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Neue Studie: Ursache für frühere Pubertät nachgewiesen

Autor: Stefanie Jakob | Kategorie: Kosmetik und Mode | 11.12.2018

Neue Studie: Ursache für frühere Pubertät nachgewiesen

Kinder werden immer früher geschlechtsreif – die Gründe dafür waren bisher nicht eindeutig. Einen neue Studie zeigt jetzt einen möglichen Zusammenhang mit verschiedenen Stoffen in Kosmetika.

Inhaltsstoffe in Parfüms, Deos, Seifen, Shampoos und anderen Pflege- und Kosmetikprodukten, die von Frauen während der Schwangerschaft verwendet werden, können den Pubertätsbeginn ihrer Kinder beeinflussen. Das haben Forscher in einer aktuellen Studie der US-Universität Berkely herausgefunden.

In der Langzeitstudie untersuchte das Forscherteam die Wirkung von Phthalaten, Parabenen und Phenolen auf den menschlichen Organismus. Dafür wurde Schwangeren Urin abgenommen, später auch deren Kindern im Alter von neun Jahren. In den vier darauffolgenden Jahren untersuchten die Forscher die 338 Kinder alle neun Monate mit einem Standardtest auf das Einsetzen der Pubertät. 

Die Ergebnisse: Mädchen werden stärker beeinflusst

Einen Zusammenhang fanden die Forscher insbesondere zwischen den Stoffen Diethylphthalat und Triclosan und einer teils mehrere Monate früher einsetzenden Pubertät bei Mädchen.

Enthielt der Urin der Mütter besonders viel Monoethylphthalat – ein Abbauprodukt von Diethylphthalat – begann die Schamhaarentwicklung der Töchter durchschnittlich etwa sechs Monate früher. Eine besonders hohe Konzentration von Triclosan im Urin der Mutter war verbunden mit einer um knapp fünf Monate früheren ersten Menstruation.

Daneben zeigten die Ergebnisse der Forscher einen Zusammenhang zwischen sehr hohen Konzentrationen von Methylparaben im Urin der Mädchen mit einer früheren Entwicklung der Brustdrüsen und einer frühen ersten Menstruation. Hohe Propylparaben-Werte waren verbunden mit einer vier bis sieben Monate früheren Schamhaarentwicklung.

Bei Jungen fanden die Forscher eine deutliche Verbindung mit Propylparaben: War die Konzentration des Stoffs im Urin hoch, reiften die Geschlechtsorgane früher.

Triclosan wirkt in Körperpflegeprodukten antibakteriell, steht allerdings im Verdacht, die Resistenz von Bakterien gegen Antibiotika zu fördern.

Parabene setzen Hersteller häufig als Konservierungsmittel in Kosmetika ein. Längerkettige Parabene wie Butyl- und Propylparaben stehen bereits seit einiger Zeit im Verdacht wie ein Hormon zu wirken. In Tierversuchen stellten sie sich als fortpflanzungsgefährdend heraus. Wir werten Butyl- und Propylparaben deshalb in Kosmetik-Produkten ab. Die EU-Kommission hat die Höchstkonzentrationen dieser längerkettigen Parabene in Kosmetika generell beschränkt. In Kosmetika, die auf der Haut bleiben und für den Windelbereich von Kindern unter drei Jahren gedacht sind, hat sie diese sogar verboten. 

Trotzdem spricht sich die EU-Arbeitsgruppe zu Kosmetika gegen Hinweise wie "ohne Parabene" auf Verpackungen aus. Hintergrund: Einige Parabene werden nach EU-Recht als sicher eingestuft. Mit der Werbebotschaft würden vom Gesetzgeber akzeptierte Bestandteile in ein schlechtes Licht gerückt.

Frühere Pubertät kann problematisch sein

Einen Einfluss auf die Ergebnisse der Studie hat möglicherweise, dass die untersuchten Mütter aus einkommensschwachen Bevölkerungsschichten kamen und deshalb nicht auf Körperpflegeprodukte ausweichen konnten, die etwa weniger Zusatzstoffe enthielten. Zudem besteht die Möglichkeit eines umgekehrten Zusammenhangs: Kinder, die frühzeitig die Pubertät durchlaufen, verwenden eventuell häufiger Körperpflegeprodukte.

Dabei ist ein früheres Einsetzen der Pubertät nicht unproblematisch: Das gehe nicht nur mit einem erhöhten Risiko für psychische Erkrankungen einher, sondern erhöhe auch das langfristige Risiko für Brust- und Eierstockkrebs bei Mädchen und Hodenkrebs bei Jungen, so die Studie.

Quelle: Human Reproduction

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