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Körper entgiften: Detox-Produkte können mehr schaden als nützen

Magazin April 2020: Mineralöl im Müsli-Riegel | Autor: Meike Rix | Kategorie: Essen und Trinken | 09.04.2020

Detox: Körper entgiften.
Foto: colnihko/Shutterstock

Im Frühjahr haben Detox-Produkte Hochsaison. Doch für die großen Entschlackungsversprechen gibt es keine wissenschaftlichen Belege. Wir erklären, wie unser Körper sich wirklich vor Giften schützt und wie wir ihn dabei unterstützen können.

  • Bewusstes Fasten kann dem Körper bei der Entgiftung helfen. Wichtiger ist jedoch Vorsorge für das Immunsystem. Unser Rat: gesund ernähren, Gifte gar nicht erst aufnehmen und viel frische Luft tanken.
  • Es ist wissenschaftlich nicht belegt, dass der Verzehr von Lebensmitteln wie Tees oder Nahrungsergänzungsmitteln das Ausscheiden von Giftstoffen aus dem Körper fördert. Der Detox-Begriff wird häufig nur für Marketingzwecke missbraucht.
  • Reine Saft- oder Gemüsekuren schaden der Leber eher durch ihren hohen Zuckergehalt.

Detox ist die Abkürzung für Detoxification, also Entgiftung. Den Körper entgiften oder entschlacken – das versprechen unzählige Pülverchen, Kapseln, Tees und Kosmetika. Doch viele Mittel zur innerlichen Anwendung sehen Mediziner mit Sorge. Dauerhaft eingenommene entwässernde Pillen und Tees können mehr schaden als sie nützen, Präparate mit Aktivkohle binden wichtige Nährstoffe und beeinflussen die Wirkung von Medikamenten. Wir haben zusammengestellt, was Sie über Detox wissen müssen.

Detox als Marketingsstrategie

Experten, wie der Hamburger Ernährungsmediziner Matthias Riedl, sehen Detox-Produkte kritisch: "Die Philosophie von Detox bedient einen mittelalterlichen Mythos, der besagt, wir haben Schlackenstoffe, und die muss man irgendwie ausleiten.” Tatsächlich erledige der Körper das selbst und scheide sämtliche Abbauprodukte über Leber und Niere und auch die Atmung aus. Lediglich bei akuten Vergiftungen, etwa durch eine Überdosis an Medikamenten oder Drogen, braucht es Maßnahmen von außen, etwa indem Ärzte das passende Gegengift verabreichen.

Einige Schadstoffe lagern sich zwar tatsächlich im menschlichen Körper ab. Im Fettgewebe etwa Blei aus Wasserleitungen oder Quecksilber aus Speisefischen. Doch die gängigen Mittel am Markt können daran nichts ändern. Wie Anbieter die eingelagerten Schwermetalle aus dem Körper ausleiten wollen, ist aus wissenschaftlicher Sicht nicht nachvollziehbar.

Das ernüchternde Fazit des Portals Lebensmittelklarheit.de der Verbrauchzentralen: "Dass der Verzehr bestimmter Lebensmittel die Ausscheidung von Giftstoffen fördert, ist wissenschaftlich nicht belegt. Der Begriff 'Detox' auf Tees, Smoothies oder Nahrungsergänzungsmitteln ist aus unserer Sicht daher eine reine Marketingstrategie der Hersteller."

Detox-Tees können belastet sein 

Das gilt auch für Tees: Es lohnt sich nicht, für den Namen Detox mehr Geld auszugeben. Natürlich ist Teetrinken eine gute Sache. Ausreichend trinken hilft dem Entgiftungsorgan Niere. Doch viele Teearten wie Roiboos, Schwarz-, Grün- und Kräutertees können mit Pflanzengiften aus Beikräutern verunreinigt sein, mit sogenannten Pyrrolizidinalkaloiden.

Sogar in Stilltees haben wir diese schon nachgewiesen. Und ausgerechnet Mate-Tees enthalten häufig das als möglicherweise krebserzeugend eingestufte Anthrachinon, das vermutlich beim Trocknen der Blätter entsteht. Deshalb sollte man auch Tees besser in Maßen genießen.

Körper entgiften mit Säften: Ernährungsmediziner Dr. Riedl rät davon ab.
Körper entgiften mit Säften: Ernährungsmediziner Dr. Riedl rät davon ab. (Foto: White bear studio/Shutterstock )

Körper entgiften: Pillen und Pulver mit Risiken 

Präparate zum Einnehmen versprechen, den Körper zu entgiften. Mit den Mikroalgen Spirulina und Chlorella, dem Gewürz Kurkuma, Extrakten aus Grünem Tee und Kürbiskernen und, und, und. Viele Detox-Produkte enthalten zudem zur "Reinigung" Bestandteile, die entwässernd wirken wie Brennnessel, Wacholderbeeren und Löwenzahn.

Doch wer ständig Entwässerungsmittel nimmt, scheidet möglicherweise auch zu viele Mineralstoffe aus, die der Körper benötigt. "Das kostet außerdem alles Geld", gibt Ernährungsmediziner Dr. Riedl zu bedenken. "Dieses Geld würde ich immer lieber in Bio-Produkte investieren, denn dann nehmen Sie schon einmal weniger Pestizide auf.”

