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Festes Shampoo und Haarseife im Test: Was taugt die nachhaltigere Haarpflege?

Magazin September 2020: Mehl | Autor: Johanna Michl/Heike Baier | Kategorie: Kosmetik und Mode | 31.08.2020

Festes Shampoo und Haarseife im Test: Wir haben 26 Produkte überprüft.
Foto: ÖKO-TEST

Festes Shampoo und Haarseife brauchen keine Plastikverpackung und liegen voll im Trend. Aber sind sie auch gut fürs Haar? Wir haben die stückigen Produkte erstmals getestet.

  • Die meisten der festen Shampoos und Haarseifen im Test schneiden "sehr gut" ab. 
  • Kritik gibt es vor allem für die Parfümierung von einer Haarseife und einem festen Shampoo im Test. Die Hersteller greifen zu bedenklichen Duftstoffen. 
  • Auch wenn zehn Produkte gar kein Naturkosmetik-Siegel tragen, verzichten selbst sie auf die meisten  Substanzen, die wir häufig in Kosmetik bemängeln. 

Ohne Silikone, ohne Parabene, ohne tierische Bestandteile: Häufig steht auf den dekorativen Schachteln von festen Haarshampoos und Haarseifen vor allem, was nicht drin ist. Ohne Konservierungsstoffe und Plastikflasche kommen die Produkte sowieso durchweg aus – denn wo kein Wasser ist, da muss wenig haltbar gemacht und nichts abgefüllt werden.

Festes Shampoo und Haarseife im Test

Also alles bestens mit den neuartigen Waschstücken? Um das zu erfahren, haben wir feste Shampoos und Haarseifen auf ihre Inhaltsstoffe getestet. Der Unterschied:

  • Haarseifen enthalten in der Regel hauptsächlich klassische Seife als waschaktive Substanz: Das sind Öle und Fette mit Laugen verkocht. Außerdem haben sie einen basischen pH-Wert.
  • Feste Shampoos waschen mit naturnahen oder synthetischen schaumbildenden Tensiden und haben in der Regel einen leicht sauren pH-Wert.

Das Ergebnis: Die meisten der 26 festen Shampoos und Haarseifen im Test können wir mit "sehr gut" empfehlen. Bei diesem erfreulichen Ergebnis können wir das "ohne" in den Zutatenlisten dick unterstreichen. Denn auch wenn zehn Produkte gar kein Naturkosmetik-Siegel tragen, verzichten selbst sie auf die meisten Substanzen, die wir in Shampoos so häufig kritisieren.

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Zero Waste und nachhaltige Zutatenlisten 

In keiner einzigen Haarseife und in keinem einzigen festen Shampoo im Test fanden sich Silikone oder umweltschädliche synthetische Polymere. Auch Parabene, die häufig als Konservierungsstoff eingesetzt werden und in Verdacht geraten sind, wie ein Hormon zu wirken, haben wir nicht gefunden.

Ebenso wenig steckten PEG/PEG-Derivate in den getesteten Produkten. Diese verbinden als Emulgatoren Wasser und Fett und können die Haut aber gleichzeitig durchlässiger für Fremdstoffe machen.  

Das ist nicht selbstverständlich – denn theoretisch könnten auch im festen Stück Shampoo alle möglichen umstrittenen Zusätze stecken, die häufig in den flüssigen Varianten zu finden sind. Aber offenbar sprechen die Hersteller der Trendprodukte eine ganz bestimmte Klientel an, bei der das Bewusstsein für Zero Waste mit dem Wunsch nach einer nachhaltigen und reizstoffarmen Zutatenliste einhergeht.

Festes Shampoo und Haarseife im Test: Viele Produkte sind mit "sehr gut" empfehlenswert.
Festes Shampoo und Haarseife im Test: Viele Produkte sind mit "sehr gut" empfehlenswert. (Foto: Anna Rogalska/Shutterstock)

Festes Shampoo im Test: Eins enthält Lilial 

17 feste Shampoos, vor allem aus Drogeriemärkten und Reformhäusern landeten in unserem Einkaufskorb. Das günstigste kostet 2,76 Euro pro 60 Gramm, das teuerste 12 Euro. Empfehlen können wir sowohl günstige als auch teurere feste Shampoos im Test. Denn ganze 16 Produkte sind "sehr gut". Eins allerdings enttäuscht uns mit einem Inhaltsstoff. 

Das feste Shampoo im Test enthält den künstlichen Duftstoff Lilial. Dabei ist inzwischen hinreichend bekannt, dass dieser Stoff im Verdacht steht, die Fortpflanzungsfähigkeit zu gefährden. Tierversuche weisen darauf hin.

Festes Shampoo: Nicht alle Tenside unumstritten 

In zertifizierten festen Naturkosmetik-Shampoos sind auch Tenside nicht unumstritten, denn sie kommen nicht natürlich vor. Sie werden durch chemische Prozesse hergestellt – wenn auch im Falle der Naturkosmetik aus natürlichen Rohstoffen. In festen Shampoos stecken bis zu 80 Prozent Tenside. 

Als sehr hautverträgliche Varianten gelten Kokos- und Zuckertenside wie Sodium Cocoyl Glutamate oder Coco Glucoside, die allerdings kostspielig sind und nicht besonders gut schäumen. Am anderen Ende des preislichen Spektrums befindet sich Natriumlaurylsulfat (Bezeichnung auf der Zutaten-Liste: Sodium Lauryl Sulfate). Es steht als aggressives, hautreizendes Tensid in der Kritik, ist jedoch günstig und schäumt sehr gut.

