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Haarwachs, Haargel & Co. im Test: Eine Ladung Problemstoffe gefällig?

Magazin April 2022: Ökostrom | Autor: Christine Throl/Heike Beier/Hannah Pompalla | Kategorie: Kosmetik und Mode | 24.03.2022

Ein Drittel der getesteten Haargele und Haarwachse fällt durch.
Foto: ÖKO-TEST

Haarwachs, Haargel und Frisierpaste sollen unseren Frisuren Halt geben. Doch unser Test zeigt: Mit ihnen landen allzu häufig viele problematischer Stoffe im Haar. 20 von 51 Haarstyling-Produkten fallen mit "mangelhaft" oder "ungenügend" durch. 

  • Haarwachs, Haargel & Co.: Wir haben 51 Hairstyling-Produkte getestet.
  • Zehn Produkte schneiden mit "sehr gut" ab, einige enttäuschen aber auch. 
  • Kritik gibt es für bedenkliche Konservierungsstoffe, Verunreinigungen mit Mineralöl und flüssiges Plastik, das durch das Auswaschen in die Umwelt gelangt.

Auch ein vermeintlich "natürlicher Strubbeleffekt" kommt nicht von allein. Und bleibt erst recht nicht bis zum Abend. Ein Klecks Modellierpaste kann das aber richten, so verspricht zumindest der Kosmetik-Konzern L’Oréal. Und liegt damit im Styling-Trend, denn angeblich sind die Frisuren – zumindest die der Männer– nach den Frisörschließungen länger geworden und brauchen jetzt ein weicheres Styling.  

Die akkurat gegelte Kurzhaarfrisur ist also out? Wohl kaum, denn die Umsätze für Haargel sind in den letzten beiden Jahren nur marginal gesunken. Wir haben den großen Rundumschlag gemacht und sie alle eingekauft – vom Haargel für den unzerstörbaren 48-Stunden-Look bis zur Frisierpaste für den "undone style".

Haarwachs, Haargel & Co. im Test: Zehn mit Bestnote

Wir haben 51 Tuben und Tiegel für alle Geschlechter auf Inhaltsstoffe und die Verpackung hin getestet. Konkret untersuchten wir 32 Styling- und Haargele mit stärkeren Halte-Versprechen sowie 19 Haarpasten, -wachse, Frisiercremes und Pomaden.

Das Ergebnis: Zehn Haarstyler schnitten ohne Abstriche mit "sehr gut" ab. Ein gutes Drittel der Styling-Produkte fällt allerdings mit "mangelhaft" oder "ungenügend" durch den Test. In den Cremes, Gels und Pasten, die auf den hinteren Rängen landen, summiert sich so einiges an problematischen Substanzen.

Für viele Männer gehört Haargel oder Haarwachs zur täglichen Styling-Routine.
Für viele Männer gehört Haargel oder Haarwachs zur täglichen Styling-Routine. (Foto: fizkes/Shutterstock)

Bedenklicher Konservierer in Haargel und Haarpaste

Beginnen wir mit den Konservierungsstoffen. Hier sind wir auf eine ganze Reihe von Stoffen gestoßen, die wir kritisieren. Allen voran Formaldehyd/-abspalter, die das Labor in zwei Haargelen und einer Haarpaste nachgewiesen hat.

Bei den Haargelen passt die Laboranalyse auch zur Deklaration: Dort steht mit DMDM Hydantoin ein Konservierungsmittel, das nach und nach Formaldehyd freisetzt. 

Das Problem: Formaldehyd kann Kontaktallergien auslösen und schon in geringen Mengen die Schleimhäute reizen. Die EU plant derzeit strengere Regeln für die Warnung vor Formaldehyd in Kosmetika. Da ist es stimmig, dass eines dieser Haargele laut Anbieter bald ohne DMDM Hydantoin auf den Markt kommen soll.

Haargel und Haarwachs-Test: Jetzt alle Ergebnisse als ePaper kaufen

Diese Konservierer sind auch problematisch

Formaldehyd/-abspalter sind aber nicht die einzigen bedenklichen Konservierer im Test. Die Liste ist noch länger. Folgende haltbarmachenden Stoffe halten wir ebenfalls für kritikwürdig:

  • Chlorphenesin: Es handelt sich um eine halogenorganische Verbindung, die die Haut irritieren kann. 
  • Butylhydroxytoluol (BHT): Das Antioxidans steht im Verdacht, wie ein Hormon zu wirken – im Tierversuch beeinträchtigte es die Schilddrüsenfunktion.
  • Propylparaben: Die EU hat Propylparaben wegen des Verdachts auf eine hormonelle Wirkung streng reglementiert und sein Einsatz ist heute sehr viel seltener geworden. Dennoch sind wir im Test darauf gestoßen. Die EU-Vorgaben werden eingehalten, allerdings wäre eine zeitgemäßere Rezeptur wünschenswert. 
Auch Frauen wollen mit Styling-Produkten wie Haargel und Haarwachs ihren Frisuren mehr Stabilität verleihen.
Auch Frauen wollen mit Styling-Produkten wie Haargel und Haarwachs ihren Frisuren mehr Stabilität verleihen. (Foto: metamorworks/Shutterstock)

Mineralöl in Haarwachsen, Haargelen & Co.

