Bodysprays im Test: Bedenkliche Duftstoffe in einigen Marken

ÖKO-TEST Jahrbuch für 2024 | Autor: Bianca Puff/Marieke Mariani/Hannah Pompalla | Kategorie: Kosmetik und Mode | 12.10.2023

16 Bodysprays im Test. Welche Marken sind empfehlenswert?
Foto: ÖKO-TEST

Bodyspray sind quasi ein "Parfüm light". Weniger Duft heißt aber nicht weniger Schadstoffe. Viele Körpersprays im Test haben typische Parfümprobleme – das betrifft auch große Markennamen. Aber, wir können immerhin sieben Produkte empfehlen. 

  • Wir haben 16 Bodysprays getestet. Drei davon tragen das Natrue-Label für zertifizierte Naturkosmetik. Die Produkte werden auch unter Namen wie "Frischespray", "Wasserspray", "Body Mist" oder "Body Splash" verkauft.
  • Mit Bestnote können wir weniger als die Hälfte der Produkte im Test empfehlen. Fünf Bodysprays fallen sogar mit "mangelhaft" oder "ungenügend" durch den Test.
  • Kritik gibt es unter anderem für künstlichen Moschusduft, allergisierende Duftstoffe, bedenkliche UV-Filter und PEG-Verbindungen.

Aktualisiert am 12.10.2023 | Ein Produkt mit vielen Namen: Bodyspray, Body Mist, Wasser- oder Erfrischungsspray. Nun ist es so, dass die Kosmetikindustrie uns nur allzu häufig mit Produkten beglückt, von denen wir gar nicht wussten, dass wir sie brauchen könnten. Da muss die Frage erlaubt sein: Was kann so ein Bodyspray eigentlich? 

Was können Bodysprays?

Bodysprays richten sich an Menschen, die zwar kein schweres Parfüm tragen, aber dennoch nicht auf eine dezente Duftnote verzichten wollen. 

Zusätzlich werben einige Hersteller mit dem schnellen Frischekick, den die Sprays unter anderem durch ihren erhöhten Wasseranteil, verdunstenden Alkohol oder Menthol erreichen sollen. Praktisch und einfach zur Erfrischung zwischendurch – ob unterwegs, im Urlaub oder im Büro. 

Wichtig ist, vor dem Aufsprühen genau hinzuschauen: Einige Bodysprays loben explizit aus, dass sie auch ins Gesicht gesprüht werden dürfen. Andere warnen eindringlich vor Augen- und Schleimhautkontakt.

Deo und Bodyspray: Wo liegt da der Unterschied? 

Bodysprays sind keine Antitranspirants oder Deos. Sie haben allerdings auch nicht den Anspruch, uns vorm Schwitzen zu bewahren. Zwar kann die leichte Duftnote eines solchen Sprays bis zu einem gewissen Maß auch leichten Schweißgeruch überdecken. Doch die Wirkung eines Antitranspirants oder Deodorants erreicht es nicht. 

Bodysprays sind auch kein Eau de Toilette – mit ihrem höheren Wasseranteil sind sie deutlich dünner als herkömmliche Parfüms. Somit sind Bodysprays nur so etwas wie ein "Parfüm light". Das macht sie aber für Allergiker leider nicht automatisch besser verträglich. Wer also auf einen bestimmten Duftstoff allergisch reagiert, sollte ihn auch in einem Bodyspray meiden.

Bodysprays sollen für Erfrischung und einen zarten Duft sorgen.
Bodysprays sollen für Erfrischung und einen zarten Duft sorgen. (Foto: Nadya Chetah/Shutterstock)

Bodyspray-Test: Playboy, Bruno Banani & Co. im Vergleich

Wir haben 16 Bodysprays in die Labore geschickt und wollten wissen, ob sie zumindest weniger stark mit bedenklichen Duftkomponenten und anderen Problemstoffen belastetet sind als ihre großen Geschwister aus dem Parfümregal.

Die gute Nachricht zuerst: Es gibt sie, die empfehlenswerten Bodysprays. Sieben Produkte schneiden mit einem "sehr guten" Gesamturteil ab. In sechs von ihnen stecken zwar deklarationspflichtige Duftstoffe. Aber nur solche, die vergleichsweise selten allergische Reaktionen hervorrufen. Zur Information für Allergiker geben wir die Stoffe dennoch in unserer Testtabelle (ePaper) an.

    Bodyspray-Test: Jetzt Ergebnisse als ePaper kaufen

    Für die übrigen Bodysprays im Test sieht es weniger rosig aus. Mehr als ein Drittel der Sprays bekommt unter anderem für künstlichen Moschusduft, Cashmeran oder vergleichsweise stark allergisierende Duftstoffe teils deutliche Punktabzüge. Doch der Reihe nach.

