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Gegen Lebensmittelverschwendung: So retten Sie Lebensmittel vor der Tonne

Autor: Benita Wintermantel | Lena Pritzl | Kategorie: Essen und Trinken | 03.08.2020

Zu viele Lebensmittel, die noch genießbar wären, landen in der Tonne.
Foto: Fotolia

Die Bundesregierung will die Lebensmittelverschwendung bis 2030 halbieren. Wenn Sie nicht so lange warten wollen, können Sie jetzt schon anfangen: Mit unseren Tipps für weniger Lebensmittel im Müll.

Die Möhren sind schrumpelig, die Brötchen schon ganz schön hart und beim Joghurt ist schon wieder das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten: 82 Kilogramm Nahrungsmittel wirft jede*r Deutsche jährlich im Durchschnitt weg. Vieles, was in der Tonne landet, gehört nicht hinein. Der Großteil der entsorgten Lebensmittel ist gar kein Müll, die Produkte sind uns einfach nicht mehr gut genug.   

Unsere Wegwerfgesellschaft bringt ethische Probleme mit sich: Wir werfen Lebensmittel weg, die eigentlich noch genießbar wären – in anderen Ländern leiden oder sterben Menschen an Hunger. Auch ökologisch ist das Wegwerfen von Lebensmitteln problematisch. Für die Herstellung wurden wichtige Ressourcen aufgewendet: Energie, Wasser und Rohstoffe. Rund 3,3 Gigatonnen an Kohlenstoffdioxid-Äquvivalenten werden durch sogenanntes Food Waste (englisch für Lebensmittelverschwendung) verursacht, so Greenpeace. Die Umweltschutzverbände sind sich einig, dass der Großteil des Mülls vermeidbar wäre.

Das Mindesthaltbarkeitsdatum richtig verstehen

Nach europäischem Recht muss auf fast allen verpackten Lebensmitteln und Getränken angegeben sein, wie lange das Produkt mindestens haltbar ist. Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) ist jedoch kein Verfallsdatum. Es ist lediglich eine "Frischegarantie" des Herstellers, die besagt, dass das gekaufte Produkt bis zu diesem Datum garantiert seinen Geschmack, seine Konsistenz und seine Farbe behält. Um eventuelle Rechtsstreitigkeiten zu vermeiden, wird das MHD vom Produzenten meist relativ kurz angesetzt. Viele Lebensmittel sind aber deutlich länger in einwandfreiem Zustand.

Greenpeace hat getestet, wie lange Lebensmittel nach dem Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatum noch genießbar sind. Erstaunliches Ergebnis: Drei von acht Lebensmitteln waren ganze 16 Wochen nach Ablauf der Mindesthaltbarkeit noch essbar. Und zwar Joghurt, Soja-Joghurt und Tofu. Auch Salami, Käse und Kuchen hielten deutlich über das MHD hinaus.

Nicht zu verwechseln ist das Mindesthaltbarkeitsdatum mit dem Verbrauchsdatum: Lebensmittel, deren Verbrauchsdatum abgelaufen ist, müssen entsorgt werden.

So lange sind Lebensmittel wirklich haltbar

Sind Sie sich nicht sicher, ob Sie ein Lebensmittel noch genießen können, obwohl das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist? Vertrauen Sie Ihrem Gefühl. Die eigene Nase und die Augen sind ein besserer Ratgeber als das Mindesthaltbarkeitsdatum. "Wer schaut, riecht, die Konsistenz prüft und eine kleine Menge kostet, bildet sich in der Regel selbst das richtige Urteil", empfiehlt Hanna Simons, Sprecherin von Greenpeace in Österreich.

  • Bei Milchprodukten lässt sich einfach feststellen, ob das Produkt noch haltbar ist: Verfärbungen, ein auffälliger Geruch oder Geschmack sind Zeichen dafür, dass die Ware verdorben ist. Wenn das nicht der Fall ist, darf sie in aller Regel ohne Bedenken verzehrt werden.
  • Bei Reis und Nudeln ohne Ei ist die Haltbarkeit praktisch unbegrenzt.
  • Auch Zucker, Kaffee, Tee, Konserven, Hülsenfrüchte mit geringem Fettanteil und Gewürze in Aromaschutzverpackungen sind nahezu ewig haltbar.

Verbraucherschützer fordern bessere Kennzeichnung von ablaufender Ware

Die Verbraucherzentrale Hamburg hat in einem Marktcheck herausgefunden, dass eine bessere Kennzeichnung von Lebensmitteln, die kurz vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) stehen, zu einem verstärkten Verkauf dieser Produkte führt. Dadurch müssten weniger noch genießbare Lebensmittel weggeworfen werden. Deshalb fordern die Verbraucherschützer, dass der Einzelhandel nur noch kurz haltbare Ware besser präsentiert. Rewe und Lidl kennzeichnen fast abgelaufene Produkte nach Einschätzung der Verbraucherzentrale bislang am besten, da die Kunden dort auf großen Aufklebern sehen können, dass die Lebensmittel kurz vor dem MHD stehen.

Ein zweites Leben für Brot, Obst und Gemüse

Für altes Brot und nicht mehr ganz frisches Obst und Gemüse hilft eine Portion Einfallsreichtum. Überreifes Obst kann schnell und einfach zu Marmelade verkocht werden. Dabei sorgen reife Früchte für besonders viel Geschmack. Schrumpelige Kartoffeln können zu Kartoffelbrei verarbeitet werden. Aus nicht mehr taufrischen Möhren wird schnell eine feine Suppe.

Trockenes Brot kann für Semmelknödel oder Croutons verwendet werden. Wenn das Brot ganz hart ist, können Sie Paniermehl daraus machen. Noch besser: Brot – bevor es alt wird – einfrieren und nach Bedarf auftauen. Noch mehr Tipps für Sie: Altes Brot verwerten: Zum Wegwerfen zu schade

Hier finden Sie Rezepte für Reste:

Verdorbene Lebensmittel bitte entsorgen

Auf der anderen Seite gilt aber auch: Lebensmittel, die tatsächlich schlecht geworden sind, gehören in die Tonne, nicht auf den Teller. Mit Lebensmittelinfektionen und Schimmelpilzen ist nicht zu spaßen. Wenn Brot Schimmel angesetzt hat, sollten Sie den ganzen Laib entsorgen – auch wenn der Schimmelbefall nur klein war. Auch Fleisch und Wurstprodukte gehören nach dem Ablauf des Verbrauchsdatums in den Müll.

Intelligente Verpackungen sind die Zukunft

Noch sind sie wegen der hohen Kosten wenig verbreitet, es wird jedoch intensiv geforscht: Die Industrie beschäftigt sich schon seit längerem mit intelligenten Verpackungen, die Auskunft darüber geben sollen, welchen Zustand ein Produkt hat. Die Bundeszentrale für Verbraucherschutz führt vier unterschiedliche Verfahren auf: Zeit-Temperatur-Indikatoren, Frische-Indikatoren, Funkchips oder Barcodes.

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