Ein weiterer Kritikpunkt: Einige Haarstyling-Produkte im Test sind mit Mineralöl verunreinigt. Das liegt an den Paraffinen, die in vielen untersuchten Styling-Produkten mit höherem Fettanteil enthalten sind. Paraffine sind künstliche Fette, die aus Erdöl hergestellt werden.

Sie können sich in Leber, Niere oder Lymphknoten sammeln und im ungünstigsten Fall mit aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffen (MOAH) verunreinigt sein. Unter den MOAH können sich krebserregende Stoffe befinden. Das Labor fand MOAH in 14 Produkten .

Flüssiges Plastik in vielen Haarstyling-Produkten

In Sachen Umweltfreundlichkeit gibt es noch viel Luft nach oben: Mehr als die Hälfte der getesteten Haarstyling-Produkte kommt nicht ohne synthetische Polymere aus – da stehen einem buchstäblich die Haare zu Berge. Synthetische Polymere sind lösliche Kunststoffe, die einen dünnen Film auf dem Haar bilden. Sie sorgen maßgeblich für Stand und Festigkeit.

Aber: Das Flüssigplastik gelangt mit der Haarwäsche in die Umwelt, wo es sich zum Teil nur schwer wieder abbaut. Dabei geht Haarstyling auch ohne aus Erdöl hergestellte Kunststoffe. "Brettharte Looks" sind dann allerdings eher nicht drin.

Umweltschädlich ist auch der synthetische Moschusduft Galaxolid. Er breitet sich überall in der Umwelt aus und gilt als gewässerschädigend. Galaxolid hat das Labor in einem Haarwachs und einem Haargel aufgespürt.

Die Unterschiede zwischen Haarwachs, Gel und Paste

Klebrige Details: Wie unterscheiden sich verschiedene Hairstyling-Produkte? 

  1. Haargel: Ist wasserbasiert und lässt sich leicht auswaschen. Es macht das Haar steif, sodass sich die Frisur nicht umstylen lässt. Basis sind natürliche oder synthetische Gelbildner.
  2. Haarwachs: Basiert auf natürlichen (Carnauba, Kokos) oder erdölbasierten Wachsen wie Paraffinen oder Vaseline. Gibt dem Haar starken Halt, härtet aber nicht aus. Die Frisur lässt sich nach dem Stylen verändern. Haarwachs lässt sich schwerer auswaschen als Gel. Für feines Haar ist es weniger geeignet.
  3. Haarpasten: Sind nicht klar definiert. Ihre Konsistenz reicht von klebrigem Lehm bis zu dicker Zahnpasta. Pasten geben mittleren bis starken Halt, sind matt oder leicht glänzend. Da sie wasserbasiert sind, lassen sie sich gut auswaschen.
  4. Frisier-/Stylingcreme: Gibt es seit rund einhundert Jahren. Die wasserbasierten Cremes geben leichten Halt, sind flexibel und halten sich beim Glanz zurück. Sie sind auch für feineres Haar geeignet. Stylingcremes enthalten oft Pflegekomponenten.
  5. Pomade: Pomade verleiht dem Haar einen glatten, akkuraten Look, meist mit starkem Glanz. Sie ist besonders geeignet für Kamm-Frisuren, die sich umstylen lassen. Klassisch sind ölbasierte Pomaden, es gibt aber auch wasserbasierte Varianten.
  6. Clay: Enthält Tonerde (clay = Englisch für Lehm/Ton), meist Bentonit. Es lässt das Haar dicker wirken und gibt ihm Halt, ohne es zu beschweren. Ideal für Frisuren mit viel Volumen. Clay am besten vor der Anwendung zwischen den Handflächen aufwärmen.

Die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Weiterlesen auf oekotest.de:

Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Wir haben 51 Hairstyling-Produkte in Drogerien, (Bio-)Supermärkten, Discountern, Reformhäusern und Friseursalons eingekauft. Darunter neunmal zertifizierte Naturkosmetik. 32 Styling- und Haargele mit stärkeren Halte-Versprechen und 19 Haarpasten, -wachse, Frisiercremes und Pomaden landeten in unseren Einkaufskorb. Bei der Auswahl der Marken haben wir uns an Daten aus der Marktforschung orientiert. Die von uns beauftragten Labore haben nach Formaldehyd/-abspaltern, halogenorganischen Verbindungen, problematischen Konservierungsmitteln und Duftstoffen gefahndet. Sie haben Verpackungen auf chlorierte Verbindungen überprüft und die Liste der Inhaltsstoffe auf umstrittene PEG-Verbindungen, bedenkliche UV-Filter und synthetische Polymere gecheckt. Produkte mit Paraffinen haben wir auf Mineralölbestandteile mit eventuellem Krebspotenzial analysieren lassen. Zudem wollten wir von den Anbietern wissen, ob die Plastiktuben und -tiegel recyceltes Plastik enthalten und haben die Nachweise bis zur vorliegenden Charge zurück verfolgt. Für das Stylen und Modellieren der Haare braucht es aus unserer Sicht keine bedenklichen oder problematischen Stoffe – deshalb werten wir solche Substanzen ab. Ein Umkarton, synthetische Polymere in der Rezeptur sowie kein oder zu wenig recyceltes Plastik in Plastikverpackungen – oder fehlende Nachweise hierzu – verschlechtern das Gesamturteil.

