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Schaumfestiger im Test: Umweltgefährdende Kunststoffe in vielen Schäumen

Magazin Januar 2021: Wie viel Grün steckt im Öko-Strom? | Autor: Victoria Pfisterer / Heike Baier | Kategorie: Kosmetik und Mode | 28.12.2020

Schaumfestiger im Test: Es gibt es große Qualitätsunterschiede.
Foto: ÖKO-TEST

Schaumfestiger zaubern Fülle und Halt ins Haar. Doch welche Inhaltstoffe nutzen Hersteller für diesen optischen Effekt? Wir haben 28 Haarschäume im Labor untersuchen lassen. Das Ergebnis: Mehr als zwei Drittel der Produkte enthalten mindestens einen Problemstoff, den wir kritisieren.

  • Acht Schaumfestiger im Test erhalten die Bestnote.
  • Ganz und gar nicht überzeugen konnten die Inhaltsstoffe von vier Schaumfestigern: Sie sind im Test durchgefallen.
  • Ärgerlich: Manche Hersteller setzen immer noch auf bedenkliche Duftstoffe wie Lilial und künstliche Moschusdüfte.

Wo vorher feines Spaghettihaar hing, soll nachher eine imposante Löwenmähne wallen? Derlei Erwartungen können schon entstehen bei den Effekten, die Hersteller auf ihren Schaumfestigern anpreisen: Mal wird dort ein "Push-up-Effekt" versprochen, mal ein "Wow-Volumen", mal ist ganz unverblümt von "48 Stunden Anti-Platt" die Rede.

Eines ist klar: Ein Schaumfestiger soll der Natur auf die Sprünge helfen. Wir wollten wissen, wie viel schädliche Chemie dabei im Spiel ist und haben 28 Schaumfestiger getestet – von der Discounter-Eigenmarke bis zum Naturkosmetik-Schaum.

Schaumfestiger im Test: Achtmal "sehr gut"

Das Ergebnis: Mit Bestnote können wir acht Schaumfestiger im Test empfehlen. Es gibt aber auch einige Produkte, die nur "ausreichend" sind. Von vier Haarschäumen raten wir sogar ab, weil sie durchfallen. Auffällig: Besonders bekannte Marken landen im mittleren oder hinteren Testfeld.

Jetzt freischalten: Kompletter Test mit allen Ergebnissen

Bedenkliche Duftstoffe in Schaumfestigern im Test

Düfte und Duftcocktails, die wir als bedenklich für Mensch und Umwelt einstufen, gehören nicht in Schaumfestiger. Einer davon ist der künstliche Moschusduft Galaxolid, der in drei Schaumfestigern im Test steckt. Über das Abwasser bedroht er Gewässer und reichert sich in Wasserlebewesen und im menschlichen Fettgewebe an.

Zwei dieser drei Schaumfestiger enthalten neben Galaxolid noch weitere bedenkliche Duftstoffe. In einem ist das allergienauslösende Hydroxycitronellal enthalten, im anderen Lilial. Dieser ist in der EU seit Mai offiziell als Gefahrstoff der Kategorie 1 B eingestuft: Lilial kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und steht im Verdacht, das ungeborene Kind zu schädigen.

Schaumfestiger im Test: Wir haben 28 Marken überprüft.
Schaumfestiger im Test: Wir haben 28 Marken überprüft. (Foto: StoryTime Studio/Shutterstock)

Umweltgefährdende Polymere in Haarschäumen

Wie so häufig in Kosmetik-Tests kritisieren wir auch dieses Mal PEG-Verbindungen. Sie dienen unter anderem zur Schaumbildung, haben aber den Nachteil, dass sie die (Kopf-) Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen können. Wir beanstanden sie in zwölf überprüften Haarschäumen. 

Für den Volumeneffekt setzen viele Hersteller synthetisch erzeugte Polymere ein. Diese Kunstharze umhüllen jedes einzelne Haar und sorgen dafür, dass die Frisur fixiert wird und die einzelnen Haare auf Abstand bleiben. Das Problem?

Mit der nächsten Haarwäsche werden die meist aus Erdöl hergestellten Polymere zumindest teilweise wieder ausgespült, gelangen in Klärschlämme oder schlüpfen durch die Kläranlagen in Flüsse und Meere. Viele von ihnen bauen sich dort sehr langsam wieder ab – mit unbekannten Folgen für die Umwelt.

Wie stylen Naturkosmetik-Schaumfestiger?

Ein Großteil der Schaumfestiger im Test enthält synthetische Polymere. Weil diese aus Naturkosmetik weitestgehend draußen bleiben müssen, stylen die Produkte mit Stoffen aus der Natur.