In unserem Test kommt Natriumlaurylsulfat lediglich in den festen Shampoos von zwei Marken vor. Aber: Auch hinter dem Tensid Sodium Coco-Sulfate, das in fast jedem zweiten der festen Shampoos im Test steckt und als deutlich milder gilt, kann sich bis zu 50 Prozent des aggressiven Natriumlaurylsulfats verbergen. Beide Tenside sind übrigens auch in zertifizierter Naturkosmetik erlaubt.

Zero Waste: Mit Haarseife und festem Haarshampoo wird eine Menge Plastik gespart.
Zero Waste: Mit Haarseife und festem Haarshampoo wird eine Menge Plastik gespart. (Foto: Studio KIWI/Shutterstock)

Haarseife im Test: Viele sind "sehr gut" 

Neben den festen Shampoos haben wir auch neun Haarseifen überprüft. Preislich bewegen sie sich zwischen rund 3 Euro und knapp 5 Euro pro 60 Gramm. Fast alle Haarseifen im Test bewerten wir mit Bestnote, nur eine überzeugt uns nicht.

Diese Haarseife ist mit gleich zwei künstlichen Moschusdüften parfümiert. Das Problem: Galaxolid und das hautreizende Tonalide reichern sich beide im Fettgewebe von Tier und Mensch an, gelten als gewässergefährdend und sind schlecht biologisch abbaubar. 

Der Hersteller schreibt uns, man habe schon vor drei Jahren mit dem brasilianischen Partner vereinbart, die ursprünglichen synthetischen Duftstoffe gegen natürliche Varianten auszutauschen. Doch die nun eingesetzten künstlichen Moschusdüfte stammen definitiv nicht aus den natürlichen Rohstoffen, die das Unternehmen über seine eigentlich lobenswerten Fairtrade-Projekte im brasilianischen Regenwald einsammeln lässt.

Deklarationen sind öfter ungenau 

Das Beispiel ist bezeichnend für die neue Produktgruppe der festen Haarwaschmittel: Denn hier tummeln sich auch einige kleine Firmen, die es an Kontrollen anscheinend fehlen lassen oder ihre Produkte ungenau und nicht ganz professionell deklarieren.

In der kritisierten Haarseife im Test stecken unerwünschte künstliche Duftstoffe, zudem fehlt eine vorgeschriebene Chargennummer. Drei andere Anbieter versäumen es, allergene Duftstoffe wie Geraniol zu deklarieren, was gesetzlich verpflichtend wäre. Für diese Deklarationsmängel vergeben wir ein kleines Minus.

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Tipps zur Nutzung von Haarseife 

Haarseifen sind alkalisch beziehungsweise basisch. Das bedeutet: Seife kann sich mit Kalk verbinden, diese Rückstände können sich am Haar anlagern. Eine "saure Rinse" schafft Abhilfe. Sie verschiebt den pH-Wert wieder in den sauren Bereich, entfernt Rückstände und hilft dabei, das Haar wieder glatt zu machen.

Für die Rinse einen Liter kaltes Wasser plus ein bis zwei Esslöffel Zitronensaft oder Apfelessig über das gewaschene Haar geben. Nicht nachspülen.

Das gilt fürs Verwenden von Haarseifen und festen Shampoos:

  • Für mehr Schaum die Haarwaschstücke direkt über das feuchte Haar reiben und danach mit den Händen shampoonieren.
  • Seifen und feste Shampoos immer trocken lagern – in einer Schale mit Löchern oder in einem aufgehängten Netz.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper

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Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Im Einkaufskorb landeten für unserem Test 17 feste Shampoos und 9 Haarseifen, vor allem aus Drogeriemärkten und Reformhäusern. Die Produkte sind überwiegend für "normales" oder "jedes" Haar ausgelobt. Preislich bewegen sich die Produkte zwischen rund drei und zwölf Euro für 60 Gramm.

Im Labor ließen wir die festen Shampoos und Haarseifen auf unerwünschte Substanzen untersuchen: halogenorganische Verbindungen etwa, allergene Duftstoffe oder polyzyklische Moschusverbindungen. Zudem prüften wir die Deklaration auf Mängel und weitere problematische Inhaltsstoffe.

Deklarationsmängel verschlechtern das Testergebnis Weitere Mängel. Dieses beeinflusst das Gesamturteil aber nur dann, wenn es schlechter als "gut" ausfällt. Ein Notenabzug bei den Inhaltsstoffen wirkt sich hingegen immer auf das Gesamturteil aus.

Bewertungslegende 

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) mehr als 10 mg/kg polyzyklische Moschusverbindungen (in der Tabelle: künstlicher Moschusduft); b) Butylphenyl Methylpropional (in der Tabelle: Lilial).

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um jeweils eine Note: a) eine fehlende Deklaration allergener Duftstoffe; b) ein für den Verbraucher verwirrender Produktname (Vorderseite: "Shampoo"; Rückseite: "Haarseife"); c) keine Chargennummer auf der Verpackung.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ausfällt, verschlechtert das Gesamturteil nicht. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben.  

Testmethoden 

Testmethoden (je nach Zusammensetzung der Produkte): Diethylphthalat, deklarationspflichtige Duftstoffe, Moschusverbindungen, Cashmeran: Extraktion mit TBME, GC-MS. Halogenorganische Verbindungen: a) Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts; b) Elution in Reinstwasser in Soxhlet-Apparatur. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen: Röntgenfluoreszenzanalyse. Chrom VI: Fotometrische Bestimmung des Chrom-VI-Gehalts, EN ISO 18412:2006.

Einkauf der Testprodukte: April und Mai 2020 

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