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22 Milch-Marken im Test

Jahrbuch für 2016
vom 09.10.2015

Milch

Ab nach draußen!

Der neueste Trend auf dem Milchmarkt ist Weidemilch. Doch nicht alle Hersteller konnten oder wollten belegen, dass die Tiere tatsächlich viel auf der Weide waren.

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09.10.2015 | Dass Weidemilch kein Exot sein muss, zeigt der Blick in einige unserer Nachbarländer. In Dänemark etwa macht Weidemilch bereits 20 Prozent der verkauften Frischmilch aus und in den Niederlanden stehen schon heute rund 80 Prozent der Kühe auf der Weide, schätzen Experten. Auch hierzulande haben erste Molkereien entsprechende Produkte auf den Markt gebracht, allen voran der europäische Molkereikonzern Arla Foods sowie die Molkereien Ammerland und Schwarzwaldmilch.

Die Diskussion, wie Weidemilch erzeugt werden soll, ist längst nicht abgeschlossen. So hat etwa das Land Niedersachsen ein Programm zur Förderung der Weidehaltung aufgelegt, das den Trend zu immer mehr Stallhaltung stoppen soll. Ziel ist, einen verbindlichen Standard für Weidemilch zu entwickeln, sagt Dr. Arno Krause, der das Projekt leitet. Szenarien, wie man sie aus Irland kennt, wo Milchkühe das ganze Jahr auf der Weide stehen, aber nur 3.000 bis 4.000 Liter Milch pro Jahr geben, seien in Deutschland nicht wirtschaftlich. Nur konsequent ist da die Empfehlung von Krause, den Frischgrasanteil durch Weidegang auf 30 Prozent zu begrenzen. So bleibt genügend Spielraum, die Kühe durch zusätzliche Mais- und Kraftfuttergaben zu höheren Milchleistungen anzutreiben. Der Durchschnitt liegt in Deutschland bei rund 7.400 Litern pro Jahr, aber auch 10.000 Liter und mehr sind keine Seltenheit.

Andererseits stellt sich die Frage, ob es überhaupt Weidemilch braucht, wenn es doch Bio-Milch gibt. Kommt Bio-Milch nicht automatisch von Kühen, die auf der Weide waren? Nicht unbedingt. So steht in der EU-Öko-Verordnung nur, dass Pflanzenfresser Zugang zu Weideland haben müssen, wann immer die Umstände dies gestatten.

Wir kauften für den Test aktuell erhältliche Weidemilch ein (vier Produkte). Daneben landeten 18 andere Milchmarken in unserem Einkaufskorb, darunter Heumilch. Im Labor ließen wir die Proben unter anderem auf den Gehalt an grünfuttertypischen Omega-3-Fettsäuren untersuchen und fragten Weidemilchanbieter gezielt nach Belegen wie Zertifikaten oder vertraglichen Vorgaben, die die Auslobung ihrer Produkte rechtfertigen.

Das Testergebnis

Arla Foods (Hansano Frische Weidemilch, Arla Frische Bio-Weidemilch) machte zwar Angaben zu Haltung und Fütterung ihrer Tiere, weigerte sich aber, Nachweise für die Weidehaltung und die separate Verarbeitung der Milch zu liefern. Diese Produkte können daher bestenfalls mit "gut" abschneiden. Insgesamt waren 15 Marken "sehr gut" und "gut" und sieben "befriedigend".

Die Untersuchung auf grünfuttertypische Fettsäuren ergab für die Hansano Frische Weidemilch einen sehr niedrigen Wert, wie er für konventionelle Milch typisch ist. Arla Foods führt als einen Grund die Winterfütterung an. Man arbeite aber grundsätzlich nach dem 120/6-Modell. Danach müssen die Kühe an mindestens 120 Tagen im Jahr mindestens sechs Stunden täglich auf der Weide sein. Auch Weidekalender würden geführt, Belege dafür lieferte Arla Foods aber nicht. Ein positives Beispiel ist hinge

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Im Mittelpunkt stand dieses Mal Milch mit der Auslobung Weidemilch. Insgesamt vier Produkte landeten im Einkaufskorb, wobei auf einem nur mit der Weidehaltung geworben wird, während alle anderen auch Weidemilch heißen. Hinein kamen fünf Proben Heumilch, die derzeit vor allem im Bio-Kühlregal erhältlich sind. Markenmilch aus dem konventionellen Bereich, Milch von Supermärkten und Discountern sowie Bio-Eigenmarken ergänzten den Einkauf.

Die Inhaltsstoffe
Wir ließen prüfen, wie es um die hygienische Qualität bestellt ist und ob Rückstände von Reinigungs- und Desinfektionsmitteln nachweisbar sind. Trichlormethan kann aus dem Einsatz chlorhaltiger Mittel resultieren. Werden Benzalkoniumchloride (BAC) gefunden, deutet dies auf die Verwendung von Reinigungsmitteln mit quartären Ammoniumverbindungen hin. Auf die zuletzt im Test Muttermilchersatz auffälligen Chlorate wurde stichprobenweise geprüft - jeweils ohne Befund.

Die Sensorik
Gekühlte Milch hält sich heutzutage oft wochenlang. Ob dies zulasten des Geschmacks geht, ließen wir von professionellen Prüfern am Ende des MHD testen.

Die Weiteren Mängel
Ob die Milchkühe viel oder wenig Grünfutter zu fressen bekamen, bewerteten wir anhand der Omega-3-Fettsäuren in der Milch. Eine gentechnikfreie Fütterung sollte mit Nachweisen belegt werden, ebenso wie der Weidegang der Kühe und die getrennte Erfassung und Verarbeitung von Weidemilch.

Die Bewertung
Weidemilch unterliegt bislang keinen definierten Standards. Die meisten Hersteller schreiben eine Mindestweidedauer vor, machen aber keine Vorgaben für die Fütterung. Wir bewerteten die Proben daher wie konventionelle bzw. wie Bio-Produkte, je nachdem zu welcher Gruppe sie gehören. Mangelnde Transparenz und fehlende Nachweise für die Einhaltung der Weidevorgaben führten zu Punktabzügen. Andere Kritikpunkte betrafen Reinigungsmittelrückstände, sensorische Abweichungen, zu geringe Fettgehalte und Mängel bei der Fütterung.

So haben wir getestet

Dokumentationspflicht: Wer Weidemilch produziert, muss nachweisen können, dass die Kühe tatsächlich
draußen waren.

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