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21 Handspülmittel im Test

ÖKO-TEST Juni 2018
vom 24.05.2018

Geschirrspülmittel, Hand, Konzentrat

Spülverderber

Spülmittel finden sich in fast jedem Haushalt. Viele reinigen recht ordentlich. Sie enthalten aber auch zahlreiche Schadstoffe. Von 21 Produkten im Test können wir nur eines mit "gut" empfehlen.

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24.05.2018 | Ohne geht's kaum: Selbst Besitzer einer Spülmaschine greifen bisweilen zu Schwamm und Spüli, um besonders empfindliche oder stark verschmutzte Geschirr- und Besteckteile zu säubern. Kaum verwunderlich, dass nach Schätzungen des Industrieverbands Körperpflege und Waschmittel (IKW) jährlich 137.000 Tonnen Handgeschirrspülmittel (Stand: 2013) in deutschen Waschbecken landen - und dann im Abwasser. Spülen belaste die Umwelt damit automatisch, sagt Marcus Gast vom Umweltbundesamt. "Entscheidend ist jedoch, wie stark."

Besonders problematisch sind biologisch schwer abbaubare Substanzen wie Duftstoffe, die sich in Kläranlagen kaum herausfiltern lassen. Einige sind zudem Auslöser von Kontaktallergien, alle sind unnötig, weil sie die Reinigungswirkung der Spülmittel nicht beeinflussen. Dafür sind in erster Linie Tenside zuständig. Sie sollen Speisereste ablösen und Fette im Wasser binden. Besonders hohe Tensidanteile finden sich in Konzentraten, die aber meist niedriger zu dosieren sind als klassische Spülmittel: Zwei bis vier Milliliter auf fünf Liter Wasser lauten gängige Herstellerempfehlungen für Konzentrate. Vorgeschrieben ist, dass Wasch- und Reinigungsmittel innerhalb der EU nur Tenside enthalten dürfen, die sich innerhalb von

28 Tagen größtenteils abbauen. Doch auch sie belasten die Umwelt, ein sparsamer Spülmitteleinsatz ist daher immer ratsam. Sachgerecht dosiert, reichen Produkte in handelsüblichen Flaschen oft für deutlich mehr als hundert Anwendungen.

Um die Spülmittel entsprechend lange haltbar zu machen und vor Verkeimung zu schützen, setzen Hersteller Konservierungsstoffe ein. Die Mittel der Wahl sind dabei leider häufig allergieauslösende Isothiazolione.

Allergische Reaktionen auf Isothiazolinone haben in den vergangenen Jahren drastisch zugenommen. Insbesondere auf Methylisothiazolinon (MIT), das sich nicht nur in Spül- und Reinigungsmitteln findet, sondern auch in anderen Produkten, etwa in Farben und Kosmetika. Mehrere Hunderttausend Menschen seien in einem Zeitraum von fünf Jahren allein auf diese Chemikalie sensibilisiert worden, sagt Professor Axel Schnuch vom Informationsverbund Dermatologischer Kliniken (IVDK) in Göttingen: "Bei keinem Allergen haben wir eine solche Zunahme geradezu epidemischen Ausmaßes jemals gesehen." In Kosmetika sind MIT und seine Variante Chlormethylisothiazolinon (CIT) inzwischen gesetzlich stark reglementiert. Handspülmittel fallen aber nicht unter die Kosmetikverordnung, weshalb sich Hersteller von Spül- und Reinigungsmitteln weiter munter bedienen können. Viele setzen Kombinationen aus MIT und dem weniger potenten Benzisothiazolinon (BIT) ein. So können zwar Einzelkonzentrationen niedrig gehalten werden. Unproblematisch ist es dennoch nicht, weil die Stoffe bei der Allergisierung zusammenwirken können.

Allergiefachmann Schnuch argumentiert: Wer oft und lange mit solchen Produkten ohne Handschuhe spüle oder reinige, setze sich unter Umständen einer höheren Belastung aus als beispielsweise durch d

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
In Supermärkten, Discountern und Drogerien haben wir 21 Handspülmittel eingekauft, darunter bekannte Marken und Eigenmarken sowie Produkte von Naturwarenherstellern. Wenn angeboten, wählten wir Konzentrate oder Spülmittel mit ausgelobter "konzentrierter Wirkformel", andernfalls klassische Varianten.

Die Praxisprüfung
Reinigungsleistung frischer Schmutz: In Spüllaugen aus fünf Litern Wasser und den entsprechend dosierten Produkten reinigten die Prüfer so viele Teller wie möglich. Zunächst haftete normaler, später ein fetthaltigerer Testschmutz auf den Tellern. Die Prüfer hörten auf zu spülen, wenn sich die Schaumdecke auf der Oberfläche des Spülwassers nicht mehr schloss - was als Zeichen einer erschöpften Reinigungsleistung zu werten ist.
Angetrockneter Schmutz: Wie schwer tun sich die Spülmittel mit hartnäckigem Schmutz? Um das zu beurteilen, weichten die Prüfer Edelstahlbleche, auf denen ein Brei aus Haferflocken und Milch eingetrocknet war, in Spülwasser ein. Dann wischten sie mit einem Spültuch und etwas zusätzlichem Spülmittel über das Blech und bewerteten das Resultat.

Die Inhaltsstoffe
Konservierungsstoffe sollen die Mittel vor Verkeimung schützen. Allerdings setzen Hersteller dabei oft auf allergieauslösende Isothiazolinone. Enthalten die Spülmittel PEG/PEG-Derivate oder problematische Duftstoffe wie Lilial?

Die Weiteren Mängel
Sind die Inhaltsstoffe wie vorgeschrieben im Internet aufgelistet und verweisen Links auf den Produktetiketten auf die entsprechenden Internetseiten? Wir haben es überprüft.

Die Bewertung
Wenig Spülmittel, wenig Wasser, viel sauberes Geschirr: Das ist aus unserer Sicht wünschenswert. Das Testergebnis Praxisprüfung ist daher stärker gewichtet als das Testergebnis Inhaltsstoffe.

So haben wir getestet

Wie viel Teller sind möglich? Ein Praxislabor hat getestet, wie effizient die Spülmittel bei verschiedenen Verschmutzungen sind.