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Bedenkliche Inhaltsstoffe in Kosmetik: Bei diesen Zutaten sollten Sie hinschauen

Magazin November 2020: So gesund ist Speiseöl | Autor: Heike Baier | Kategorie: Kosmetik und Mode | 02.12.2020

Inhaltsstoffe in Kosmetik: Nicht alle sind unbedenklich.
Foto: Natali Brillianata/Shutterstock

Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass Kosmetika frei von Problemstoffen sind. Das zeigen zahlreiche unserer Tests. Wir finden: Gute Kosmetik sollte pflegen und ohne Substanzen auskommen, die Mensch und Umwelt schaden. Wir geben Tipps, worauf Sie beim Einkaufen achten können. 

Kosmetikprodukte wie Cremes, Shampoos und Lotions stehen nahezu in jedem Badezimmer. Sie sollen Haut und Haare pflegen. Das Problem: Viele enthalten Inhaltsstoffe, die gesundheitlich bedenklich sind oder negative Auswirkungen auf die Umwelt haben. Naturkosmetik zeigt, dass es besser geht: Sie verzichtet bewusst auf die folgenden Problemstoffe oder setzt auf ökologischen Anbau. 

Bei diesen Inhaltsstoffen sollten Sie genauer hinschauen: 

  1. Konservierungsmittel
  2. UV-Filter
  3. Duftstoffe
  4. Silikone
  5. Mikroplastik und flüssige Kunststoffe
  6. Palmöl
  7. Aluminium

Inhaltsstoffe in Kosmetik: Welche sind problematisch? 

1. Konservierungsmittel

Konservierungsmittel in Kosmetik sorgen dafür, dass sich Bakterien, Hefe oder Schimmel nicht über die Maßen in Cremes, Shampoos und Lotions vermehren, sobald Luft in die Cremedose kommt oder ein Finger hineinstippt. Nur: Längst nicht alle Mittel, die konventionelle Kosmetik konservieren, sind gesundheitlich unbedenklich.

ÖKO-TEST kritisiert etwa halogenorganische Verbindungen. Das ist eine Stoffgruppe von rund 1.000 Substanzen, die Brom, Jod oder (meistens) Chlor enthalten. Viele von ihnen gelten als allergieauslösend, manche erzeugen Krebs und fast alle reichern sich in der Umwelt an.

Eine dieser Verbindungen ist Triclosan – ein Stoff, der als Desinfektionsmittel im Gesundheitswesen eingesetzt wird. Obwohl lange bekannt ist, dass Triclosan die Gesundheit schädigen kann und Resistenzen von Bakterien gegen Antibiotika fördert, darf die Substanz noch immer in einigen Kosmetikprodukten eingesetzt werden – in geringer Höchstkonzentration von 0,3 Prozent.

Erlaubt ist der Bakterienkiller noch in Zahnpasten, Seifen, Duschgels, Gesichtspuder, Abdeckcremes oder Deo-Stiften. Besonders wenn das Produkt als "antibakteriell wirksam" beworben wird, lohnt ein Blick in die Deklarationsliste.

Sonnenschutz ist wichtig für die Hautgesundheit. Einige UV-Filter sind jedoch bedenklich.
Sonnenschutz ist wichtig für die Hautgesundheit. Einige UV-Filter sind jedoch bedenklich. (Foto: Lea Rae/Shutterstock)

Bei einigen bedenklichen Konservierungsstoffen hat die EU-Kommission in den vergangenen Jahren den Einsatz in Kosmetika beschränkt. Etwa längerkettige Parabene wie Butyl- und Propylparaben, die in Verdacht stehen, wie ein Hormon zu wirken und im Tierversuch fortpflanzungsgefährdend waren. Diese Substanzen sind nun in Cremes oder Salben, die im Windelbereich von Kindern unter drei Jahren eingesetzt werden und dort auf der Haut verbleiben, generell verboten. Für alle restlichen Kosmetika gelten Höchstkonzentrationen.

