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Italien verbietet Mikroplastik

Kunststoffe sollen aus abwaschbarer Kosmetik verschwinden

Kategorie: Kosmetik und Mode | 12.06.2018

Italien verbietet Mikroplastik

Kosmetik ist eine von vielen Eintragsquellen für Mikroplastik in die Umwelt. Zwar bei weitem nicht die größte, wohl aber eine vermeidbare. Italien will deshalb nun Mikroplastik in abwaschbarer, sogenannter rinse-off-Kosmetik wie Shampoo oder Duschgel verbieten. Das Verbot soll ab 2020 für feste Kunststoffpartikel gelten, die kleiner als fünf Millimeter sind und sich nicht in Wasser lösen.

Flächendeckende Verbote lassen auf sich warten

Mit der Entscheidung folgt Italien dem Beispiel anderer Staaten: Frankreich, Schweden und Großbritannien gehören zu den Ländern, die ein Mikroplastikverbot für Kosmetikprodukte planen oder bereits umgesetzt haben. Auch in den USA und Kanada stehen einige Inhaltsstoffe schon auf der roten Liste. In Deutschland sind solche Maßnahmen noch kein Thema und auch auf EU-Ebene ist ein Mikroplastik-Verbot derzeit noch in weiter Ferne. Selbstverpflichtungen der Hersteller gehen oft nicht weit genug: In den meisten Fällen schließen sie nur solche Partikel ein, die zum Abrubbeln von abgestorbenen Hautschüppchen in Peelings stecken. Andere Kunststoffe, die zum Beispiel als Konsistenzgeber oder Filmbildner zum Einsatz kommen, bleiben dabei oft außen vor.

Kunststoffe stecken in vielen Kosmetikprodukten

ÖKO-TEST kritisiert Mikroplastik in Kosmetikprodukten schon seit langem und wertet es seit dem Test Körperpeelings im Januar 2017 ab. Der Test bietet neben Hintergrundinfos auch eine Liste von synthetischen Polymeren, die Verbraucher auf Deklarationen von Kosmetika finden können. Zuletzt haben wir auch im Test Kindershampoos und im Test Vegane Kosmetik Mikroplastik abgewertet. Über die tatsächlichen Auswirkungen der überall zu findenden Belastung durch Plastik ist noch wenig bekannt. Im internationalen Meeresschutz werden Kunststoffteile kleiner als fünf Millimeter als Mikroplastik definiert. Untersuchungen haben gezeigt, dass einige Lebewesen solche Partikel fressen - mit zum Teil gravierenden Auswirkungen auf das Verdauungssystem. Es ist nicht auszuschließen, dass das Mikroplastik so auch in die Nahrungskette gelangt und damit schließlich auf unseren Tellern landet.

Mikroplastik überall in der Natur nachgewiesen

Neben Kosmetikprodukten können die Kleinstteilchen zum Beispiel aus der Plastikproduktion, aus Reifenabrieb oder Kleidungsfasern stammen. Forscher haben Mikroplastik inzwischen in den abgelegendsten Teilen dieser Erde nachgewiesen - etwa im arktischen Eis und in der Tiefsee. Erst kürzlich hat Greenpeace bei einer Expedition des Forschungsschiffs "Arctic Sunrise" Mikroplastik in der Antarktis gefunden. Sieben von acht Wasserproben, von der Meeresoberfläche des Südpolarmeers gezogen, enthielten winzige Plastikpartikel, zum Beispiel Mikrofasern. Das ist laut Greenpeace deshalb alarmierend, weil eigentlich die antarktische Meeresströmung die Gewässer des Südpolarmeers von den großen Ozeanen abtrennt, in denen bekanntlich Millionen Tonnen Kunststoffmüll treiben. Die Proben zeigten aber, dass Mikroplastik seinen Weg durch diese natürliche Barriere hindurch gefunden habe.


Weiterführende Links

https://www.oekotest.de/kosmetik-wellness/22-Koerperpeelings-im-Test_109093_1.html

https://www.oekotest.de/kinder-familie/19-Kindershampoos-im-Test_110820_1.html

https://www.oekotest.de/kosmetik-wellness/30-Vegane-Kosmetik-im-Test_110953_1.html

https://www.oekotest.de/freizeit-technik/news/Mikroplastik-in-der-Wildnis-Greenpeace-findet-Kunststoffe-in-der-Antarktis_600614_1.html

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