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Fitnessgeräte-Test: Häufig krebserregende Stoffe in Sportgeräten für Zuhause

Magazin Januar 2020: Greta und Du | Autor: Frank Schuster/Meike Rix | Kategorie: Bauen und Wohnen | 13.01.2020

Fitnessgeräte-Test: Wir haben 20 Fitnessgeräte für Zuhause auf Schadstoffe überprüft.
Fitnessgeräte-Test: Wir haben 20 Fitnessgeräte für Zuhause auf Schadstoffe überprüft. (Foto: ÖKO-TEST)

Trainieren, Kraft aufbauen, sich bewegen – mit kleinen Fitnessgeräten geht das auch zu Hause. Wir haben 20 Sportgeräte getestet. Wenige Hanteln, Gymnastikbänder und einen Handtrainer können wir empfehlen, viele Fitnessgeräte fallen durch. Kritik gibts vor allem wegen krebserregender Inhaltsstoffe.

Ab 30 Jahren verlieren wir altersbedingt pro Jahr bis zu ein Prozent unserer Muskelmasse. Das heißt, bis zum 80. Lebensjahr können bis zu 40 Prozent der Muskeln verschwunden sein. Wer dem etwas entgegensetzen will, muss etwas für die Kraft tun. Mit kleinen Fitnessgeräten wie Kurzhanteln, elastischen Fitnessbändern und Gymnastikbällen lässt sich einfach und effektiv auch zu Hause trainieren.

Wir haben 20 Fitnessgeräte in Labor geschickt: Gymnastikbänder, Hanteln, Medizin- und Gymnastikbälle sowie Handtrainer. Darunter sind Geräte bekannter Marken wie Amazon, Decathlon, Deuser und Theraband. Im Fokus standen die Inhaltsstoffe, denn beim Training können Problemstoffe auf die Haut gelangen und vom Körper aufgenommen werden. Daher wollten wir wissen, ob die Fitnessgeräte mit Schadstoffen belastet sind.  

Fitnessgeräte-Test: Fünf Fitnessbänder, Hanteln & Co. sind empfehlenswert

Das Ergebnis: Zwei Fitnessbänder, zwei Hanteln und einen Handtrainer bewerten wir mit "sehr gut" und "gut". Je ein Fingertrainer und ein Gymnastikband schneidet immerhin mit "befriedigend" ab. Mehr als die Hälfte der getesteten Fitnessgeräte fällt allerdings mit "mangelhaft" und "ungenügend" durch. Die Hauptkritik: krebserregende oder krebsverdächtige Inhaltsstoffe.

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Wie kommt das? Die kleinen, praktischen Fitnessgeräte sind oft entweder ganz aus weichem Kunststoff oder haben weiche Griffummantelungen für einen guten Grip. Solche Materialien sind oft mit schädlichen Weichmachern belastet.  

In Medizinball stecken sieben krebserregende Stoffe 

Vor allem ein Typ von Fitnessgeräten im Test fällt negativ auf: Denn keiner der fünf Gymnastik- und Medizinbälle ist besser als "mangelhaft". In allen stecken polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK).

Besonders kritische PAK-Verbindungen hat das beauftragte Labor in einem Ball im Test nachgewiesen: Er enthält sieben als krebserregend eingestufte PAK-Verbindungen und zwei weitere, die im Verdacht stehen, Krebs auszulösen. PAK können zum Beispiel im Ruß enthalten sein, der zum Schwarzfärben von Kunststoff dient, sie stecken auch in Weichmacherölen.

(Foto: ÖKO-TEST)

Schadstoffe in Ball und Fitnessbändern im Test

Schadstoffe stecken auch in Fitnessgeräten im Test, die Materialien natürlichen Ursprungs wie Latex und Kautschuk enthalten. Diese gelten als Alternative zu Kunststoffen, sind aber nicht automatisch schadstoffarm. So stecken auch in einem getesteten Gymnastikball aus Kautschuk krebsverdächtige polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. 

In einem Fitnessband im Test kritisieren wir krebserregende Nitrosamine sowie Stoffe, die im Körper in Nitrosamine umgewandelt werden können. In einem weiteren Gymnastikband stecken nur die Stoffe, die zu Nitrosaminen werden können. 