    Bodysprays im Test: Künstlicher Moschusduft entdeckt

    In fünf Bodysprays im Test hat das Labor künstliche Moschusverbindungen nachgewiesen. Alle betroffenen Produkte enthalten die polyzyklische Moschusverbindung Galaxolid (HHCB). Sie wird derzeit von der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) aufgrund möglicher Auswirkungen auf das Hormonsystem und des Verdachts, umweltgiftig zu sein, geprüft. 

    Ein geprüftes Bodyspray enthält neben Galaxolid auch noch Moschus-Keton – eine Nitromoschusverbindung, die als krebsverdächtig eingestuft ist. Darüber hinaus ergab die Laboranalyse deutliche Gehalte von Cashmeran, das strukturell den polyzyklischen Moschusverbindungen ähnelt und sich wie diese im Fettgewebe des Körpers anreichert.

    Tückisch für Verbraucherinnen und Verbraucher: Diese Substanzen müssen nicht namentlich auf der Verpackung deklariert werden und verstecken sich in der Inhaltsstoffliste der Kosmetikprodukte hinter dem Begriff "Parfum". 

    Allergische Reaktionen durch Duftstoffe möglich

    Anders verhält sich das bei deklarationspflichtigen Duftstoffen, die Allergien auslösen können. So hat das von uns beauftragte Labor vereinzelt folgende Duftstoffallergene nachgewiesen:

    • Isoeugenol und Cinnamal: Beides sind Duftstoffe, die besonders häufig allergische Reaktionen auslösen.
    • Hydroxycitronellal: Dieser Stoff ist weniger stark allergisierende, aber dennoch problematisch.

    Bisher sind 24 Duftstoffe deklarationspflichtig

    Aktuell sind laut Kosmetikverordnung 24 Duftstoffe deklarationspflichtig, darunter auch die drei hier nachgewiesenen. Die Liste soll jedoch bald auf insgesamt 80 Substanzen erweitert werden.

    Die dort aufgeführten Duftstoffe müssen ab einer bestimmten eingesetzten Menge – für Kosmetikprodukte, die auf der Haut bleiben (leave on), sind das zehn Milligramm pro Kilogramm (mg/kg) – einzeln und namentlich in der Inhaltsstoffliste aufgeführt werden.

    Allerdings gibt es auch hier Abstufungen, weshalb ÖKO-TEST, orientiert an der Einschätzung des Informationsverbunds Dermatologischer Kliniken (IVDK), nur eine Auswahl davon abwertet und in den Tabellen angibt.

    Bodysprays enthalten potenziell hormonell wirksame UV-Filter

    Was ist noch im Bodyspray-Test aufgefallen? Die Rezepturen von manchen Produkten beinhalten aus unserer Sicht problematische chemische UV-Filter.

    So sind wir auf die UV-Filter Benzophenon-3 und Ethylhexylmethoxycinnamat gestoßen, die wir besonders kritisch sehen. Denn für beide Substanzen lassen Hinweise aus Tierversuchen auf eine mögliche hormonelle Wirksamkeit schließen.

    Mehr noch: Wir haben auch die UV-Filter Octocrylen und Homosalat entdeckt. Diese Stoffe werten wir ebenfalls aufgrund möglicher Auswirkungen auf das Hormonsystem ab. Beide haben in Zellversuchen entsprechende Hinweise gezeigt. Homosalat steht darüber hinaus im Verdacht, Nieren, Leber und Schilddrüse zu schädigen.

    Warum stecken UV-Filter in Bodysprays?

    Stellt sich die Frage, warum enthalten Bodysprays überhaupt UV-Filter? Unsere Haut schützen sie damit nicht vor Sonnenbrand – dafür ist die Konzentration zu gering. Einen Hinweis liefern die durchsichtigen Flaschen der drei Produkte.

    Die Hersteller wollen durch den Einsatz von UV-Filtern verhindern, dass ihre Produkte schlecht werden – Düfte sind besonders empfindlich dafür, bei zu viel Lichteinwirkung zu kippen. Eine einfache und deutlich weniger gesundheitsschädliche Lösung wäre aber wohl eine lichtundurchlässige Verpackung.

    Weitere kritische Inhaltsstoffe in Bodysprays

    Bei einem Bodyspray im Test sind wir noch nicht am Ende der langen Liste der Kritik angekommen: Knapp 13.000 mg/kg Diethylphthalat (DEP), wie es die Laboranalyse darin zutage gefördert hat, sehen wir selten. 

    Zum Vergleich: Unsere Abwertungsgrenze liegt um den Faktor 130 niedriger bei einer Menge von 100 mg/kg. Es steht zu vermuten, dass DEP absichtlich als Vergällungsmittel des enthaltenen Alkohols oder Trägersubstanz für die Duftstoffe eingesetzt wurde. Allerdings wird auch DEP derzeit von der ECHA aufgrund möglicher hormoneller Wirkung geprüft.

    Die Reihe problematischer Substanzen komplettieren PEG-Verbindungen, von denen einige die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen können, in einigen Bodysprays wie auch vereinzelt das Antioxidans Butylhydroxytoluol (BHT). BHT steht im Verdacht, wie ein Umwelthormon zu wirken und die Schilddrüsenfunktion zu beeinträchtigen.

