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Geschenkekauf im Internet: So shoppen Sie vor Weihnachten fair und klimafreundlich

Autor: Sarah Weik, B. Wintermantel, L. Wirag | Kategorie: Freizeit und Technik | 10.12.2021

Faires Online-Shopping: So kaufen Sie nachhaltiger im Internet ein
Foto: Shutterstock/Zivica Kerkez

Der Onlinehandel boomt und boomt. Auch zum zweiten Weihnachtsfest während Corona werden wieder Hunderttausende von Geschenken im Internet bestellt. Doch wie sieht das Onlineshopping unter ökologischen Aspekten aus? ÖKO-TEST hat zahlreiche Tipps für Sie, wie Ihr Onlineshopping (nicht nur) in diesem Winter umweltfreundlicher, fairer und nachhaltiger gelingt.

Die Zahl der Pakete, die seit Beginn der Corona-Pandemie quer durchs Land geschickt wird, ist gigantisch. Dabei wurden schon vor Corona fast jedes Jahr mehr Paketsendungen versandt als jeweils im Jahr zuvor. Auf der einen Seite verursacht unser Shoppingverhalten tonnenweise Emissionen, auf der anderen Berge an Verpackungsmüll.

Das scheint uns als Gesellschaft aber wenig zu stören. Denn: Die Shoppingtour im Internet ist einfach herrlich bequem – und in Zeiten hoher Infektionszahlen natürlich auch deutlich sicherer, für uns und für andere.

Onlineshopping kann klimafreundlicher sein

Bei der Frage, was denn nun tatsächlich umweltfreundlicher ist – Onlineshopping oder der Einkauf vor Ort –, gibt es viele Aspekte zu diskutieren. Auch soziale Aspekte sollten nicht unterschlagen werden: Denn natürlich können Innenstädte nur lebendig bleiben, wenn lokale Händler unterstützt werden.

Mittlerweile existieren mehrere Studien, die Einkäufe vor Ort und online unter Klima-Gesichtspunkten vergleichen. Laut Ökopol, einem Institut für Ökologie und Politik, kommen die meisten davon zu dem überraschenden Schluss, dass der Online-Einkauf in vielen Fällen weniger CO2-Emissionen produziert.

Mittlerweile kann der Onlinehandel in Sachen Nachhaltigkeit punkten.
Mittlerweile kann der Onlinehandel in Sachen Nachhaltigkeit punkten. (Foto: Shutterstock / New Africa)

Geschäfte brauchen mehr Strom und Wärme

Das hat einen schlichten, aber ausschlaggebenden Grund: Ein Ladengeschäft benötigt Strom, muss beheizt und im Sommer eventuell auch gekühlt werden. Zudem werden die angebotenen Waren oft mehr oder weniger aufwendig präsentiert. All das kostet lokale Einzelhändler nicht nur Geld, sondern geht auch aufs Klimabudget. Beim Onlinehandel hingegen warten die Produkte effizient gestapelt im Lager und werden nur noch digital "präsentiert". Das spart Miete, Strom – und oft auch CO2.

Auch beim Transport scheidet der Onlinehandel oft gar nicht so schlecht ab. In einem gut beladenen Lieferwagen ist ein Produkt für 200 bis 400 Gramm CO2 verantwortlich, schätzt Ökopol. Ein Auto stößt etwa 190 Gramm pro Kilometer aus. Das bedeutet: Sobald die persönliche Einkaufsfahrt in die Stadt oder ins Gewerbegebiet mehr als zwei Kilometer (pro gekauftem Produkt) beträgt, ist die Bilanz im Eimer.

Verhindern lässt sich das, indem man sich aufs Fahrrad schwingt sowie Bus und Bahn benutzt. Oder größere Mengen einkauft, damit sich die Klimabelastung durch den Transport auf mehrere Produkte verteilt.