Warnung vor Zutaten wie Zeolith und Aktivkohle 

Einige beliebte Detox-Zutaten sind von menschlicher Nahrung zudem weit entfernt, weshalb ihr dauerhafter Einsatz einem Experiment mit ungewissem Ausgang gleicht. Zeolithe etwa sind Kristalle, die in Vulkangestein vorkommen oder auch synthetisch hergestellt werden. Aufgrund der Beschaffenheit ihrer Oberfläche können sie theoretisch Schwermetalle abfangen, allerdings möglicherweise auch lebenswichtige Mineralstoffe aus der Nahrung.

Das Verbraucherzentralen-Portal Klartext Nahrungsergänzung warnt vor Nahrungsergänzungsmitteln mit Zeolith auch deshalb, weil diese selbst Schwermetalle, besonders Blei enthalten können. Produkte mit Zeolith tauchen immer wieder im Europäischen Schnellwarnsystem für gefährliche Produkte (RAPEX) auf. Auch davon, regelmäßig Lebensmittel mit Aktivkohle zu essen, raten Experten ab. Denn die Kohle bindet auch lebenswichtige Nährstoffe und beeinträchtigt die Wirksamkeit von Medikamenten.

Detox-Saftkuren schaden der Leber

Säfte hingegen sind als echte Nahrungsmittel erst einmal vertrauenswürdig. Saftkuren, bei denen man tagelang nur Saft trinkt, lohnen jedoch eher nicht. Reine Frucht- und Gemüsesäfte enthalten oft so viel Zucker wie Limonaden. Viel Zucker wiederum belastet die Leber und feuert Entzündungen im Körper an. Dr. Riedl rät von Saftkuren deshalb ab.

Um das Immunsystem zu stärken, sollten Menschen wenig Zucker zu sich nehmen.
Um das Immunsystem zu stärken, sollten Menschen wenig Zucker zu sich nehmen. (Foto: j.chizhe/Shutterstock)

Körper entgiften: Fasten könnte helfen 

Ein bisschen was könnte am Entschlackungsmythos aus dem Mittelalter aber doch dran sein, nämlich dass Fasten dem Körper hilft. Seit einigen Jahren forschen Wissenschaftler intensiv dazu, wie der Körper defekte Zellen repariert, recycelt oder entsorgt. 

Der Japaner Yoshinori Ohsum erhielt im Jahr 2016 den Nobelpreis für seine Entdeckungen zu diesen sogenannten Autophagieprozessen. Bei diesen Prozessen können wir den Körper unterstützen, indem wir ihm Phasen ohne Nahrung gönnen. Matthias Riedl sagt: "Wenn ich das Immunsystem belaste, beispielsweise durch ständiges Snacken, dann funktionieren die Abraumprozesse etwas schlechter, denn das Immunsystem ist bei jedem Essen involviert, um zu entscheiden, ist das Freund, ist das Feind, sind das gefährliche Substanzen oder zum Beispiel Salmonellen?"

Immunsystem stärken: Auf Menge der Mahlzeiten achten 

Ein überlastetes Immunsystem fördere dann auch sogenannte stille Entzündungen, die Alterungsprozesse in Gang setzen oder fördern. Fasten sorgt für Pausen. Auch das Intervallfasten, das derzeit so in Mode ist, könnte helfen. Hierbei verzichtet man für einen bestimmten Zeitraum auf Nahrung, häufig für 16 Stunden am Tag. Beliebt ist auch die Methode, sich fünf Tage die Woche wie gewohnt zu ernähren und an zwei Tagen die Kalorienzufuhr auf ein Minimum zu beschränken.

Riedl empfiehlt, zum Stärken des Immunsystems, besser nur zwei oder drei Mahlzeiten am Tag einzunehmen. Außerdem: wenig Zucker essen, am besten nicht mehr als 25 Gramm am Tag, und viel Gemüse. Regelmäßige Bewegung im Freien wirkt nachweislich vitalisierend auf Immunsystem und Psyche. Und sorgt zudem für guten Schlaf. Auch ein intaktes Sozialleben ist wichtig.

Bewegung im Freien wirkt sich positiv auf das Immunsystem und die Psyche aus.
Bewegung im Freien wirkt sich positiv auf das Immunsystem und die Psyche aus. (Foto: FotoDuets/Shutterstock )

So bleiben Sie fit im Frühling 

Wir haben vier Tipps für Sie zusammengestellt: 

  1. Gönnen Sie sich frische Luft. Bewegung hält gesund. 15 Minuten Sonnenlicht für Gesicht und Hände helfen, die Vitamin-D-Speicher nach der dunklen Jahreszeit wieder zu füllen.
  2. Ein Sonnenbrand schwächt dagegen den ganzen Organismus und ist Gift für die Haut. Schützen Sie sich auch schon im Frühling. Schenken Sie sich zu Ostern einen schönen Hut.
  3. Lieb zur Leber sein: Das Entgiftungsorgan profitiert, wenn es öfter mal ein oder zwei Wochen lang keinen Alkohol verarbeiten muss. Zuckerhaltige Getränke wie Säfte und Limonaden setzen der Leber ebenfalls zu.
  4. Gifte gar nicht erst aufnehmen: Wer Bio kauft, nimmt weniger Pestizide zu sich. Mithilfe unserer Tests finden Sie schadstoffarme Lebensmittel und Kosmetika.

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