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Shampoos für gefärbte Haare: Nicht alle gut für Kopfhaut und Haar

Magazin Juli 2021: Mineralwasser | Autor: Jürgen Steinert/Heike Baier | Kategorie: Kosmetik und Mode | 24.06.2021

Wir haben 20 Shampoos für gefärbtes Haar überprüft. Das Ergebnis: Die wenigsten sind empfehlenswert.
Foto: ÖKO-TEST

Shampoos für gefärbtes Haar sollen sicherstellen, dass die neue Farbe auf dem Kopf schön glänzt und möglichst lange hält. Im Test zeigt sich jedoch: Einige Hersteller setzen auf Tenside, die der Kopfhaut nicht gut tun – oder auf umstrittene Silikone, die den Haaren auf Dauer schaden.  

  • Gefärbte Haare brauchen eine Extraportion Pflege, damit die synthetischen Farbpigmente möglichst lange halten.
  • Spezielle Shampoos für coloriertes Haar versprechen, den Farbschwund herauszuzögern und sogar entstandene Schäden durchs Färben wieder zu reparieren.
  • Auffällig: Nur ein Hersteller im Test schickte uns eine Studie als Beleg für seine Werbeversprechen. 

Es stimmt: Manche Farbtöne bluten schneller aus als andere. Vor allem bei den synthetischen Permanentfarbstoffen, die den größten Marktanteil einnehmen. Mahagoni oder Kupfer etwa sind im Nachteil. Denn rote Pigmente werden im Haarinneren loser gebunden als andere – und je mehr Rotanteile eine Färbung enthält, desto schneller verblasst sie.

Nur drei Shampoos für gefärbtes Haar sind "sehr gut"

Spezielle Shampoos für gefärbtes Haar sollen diesen Farbschwund hinauszögern und ganz nebenbei noch die durchs Färben entstandenen Schäden reparieren. 20 dieser Spezialisten haben wir geprüft. Das Ergebnis ist ernüchternd: Mit "sehr gut" schneiden nur drei Shampoos ab. Von fünf getesteten Produkten raten wir dagegen ab. Sie fallen im Test durch.

Die Kritikpunkte in Kürze: PEG-Verbindungen, bedenkliche Duftstoffe und Silikone. Zudem bemängeln wir die vollmundigen Colourschutzversprechen mancher Hersteller, für die uns diese keine Belege lieferten. 

Colorierte Haare brauchen besondere Pflege damit die Farbe lange hält.
Colorierte Haare brauchen besondere Pflege damit die Farbe lange hält. (Foto: Spaskov/Shutterstock)

Kritik an Reiniger in Shampoos für coloriertes Haar

Tenside sind für die Reinigungswirkung eines Shampoos verantwortlich. Als Faustregel gilt: Je milder sie sind, desto angenehmer sind sie für die Kopfhaut und desto weniger wäscht sich eine Farbe aus.

In unserem Test zeigt sich allerdings, dass ein Großteil der Shampoos für gefärbtes Haar auf das anionische Tensid Sodium Laureth Sulfate (SLES) setzt. SLES gehört zu den PEG-Verbindungen, die wir bemängeln, weil sie die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen können.

In diesem Fall kommt hinzu: Es gibt sehr viel mildere Tenside als SLES, die sanfter zur Farbe wären. Beispielsweise das Zuckertensid Coco-Glucoside, welches im Test von genau einem Hersteller verwendet wird. 

Synthetische Duftstoffe und Silikone als Probleme  

Ärgerlich finden wir auch die Beduftung einiger Produkte: Allen voran die künstlichen Moschusdüfte, die drei namhafte Hersteller einsetzen. Diese synthetischen Duftstoffe verbreiten sich überall in der Umwelt, reichern sich im menschlichen Fettgewebe an und sind sogar in der Muttermilch zu finden.

Von den Herstellern wird es als "sinnliches Dufterlebnis" verkauft, wir halten das vor allem für ein "überflüssiges Risiko".

Wer sich die Haare färben möchte, hat bei der Auswahl der Haarfarbe die Qual der Wahl.
Wer sich die Haare färben möchte, hat bei der Auswahl der Haarfarbe die Qual der Wahl. (Foto: Beauty Stock/Shutterstock)

Kommen wir zu den Silikonen. Silikone umhüllen das Haar mit einem dünnen Film und machen es geschmeidiger. Mehr als die Hälfte der Shampoos im Test nutzen diesen Effekt.

Aber: Auf Dauer können Silikone das Haar sogar stumpfer wirken lassen. Zudem können sie, wie auch andere synthetische Polymere, über das Abwasser via Klärschlamm in die Umwelt gelangen. Dort bauen sie sich teilweise nur schwer wieder ab.

Bedenklicher UV-Filter in einem Produkt 

Damit die frisch gefärbten Haare nicht von der Sonne ausgeblichen werden, enthalten einige der getesteten Shampoos für colorierte Haare einen UV-Schutz. Allzu viel davon dürfte allerdings nach dem Ausspülen nicht in den Haaren zurückbleiben.

Kritisch finden wir, dass ein Hersteller im Test auf den bedenklichen UV-Filter Ethylhexylmethoxycinnamat setzt. Dieser Stoff kann möglicherweise das Hormonsystem beeinflussen, wie Tierversuche nahelegen.

