die Sie gegen Glyphosat tun können

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