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30 Vegane Kosmetik im Test

ÖKO-TEST Mai 2018
vom 26.04.2018

Vegane Kosmetik

Tier Gewinnt

Vegane Kosmetik ist die logische Konsequenz für jeden, der ohne tierische Produkte leben möchte. Aber ist vegane Kosmetik automatisch unbedenklich? Unser Test zeigt: Gut fürs Tier ist nicht automatisch gut für den Menschen.

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26.04.2018 | Rund acht Millionen Menschen ernähren sich in Deutschland laut Informationen des Vereins ProVeg vegetarisch und 1,3 Millionen Menschen vegan. Doch gerade wer sich bewusst dafür entscheidet, vegan zu leben, hört damit in der Regel nicht an der Kühlschranktür auf. Vegan zu leben bedeutet, neben dem Konsum von Fleisch, Eiern, Milchprodukten oder Honig auch in anderen Lebensbereichen auf tierische Produkte zu verzichten. Leder und Pelz sind deshalb natürlich absolute No-gos. Aber auch in Kosmetikprodukten können tierische Inhaltsstoffe stecken. Immer mehr Hersteller loben ihre Produkte deshalb als "vegan" aus - sowohl Anbieter von konventioneller als auch von Naturkosmetik. Vegetarier und Veganer sind mittlerweile eine wichtige Zielgruppe.

Aber was bedeutet eigentlich "vegan" bei Kosmetikprodukten? Dass hier viel Unklarheit herrscht, zeigen Umfragen und Diskussionsbeiträge im Internet. Für viele bedeutet vegane Kosmetik in erster Linie, dass für die Produkte keine Tierversuche durchgeführt werden. Doch Tierversuche sind für Kosmetikprodukte, die in der EU verkauft werden, ohnehin seit dem 11. März 2013 verboten. Die Auslobung "vegan" bezieht sich auf die Herkunft der Inhaltsstoffe. Diese dürfen nicht vom Tier stammen.

Aber ist vegane Kosmetik automatisch unbedenklich? Welche Inhaltsstoffe sind eigentlich tierisch und welche veganen Alternativen können sie ersetzen? Einige der wichtigsten Inhaltsstoffe wollen wir hier vorstellen:

Bienenwachs

ist vor allem in Naturkosmetik ein beliebter Ersatz für erdölbasierte Fette, zum Beispiel in Lippenstiften oder Salben. Es wird aus Bienenwaben gewonnen, stammt also nicht vom toten Tier. In veganen Kosmetikprodukten ersetzen pflanzliche Alternativen wie Carnaubawachs oder Kokosnussöl das tierische Wachs.

Glycerin

kann sowohl tierischen, synthetischen als auch pflanzlichen Ursprungs sein. In der Inhaltsstoffliste muss das allerdings nicht genau angegeben werden. Glycerin ist ein Nebenprodukt der Seifenherstellung, der Ausgangsstoff ist in der Regel Rindertalg. Es entsteht aber auch bei der Verseifung pflanzlicher Fette und Öle. Glycerin bindet Feuchtigkeit und kommt in Cremes, Lotionen, Duschgelen und Shampoos wegen seiner feuchtigkeitsspendenden Eigenschaften zum Einsatz.

Guanin

Guanin ist ein glänzendes Pigment, das vor allem in dekorativer Kosmetik wie Nagellack steckt. Tierische Grundlage für Guanin sind Fischschuppen. Ein veganer Ersatz ist zum Beispiel der mineralische Inhaltsstoff Mica (Glimmer).

Karminrot

auch Cochenillerot oder CI 75470 ist ein Farbstoff. Um ihn zu gewinnen, werden Cochenilleschildläuse zerdrückt. Das rote Farbpigment findet zum Beispiel in Lippenstift und Nagellack Verwendung. Vegane Kosmetik verzichtet auch auf Cochenillerot und setzt stattdessen entweder auf pflanzliche Alternativen wie Rote Bete oder auf mineralische wie Eisenoxid. In konventioneller veganer Kosmetik finden sich aber auch gesundheitlich bedenkliche, synthetische Farbstoffe wie Tartrazin, Allurarot AC oder G

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Hersteller, die ein Produkt ohne tierische Inhaltsstoffe auf den Markt bringen, loben das inzwischen auch prominent aus. Zum Beispiel durch Label wie die Veganblume der Vegan Society oder indem sie "vegan" oder "ohne tierische Inhaltsstoffe" auf die Verpackung schreiben. Danach haben wir insgesamt 30 Produkte ausgewählt: jeweils zehn aus den Bereichen der abwaschbaren Kosmetik (rinse-off), der Kosmetik, die auf der Haut bleibt (leave-on) und der dekorativen Kosmetik.

Die Inhaltsstoffe
Vegan ist das eine, natürlich und unbedenklich das andere. Viele Hersteller verzichten zwar auf tierische Inhaltsstoffe, doch synthetische Substanzen wie Paraffine oder Farbstoffe, mit denen sie diese ersetzen, können sich durchaus ungünstig auf die menschliche Gesundheit auswirken. Abgestimmt auf die jeweilige Produktgruppe haben wir die Kosmetika im Labor auf eine Vielzahl von Substanzen untersuchen lassen - darunter Formaldehyd/ -abspalter, Duftstoffe, die problematischen Mineralölbestandteile MOSH und MOAH, flüchtige organische Verbindungen, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe und Schwermetalle.

Die Weiteren Mängel
Ein Umkarton, der kein zerbrechliches Gebinde aus Glas oder Porzellan schützt, PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung oder eine irreführende Auslobung werten wir als Weitere Mängel. Besonders dreist finden wir es, wenn Hersteller auf dem Produkt damit werben, dass es bestimmte Substanzen nicht enthält, diese in den Laboranalysen aber nachgewiesen wurden.

Die Bewertung
In den verschiedenen Produktkategorien kamen in diesem Test eine Reihe unterschiedlicher Abwertungen zum Tragen. Die empfindlichsten Abzüge nahmen wir für bedenkliche Formaldehyd/-abspalter und erhöhte Mengen an Blei oder Antimon vor. Doch die Liste der Problemstoffe in diesem Test ist lang, sodass insgesamt nur die Hälfte der Produkte überzeugen konnte.

So haben wir getestet

Ist nicht wahr

So haben wir getestet

Hersteller werben damit, dass ihre Nagellacke frei von bestimmten Substanzen sind, doch die Laboranalysen zeigten etwas anderes.

Video zum Thema

Video

ÖKO-TEST-Magazin 5/2018:

Vegane Kosmetik

Tier Gewinnt.

Vegan zu leben hört nicht an der Kühlschranktür auf. Immer mehr Verbraucher achten auch beim Kosmetikkauf auf eine "Vegan"-Auslobung. Das heißt, dass die Produkte keine Inhaltsstoffe tierischen Ursprungs enthalten dürfen - wie beispielsweise Bienenwachs, das vor allem in Naturkosmetik ein beliebter Ersatz für erdölbasierte Fette etwa in Lippenstiften ist. In veganen Kosmetikprodukten ersetzen pflanzliche Alternativen wie Kokosnussöl das tierische Wachs. ÖKO-TEST wollte nun wissen, ob vegane Kosmetik, die zwar auf tierische Inhaltsstoffe verzichtet, doch anderseits gesundheitsschädliche synthetische Substanzen einsetzt.