Studie: Flaschenwasser enthält noch mehr Plastikpartikel als bekannt

Autor: Redaktion (lw) | Kategorie: Essen und Trinken | 09.01.2024

Studie: Wasser aus Plastikflaschen enthält noch mehr Plastik als bislang bekannt
Foto: Shutterstock/yanik88

Plastikmüll belastet die Umwelt, Mikroplastik könnte zudem unserer Gesundheit schaden. Längst sind die winzigen Teilchen überall. Eine neue Studie aus den USA zeigt, dass Wasser aus Plastikflaschen wesentlich stärker mit Plastikpartikeln belastet ist als angenommen.

Überall, wo bislang nach Mikroplastik gesucht wurde, wurde die Forschung fündig: in Spinnennetzen, Polareis, Fertigkompost, Plazenten und sogar Teebeuteln. Die kleinen und kleinsten Partikel sind allgegenwärtig. Das ist auch nicht verwunderlich, denn: Die Menschheit produziert seit über 100 Jahren Kunststoffe, die nur sehr langsam und teilweise überhaupt nicht in ihre natürlichen Bestandteile zerfallen.

Stattdessen werden Milliarden Tonnen Plastik – meist infolge mechanischer Reibung, aber auch unter der Einwirkung von Hitze – nur immer kleiner und kleiner. Bis sie so klein sind, dass Wind, Wellen und Regen sie praktisch an jeden Ort der Erde verteilen. So gelangen sie in die Atemluft und in die Nahrungsketten.

Es gibt unterschiedliche Schätzungen dazu, wie viel Kunststoff jeder Mensch auf diese Weise unfreiwillig aufnimmt. Eine oft zitierte, weil anschauliche Zahl geht auf eine WWF-Studie aus dem Jahr 2019 zurück: Dort heißt es, ein Mensch nehme pro Woche rund 5 Gramm Mikroplastik zu sich – was etwa dem Gewicht einer Kreditkarte entspricht.

Mikroplastik: Die Partikel sind überall

Die möglichen Auswirkungen einer fortschreitenden Plastikverseuchung ganzer Ökosysteme sind bislang nur in Einzelaspekten geklärt. Für Verbraucherinnen und Verbraucher steht besonders die Frage im Fokus, wie sich verhindern lässt, dass winzige Plastikpartikel über Lebensmittel in den Körper gelangen. Hier wiederum liegt ein besonderes Augenmerk auf Nahrungsmitteln, die in Plastik verpackt sind. Besteht dort doch das Risiko, dass Kunststoffpartikel direkt von der Verpackung auf den Inhalt übergehen.

Studie: Plastik findet sich vor allem in Nanogröße

Eine neue Studie der US-amerikanischen University of Columbia hat nun Nachweise dafür erbracht, dass Flaschenwasser weit stärker mit Plastik belastet ist als bisher angenommen. 

Die Forscher um Hauptautorin Naixin Qian fanden heraus, dass sich in einem Liter Wasser im Schnitt rund 240.000 Plastikfragmente nachweisen lassen. Die Zahlen gehen damit deutlich über frühere Schätzungen und Messungen hinaus. So deuteten die Ergebnisse von Studien und Überblicksarbeiten aus den Jahren 2018, 2018, 2020, 2021 und 2022 auf eine geringere Größenordnungen des Problems hin.

Der Grund: In der Vergangenheit sei noch nicht gezielt nach Kunststoffteilchen im Nanobereich (d.h. mit Partikelgrößen unterhalb von 0,001 Millimetern) gesucht worden, so die Autoren der neuesten Studie, weshalb die meisten Plastikfragmente unentdeckt geblieben seien.

Die Columbia-Chemiker hingegen setzten für ihre Untersuchung auf eine neu entwickelte Mess- und Berechnungstechnik, die auch im Nanobereich feststellen kann, ob es sich bei gefundenen Teilchen um Plastik handelt oder um andere Stoffe. Die Wissenschaftler untersuchten auf diese Weise drei in den USA verbreitete Wassermarken: In den analysierten Proben fanden sich 110.000 bis 370.000 Plastikfragmente pro Liter Wasser. Bei 90 Prozent davon handelte es sich laut den Forschern um Nanoplastik (unter 0,001 mm groß), bei 10 Prozent um Mikroplastik (zwischen 0,001 und 5 mm groß).

Häufig wurde dabei der Kunststoff Polyethylenterephthalat (PET) gefunden: Das überrascht kaum, steckt das Material bei PET-Flaschen, wie sie häufig zur Wasserabfüllung genutzt werden, schon im Namen. Nicht nur aufgrund von Hitze oder durch das Zusammendrücken der Flaschen können sich PET-Teile lösen. Eine US-Studie aus dem Jahr 2021 deutet darauf hin, dass viele Partikel von Deckel und Flaschenhals abgerieben werden, wenn die Flasche geöffnet und geschlossen wird, und darüber ins Wasser gelangen.

Ebenfalls unter den Funden: Die Kunststoffe Polyamid (PA), Polystyrol (PS), Polyvinylchlorid (PVC) und Polymethylmethacrylat (PMMA), die alle in verschiedenen industriellen Prozessen verwendet werden. Ironischerweise, so Beizhan Yan, einer der Autoren der Studie, stammen die Polyamid-Partikel wahrscheinlich aus Kunststofffiltern, mit denen das Wasser während der Herstellung noch einmal gereinigt werden soll, bevor es abgefüllt wird. 

Mikroplastik in Mineralwasser bei ÖKO-TEST

Die neue Columbia-Studie bestätigt und vertieft damit, was ÖKO-TEST im Jahr 2020 herausgefunden hat: Wir ließen damals von einem Labor untersuchen, inwiefern Mineralwasser, das in Deutschland verkauft wird, mit Kunststoffen belastet ist. Das Labor prüfte rund 70 Mineralwässer für uns auf antimonhaltige Partikel: Mit dieser Methode kann PET-Mikroplastik indirekt nachgewiesen werden, weil Antimon (in Form von Antimontrioxid) zur Herstellung von PET-Kunststoffen eingesetzt wird.

Das Labor bestätigte damals: In 27 von 61 Wässern (44 Prozent) aus PET-Plastikflaschen steckte antimonhaltiges Mikroplastik. Die meisten positiven Proben (18 von 27) enthielten 5.000 bis 25.000 kleinste Plastikteilchen pro Liter Wasser, bei einigen (6 von 27) lag der Wert zwischen 25.000 und 100.000 Partikeln, in manchen PET-Einwegflaschen (5 von 27 positiven Proben) fanden sich sogar über 100.000 Plastikteilchen.

Wenn die Ergebnisse der neuen Columbia-Studie zutreffen, ist davon auszugehen, dass 100.000 Kunststoffpartikel tatsächlich eher die Untergrenze dessen sind, was Verbraucher zu sich nehmen, wenn sie einen Liter Wasser aus einer PET-Flasche trinken.

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