    Diesen Test haben wir zuletzt im ÖKO-TEST Magazin 8/2023 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch für 2024 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben. 

    Weiterlesen auf oekotest.de:

    Wir haben diese Produkte für Sie getestet

    Testverfahren

    Für unseren Test haben wir 16 Bodysprays eingekauft, drei davon tragen das Natrue-Label für zertifizierte Naturkosmetik. Die Produkte werden auch unter Namen wie "Frischespray", "Wasserspray", "Body Mist" oder "Body Splash" verkauft. Es landeten Eigenmarken von Drogerien, Produkte aus dem Onlinehandel sowie Marken namhafter Kosmetikhersteller in unserem Einkaufskorb. Für 100 Milliliter, auf die wir alle Sprays zur besseren Vergleichbarkeit umgerechnet haben, zahlten wir zwischen 97 Cent und 35,80 Euro.

    Im Labor ließen wir die Produkte auf Diethylphthalat, allergieauslösende Duftstoffe, polyzyklische und Nitromoschusverbindungen sowie Cashmeran analysieren. Auch Formaldehyd/-abspalter und halogenorganische Verbindungen standen auf dem Prüfprogramm. Per Deklaration erfassten wir PEG/PEG-Derivate, Butylhydroxytoluol (BHT), UV-Filter, Paraffine und Silikone sowie (weitere) synthetische Polymere. War der UV-Filter Octocrylen deklariert, untersuchte ein Labor das Produkt auf Benzophenon, welches sich daraus mit der Zeit als Abbauprodukt bilden kann. Stand "Calcium Aluminium Borosilicate" in der Inhaltsstoffliste, beauftragen wir eine Analyse auf Schwermetalle und weitere Elemente.

    Darüber hinaus ließen wir die Flaschen und Pumpspender aus Plastik auf PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen untersuchen und fragten bei den Herstellern nach, ob und zu welchem Anteil ihre Kunststoffverpackungen aus recyceltem Plastik bestehen.

    Bewertungslegende

    Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt.

    Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: Moschus-Keton. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) ein gemessener Gehalt von mehr als 10 mg/kg polyzyklische Moschusverbindungen (hier: Galaxolid [HHCB]; in der Tabelle "künstlicher Moschusduft") und/oder Cashmeran, falls nicht schon wegen Moschus-Keton um vier Noten abgewertet wurde; b) PEG/PEG-Derivate; c) ein gemessener Gehalt von mehr als 100 mg/kg DEP; d) bedenkliche UV-Filter (hier: Benzophenon-3, Ethylhexylmethoxycinnamat, Homosalat); e) deklarationspflichtige Duftstoffe, die Allergien auslösen können (hier: Cinnamal, Isoeugenol).

    Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) deklarationspflichtige Duftstoffe, die Allergien auslösen können (hier: Hydroxycitronellal); b) BHT; c) bedenkliche UV-Filter (hier: Octrocrylen), falls nicht schon wegen bedenklicher UV-Filter um zwei Noten abgewertet wurde.

    Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um zwei Noten: Synthetisches Polymer als weitere Kunststoffverbindung (hier: Acryl- und/oder Methacryl-[Co- und Cross-]polymere). Zur Abwertung um eine Note führt: ein Anteil von Rezyklaten (Post-Consumer-Rezyklat, PCR) von weniger als 30 Prozent in Relation zum Gesamtgewicht der Kunststoffverpackung, keine Angabe hierzu und/oder kein ausreichender Nachweis auf unsere Nachfrage hierzu.

    Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "ausreichend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben.

    Testmethoden

    Testmethoden (je nach Zusammensetzung der Produkte): Deklarationspflichtige Duftstoffe: DIN EN 16274:2021-11 (mod.), GC-MS; nach Zugabe von Wasser und organischem Lösungsmittel werden die Allergene durch Flüssig-Flüssig-Extraktion aus den Proben extrahiert. Ein Aliquot des organischen Extrakts wird mit GC-MS analysiert. Diethylphthalat/Polyzyklische Moschus- und Nitromoschus-Verbindungen/Cashmeran: Extraktion mit TBME, GC-MS. Formaldehyd/-abspalter: saure Wasserdampfdestillation, Derivatisierung mit Acetylaceton, Ausschütteln mit n-Butanol und Bestimmung mittels Fotometrie. Halogenorganische Verbindungen: a) Heißwasserextraktion mit anschließender Zentrifugation und Membranfiltration, Festphasenextraktion (SPE), Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts; b) Extraktion mit Essigester, Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. Elemente: Totalaufschluss in der Mikrowelle, Bestimmung mittels ICP-MS. Benzophenon: Extraktion mit THF/ Methanol; LC-MS/MSPVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse.

    Einkauf der Testprodukte: Mai 2023.

    Diesen Test haben wir zuletzt im ÖKO-TEST Magazin 8/2023 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch für 2024 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben. 

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