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Fastenzeit 2020: Tipps fürs Fasten

Kategorie: Essen und Trinken | 17.02.2020

Fastenzeit 2020: Tipps fürs Fasten
Foto: CC0 Public Domain / Pixabay / Pexels

Am Aschermittwoch endet der Karneval und beginnt traditionell die Fastenzeit. Egal, ob Sie generell auf Nahrung oder auf bestimmte Genussmittel verzichten möchten: Fasten tut gut. Hier finden Sie viele Tipps, wie Sie gut und gesund durch die Fastenzeit kommen.

Fasten liegt im Trend. Der zeitweilige Verzicht auf feste Nahrung hat für die meisten weniger religiöse Gründe, sondern ist eine Reaktion auf den permanenten Überfluss.

Die Beweggründe fürs Fasten sind dabei ganz unterschiedlich: Während die einen das seelische Gleichgewicht wiedererlangen möchten, wollen andere den Körper entgiften oder gesundheitliche Beschwerden lindern. Für viele ist Fasten auch die Initialzündung für eine Ernährungsumstellung. Der Verzicht beim Fasten tut nicht nur dem Körper gut, sondern wirkt sich vor allem positiv auf das mentale Wohlbefinden aus. 

Fastenzeit 2020: Wann wird gefastet?

Die traditionelle Fastenzeit dauert 40 Tage. Sie beginnt am Aschermittwoch (in diesem Jahr der 26. Februar 2020) und endet an Ostern, am Gründonnerstag (9. April 2020).

Energiezufuhr drosseln und neue Energie freisetzen

Das ist kein Widerspruch: die Energiezufuhr vorübergehend zu drosseln, um neue Energie zu gewinnen. Im Gegenteil: "Der Körper kommt mit dem Fasten besser zurecht als mit regelmäßiger Nahrungszufuhr", sagt Professor Andreas Michalsen, Chefarzt der Abteilung Naturheilkunde im Immanuel-Krankenhaus Berlin.

Es sei ein Erbe der Evolution, bedingt durch die jahreszeitlichen Schwankungen im Nahrungsangebot: "In der Menschheitsgeschichte ist das Fasten eher der Normalzustand als die Ausnahme; die ständige Verfügbarkeit von Nahrung ist relativ neu", so Michalsen. Wer eine Zeit lang auf Essen verzichtet, gönnt seinem Körper sozusagen eine wohlverdiente Pause vom anstrengenden Dauerstress der Nahrungsverarbeitung und Verdauung.

(Fast) jeder kann fasten

Fasten ist nach dem Leitfaden der Ärztegesellschaft für Heilfasten und Ernährung (ÄGHE) definiert als "freiwilliger Verzicht auf feste Nahrung und Genussmittel für begrenzte Zeit". Das therapeutische Fasten wird in spezialisierten Kliniken als medizinische Therapie eingesetzt, etwa bei Rheuma, Bluthochdruck oder ernährungsbedingten Erkrankungen.

Unabhängig davon kann jeder gesunde Mensch in Eigenregie fasten – entweder mit einem immer mal wieder zwischengeschalteten Fastentag, durch regelmäßiges Weglassen von Mahlzeiten oder eine etwas längere Fastenperiode. "Gesunde Menschen können problemlos eine Woche fasten, ohne dass es zu Mangelerscheinungen kommt", so Fastenexperte Michalsen.

Welche Arten des Fastens gibt es?

Fasten ist "in": So halten nach einer repräsentativen Forsa-Umfrage 63 Prozent der Deutschen den Verzicht für sinnvoll. Am verbreitetsten sei in Deutschland die Fastenmethode nach Buchinger, auch Saftfasten oder Heilfasten genannt, bei der man neben frischen Obst-, Gemüse- oder Grassäften über den Tag verteilt auch Gemüsebrühe, Tee und Wasser zu sich nimmt.

Daneben gibt es eine Reihe weiterer Fastenarten – vom strengen Wasser- oder Teefasten über Suppen-, Schleim- bis hin zum Molkefasten.

