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Silikone: Was macht der Kunststoff in Kosmetik?

Autor: Lino Wirag | Kategorie: Kosmetik und Mode | 25.08.2019

CC0 Public Domain / Unsplash.com
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Silikone in Kosmetika genießen einen schlechten Ruf. Sie gelten als gesundheitsgefährdend und umweltschädlich. Warum werden sie massenhaft eingesetzt? Und was kann man tun, wenn man sie vermeiden will?

Die einen denken bei Silikon an die kalifornische IT-Industrie, andere an Badezimmerfugen. Kosmetikkunden hingegen denken wohl zuerst an Shampoos, Haarspülungen und Hautcremes, in denen häufig Silikone zu finden sind: Sie sind von Lippenstiften bis Sonnencreme allgegenwärtig.

Das hat seinen Grund. Silikone und Silikonöle sind Kunststoffe, die aus Verbindungen von Silizium, Sauerstoff, Kohlenstoff und Wasserstoff bestehen. Sie sind chemisch herzustellen, lange haltbar und verleihen Haut und Haaren viele der Eigenschaften, die von der Kosmetikindustrie geschätzt werden. So bilden beispielsweise Silikone, die in Shampoos und vor allem in Spülungen stecken, einen glänzenden Film auf den Haaren, der auch brüchige Stellen auffüllt. So wirkt das Haar auf den ersten Blick voller, glatter und gesünder, obwohl sich im Inneren der Haarstruktur nichts verändert hat.

Silikone lagern sich auf Haaren und Kopfhaut ab

Im Gegenteil: Der Schopf wird durch den Kunststoffauftrag eher versiegelt. Die Folge: Das Haar fettet schneller, auch das Färben und Tönen kann schwieriger werden, weil die Haare die Farbe nicht mehr so gut aufnehmen. Silikonrückstände können lange im Haar verbleiben und sind oft nur mühsam auszuwaschen. Auch bauen Silikonschichten aufeinander auf, was das Haar schwerer macht. Und weil sich die Silikone außerdem auf der Kopfhaut ablagern, können sie die Schuppenbildung verstärken.

Silikone und Silikonöle füllen aber nicht nur Haare, sondern auch Haut: In Cremes dient der flüssige Kunststoff dazu, Fältchen optisch auszugleichen und ein angenehmes Hautgefühl zu suggerieren, das durch den Silikonfilm erzeugt wird. Vor allem Anti-Falten-Cremes nutzen diesen kurzfristigen Effekt, der nur so lange vorhält, bis die Creme und damit die Silikonöle wieder abgewaschen werden.

Silikone in Kosmetika haben keine pflegende Wirkung

Als Kunststoffe wirken Silikone nur oberflächlich und haben deshalb – im Gegensatz beispielsweise zu Pflanzenölen – auch keine pflegende Wirkung. Hersteller setzen Silikone, neben anderen Stoffen, vor allem ein, weil sie industriell herstellbar sind und schnelle Ergebnisse liefern. Naturkosmetik-Hersteller greifen stattdessen ausschließlich auf pflanzliche Öle und Extrakte zurück, die auch in Inneren der Haut ihre Wirkung entfalten können. Naturöle machen die Haut im Gegensatz zu Silikonen nicht nur geschmeidig, sondern reduzieren auch den Verlust an hauteigener Feuchtigkeit. Ihre Bestandteile ähneln körpereigenen Fetten, weshalb sie sich besser ins Gleichgewicht der Haut einfügen.

Weil Silikone mehr Schein als Sein vorgaukeln, genießen sie als Bestandteil von Kosmetika keinen guten Ruf. Konventionelle Hersteller weisen meistens aus gutem Grund nicht auf die Kunststoffe hin, obwohl sie in sehr vielen Pflegeprodukten stecken. Manche Marken verstecken sich auch hinter fragwürdigen Behauptungen und sprechen beispielsweise von "pflegend wirkenden Silikonen", die in Shampoos enthalten seien.

Auch die Bezeichnung "wasserlösliche Silikone", die hin und wieder zu lesen ist, grenzt an Greenwashing. Denn Silikonöle, wie sie in Shampoos und Spülungen stecken, lösen sich nicht in Wasser auf, sondern lassen sich nur mehr oder weniger einfach ausspülen. In der Sprache der Kosmetikhersteller meint "wasserlöslich" in der Regel einfach nur "auswaschbar".

Bedenkliche Silikonverbindungen sind selten

Einige Silikone gelten außerdem als ungesund. Die zyklischen Silikonverbindungen D4 und D5 dürfen in der EU nach dem 31. Januar 2020 nicht mehr in abwaschbaren kosmetischen Mitteln eingesetzt werden – dies gilt allerdings erst ab einer bestimmten Menge.

Bei D4 (Octamethylcyclotetrasiloxan) wurde mehrfach nachgewiesen, dass es möglicherweise die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen, aber auch in Gewässern schädlich wirken kann. Auch D5 (Decamethylcyclopentasiloxan) stand laut Umweltbundesamt immer wieder in der Kritik.

Umweltrisiken sind nicht abschließend geklärt

So wie eine Gesundheitsgefährdung durch bestimmte Silikone nicht auszuschließen ist, sind auch die Umweltrisiken noch unklar. Sicher ist: Aus silikonhaltiger Kosmetik, die beim Waschen, Baden oder Duschen abgespült wird, gelangen die Siliziumverbindungen ins Abwasser – und darüber in Gewässer sowie über Klärschlamm in den Boden. Schließlich sind die Kunststoffe in Pflanzen und Fischen, in Futtermitteln und über die Nahrungskette auch im Menschen nachweisbar. Da Silikone zu den biologisch schwer abbaubaren Kunststoffverbindungen gehören, bleiben sie lange im Umlauf. 

Die Daten zur Umwelt-Gefährdung sind laut Umweltbundesamt spärlich und beruhen teilweise nur auf Modellen. In unseren Tests zu silikonfreien Shampoos, Haarölen, Gesichtscremes sowie Haarspülungen gehen wir jeweils gesondert auf das Thema ein.

Auch wenn noch unklar ist, wie stark Umwelt und Gesundheit durch Silikone gefährdet sind, raten wir dazu, Pflegeprodukte mit Silikonanteil zu meiden. Setzen Sie stattdessen auf zertifizierte Naturkosmetik – diese hat zudem den Vorteil, dass sie normalerweise auch andere problematische Stoffe ausschließt.

Tipps: Zu erkennen sind Silikone an den Endungen "-con(e)" oder "-xan(e)", in Kosmetik findet sich am häufigsten das Silikon Dimethicon(e). Je weiter vorne ein Stoffe auf der Liste der Inhaltsstoffe zu finden ist, desto höher ist seine Konzentration.

Quellen: Umweltbundesamt, Bundesinstitut für Risikobewertung, Deutsche Apotheker-Zeitung, Europäische Union

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