Beispiel: Beim Schoenenberger Extra Hair Schaumfestiger soll die Kieselsäure aus dem hausgepressten Zinnkrautsaft verdickend auf dünnes Haar wirken; Bier erzeuge Volumen, Glanz und durch seinen Malzanteil eine "leicht festigende Wirkung". Hersteller Schoenenberger schreibt uns aber auch ganz unumwunden: "Eine Festigungsabstufung wie bei konventionellen Schaumfestigern können wir mit unseren Wirkstoffen nicht erzielen."

Je nach Haarlänge reicht eine walnuss- bis tennisballgroße Menge Schaumfestiger.
Je nach Haarlänge reicht eine walnuss- bis tennisballgroße Menge Schaumfestiger. (Foto: Nor Gal/Shutterstock)

Andere Naturkosmetik-Hersteller im Test setzen auf Filmbildner auf natürlicher Basis. Dazu zählen das aus Mais hergestellte Polymer Sodium Polyitaconate und das natürliche Polymer Chitosan. Beide sind nach den Regeln der Naturkosmetik-Siegel Cosmos und Natrue zugelassen.

Ganz unumstritten dürfte das innerhalb der Verbände nicht sein, und auch wir finden, sie bewegen sich damit – vor allem mit Blick auf das Polyitaconate – in einen Graubereich hinein. Weil Polyitaconate jedoch als gut biologisch abbaubar gilt und Chitosan auch natürlicherweise vorkommt, haben wir uns gegen einen Notenabzug entschieden - und beobachten die Forschung dazu weiterhin kritisch.

So verwenden Sie Schaumfestiger richtig

Wir haben drei Tipps für Sie: 

  1. Je nach Haarlänge eine nuss- bis apfelgroße Menge ins handtuchtrockene, noch feuchte Haar geben. Mit dem Kamm oder den Fingern verteilen und einkneten.
  2. Lufttrocknen oder Föhnen – beides geht. Für extra viel Volumen Haare einfach über Kopf föhnen.
  3. Vorsicht Flecken! Die in vielen Haarschäumen vorkommenden Polyquaternium-Verbindungen können auf heller Kleidung oder Handtüchern hässliche Flecken hinterlassen. Einfaches Mittel dagegen: Ein dunkles Handtuch zum Schutz um die Schultern legen.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Weiterlesen auf oekotest.de:


Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Wir haben 28 Schaumfestiger eingekauft, darunter acht zertifizierte Naturkosmetikprodukte sowie 20 konventionelle Festiger. Eigenmarken von Drogerien, Supermärkten und Discountern sind ebenso vertreten wie Marken namhafter Kosmetikhersteller. Die Preise der Schaumfestiger liegen zwischen 67 Cent und 18 Euro pro 200 Milliliter.

Testen lassen haben wir die Produkte im Labor auf bedenkliche oder umstrittene Bestandteile wie PEG/ PEG-Derivate oder umweltbelastende Kunststoffverbindungen, problematische Duftstoffe, kritische Konservierungsmittel und Formaldehyd/-abspalter. Zudem haben wir analysieren lassen, ob die Hersteller synthetische Polymere einsetzen. 

Bewertungslegende

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Zu einer Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) Butylphenyl Methylppropional (in Tabelle: Lilial); b) mehr als 10 mg/kg polyzyklische Moschusverbindungen (in Tabelle: künstlicher Moschusduft); c) PEG/PEG-Derivate. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) deklarationspflichtige Duftstoffe, die Allergien auslösen können (hier: Hydroxycitronellal); b) BHT.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Zur Abwertung um zwei Noten führen: Silikone (Amodimethicone) und/oder synthetische Polymere als weitere Kunststoffverbindungen (hier eine oder mehrere der folgenden Verbindungen: VP/VA Copolymer, Vinylamine/Vinylformamide Copolymer, Acrylates Copolymer, Vinyl Caprolactam/VP/Dimethylaminoethyl Methacrylate, Acrylamidopropyltrimonium Chloride/Acrylamide Copolymer, PVP, VP/Methacrylamide/ Vinyl Imidazole Copolymer, VP/Acrylates/Laurylmethacrylate Copolymer, AMP-Acrylates/Allyl Methacrylate Copolymer, Polyquaternium-Verbindungen). Zur Abwertung um eine Note führt: ein Umkarton, der kein Glas schützt.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" oder "ausreichend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht.

Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben.

Testmethoden

Diethylphthalat (DEP)/deklarationspflichtige Duftstoffe/polyzyklische und Nitro-Moschusverbindungen/Cashmeran: Extraktion mit TBME, GC-MS.

Formaldehyd/-abspalter (wenn Wasser deklariert): saure Wasserdampfdestillation, Derivatisierung mit Acetylaceton, Ausschütteln mit n-Butanol, Fotometrie.

Halogenorganische Verbindungen: a) Heißwasserextraktion, Zentrifugation und Membranfiltration, Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts; b) Extraktion mit Essigester, Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts.

Konservierungsstoffe (u.a. Parabene): LC-UV. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: August 2020

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