Wichtiger Bestandteil jeder Fastenkur: viel Tee und Wasser
Wichtiger Bestandteil jeder Fastenkur: viel Tee und Wasser (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay / StockSnap)

Tipps fürs Heilfasten

  • Fasten sollte nur, wer gesund ist. Chronisch kranke Menschen und Menschen, die starke Medikamente einnehmen, sollten nicht, beziehungsweise nur unter ärztlicher Aufsicht fasten. Das gilt auch für Diabetiker, Menschen mit Depressionen oder Herzerkrankungen, Schwangere, stillende Mütter, Kinder, Menschen über 65 Jahren und Untergewichtige.

  • Fasten meint keine Nulldiät (z.B. Wasser- oder Teefasten). Die Aufnahme von 250 bis 300 Kalorien täglich ist empfehlenswert, mehr als 500 sollten es nicht sein, empfiehlt die ÄGHE. Wer völlig auf Nahrung verzichtet, stresst seinen Körper zu sehr und baut zu viel Eiweiß, sprich Muskelmasse ab.

  • Wichtig beim Fasten: viel Flüssigkeit. Trinken Sie täglich mindestens drei Liter Wasser, Tee, dünne Gemüsebrühe, Obst- oder Gemüsesäfte.

  • Zum richtigen Fasten gehört eine gute Mischung aus Entspannung und Bewegung. Wer sich in der Fastenzeit viel bewegt, läuft nicht Gefahr, Muskelmasse abzubauen.

  • Fasten bedeutet anfangs Stress für den Körper. Zu Beginn der Fastenphase leiden viele unter Kopfschmerzen, leichtem Schwindel, Schlafproblemen und schlechter Laune. Nach zwei bis drei Tagen beginnt aber das Fasten-Hoch: Die Laune steigt, Entspannung und Ausgeglichenheit nehmen zu.

  • Wer Körper und Geist etwas Gutes tun möchte, muss dazu nicht unbedingt lange fasten. Auch kurze Fastenzeiten bringen positive Effekte. Wer wöchentlich einen Fastentag einlegt oder einige Stunden am Tag aufs Essen verzichtet (16 Stunden sollten es allerdings sein), profitiert ebenfalls.
Viel Tee ist in der Fastenzeit wichtig
Viel Tee ist in der Fastenzeit wichtig (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay)

Therapeutisches Fasten hilft bei vielen Krankheiten

Therapeutisches Fasten ist eine Möglichkeit für Menschen mit bestimmten Krankheitsbildern, ihre Gesundheit zu verbessern. Therapeutisches Fasten findet unter ärztlicher Begleitung statt, meist stationär in einer Klinik.

Bei folgenden Erkrankungen kann therapeutisches Fasten hilfreich sein (Quelle: DGE):

  • Metabolisches Syndrom
  • chronische Entzündungen
  • chronische kardiovaskuläre Krankheiten
  • chronische Schmerzzustände
  • atopische Krankheiten
  • psychosomatische Krankheiten.

Wie fastet man richtig?

Mit Fasten ist allermeist Heilfasten gemeint. Das Heilfasten dauert zwischen fünf und zehn Tagen und wirkt wie eine Art Großputz im Körper: Der Stoffwechsel stellt sich um, der Körper entschlackt, und der ganze Organismus regeneriert und erholt sich. Fasten kann einen hohen Blutdruck, hohe Cholesterin- oder Blutzuckerwerte senken und entzündungshemmend wirken.

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Kann man beim Fasten abnehmen?

Wer beim Fasten abnehmen möchte, sollte vorsichtig sein. Zwar purzeln die Pfunde relativ schnell, nach dem Ende der Fastenkur sind sie aber oft genauso schnell wieder da. Schuld daran ist der Jo-Jo-Effekt.

Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung warnt: "Fasten eignet sich nicht als Diät und führt zeitlich befristet nicht zu einer langfristigen Gewichtsabnahme. Es sei denn, der Fastende ändert gleichzeitig seinen Lebensstil". Wer dauerhaft abnehmen möchte, kommt um eine Ernährungsumstellung also nicht herum.