Während Kautschuk von Natur aus flexibel ist, lassen sich bestimmte Kunststoffe erst durch zugesetzte Weichmacher biegen. So etwa der bekannte Kunststoff PVC, aus dem einige der Produkte im Test bestehen.

Phthalate in Geräten können Organen schaden

In einem getesteten Ball und einem Handtrainer haben die beauftragten Labore stark erhöhte Gehalte an Diisononylphthalat (DINP) und Diisodecylphthalat (DIDP) gefunden. Phthalate stehen im Verdacht, Leber, Nieren und Fortpflanzungsorgane zu schädigen und außerdem wie ein Hormon zu wirken. In einem Paar Kurzhanteln im Test wies das Labor den bedenklichen Weichmacher Dipropylheptylphthalat (DPHP) nach.

Mit Kurzhanteln werden Armmuskeln trainiert. Es ist aber auch möglich, Wirkungen für den Rumpf erzielen.
Mit Kurzhanteln werden Armmuskeln trainiert. Es ist aber auch möglich, Wirkungen für den Rumpf erzielen. (Foto: YAKOBCHUK VIACHESLAV/Shutterstock )

Aber nicht immer heißt weich auch schlecht. Es ist möglich, Griffe mit weicher Ummantelung oder Kautschukbänder ohne die üblichen verdächtigen Stoffe herzustellen. Im Test zeigen das ein Fitnessband sowie ein Handtrainer. 

Gute Fitnessgeräte für Zuhause 

Immerhin: Es gibt im Test auch gute Fitnessgeräte für Zuhause, und das Training damit tut gut. Sie helfen, bestimmte Muskeln gezielt aufzubauen. Besonders die Armmuskulatur profitiert, wenn sie öfter einmal mehr Masse als das schlappe Eigengewicht der Arme bewegen muss. "Das fehlt uns Menschen, seit wir auf zwei Beinen gehen", sagt die Professorin Maren Witt, Sportwissenschaftlerin an der Universität Leipzig.

Mit den Fitnessgeräten für Zuhause lassen sich gezielt auch die Muskeln ansprechen, die uns aufrecht, entspannt und schmerzfrei halten. Ein netter Nebeneffekt des Krafttrainings: Einmal aufgebaut verbrauchen die Muskeln nicht nur während des Trainings Kalorien, sondern auch im "Leerlauf" – im Sitzen auf dem Bürostuhl und sogar im Liegen auf der Couch.

Kurzhantel & Handtrainer: Wofür sind sie gut? 

  • Hanteln

Wer mit Kurzhanteln trainiert, kann seine Armmuskeln kräftigen, aber auch Wirkungen für den Rumpf erzielen. Empfehlenswert ist ihr Einsatz auch beim Laufen und Gehen: "Schon mit leichten Handgewichten beim Walken können Sie große Effekte erzielen", sagt die Sportwissenschaftlerin Maren Witt von der Universität Leipzig. 

Kettle Bells (Kugelhanteln) werden geschwungen, sodass ganze Muskelketten wie die Bauchmuskulatur es intensiv mit der Fliehkraft zu tun bekommen. Die Wirkung ist stark. Tipp: Lassen Sie sich die richtigen Bewegungsabläufe unbedingt vom Experten zeigen. Im Fitnessgeräte-Test schneiden zwei Hanteln mit "sehr gut" ab. 

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    • Handtrainer 

    Handtrainer, Fingerhanteln und -bälle kommen im Reha-Bereich zum Einsatz. Aber auch gesunde Menschen können damit trainieren und nicht nur Hände und Finger stärken, sondern gleichzeitig die Unterarme. Das Training gleicht zudem einseitige Belastungen im Alltag aus. Im Fitnessgeräte-Test können wir Ihnen einen Handtrainer mit "sehr gut" besonders empfehlen. 

    Zum Trainieren allgemein eignen sich alle möglichen Formen von Handtrainern. Mit gartenscherenförmigen Handmuskeltrainern trainieren Sie die ganze Hand. Tastaturartige Fingertrainer ermöglichen, die Finger einzeln zu kräftigen. Weiche Bälle fürs Handtraining lassen sich relativ leicht zusammendrücken und stärken so auf schonende Art die Muskulatur.