Retouren vermiesen die Umweltbilanz

Denn natürlich hat auch der Einkauf vor Ort viele Vorteile: vor allem die persönliche Beratung. Vor allem aber können Kunden die Ware anschauen, anfassen, an- und ausprobieren. Das alles verhindert unnötige Rückgaben – und lässt sich damit durchaus auch in (eingespartem) CO2 ausdrücken. Denn Retouren sind die größte Schwäche des Onlinehandels und machen dessen rechnerische Umweltvorteile oft zunichte.

So haben Wissenschaftler der Uni Bamberg ermittelt, dass die Bundesbürger jedes sechste Paket wieder zurückschicken, bei Mode oft sogar jedes zweite. Insgesamt fuhren so 2019 in Deutschland rund 500 Millionen Produkte umsonst durch die Gegend und verursachten damit geschätzte 255.000 Tonnen überflüssiges CO2. 

Vor Weihnachten boomt das Onlineshopping: Es lohnt sich, dabei auch an Klima und Umwelt zu denken.
Vor Weihnachten boomt das Onlineshopping: Es lohnt sich, dabei auch an Klima und Umwelt zu denken. (Foto: Shutterstock/Imcsike)

12 Tipps für klimafreundlicheres Onlineshopping

Verbraucher haben es damit selbst in der Hand, Ressourcen zu schonen und ihren Einkauf klimafreundlicher und nachhaltiger zu gestalten, sei es beim lokalen oder virtuellen Einkauf. Speziell zum Onlineshopping – das in diesen Tagen die halbe Republik beschäftigen dürfte – haben wir folgende 12 Öko-Tipps für Sie:

1. Genau überlegen: Bestellen Sie nur das online, was Sie nicht zu einem vergleichbaren Aufwand vor Ort bekommen. Großzügige Rücksendebedingungen verleiten außerdem dazu, mehr Produkte in den Warenkorb zu legen als notwendig. Besser vor dem Klick überlegen, was Sie wirklich brauchen.

Wenn es um Geschenke geht: Kann es – trotz Corona – auch ein Erlebnisgeschenk sein? Sind Tickets oder Gutscheine für gemeinsame Unternehmungen, Kurse, Veranstaltungen, Ausflüge oder Reisen eine Option? Sie alle müssen nicht eigens hergestellt oder aufwändig versandt werden und eignen sich auch als Last-Minute-Präsente. Wenn Sie 'Zeit statt Zeug' schenken wollen, finden Sie beispielsweise auf der Website Utopia zahlreiche Ideen für Erlebnisgeschenke von Baumwipfelpfad über Geocaching bis Whisky-Verkostung.

Extra-Tipps: Völlig immaterielle Geschenke, die – auch erst kurz vor Heiligabend – online 'bestellt' werden können, sind außerdem …

  • Spenden, beispielsweise für Baumpflanzprojekte
  • grüne Finanzprodukte, z.B. nachhaltige ETFs oder Aktien
  • Software, Apps und andere digitale Produkte
  • Mitgliedschaften, z.B. bei Umweltschutzvereinen sowie
  • Patenschaften, beispielsweise für Tiere

2. Lieber aus der Nähe bestellen: Wenn Sie online bestellen, achten Sie darauf, dass der Versand nicht aus dem fernen Ausland erfolgt. Ein Paket aus Taiwan braucht nicht nur lange, bis es bei uns ist, sondern hat auch eine höhere CO2-Bilanz. Auch sind Rücksendungen ins (EU-)Ausland oft umständlich und mit Kosten verbunden. Und: Die Gefahr, dass Sendungen unterwegs verlorengehen, steigt mit der Entfernung.

Wer sich informiert, triumphiert

3. Sich ein Bild machen: Eine detaillierte Produktbeschreibung, 360-Grad-Bilder, Videos, eine gute Größenberatung und Kundenrezensionen beugen Fehlkäufen vor. Shops mit unvollständigen oder fragwürdigen Informationen meiden. Achten Sie – gerade in der Vorweihnachtszeit – auf Betrugsversuche und lesen Sie dazu: Vorsicht vor Fake-Shops: So können Sie unseriöse Online-Shops erkennen

Wenn's um Geschenke geht: Fragen Sie lieber einmal zu viel nach, was wirklich gewünscht ist (es muss ja nicht beim Beschenkten selbst sein). Das vermeidet unnötige Enttäuschungen unterm Tannenbaum und schont Umwelt, Geldbeutel und Klima.