Fasten kann jedoch der Startschuss sein, um ungesunde Ernährungsgewohnheiten zu unterbrechen oder sogar Lebensgewohnheiten zu ändern. "Bei den meisten Menschen hat das Fasten nicht nur positive Auswirkungen auf das Körpergefühl, sondern vor allem auch auf das mentale Wohlbefinden", erläutert Professor Michalsen.

Dieser Aspekt könne gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. "Denn im besten Fall führt der zeitweilige Nahrungsverzicht zu der Erkenntnis, nicht immer essen zu müssen, und dadurch letztlich zu einem neuen Bewusstsein in Bezug auf die tägliche Nahrungsaufnahme."

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So läuft eine Fastenkur zuhause ab

  1. Entlastungstage: Wer langsam beginnen möchte, kann mit ein bis zwei Entlastungstagen starten. Essen Sie an diesen Tagen wenig – und nur leichte Kost. Die maximale Kalorienmenge sollte 1.000 Kalorien nicht übersteigen. Auf Kaffee, Alkohol und Zigaretten sollten Sie ab jetzt verzichten. Damit fällt der erste richtige Fastentag leichter.

  2. Erster Fastentag: Starten Sie am besten mit einer Darmentleerung in die Fastenzeit, denn ein leerer Darm dämpft das Hungergefühl. Für eine Darmreinigung können Sie 20 Gramm Glauber- oder ein anderes Bittersalz in 500 Milliliter Wasser auflösen und trinken. Auch mit einem Einlauf können Sie den Darm reinigen und entleeren.

  3. Zweiter und dritter Fastentag: Diese beiden Tage sind besonders hart: Der Stoffwechsel stellt sich um, die meisten Fastenden fühlen sich jetzt müde, schlapp und schlecht gelaunt. Lenken Sie sich ab, und freuen Sie sich auf Tag vier.

  4. Vierter Fastentag: Ab dem vierten Tag fällt das Fasten leichter, die Stimmung steigt. Viele empfinden jetzt ein Hochgefühl. Das liegt an den Endorphinen und Serotoninen, die vermehrt freigesetzt werden.

  5. Fortführung der Fastenkur: Wer das erste Mal fastet, sollte langsam anfangen und nicht länger als fünf Tage fasten. Wer schon Erfahrung hat, darf bis zu zehn Tage fasten.

  6. Fastenbrechen und Aufbautage: Die wichtigste Phase des Fastens ist der Wiedereinstieg in den Alltag. Nach Ende der Fastenkur sollten Sie langsam wieder mit dem Essen beginnen und anfangs nur wenig und leichte Nahrung wie Äpfel, Reis oder Getreidebrei zu sich nehmen.
Fasten kann glücklich machen - zumindest ab dem vierten Tag
Fasten kann glücklich machen - zumindest ab dem vierten Tag (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay / Greyerbaby)

Das richtige Angebot finden

Ob Sie alleine fasten oder sich einer Fastengruppe anschließen, dürfen Sie natürlich ganz alleine entscheiden. Manche nehmen dafür eine Woche Urlaub, gönnen sich viel Ruhe und Entspannung und konzentrieren sich ganz auf das Fasten und die Vorgänge im eigenen Körper. Anderen tut der Austausch und die Unterstützung in der Gruppe gut.

Fastenkurse: Die Deutsche Fastenakademie (DFA) listet unter www.fastenakademie.de Angebote für Fastenwochen unter fachlicher Anleitung auf – oft in Verbindung mit Yoga oder Wandern. Weitere Kurse und Termine für Gesunde, die fasten wollen, gibt's unter: www.fairberaten.net/fasten

Heilfasten: Wer eine ärztlich begleitete Heilfastentherapie nach der Methode Buchinger durchführen möchte, findet spezialisierte Kliniken und Sanatorien unter: www.aerztegesellschaft-heilfasten.de

In Eigenregie fasten: Der Klassiker unter den Fastenbüchern ist Dr. Hellmut Lützner: "Wie neugeboren durch Fasten", Verlag Gräfe und Unzer, 128 Seiten, 12,99 Euro. Exakte Anleitungen für alle, die selbstständig im Alltag oder Urlaub fasten wollen.

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