    Tipp: Wichtig ist, dass die Geräte zur Handgröße passen. Und: Lassen Sie das Training möglichst langsam angehen.

    Sportgeräte für Zuhause im Test: Gymnastikbänder können eingesetzt werden, um den ganzen Körper zu trainieren.
    Sportgeräte für Zuhause im Test: Gymnastikbänder können eingesetzt werden, um den ganzen Körper zu trainieren. (Foto: iko/Shutterstock)

    Das leisten Fitnessbänder und Medizinbälle 

    • Gymnastikbänder 

    Flexible Gymnastikbänder lassen sich für den ganzen Körper einsetzen und es gibt sie in unterschiedlichen Stärken. Sie trainieren Kraft, Gleichgewicht und Koordinationsfähigkeit. "Ideal sind kleine Bewegungen von zehn bis 15 Zentimentern, bei denen das Band einen gleichmäßigen Widerstand erzeugt", sagt Sportwissenschaftlerin Maren Witt. Im Fitnessgeräte-Test sind zwei Gymnastikbänder empfehlenswert.  

    Tipp: Lassen Sie sich zur passenden Bandstärke beraten. Beim Klassiker Theraband stehen die Farben für die Stärken von leicht (gelb) bis spezial stark (schwarz).

    • Medizin- und Gymnastikbälle 

    Bei Medizinbällen liegen Spielfreude, harter Drill und erstaunlicher Muskelkater ganz nah beieinander. Das macht sich besonders bei Übungen mit ausgestreckten Armen bemerkbar.

    Die weichen, leicht zusammendrückbaren Bälle für Pilates und Yoga können etwas anderes: "Wenn Sie bei bestimmten Übungen einen Ball zum Beispiel zwischen die Knie klemmen, bauen Sie eine gute Körperstatik auf und vermeiden etwa X-Beine", erklärt Sportwissenschaftlerin Witt.

    Bei anderen Übungen setzt oder stellt man sich auf die Bälle als wackeligen Untergrund. Das ist unter anderem ein wunderbares Rückentraining. Beim Versuch, das Gleichgewicht zu halten, kommt eine große Anzahl von Muskeln zum Einsatz, die für Stabilität sorgen.

    Hinweis: Im Fitnessgeräte-Test fallen die Medizin- und Gymnastikbälle am negativsten auf.  

    ÖKO-TEST rät: Darauf sollten Sie achten 

    1. Auch wenn Sie mit Videos und Apps trainieren – lassen Sie die Übungen von einem Trainer korrigieren. 
    2. Fangen Sie einfach an. Und nehmen Sie sich nicht zu viel vor. Einmal pro Woche trainieren ist besser als keinmal. Wenn Sie Spaß an der Sache haben, werden Sie bald häufiger trainieren. 

    Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

    Weiterlesen auf oekotest.de:


    Testverfahren

    Wir haben 20 Fitnesskleingeräte eingekauft und in die Labore geschickt: jeweils fünf Bälle, Bänder, Hanteln und Handtrainer. Beim Training können Problemstoffe auf die Haut gelangen und vom Körper aufgenommen werden. Deshalb haben wir die Materialien mit Hautkontakt einer umfangreichen Schadstoffprüfung unterzogen. Geräte mit Kunststoff- oder Schaumgummibestandteilen ließen wir unter anderem auf bedenkliche Weichmacher analysieren sowie auf polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), von denen einige krebserregend oder krebsverdächtig sind.

    Geräte und Produktteile aus Latex oder Kautschuk prüften die Laborexperten auf krebserregende Nitrosamine sowie auf Latexproteine. Letztere können Allergien auslösen. Textile Bestandteile ließen wir auf schädliche Farbstoffbausteine wie Anilin und andere aromatische Amine testen. Ebenfalls auf dem Prüfprogramm standen halogenorganische Verbindungen.

    Maßgeblich für das Gesamturteil ist unsere Beurteilung der Inhaltsstoffe. Unter dem Testergebnis Weiteren Mängeln gibt es Notenabzug für umweltschädliche Substanzen wie PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen und optische Aufheller.