4. Gesammelt bestellen: Ein großer Warenkorb schlägt weniger auf die Öko-Bilanz als mehrere Einzelbestellungen. Also eventuell eine Sammelbestellung mit Freunden, Nachbarn oder Verwandten starten. Auf Online-Marktplätzen darauf achten, ob der gleiche Händler vielleicht mehrere der gewünschten Produkte verschicken kann. So lassen sich möglicherweise auch Portokosten sparen.

Auch beim Onlineshopping gibt es umwelt- und klimafreundlichere Adressen als andere.
Auch beim Onlineshopping gibt es umwelt- und klimafreundlichere Adressen als andere. (Foto: Shutterstock/Iryna Pohrebna)

5. Gut verpackt: Prüfen Sie, ob es Alternativen zur Standardverpackung gibt, etwa plastikfreies oder recyceltes Verpackungsmaterial. Einige Versender bieten den Versand in gebrauchten Kartons an. Halten Sie dazu gezielt Ausschau nach nachhaltig ausgerichteten Onlineshops (siehe dazu auch unten). 

6. Per Standardzustellung: Der Standardversand (mit möglichst wenigen Einzellieferungen) ist klimafreundlicher als Expresszustellungen oder Lieferungen am gleichen Tag. Denn: Dazu sind häufig gesonderte Fahrten mit schlechterer Auslastung nötig.

Shops mit klimaneutralem Versand bevorzugen

7. Grüner Transport: Ob das Paket in einem Elektro- oder Dieselfahrzeug kommt, hat der Käufer meist nicht in der Hand. Aber es gibt Shops, die auf klimaneutralen Versand setzen oder anbieten, ihre CO2-Emissionen zu kompensieren. Bemerkenswert: Der Onlineshop Goodbuy.eu verspricht sogar "klimapositiven" Versand, weil entstehende CO2-Kosten durch gezielte Baumspenden pro Paket (rechnerisch) überkompensiert werden.

Nachhaltiger wird der Transport normalerweise auch, wenn Sie übers Internet direkt beim Hersteller bestellen statt beim Online-Großhändler, auch wenn das Produkt in beiden Fällen identisch ist. Das hat den Vorteil, dass die Ware keinen 'Umweg' übers Lagerzentrum des Großhändlers nehmen muss. Außerdem stärken Sie damit den Hersteller, der umso unabhängiger von großen Onlinehändlern wird, je mehr Kunden den eigenen Onlineshop ansteuern.

8. Auf Empfang: Achten Sie darauf, dass Ihre abgeschickte Bestellung auch ankommen kann – bei Ihnen selbst, im Büro, beim Nachbarn, in einer Paketstation oder einem Shop.

Mittlerweile lässt sich bei vielen Paketlieferdiensten auch gut nachvollziehen, zu welcher Uhrzeit das Paket ungefähr am Zielort eintreffen sollte: Das hilft, den besten Zeitpunkt zu finden, um beispielsweise noch mal kurz einkaufen zu gehen. Die gute Planung spart unnötige Fahrten, Wartezeiten und Nerven.

Tipp: Bei uns finden Sie außerdem die Antwort auf die Frage, ob Pakete einfach vor die Tür gestellt werden dürfen.

Wer frühzeitig und umsichtig bestellt, darf sich auf ein entspanntes Weihnachtsfest freuen.
Wer frühzeitig und umsichtig bestellt, darf sich auf ein entspanntes Weihnachtsfest freuen. (Foto: Shutterstock/George Dolgikh)

9. Retouren vermeiden: Auch wenn der bestellte Pullover definitiv zu klein ist, muss er nicht unbedingt zurück. Vielleicht passt er der Schwester? Oder der Kollege hat Verwendung für die falsch bestellte Handyhülle? Auch bei Bestellungen im einstelligen Eurobereich sollten Sie überlegen, ob es nicht nachhaltiger ist, den Artikel direkt weiterzuverschenken – zum Beispiel den Nachbarn ins Treppenhaus zu legen –, statt ihn zurückzuschicken.

