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Bertolli im Test: So schneidet der Olivenöl-Klassiker ab

Autor: Kai Thomas | Kategorie: Essen und Trinken | 13.05.2019

Bertolli im Test: So schneidet der Olivenöl-Klassiker ab
(Foto: ÖKO-TEST)

Wir haben 20 "nativ extra" Olivenöle getestet – darunter auch eines von Bertolli. Wie wir das Olivenöl im Detail bewerten, lesen Sie hier.

Bertolli – eine Marke, die wie kaum eine zweite mit Italien und Olivenölqualität assoziiert wird. Doch in unserem Test bewerten wir ein Bertolli-Olivenöl schlecht. Nur zwei von insgesamt 20 Olivenölen sind überhaupt "gut".

Bertolli Natives Olivenöl Extra Originale im Test

Das Bertolli Natives Olivenöl Extra Originale können wir im Olivenöl-Test nicht empfehlen. Es hat in der Geschmacks- und Geruchsprüfung nicht die Bestnote erzielt, sondern nur das Ergebnis "gut". Zudem ist es erheblich mit problematischen Mineralölrückständen belastet. Vom getesteten Bertolli-Olivenöl raten wir deshalb mit dem Gesamturteil "ausreichend" ab.

In der Flasche steckt übrigens auch Öl, das nicht aus italienischen Oliven extrahiert wurde. Bertolli gibt auf dem Etikett als Herkunftsort lediglich die Europäische Union an. 

Die Mängel in der Sensorik verschlechtern das Gesamturteil um eine Note. Die festgestellten Mineralölrückstände drücken es schließlich auf "ausreichend". Neben dem Bertolli-Öl schneiden auch sechs weitere Öle mit "ausreichend" ab. Neun Olivenöle fallen komplett durch.

Den kompletten Test mit allen Detailergebnissen können Sie hier als e-Paper kaufen.

Mineralölrückstände in Bertolli-Olivenöl 

Das Bertolli Natives Olivenöl Extra Originale ist stark mit Mineralöl belastet. Ein beauftragtes Labor fand relativ hohe Mengen der gesättigten Kohlenwasserstoffe MOSH und/oder POSH. MOSH lagert der Körper in der Leber, den Lymphknoten, der Milz und im Fettgewebe ab. Was das für die Funktion dieser Organe bedeutet, ist bisher ungeklärt. POSH sind derzeit noch kaum erforscht. 

Außerdem waren im Bertolli-Öl auch aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) nachweisbar. Unter den MOAH können sich krebserregende und erbgutschädigende Substanzen befinden. Industrie, Verbraucherschützer und Politik sind sich einig, dass diese Stoffgruppe in Lebensmitteln nichts zu suchen hat. In unserem Test waren MOAH in 10 von 20 Olivenölen nachweisbar.

Geschmack und Geruch sind "gut"

Das Bertolli-Öl schneidet im Testergebnis Sensorik mit "gut" ab. Die Experten, die für uns alle Öle verkosteten, bewerteten das Bertolli-Olivenöl mit einer Harmonienote zwischen 5,5 und 6,4. Das bedeutet, es ist insgesamt "eher harmonisch". Die Prüfer beschrieben Geschmack und Geruch des Öls als mittelfruchtig, deutlich bitter und deutlich scharf. Fünf weitere Öle sind in der Sensorik "gut", nur ein einziges Öl überzeugte mit "sehr gutem" Geschmack und Geruch.

So reagierte der Bertolli-Anbieter: Deoleo legte uns ein Gutachten zu Mineralöl vor, das unsere Befunde bestätigt. Demnach wies ein Labor im getesteten Bertolli-Öl mehr als 4 mg/kg MOSH/POSH und auch MOAH nach. Unser Test macht klar, dass es besser geht. Die Testsieger sind kaum oder nicht mit Schadstoffen belastet.

Der Test zeigt: Von 20 Olivenölen können wir nur zwei empfehlen. Neben Abstrichen in Geschmack und Geruch kritisieren wir vor allem Mineralöl. Jedes zweite Olivenöl ist besonders auffallend mit Mineralölrückständen verunreinigt. Vier Olivenölen fielen im Test sensorisch besonders negativ auf. Die Prüfer stellten Fehlnoten fest: Sie schmeckten ranzig oder stichig. Die Öle hätten deshalb gar nicht in der Güteklasse "nativ extra" verkauft werden dürfen. Denn sie sind falsch deklariert.

Unser Tipp: Zum Braten sind günstige raffinierte Öle besser geeignet als Olivenöle der Klasse "nativ extra". Native Öle rauchen früher, zudem zerstört die Hitze ihr Aroma. 

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