Auch Formaldehyd, früher ein häufig eingesetzter Bakterienkiller, ist mittlerweile aus der Körperpflege verbannt. Allerdings gilt das Verbot nicht für Formaldehydabspalter, die ÖKO-TEST immer wieder in Kosmetika findet. Diese enthalten Formaldehyd in gebundener Form und können es nach und nach freisetzen.

Umgekehrt war das Konservierungsmittel Polyaminopropyl Biguanide (PHMB) eigentlich schon verboten. Der Wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit der Europäischen Union (SCCS) hat den Stoff bis zu einer Konzentration von 0,1 Prozent jedoch nun wieder als sicher eingestuft. Nach Chemikalienrecht gilt PHMB als krebsverdächtig. ÖKO-TEST wertet den Stoff ab.

Mineralische UV-Filter sind besser als chemische

2. UV-Filter

Zu viel Sonne begünstigt Hautkrebs. Aber leider können es auch Sonnenschutzmittel in sich haben. ÖKO-TEST kritisiert seit Jahren hormonell wirksame chemische Lichtschutzfilter. Chemische Filter dringen in tiefere Hautschichten vor und wandeln dort die UV-Strahlen in ungefährliche Wärmestrahlung um. Sie gelangen aber auch in den Blutkreislauf, wie eine aktuelle Studie der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA zeigt.

Und einige nach wie vor zugelassene Filter stehen im Verdacht, das Hormonsystem zu stören sowie die Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen. Hinweise daraufhin liefern sowohl Tier- als auch Zellversuche. Die EU hat nun fünf UV-Filter auf den Prüfstand gestellt und bewertet sie wegen des Verdachts auf eine hormonelle Wirkung derzeit neu. Darunter Octocrylen und Homosalat, die wir in unserem aktuellen Test von Kinder-Sonnencremes in zahlreichen Produkten fanden.

ÖKO-TEST rät nach wie vor zu Sonnencremes mit mineralischen Lichtschutzfiltern wie Zinkoxid oder Titandioxid, wie sie Naturkosmetikhersteller ausschließlich verwenden. Zwar ist auch Titandioxid ins Gerede gekommen – als "vermutlich krebserregend" gilt es aber nur, wenn es eingeatmet wird. Deshalb ist es in Nano-Form als Spray verboten.

Aus Cremes kann Titandioxid über intakte Haut jedoch nicht in den Körper gelangen, so die Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Denn mineralische Filter bleiben als Barriere auf der Hautoberfläche und reflektieren von dort die UV-Strahlung. Das gilt nach jetzigem Wissensstand selbst für kleinste Teilchen in Nano-Größe.

Inhaltsstoffe in Kosmetik: Konservierungsstoffe und Duftstoffe können beispielsweise problematisch sein.
Inhaltsstoffe in Kosmetik: Konservierungsstoffe und Duftstoffe können beispielsweise problematisch sein. (Foto: White bear studio/Shutterstock)

Das Problem mit Duftstoffen und Silikonen 

3. Duftstoffe

Hinter der Bezeichung "Parfum" können sich hunderte verschiedener Duftstoffe verbergen. Immerhin 26 davon muss die Industrie auf der Verpackung angeben, wenn sie bestimmte Konzentrationen überschreiten. Dabei ist es egal, ob sie synthetisch hergestellt wurden oder aus natürlichen ätherischen Ölen stammen. Doch nicht alle dieser 26 Duftstoffe sind gleich problematisch, und ÖKO-TEST wertet deshalb nicht alle ab.

Doch einige sind nicht ohne Risiko: So kann der Aromastoff Cumarin laut BfR bei empfindlichen Personen zu Leberschäden führen. Und der synthetische Duftstoff Lilial – als "Butylphenyl Methylpropional" deklariert – hat sich in Tierversuchen als fortpflanzungsschädigend erwiesen und ist von der EU mit einem Grenzwert belegt.

