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Kichererbsen-Test: Glyphosat ist immer noch ein Problem

Magazin April 2021: Generation Bike | Autor: Victoria Pfisterer/ Meike Rix | Kategorie: Essen und Trinken | 06.04.2021

Kichererbsen im Test: Welche Produkte sind empfehlenswert?
Foto: ÖKO-TEST

Kichererbsen sind in der Küche vielseitig einsetzbar – und sie liefern sowohl Eiweiß als auch Eisen. Wir haben 20 Produkte aus Glas und Dose getestet, 14 davon sind mit "sehr gut" empfehlenswert. Der Kichererbsen-Test zeigt allerdings auch: Das Pestizid Glyphosat ist immer noch ein Problem.

  • Mit Bestnote sind 14 von 20 Kichererbsen im Test empfehlenswert. 
  • Sechs Dosen Kichererbsen im Test enthalten das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat.
  • Auffällig: In einem Produkt wird der gesetzliche Grenzwert für Pestizide überschritten. 

Die Kichererbse verkörpert im Grunde das ideale Lebensmittel. Mit ihrem milden nussigen Geschmack ist die traditionell im mediterranen Raum beliebte Hülsenfrucht vielseitig einsetzbar. Sie ist – nicht nur für Veganer – ein toller Lieferant von Eisen, Zink und hochwertigem pflanzlichen Eiweiß. Die Ballaststoffe aus Kichererbsen unterstützen die Darmgesundheit und damit das Immunsystem.  

Doch wie gut sind die Produkte im Handel? Unser Test zeigt viele einwandfreie Marken. Allerdings: In Kichererbsen steckt auch häufig das problematische Pestizid Glyphosat. Um das Verbot dieses Stoffs tobt seit Jahren ein Streit. Eine Konserve fällt mit "ungenügend" durch, weil die Kichererbsen einen gesetzlichen Pestizidgrenzwert überschreiten.

Kichererbsen-Test: Glyphosat in sechs Produkten

Kichererbsen gibt es getrocknet oder vorgegart zu kaufen.
Kichererbsen gibt es getrocknet oder vorgegart zu kaufen. (Foto: photopixel/Shutterstock)

In insgesamt sechs Produkten im Test hat das von uns beauftrage Labor Glyphosat nachgewiesen. Das Herbizid wird von der IARC als wahrscheinlich krebserregend eingestuft, die europäische Behörde ECHA hingegen sieht keinen Krebsverdacht.

Deutschland ist bislang zwar kein Anbauland für Kichererbsen. Aber Glyphosat gespritzt wird auch hier. Der Einsatz hat erhebliche Auswirkungen auf die Öko-Systeme. "Glyphosat tötet alles, was grün ist, und entzieht Insekten damit die Lebensgrundlage", erklärte Bundesumweltministerin Svenja Schulze in einer Pressemitteilung im Februar anlässlich der Einigung des Kabinetts auf ein Insektenschutzpaket.

Wird ein Verbot für Glyphosat kommen? 

Im Rahmen dessen war endlich auch ein Komplettverbot von Glyphosat von 2024 an beschlossen worden. Laut Schulze ein großer Erfolg. Umweltschützer lobten die Entscheidung mit Blick auf den dramatischen Rückgang der Insekten als überfällig. Der Schönheitsfehler: Der Ausstieg steht keinesfalls fest.

Das geplante deutsche Verbot fällt genau auf das Ende der aktuellen EU-weiten Zulassung für Glyphosat plus Übergangsfrist. Ein nationaler Alleingang vorher ist laut dem zuständigen Landwirtschaftsministerium rechtlich nicht möglich. Heißt im Umkehrschluss: Falls das umstrittene Herbizid in der EU über 2023 hinaus doch erlaubt bleibt, müsste auch Deutschland seinen Ausstieg vertagen.

Kichererbsen lassen sich vielseitig einsetzen. Besonders bekannt sind sie als Grundzutat für Hummus.
Kichererbsen lassen sich vielseitig einsetzen. Besonders bekannt sind sie als Grundzutat für Hummus. (Foto: Kabachki.photo/Shutterstock)

Kichererbsen im Test: Insektengift gefunden

In den "ungenügenden" Kichererbsen hat das von uns beauftragte Labor neben Spuren von Glyphosat das Insektengift Pirimiphos-methyl festgestellt. Pirimiphos-methyl ist unter anderem sehr giftig für Lebewesen in Gewässern und für Bienen.

Der ermittelte Wert in den getesteten Hülsenfrüchten übersteigt den Rückstandshöchstgehalt, der in der Europäischen Union für Kichererbsen gilt. Immerhin: Der Hersteller will auf unser Ergebnis reagieren.

