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Fleischkonzerne schaden massiv dem Klima

Nutztierindustrie sorgt laut Studie für hohe Treibhausgasemission

Kategorie: Freizeit und Technik | 19.07.2018

Fleischkonzerne schaden massiv dem Klima

Die fünf weltgrößten Fleisch- und Molkereikonzerne verantworten jährlich mehr schädliche Klimagase als der Energiekonzern Exxon Mobil und deutlich mehr als Shell oder BP. Zu diesem Ergebnis kommt ein aktueller Report der Nichtregierungsorganisation Grain und des Institute for Agriculture and Trade Policy (IATP). Und die Branche will weiter wachsen. So rechne der weltgrößte Fleischkonzern JBS aus Brasilien damit, dass sich der globale Pro-Kopf-Verbrauch von Fleisch deutlich erhöhen werde, von 37 Kilogramm (1999) auf 48 Kilogramm (2030).

Nutztierindustrie sorgt für 14 Prozent der weltweiten Treibhausgasemission

Um die Erderwärmung deutlich zu begrenzen, müssten dagegen Produktion und Nachfrage nach Fleisch- und Molkereiprodukten erheblich gesenkt werden - laut Greenpeace auf 22 Kilogramm bis 2030. Wie die Grain-Studie berichtet, ist die Nutztierindustrie derzeit für 14 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Mache sie aber weiter wie bisher, werde sie bis 2050 allein mehr als 80 Prozent des Budgets an Emissionen ausreizen, das die Erderwärmung unter 1,5 Grad Celsius hält.

Klimagase: Fleischindustrie informiert intransparent über Emission

Die Autoren kritisieren, dass trotzdem von den 35 größten Konzerne nur vier ihre eigenen Emissionen komplett und glaubwürdig offenlegten. Zudem verfügten nur sechs dieser Konzerne über Ziele zur Vermeidung von Klimagasen, die auch die Lieferkette umfassten. Gerade die Lieferkette könne jedoch bis zu 90 Prozent der Gesamtemissionen ausmachen. Sie umfasst neben dem klimaschädlichen Methan-Ausstoß von Kühen auch Dünger, Transportwege, Energieverbrauch und die veränderte Landnutzung für Futteranbau oder Weide.

Deutsche Fleischkonzerne: Tönnies auf Platz 24 der Emissionssünder

Von den 35 größten Fleisch- und Molkereikonzernen stammen 29 aus den USA, Brasilien, Europa oder China. Auch Deutschland ist zweimal vertreten: DMK Deutsches Milchkontor (Zeven, Niedersachsen) liegt auf Platz 21 der Emissions-Rangliste, Tönnies Lebensmittel (Rheda-Wiedenbrück, Nordrhein-Westfalen) auf Platz 24. Laut der Studie übermittelte Tönnies keine hilfreichen Informationen zu den eigenen Emissionen, während DMK nur Angaben zum direkten Schadstoffausstoß des Unternehmens machte, nicht aber zur Lieferkette.

Nutztierindustrie: Korruptionsaffären und bedenkliche Nähe zur Politik

Der Report kritisiert neben den Emissionen der Nutztierindustrie auch ihre Verflechtungen mit der Politik. So habe US-Präsident Donald Trump mit Sonny Perdue (US-Landwirtschaftsminister) und Scott Pruitt (Ex-Leiter der Umweltschutzbehörde EPA) zwei Klimaskeptiker mit engen Beziehungen zur Agrarlobby in Top-Positionen befördert. Ebenso erwähnt wird Tom Vilsack, US-Landwirtschaftsminister unter der Regierung Obama und mittlerweile Chef einer Lobbygruppe für den Export von Milchprodukten. Die Studie geht auch auf Brasilien ein, wo der Einfluss des Konzern JBS massive Korruptionsaffären nach sich gezogen hat. Zudem habe von den derzeit politisch Aktiven insbesondere Agrarminister Blairo Maggi, einer der größten brasilianischen Produzenten von Tierfutter, ein persönliches geschäftliches Interesse an einem weiteren Wachstum der Fleischindustrie.


Weiterführende Links

https://www.oekotest.de/essen-trinken/news/Tierhaltung_600505_1.html

https://www.oekotest.de/essen-trinken/20-Grillwuerste-im-Test_108040_1.html

https://www.iatp.org/emissions-impossible