Bewertungslegende

Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt.

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: Formaldehyd/- abspalter. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) PEG/PEG-Derivate; b) halogenorganische Verbindungen (hier: Chlorphenesin); c) MOAH; d) ein gemessener Gehalt von mehr als 10 mg/kg polyzyklische Moschusverbindungen (hier: Galaxolid/HHBC; in der Tabelle "künstlicher Moschusduft") und/oder Cashmeran; e) Überschreitung des vom BVL festgelegten Orientierungswertes (2,0 mg/kg) für die technische Vermeidbarkeit von Blei in kosmetischen Produkten; f) bedenkliche UV-Filter (hier: Ethylhexylmethoxycinnamat).

Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) mehr als 1 Prozent Silikone/Paraffine/ künstliche paraffinartige Stoffe; b) deklarationspflichtige Duftstoffe, die Allergien auslösen können (hier: Hydroxycitronellal); c) ein gemessener Gehalt von mehr als 10 bis 1.000 mg/kg Diethylphthalat; d) BHT; e) Propylparaben.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: Silikone, wenn sie nicht schon unter den Inhaltsstoffen abgewertet wurden, und/oder weitere synthetische Polymere als weiterer Kunststoffverbindungen (hier: Acrylate/ Ceteth-20 Itaconate Copolymer, Acrylates/C10-30 Alkyl Acrylate Crosspolymer, Acrylates/C10-30 Alkyl Methacrylate Copolymer, Acrylates/Hydroxyester Acrylates Copolymer, Acrylates/Steareth-20 Itaconate Copolymer, Acrylates/Steareth-20 Methacrylate Crosspolymer, Acrylates/Steareth-20 Methylacrylate Copolymer, Acrylates/Stearyl Acrylate/Ethylamine Oxide Methacrylate Copolymer, Ammoium Polyacryldimethyl Taurate, AMPAcrylates/Allyl Methacrylate Copolymer, Carbomer, Dimethicone, Octylacrylamide/Acrylates/Butylaminoethyl Methacrylate Copolymer, PEG-12 Dimethicone, PEG-14 Dimethicone, Polyquaterinium-10, Polyquaternium-46, Polyquaternium-7, Polysilicone-28, PVP, Triacontanyl PVP, VA/Crotonates Copolymer, Vinyl Caprolactam/VP/Dimethylaminoethyl Methacrylate Copolymer, VP/Acrylates/ Lauryl Methacrylate Copolymer, VP/Dimethylaminomethylmethacrylate Copolymer, VP/DMAPA Acrylates Copolymer, VP/Methacrylamide/Vinyl Imidazole Copolymer, VP/VA Copolymer).

Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) Umkarton, der kein Glas schützt; b) PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung; c) ein Anteil von Rezyklaten (Post-Consumer-Rezyklat, PCR) von weniger als 30 Prozent in Relation zum Gesamtgewicht der Kunststoffverpackung oder keine Angabe hierzu oder kein ausreichender Nachweis auf unsere Anfrage hierzu.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "mangelhaft" ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" oder "ausreichend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir keinen Praxistest durchgeführt und die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben.

Testmethoden

Testmethoden (je nach Zusammensetzung der Produkte):
Deklarationspflichtige Duftstoffe/Diethylphthalat/Polyzyklische Moschus- und Nitromoschus-Verbindungen/Cashmeran: Extraktion mit TBME, GC-MS.
Delta-3-Caren: GC-MS.
Halogenorganische Verbindungen: a) Heißwasserextraktion mit anschließender Zentrifugation und Membranfiltration, Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts; b) Extraktion mit Essigester, Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts.
Formaldehyd/-abspalter: saure Wasserdampfdestillation, Derivatisierung mit Acetylaceton, Ausschütteln mit n-Butanol und Bestimmung mittels Fotometrie.
Silikone/Paraffine: LC-RI nach Extraktion (ggf. GC-MS) oder LC-GC/FID (Paraffine).
Parabene: LC-UV.
Aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH): LC-GC/FID.
Elemente: Totalaufschluss in der Mikrowelle, Bestimmung ICP-MS.
Weitere Inhaltsstoffe: per Deklaration.
PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: November – Dezember 2021

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