Jetzt kaufen: 20 Shampoos für coloriertes Haar im Test

Wirkung der Shampoos für gefärbtes Haar zweifelhaft 

Was die Wirkung betrifft, nehmen manche Hersteller den Mund ziemlich voll: "Bis zu zwölf Wochen Farbschutz" verspricht ein Shampoo für gefärbtes Haar – ein weiteres Produkt will für "14 Wochen gesunde Farbbrillanz" sorgen. Wir haben von allen Herstellern für ihre Auslobungen Belege in Form unabhängiger Studien angefordert.

Es kam nur eine – und die bezog sich auf die Anwendung von Shampoo plus Kur. Insofern halten wir die Pflegeversprechen zumindest teilweise für zweifelhaft. 

(Foto: ÖKO-TEST)

So pflegen Sie gefärbtes Haar richtig

Färben mit synthetischen Permanentfarben ist für das Haar Stress pur. Denn der chemische Färbeprozess öffnet die äußere Schuppenschicht des Haares (Cuticula), zerstört die natürlichen Haarpigmente teilweise oder komplett mit Wasserstoffperoxid und schleust die synthetischen Pigmente ein.

Die Folge: Wasser und Tenside können teilweise besser in die Cuticula eindringen und Pigmente rausspülen. Damit Ihre Haarfarbe möglichst lange hält, haben wir hier ein paar Tipps versammelt:

  • Wichtig für coloriertes Haar: Nicht zu häufig und nicht zu heiß waschen. Statt eines Colorschutzprodukts eignet sich auch ein mildes Babyshampoo mit einem Conditioner im Anschluss.
  • UV-Licht und Hitze bleichen die Haare aus. Dagegen hilft ein Sonnenhut, er schützt die Gesichtshaut gleich mit.
  • Wenn Sie ihre Haare färben, setzen Sie auf Pflanzenhaarfarben. Diese strapazieren das Haar weniger.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Weiterlesen auf oekotest.de:


Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Im Test: 20 Shampoos für coloriertes Haar, darunter drei mit Naturkosmetikzertifikat. Sie eignen sich für alle Farbnuancen und kosten, bezogen auf 250 Milliliter, zwischen einem und fast 16 Euro.  

Alle Shampoos ließen wir auf bedenkliche Formaldehyd/-abspalter, umstrittene halogenorganische Verbindungen, Diethylphthalat sowie problematische Duftstoffe analysieren. Per Deklaration erfassten wir PEG/PEG-Derivate, Antioxidantien, UV-Filter, Silikone und andere synthetische Polymere. Schließlich schauten wir uns die Verpackungen an: Wurden sie aus oder mit Rezyklat hergestellt? Enthalten sie chlorierte Verbindungen wie PVC?

Das Gesamturteil basiert auf der Bewertung der Inhaltsstoffe. Notenabzüge unter den Weiteren Mängeln können es verschlechtern. Die vollmundigen Auslobungen haben wir nicht bewertet. Denn der Farberhalt hängt unter anderem auch von der verwendeten Haarfarbe, von der Häufigkeit und Intensität des Haarewaschens sowie vom Haarzustand ab.

Bewertungslegende

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) mehr als 10 mg/kg polyzyklische Moschusverbindungen (hier: Galaxolid/HHCB, Tonalid/AHTN und/oder Cashmeran); b) Ethylhexylmethoxycinnamat (bedenklicher UV-Filter); c) CIT (halogenorganische Verbindung); d) Butylphenyl Methylpropional (Lilial). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) deklarationspflichtige Duftstoffe, die Allergien auslösen können (hier: Hydroxycitronellal); b) mehr als 10 mg/kg Diethylphthalat;  c) PEG/PEG-Derivate; d) BHT.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um zwei Noten: Silikone und/oder weitere synthetische Polymere als Kunststoffverbindungen (hier: Acrylat-Co- und Crosspolymere, Carbomer, Polyquaternium-Verbindungen). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) Umkarton, der kein Glas schützt;b) ein Anteil von Rezyklaten (Post-Consumer-Rezyklat, PCR) von weniger als 30 Prozent in Relation zum Gesamtgewicht der Kunststoffverpackung oder keine Angabe hierzu oder kein ausreichender Nachweis auf unsere Anfrage hierzu. In der Tabelle ist der Rezyklatanteil im Flaschenmaterial laut Anbieter angegeben.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" oder "ausreichend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "mangelhaft" oder "ungenügend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht. Steht bei konkret benannten Analysenergebnissen "nein", bedeutet das "unterhalb der Bestimmungsgrenze" oder "unterhalb  der Nachweisgrenze" der jeweiligen Testmethode.

Testmethoden

Testmethoden (je nach Zusammensetzung der Produkte: Deklarationspflichtige Duftstoffe/Diethylphthalat/polyzyklische Moschusverbindungen/Nitromoschusverbindungen/Cashmeran: Extraktion mit TBME, GC-MS. Halogenorganische Verbindungen: a) Heißwasserextraktion mit anschließender Zentrifugation und Membranfiltration, Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts; b) Extraktion mit Essigester, Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. Formaldehyd/-abspalter: saure Wasserdampfdestillation, Derivatisierung mit Acetylaceton, Ausschütteln mit n-Butanol und Bestimmung mittels Fotometrie. Weitere Inhaltsstoffe: per Deklaration. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: Februar/März 2021

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