    Bewertungslegende 

    Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils vier Noten: a) ein stark erhöhter Gehalt von in der Summe mehr als 1.000 μg/kg einer oder mehrerer krebserregender oder -verdächtiger PAK-Verbindungen, deren Einzelgehalt mehr als 100 μg/kg beträgt (Gorilla Sports Medizinball: Bezo[a]anthracen, Benzo[a]pyren, Benzo[e]pyren, Benzo[b]fluoranthen, Benzo[j]fluoranthen, Benzo[k]fluoranthen, Chrysen, Naphthalin, Cyclopenta(c,d)pyren; alle anderen: Naphthalin), in der Tabelle: PAK stark erhöht; b) ein stark erhöhter Gehalt von mehr als 100.000 mg/kg Phthalate (hier: Diisononylphthalat [DINP] und Diisodecylphthalat [DIDP]), in der Tabelle: Phthalate stark erhöht; c) mehr als 50 μg/kg Nitrosamine. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) ein erhöhter Gehalt von mehr als 100 bis 1.000 μg/kg der krebsverdächtigen PAK-Verbindung Naphthalin (in der Tabelle: PAK erhöht); b) ein erhöhter Gehalt von mehr als 1.000 bis 100.000 mg/kg Phthalate (hier: Dipropylheptylphthalat [DPHP]), in der Tabelle: Phthalate erhöht; c) mehr als 200 μg/kg nitrosierbarer Vorstufen, falls nicht bereits wegen Nitrosaminen abgewertet wurde. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) mehr als 1.000 mg/kg Ersatzweichmacher (hier: DEHA, DEHT, DINCH, ATBC), falls nicht bereits wegen eines oder mehrerer Phthalate abgewertet wurde; b) halogenorganische Verbindungen; c) mehr als 10 mg/kg phosphororganische Verbindungen (hier: 2-Ethylhexyldiphenylphosphat [Octicizer]); d) mehr als 10 mg/kg Phenol in der Migration.

    Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um jeweils eine Note: a) PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in Produkt und/oder Verpackung; b) optische Aufheller. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, hat keine Auswirkungen auf das Gesamturteil.

    Testmethoden 

    Latexproteine: Extraktion; Messmethode: Lowry modifiziert (nach EN 455-3), Farbentwicklung: Bio-Rad DC Protein Assay. Nitrosamine, nitrosierbare Vorstufen: DIN EN 12868 (ohne vorheriges Auskochen, Schweißsimulanz, 1 h bei 40 °C). Azofarbstoffe: Prüfung auf Amine nach reduktiver Spaltung; Analytik entsprechend DIN EN 14362-1:2017-05. Bei Hinweisen auf 4-Aminoazobenzol zusätzliche Prüfung entsprechend DIN EN 14362-3:2017-05; Bestimmungsgrenze: 1 mg/kg. GC/MS und HPLC/DAD oder TLC; zusätzliche Prüfung auf Anilin und Xylidine. Dispersionsfarbstoffe: Analytik entsprechend DIN 54231 (November 2005); Dünnschichtchromatografie (TLC) und HPLC mit DAD (UV/Vis-Detektor). Optische Aufheller: Qualitativer Nachweis (UV-Licht). Elemente, PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen (in Produkt und Verpackung): Röntgenfluoreszenzanalyse. Nickelabgabe: Quantitative Bestimmung gemäß DIN EN ISO 17294-2 (01/2017); ICP-MS; Verwendung von Rhodium und Rhenium. Probenvorbereitung gemäß DIN EN 12472 (04/2004); simulierte Abrieb- und Korrosionsprüfung von mit Auflagen versehenen Gegenständen. Referenzprüfverfahren gemäß DIN EN 1811. Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK): GC-MSD (25 PAK nach EU/EPA/JECFA). Untersucht wurde eine repräsentative Mischprobe je nach Produktzusammensetzung. Halogenorganische Verbindungen: Probe wird mit Reinstwasser in der Soxhlet-Apparatur eluiert; Binden der organischen Halogene an Aktivkohle; Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom; microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts.

    Einkauf der Testprodukte: Oktober 2019 

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