Zu den Duftstoffen, vor denen ÖKO-TEST seit Jahren warnt, gehören auch Nitromoschus-Verbindungen, die nur noch eingeschränkt zugelassen sind, sowie die polyzyklischen Moschusverbindungen. Sie reichern sich im menschlichen Fettgewebe an, bauen sich in der Umwelt schlecht ab und gelten als gewässergefährdend. Für Verbraucher sind sie nicht zu erkennen, da polyzyklische Moschusverbindungen nicht deklarationspflichtig sind. Für einige gelten nicht einmal Grenzwerte.

4. Silikone

Silikone stecken in vielen Kosmetika: Sie glätten die Haare, sorgen dafür, dass sich Bodylotion gut verteilen lässt oder dass Lippenstift lange hält. Wir kritisieren sie dennoch.

Grund eins: Der Pflegeffekt der synthetischen Stoffe ist gleich null. Silikone in Shampoos und Spülungen machen das Haar zwar glänzend und leicht kämmbar, weil sie es mit einem Film umhüllen und brüchige Stellen ausgleichen. Das BfR hat zwar keine Hinweise darauf gefunden, dass Silikone gesundheitlich bedenklich sind. Aber sie integrieren sich nicht so mühelos ins Gleichgewicht der Haut wie natürliche Öle und können etwa auf der Kopfhaut die Schuppenbildung verstärken.

Der zweite Grund: Silikone sind biologisch schwer abbaubar. Sie gehören zur großen Gruppe der synthetischen Polymere. Weil deren langfristige Folgen für Mensch und Umwelt noch zu wenig erforscht sind, plädieren Experten dafür, vor allem schwer abbaubare Verbindungen vorsorglich zu vermeiden.

Ein Teilerfolg ist es deshalb, dass seit Jahresanfang die langlebige zyklische Silikonverbindung D4 (Cyclotetrasiloxane) in der EU reglementiert ist: In abwaschbarer Kosmetik wie Shampoo oder Duschgel dürfen Hersteller sie nur noch in einer Höchstkonzentration von 0,1 Prozent einsetzen. Immer mehr Kosmetikmarken verzichten indes freiwillig auf Silikone. Und in Naturkosmetik sind sie ohnehin tabu, ebenso wie die übrigen synthetischen Polymere.

Mikroplastik ist ein großes Umweltproblem.
Mikroplastik ist ein großes Umweltproblem. (Foto: Eric Dale/Shutterstock)

5. Mikroplastik und flüssige Kunststoffe

Die gute Nachricht: Das Problem mit den winzigen festen Plastikteilchen ist kleiner geworden, seit die Industrie einen freiwilligen Verzicht auf sogenanntes Mikroplastik angekündigt hat. Die schlechte: Noch immer steckt es in Produkten, die nicht von der Haut abgespült werden – etwa in dekorativer Kosmetik. Denn für diese gilt die Selbstverpflichtung nicht.

Vor allem: Synthetische Polymere in flüssiger Form sind nach wie vor Standard in konventionellen Kosmetika – in ungleich größerer Menge. Umweltverbände schlagen Alarm. Denn unter beiden Formen – fest und flüssig – sind Verbindungen, die sich sehr langsam in der Umwelt abbauen. 

Mehr dazu lesen Sie hier: Kosmetik: Das Problem mit den flüssigen Kunststoffen

Palmöl als Inhaltsstoff in Kosmetik ist fragwürdig

6. Palmöl

Palm- und Palmkernöl sind in die Kritik geraten, denn die Nachfrage fordert einen hohen ökologischen Preis. Vor allem in Indonesien, das zusammen mit Malaysia rund 90 Prozent des weltweit gehandelten Palm- und Palmkernöls liefert, wurden in den vergangenen Jahrzehnten große Flächen an Regenwald abgeholzt, um dort in Monokulturen Ölpalmen anzubauen.