Denken Sie auch daran, dass Sie Produkte für die Retoure wieder versandfertig machen und zur Post oder zum Paketshop bringen müssen – unter Umständen mitten im Weihnachtstrubel. Wenn Sie Ihre eigene (Arbeits-)Zeit einpreisen – zum Beispiel mit imaginären 12 Euro pro Stunde –, werden Sie schnell feststellen, dass Sie so manche Retoure teuer zu stehen kommt … Verbringen Sie die Zeit lieber mit etwas Schönerem; die Umwelt bedankt sich ebenfalls.

10. Finger weg von Porto-Pauschalen: Meiden Sie pauschale Jahresgebühren, die Ihnen einen kostenlosen Versand fürs ganze Jahr ermöglichen. Das verführt zu unbedachten Bestellungen im Netz und rechnet sich häufig noch nicht einmal.

Etwas anderes ist der sogenannte "Gratisversand", den viele Online-Marktplätze und -shops anbieten, wenn man (für eine bestimmte Summe) bei ihnen einkauft.

11. No-Go: Im Laden in der Stadt ein Kleidungsstück anprobieren, um es dann doch im Internet zu bestellen, weil es dort ein paar Euro billiger ist. Das schadet nicht nur der Umwelt, sondern ist auch gegenüber dem lokalen Händler unfair.

12. Okay für Öko-Produkte: Keine Bedenken sollten Sie laut BUND Naturschutz in Bayern beim Onlineshopping von echten Öko-Produkten haben, vor allem, wenn sie aus kleineren Betrieben stammen, eine Nische abdecken oder eine wirkliche Alternative zu konventionellen Produkten darstellen.

Öko-Produkte, so der BUND, "sind über die klassischen Vertriebswege oft nicht erhältlich. Die Umweltbelastung durch den Versand dürfte hier akzeptabel sein, weil es den Markt ansonsten nicht gäbe. Überdies bemühen sich Ökoshop-Betreiber meist um möglichst umweltneutrale und effiziente Logistik."

Neben Öko-, Bio- und Natur-Produkten von kleineren bis mittelgroßen Anbietern gilt das gleiche Argument auch für handgefertigte Gegenstände sowie fair gehandelte Artikel: Sie alle sind über das Internet häufig umweltfreundlicher (und unkomplizierter) zu beziehen als auf anderen Wegen, weshalb Sie hier ohne schlechtes Gewissen zugreifen können.

Alternative Plattformen für besseres Onlineshopping

  • Avocadostore: Online-Marktplatz mit einer großen Auswahl an fairer und Öko-Mode, nachhaltigen Möbeln, Accessoires und Alltagsprodukten. Andere grüne Online-Marktplätze sind Greenpicks oder Fairfox.
  • Buch7: Große Auswahl an Büchern, CDs und DVDs, die CO2-neutral und versandkostenfrei versendet werden. 75 Prozent des Gewinns werden gespendet, Bücher kosten dank Buchpreisbindung so viel wie überall. Andere empfehlenswerte Online-Buchhändler sind genialokal.de oder Ecobookstore.
  • Kein Planet B bietet nachhaltige Alternativen zu herkömmlicher Kosmetik, Kleidung oder Haushaltsprodukten, etwas für ein plastikfreies Bad oder unverpacktes Einkaufen.
  • Mit Ecken und Kanten: Gibt nachhaltigen und fairen Produkten eine zweite Chance, etwa Prototypen oder Produkten mit kleinen Schönheitsfehlern oder aus älteren Kollektionen.
  • Speziell für Bio-Mode und Fair Fashion empfehlen sich die Onlineshops Glore, Greenality, Grundstoff, Loveco oder Zündstoff.

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