Zusätzlich enthalten diese, wie auch ein weiteres Produkt im Test, das Unkrautvernichtungsmittel 2,4-Dichlorphenoxyessigsäure (2,4-D). Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) hat den Stoff als möglicherweise krebserregend eingestuft, die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) unter anderem als gewässergefährdend.

Jetzt Ergebnisse im ePaper kaufen: 20 Kichererbsen im Test

Wie Sie die Kichererbsen richtig zubereiten

ÖKO-TEST-Ratgeber: 

  1. Kichererbsen in getrockneter Form müssen mindestens zwölf Stunden eingeweicht, die oben schwimmenden Exemplare dann aussortiert werden. Die Kochzeit der eingeweichten Trockenerbsen beträgt bis zu zwei Stunden. Vorgekochte Konserven wie in unserem Test kann man direkt verarbeiten.

  2. Säurehaltige Zutaten wie Zitronensaft, Essig und Tomaten besser erst nach dem Garen hinzugeben, sonst wird die Schale hart. Beim Kochen nur wenig umrühren, damit die Schalen nicht platzen. Neben Hummus und Falafel unbedingt ausprobieren: Eintöpfe, Currys und Suppen mit Kichererbsen. Aus Kichererbsenmehl lassen sich süße oder herzhafte Teigfladen oder auch Kuchenböden zubereiten.

  3. Kräftige Kräuter wie Thymian, Majoran, Kümmel, Fenchel, Koriander, Rosmarin oder Lorbeer machen die Hülsenfrüchte bekömmlicher.

Das könnte Sie auch interessieren: Kichererbsen sind vor allem bekannt, weil sie in beliebten orientalischen Speisen wie Hummus und Falafel stecken. In dem folgenden Artikel erklären wir, was die Hülsenfrüchte so gesund macht, wie man sie lagert und kocht: Sind Kichererbsen gesund?

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Weiterlesen auf oekotest.de:


Testverfahren

Wir haben 20 Kichererbsen-Konserven in Supermärkten, Discountern und Bio-Märkten  eingekauft, darunter acht Bio-Produkte. Die Preise liegen zwischen 59 Cent und 1,49  Euro pro 400 Gramm.

Wir ließen die Kichererbsen auf Pestizide untersuchen, unter anderem auf das bedenkliche Glyphosat. Außerdem analysierten Labore die Hülsenfrüchte auf Schwermetalle wie Nickel, Arsen und Cadmium und auf Verunreinigungen mit Mineralölbestandteilen. Deckeldichtungen und -beschichtungen von Gläsern und Dosen basieren häufig noch auf PVC, welches die Umwelt bei Herstellung und Entsorgung belastet. Wir ließen alle Verpackungen auf chlorierte Verbindungen untersuchen, denn es gibt mittlerweile nachhaltigere Alternativen.

Bewertungslegende

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um fünf Noten: a) ein Gehalt des Pestizids Pirimiphos-methyl über dem EU Rückstandshöchstgehalt für getrocknete und frische Samen von (Kicher-)Erbsen von 0,01 mg/kg (in der Tabelle: "1 Pestizid über Höchstgehalt"). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein Gehalt des Pestizids 2,4-D, der die EU-Rückstandshöchstmenge von 0,05 mg/kg für getrocknete und frische Samen der Erbse zu mehr als 20 bis 50 % ausschöpft (in der Tabelle: "1 Pestizid erhöht"); b) ein bis zwei als besonders bedenklich eingestufte Pestizide in Gehalten von mehr als 0,01 mg/kg (hier: Glyphosat); Quelle für die Einstufung: Pestizid Aktions-Netzwerk. Steht bei konkret benannten Analyseergebnissen "nein", bedeutet das unterhalb der Bestimmungsgrenze der jeweiligen Testmethode.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: mehr als 0,01 mg/kg eines Pestizids in einem Bio-Produkt. Zur Abwertung um eine Note führt: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht.

Testmethoden

Mineralölbestandteile (MOSH/MOSH-Analoge/MOAH: DIN EN 16995: 2017 modifiziert. Die Modifikation betrifft die Verseifung und eine andere Matrix. Glyphosat: LC-MS/MS-Verfahren. Pestizide: Multiverfahren zu Bestimmung von Pestizidrückständen mit GC-MS/MS und LC-MS/MS (DIN EN 15662 entspricht ASU L 00.00-115). Saure Herbizide: LC-MS/MS. Elemente (Arsen, Cadmium, Cobalt, Chrom, Kupfer, Quecksilber, Nickel, Blei, Antimon, Zinn, Zink): ICP-MS. Probenvorbereitung: Totalaufschluss in der Mikrowelle. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: Dezember 2020

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