Die Vernichtung des wertvollen Lebensraumes, vertriebene Anwohner und die Klimabelastung durch Brandrodungen sind nur einige der Folgen. Trotzdem kann die Kosmetikindustrie nur schwer auf Palmöl und Palmkernöl verzichten, die Grundstoffe für Tenside und Emulgatoren sind.

Auch Naturkosmetik ist auf die Produkte aus der Ölpalme angewiesen, weil es bisher keine vergleichbaren Alternativen aus natürlichen Rohstoffen gibt. Und ein Austausch durch andere Öle ist auch kein Weg aus dem Dilemma, wie eine Studie der Naturschutzorganisation WWF zeigt. Denn Ölpalmen liefern pro Hektar mehr als den vierfachen Ertrag im Vergleich zu anderen Ölfrüchten wie Raps oder Sonnenblumen.

"Wer das Palmölproblem lösen will, muss die Anbaubedingungen verbessern und die Nachfrage senken", so der WWF. Einige Naturkosmetik-Firmen machen einen Anfang und beziehen Palmöl aus nachhaltigem, kontrolliert biologischem Anbau. Zumindest für einige Produkte.

Weitere Infos dazu: Palmöl: Warum der vielfältige Rohstoff so viele Probleme hat

Palmöl ist in die Kritik geraten, weil der Anbau einige negative Folgen mit sich bringt.
Palmöl ist in die Kritik geraten, weil der Anbau einige negative Folgen mit sich bringt. (Foto: Suwit Ngaokaew/Shutterstock)

7. Aluminium

Aluminium ist quasi überall: Zum natürlichen Gehalt in Trinkwasser und Lebensmitteln addiert sich Aluminium, das sich aus Alu-Verpackungen herauslöst, Aluminium aus Arzneimitteln oder eben aus Kosmetik. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) empfiehlt, wöchentlich nicht mehr als ein Milligramm Aluminium je Kilogramm Körpergewicht aufzunehmen.

Als erwiesen gilt, dass hohe Aluminiumdosen beim Menschen Schädigungen des Nervensystems zur Folge haben. Auch mit einem erhöhten Risiko für Brustkrebs und Alzheimer wurde das Leichtmetall immer wieder in Verbindung gebracht.

Bis vor Kurzem warnte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) noch, dass die wöchentlich tolerierbare Aluminium-Aufnahme "bereits durch die Verwendung aluminiumhaltiger Antitranspirantien [d.h. Deos] auf gesunder Haut ausgeschöpft oder deutlich überschritten werden" könne.

Ist Aluminium ein problematischer Inhaltsstoff?

In diesem Sommer korrigierte die Behörde ihre Einschätzung im Lichte neuer Daten: Bei der Verwendung eines Antitranspirants gelange sehr viel weniger Aluminium über die Haut in den Körper als bisher angenommen. Zu dieser Auffassung kam das EU-Beratergremium für Verbrauchersicherheit (SCCS) bereits Ende 2019 und gab auch für mutmaßlich krebserregende Eigenschaften von Antitranpirantien Entwarnung. Das BfR bleibt jedoch bei der Feststellung, dass die Gesamtbelastung durch Aluminium in einigen Bevölkerungsgruppen zu hoch sei.

Aluminiumhaltige Inhaltsstoffe können auch in metallisch glänzenden Kosmetika wie Lidschatten, Nagellack und Eyeliner vorkommen, ebenso wie in Lippenstiften und Haarfärbemitteln. Verbraucherinnen und Verbraucher, die weiterhin lieber auf Kosmetik ohne Aluminiumsalze zurückgreifen wollen, können diesen Rezepturbestandteil auf der Inhaltsstoffliste unter der Bezeichnung "Aluminiumchlorhydrat" erkennen.

In Naturkosmetik ist chemisch gewonnenes Aluminiumsalz übrigens verboten. Einige Naturkosmetikhersteller nehmen stattdessen Alaun, ein natürlich vorkommendes Aluminiumsalz. Es ist etwa als "Ammonium-Alum" oder "Potassium Alum" deklariert.

Weiterlesen auf oekotest.de:

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